Kalifornien Tag 11: San Francisco Teil 1

Ich muss gestehen, dass mir der Start in den elften Tag unserer Kalifornien-Tour nicht wirklich leicht fiel. Weniger als 6h Schlaf stellen nicht unbedingt das Optimum dar, wenn man in einen wirklich vollgepackten Tag startet. Dank des erfolgreichen Besuchs im Safeway am Vorabend (quasi auf den letzten Drücker) konnten wir den akuten Hunger aber zumindest einigermaßen wirksam bekämpfen. Unsere Unterkunft in San Francisco ist ein weiteres Mal eine Ferienwohnung – dieses Mal aber über VRBO gebucht. Die Wohnung heißt „Nautical Cottage“ und ist auch genauso eingerichtet. Alles (Poster, Bilder, Deko bis hin zur Bettwäsche) erinnert an Seefahrt und Segeln, was von der Szenerie her natürlich sehr schön ist. Leider ist die Residenz ziemlich kompakt, was zwei Weltenbummlern mit großem Gepäck schon etwas an ihre Grenzen bringt; auch das Fehlen einer vollwertigen Küche schmerzt.

Wie dem auch sei, gegen 07:45 kletterten wir in den Camaro, überredeten nach einer kurzen Phase der Irritation sein Verdeck dazu sich öffnen und steuerten den Chevy direkt in Richtung San Francisco. Die Fahrt über die Brücke in der Morgensonne ist dabei ein durchaus tolles Erlebnis, welches jedoch für den Beifahrer mehr Impressionen bereithält, als für den Steuermann (die Spuren über die Brücke sind für amerikanische Verhältnisse erstaunlich schmal). Direkt nach dem Wahrzeichen der Stadt geht es dann über kleinere Straßen in Richtung Hafenbereich / Pier 39. Zwei Dinge sind mir in diesem Kontext sehr negativ aufgefallen: Erstens ist der Verkehr in und um San Francisco meiner Meinung nach der Unangenehmste in ganz Kalifornien. Viele Menschen fahren hier extrem aggressiv, sehr wenig rücksichtsvoll und überaus hektisch. Das Tempolimits großzügig ignoriert werden (+20 MPH drüber und mehr), versteht sich von selbst. In LA braucht man nur Geduld, in San Francisco hingegen starke Nerven. Zweitens machen es die ausgeprägten Steigungen und Gefälle teilweise sehr schwierig den Querverkehr adäquat einzuschätzen. Insbesondere aus der recht flachen Camaro-Flunder heraus ist es daher eher ein Raten, als ein Wissen, ob denn nun von links jemand kommt. Das macht nicht so richtig Spaß .. oder das tut es doch, und es liegt an meinem Schlafmangel oder der leichten Erkältung.

In jedem Fall sind die Steigungen in San Francisco extremer, als man sich das vorstellen würde und jenseits dessen, was man intuitiv „alltagstauglich“ nennen würde. Teilweise sieht man beim Fahren nur noch ein ganz klein wenig Asphalt und dafür umso mehr Himmel. An anderen Abschnitten geht es derart steil bergab, dass ein gewisses Vertrauen zu den Bremsen Grundvoraussetzung ist. Die Motorbremse ist jedenfalls selbst im zweiten Gang absolut wirkungslos. Vor dem Hintergrund dieser Schilderungen ist es sicher verständlich, warum es vorgeschrieben ist, Fahrzeuge am Hang stets mit eingeschlagenen Reifen zu parken.

Wir stellten den Camaro hingegen in einem unamerikanisch kleinen, aber sehr gut gelegenen und äußerst preiswerten Parkhaus (12$ als sog. „Early Bird“, bei Einfahrt bis 09:00 Uhr und Ausfahrt vor 18:00 Uhr) ab und begaben uns zielgerichtet zum Pier 33, um unsere Alcatraz Tour (Abfahrt geplant für 09:10 Uhr, Boarding 30 Minuten vorher) zu beginnen. Sobald man auf den „Vorplatz“ des Anlegers erreicht, ist man dabei im Epizentrum der touristischen Erschließung der Gefängnisinsel angekommen. In vielen großen Reihen werden die vorgebuchten Besucher der nächsten zwei bis drei Touren zusammengepfercht und auf ihren Transport zu Insel vorbereitet. Hat man keine Tickets zuvor gekauft, hätte man frühstens ins vier Tagen (!) an der Tour teilnehmen können oder auf sein Glück in der Schlange für die Warteliste vertrauen müssen. Man könnte auch sagen: Die Alcatraz-Touren laufen auf 100%. Genau so fühlt man sich dann auch. Ständig wird man gegängelt, angehalten sich zu beeilen und auf keinen Fall stehen zu bleiben. Dieser Eindruck bessert sich erst, wenn man auf der Insel angekommen ist und dem Strom der ankommenden Besucher ein wenig Vorsprung gegeben hat. Dann nervt zwar noch die Bahn, welche Menschen mit eingeschränkter Mobilität vom Dock aus zum Zellentrakt fährt und dabei ständig hupt, aber das lernt man nach einigen Minuten zu ignorieren.

Sobald es etwas ruhiger wird, begreift man, wie faszinierend der Besuch auf der Gefängnisinsel eigentlich ist. Man befindet sich mitten in der Bucht, hat in alle Richtungen eine fantastische Aussicht und kann zudem jenen Ort näher erkunden, an dem einige der bekanntesten Verbrecher der USA inhaftiert waren. Durch diverse Filme (v.a. The Rock) hat man natürlich schon eine gewisse Vorstellung von der Anlage, welche nebenbei gesagt erstaunlich umfassend erfüllt wird. Richtig spannend wird es im Zellentrakt – jenem Gebäude, welches nach wie vor im aktuellen Zustand erhalten wird und im Prinzip das Zentrum der Gefängnisinsel darstellt. Hier erhält man die Geräte für eine individuell durchgeführte Audio-Tour, die wirklich extrem empfehlenswert ist. Meiner Meinung nach sollte man auch keine Scheu davor haben die deutsche Version zu wählen, denn die Übersetzung bzw. Vertonung ist hervorragend gemacht und man hat keine Schwierigkeiten ihr inhaltlich zu folgen. So wird man Stück für Stück durch den Zellentrakt geführt und erfährt Wissenswertes u.a. über berühmte Insassen, Ausbruchsversuche, das Leben auf der Insel und den Gefängnisalltag. Durch die punktuelle Einspielung von authentischen Hintergrundgeräuschen wird das Erlebte wesentlich intensiver und spätestens wenn man mal einige Augenblicke in einer Isolationshaft-Zelle verbracht hat, versteht man, warum das Thema Flucht für scheinbar sehr viele Insassen eine zentrale Rolle spielte. Offiziell gelang es übrigens nur einer aus drei Männern bestehenden Gruppe das Gefängnis lebendig zu verlassen. Ob sie in den Fluten rund um Alcatraz ertrunken sind oder es vielleicht doch nach Südamerika geschafft haben, ist bis heute nicht bekannt. Die Tour dauert rund 90 Minuten, anschließend kann man sich so lange man möchte frei auf den zugänglichen Bereichen der Insel (das sind womöglich weniger, als man vermuten würde) bewegen. Nach etwas über 2h glaubten wir alles gesehen zu haben und traten die Rückreise via Schiff gen Festland an. Auch hier wieder langes Anstehen und vergleichsweise wenig serviceorientierte Behandlung .. dies hat den Eindruck des Events insgesamt dann doch etwas getrübt.

Anschließend besuchten wir das Pier 39, einen touristisch extrem intensiv erschlossenen Bereich des Hafens. Futterstände, Restaurants und Souvenir-Läden drängen sich hier dicht an dicht und man gewinnt den Eindruck, dass sich San Francisco selbst als Markte etabliert hat und jeder zweite ein Teil dieser Kollektion tragen muss. Heftig. Wesentlich schöner und unterhaltsamer sind die Seelöwen, die in der Sonne liegen, sich versuchen gegenseitig von den Plattformen zu schubsen und scheinbar unbehelligt von allen Touristenströmen das Leben genießen – sehr nett. Unser nächster Stopp bestand in der Endstation einer Cable Car-Linien, von welcher wir aus eine kurze Stadtbesichtigung mittels dieser außergewöhnliche Fahrzeuge starten wollten. Leider hatten wir etwas Pech, denn die Linie stand über 15 Minuten still, nach denen wir die Geduld verloren und zu Fuß aufbrachen. Die im Anschluss zurückgelegten Kilometer halfen zwar viele interessante Eindrücke der Stadt zu gewinnen (sie erinnert mich übrigens ein wenig an ein riesiges Stuttgart), waren körperlich jedoch unerwartet anstrengend. Es war heißer als gedacht und steiler als erhofft, so dass wir schon gut gefordert waren. Außerdem gestaltete sich die Navigation mittels des touristischen Faltplans als ein wenig „schwierig“, so dass wir den ein oder anderen winzigen Umweg nahmen. Nach einem Abstecher zur legendären Lombard Street erreichten wir jedoch ultimativ unser eigentliches Ziel: Den Cable Car Barn bzw. das Cable Car Museum. Hier kann man neben einer historischen Ausstellung auch die „Umlenkrollen“ und den Antrieb der vier Linien (dieser erfolgt jeweils zentral, vom Cable Car Barn aus) besichtigen. Ist das nicht ein total faszinierender und irgendwie auch abwegiger Gedanke? Da gibt es ein großes Gebäude, in dem stehen vier Motoren und die treiben über diverse, in der ganzen Stadt verteilte Umlenkrollen ein geschlossenes System an, dass mit konstant 9,55 Meilen pro Stunde bis zu 10t schwere Waggons durch die Straßen zieht? Steht man übrigens auf der Straße neben einer Cable Car Linie, kann man das knapp unter dem Asphalt verlaufende (nicht sichtbare) Seil bzw. dessen Bewegung ganz deutlich hören. Die großen Räder im Cable Car Museum, dessen Besuch im Übrigen kostenlos ist, zu sehen, hat mich enorm fasziniert. Auch durch den Geruch der Anlage sowie die Aussichten auf das Wartungspersonal und den Steuerstand ergibt sich ein extrem authentischer Eindruck, der so sicherlich nicht alltäglich ist. Sollte man unbedingt mal gesehen haben!

Vom Cable Car Barn aus spazierten wir durch China Town (wow .. das ist auch authentisch und kann schon einen ziemlichen Kulturschock darstellen) und anschließend hoch zum Coit Tower. Von diesem aus hat man – wie eigentlich von überall in San Francisco – einen fantastischen Blick auf die Stadt und die Bucht. Eine Besichtigung im eigentliche Sinne, also mit Aufstieg nach oben, mussten wir uns aus Zeitgründen verkneifen – auch hier hätte man signifikante Wartezeiten akzeptieren müssen. So spazierten wir langsam zurück in Richtung Hafengebiet, um anschließend bei einem extrem leckeren Ben & Jerrys Hot Fudge Core Sundae den Blick auf den Trubel im und um das Wasser zugenießen. Danach verließen wir das sichere Parkhaus und fuhren zum Place of Fine Arts, einem ziemlich gediegenen Park in der Nähe der Golden Gate Bridge. Hier bewunderten wir die mächtigen Bauten und unternahmen anschließend einen Abstecher zu Crissy Field, einem Strand mit perfekter Sicht auf die Bay Area (inkl. Golden Gate Bridge), der von Joggern und Kitesurfern gleichermaßen geschätzt wird. Insbesondere letztere geben schon ein tolles Bild ab, wenn sie mehrere Meter durch die Luft fliegen oder (wie heute gesehen) mit neuartigen Boards nahezu dauerhaft über dem Wasser schweben (dabei bleibt nur eine kleine „Flosse“ im Wasser).

Danach wurde es Zeit erneut über die Golden Gate Bridge zu fahren, um einen der beliebten Aussichtspunkte für den Sonnenuntergang anzusteuern. Diese sind derart begehrt, dass es – große Überraschung – gegen 18:15 Uhr natürlich keine Parkplätze mehr gibt. Also hoffen, warten, wenden, nochmal warten, fluchen, weiterfahren und anschließend über einen ca. 1km langen Trail mehr oder weniger zügig den Berg hochhetzen. Dort angekommen bietet sich eine faszinierende Sicht auf die Brücke und die Bucht, wobei wir heute wettertechnisch wirklich viel Glück hatten und keinerlei Seenebel das beeindruckende Panorama störte. Uns blieben ca. 10 Minuten bevor die Sonne langsam hinter dem Berg versank – genug Zeit für ein paar schöne Schnappschüsse, aber definitiv keine Gelegenheit zum Durchatmen. Danach wanderten wir zurück ins Tal, um gegen 20:00 Uhr und mit rund 30.000 Schritten an diesem Tag unter unseren Sohlen den Abend zu beginnen.

Morgen werden wir nochmals einige Stunden in San Francisco bzw. dem Golden Gate Park verbringen, bevor wir anschließend über einige Zwischenstationen nach Monterey / Carmel fahren. Mal schauen, ob wir dort mal wieder für einige Minuten zur Ruhe kommen können..

Kalifornien Tag 6,7 & 8: Las Vegas – A City Out Of This World

Long time no talk würde man hier sagen – lange nichts voneinander gehört. Nun, dass liegt wahrscheinlich daran, dass die Tage sechs, sieben und acht unserer Rundreise durch Kalifornien ganz im Weichen der Wüstenmetropole Las Vegas standen und diese – gemäß eines oft verwendeten Claims – außerhalb dieser Welt liegt. Dies bedeutet, dass man (zumindest von San Diego aus) über 5h Anreise quer durch die Wüste kalkulieren muss und wir einen ähnlichen Zeitrahmen für die Weiterfahrt zum Sequoia National Park benötigen. Ohne  vorgreifen zu wollen, war der Ausflug in die Mitte des Nichts jedoch jeden Kilometer und jede Stunde wert.

Die Fahrt nach Las Vegas selbst verläuft unspektakulär bis erdrückend. Sobald man Los Angeles in östlicher Richtung verlässt, nimmt die Bevölkerungsdichte ab. Kilometer für Kilometer wird auch die Natur grauer, einheitlicher und lebloser, so dass man sich (insbesondere ab Barstow) schon mal etwas verloren fühlen kann. Bedingt durch die „großzügigen“ Tempolimits in den USA darf man an keiner Stelle der Wüste schneller als 70 Meilen pro Stunde – weniger als 113 km/h – fahren. Sollte der Bedarf für eine temporäre Tempoerhöhung, z.B. für einen Überholvorgang eines Trucks bestehen, fängt ab 75 Meilen pro Stunde das Kombiinstrument unseres Ford Mustangs an zu piepen – es wurde eine erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 80 Meilen pro Stunde eingestellt. Ist das nicht verrückt? Ein über 300 PS starkes Fahrzeug, dass bei kaum 120 km/h abgeriegelt ist. Nach viel Nichts, vereinzelten Tankstellen und viel Geduld kommen dann noch 1,2 Gefängnisse in Sichtweite der Interstate, bevor plötzlich tiefer gelegen eine Skyline mit vielen Einheitsbauten darum auftaucht: Las Vegas ist in Sicht. Die letzten ca. 20km sind dann schnell zurückgelegt, kommen doch die Silhouetten der berühmten Hotels & Casinos immer näher. Auch die Fahrt zum Ort unserer Übernachtung – dem Wynn – könnte einfacher kaum sein (ich hab es dennoch geschafft mich einmal zu verfahren), muss man doch nur von der Interstate abfahren, kurz einer ich denke 5 spurigen Straße folgen, dann links abbiegen, an der zweiten Ampel rechts fahren und schon steht man im Self Parking Bereich des Hotels. Da wir das Auto während unserer Zeit in Vegas mehrfach nutzen wollten, haben wir die Option den Valet-Service zu nutzen bewusst ausgelassen. Dies stellt im Wynn meiner Meinung nach keinen Nachteil dar – die Wege aus dem Parkhaus zu den Gäste-Aufzügen sind vergleichsweise kurz und können auch ohne Inanspruchnahme des Bell Desks problemlos mit mehreren Gepäckstücken zurückgelegt werden.

Also rein in das Hotel (ich war vorher noch nie im Wynn .. die Lage ist ja doch etwas exponierter als z.B. die des Caesars) und plötzlich ist es wieder da, dass ganze Vegas-Gefühl (siehe Beitrag vom Anfang des Jahres). Viele Menschen, noch mehr Bling Bling, überall das Jaulen, Hupen und Klingeln von Automaten .. ja, hier ist es laut .. überall. Spätestens an der Rezeption kehrt dann leichte Ernüchterung ein; auch in einem Fünf-Sterne-Haus muss man einige Minuten auf den Check-In warten (im Vergleich zu dem was wir z.B. im Bellagio gesehen haben allerdings alles noch im Rahmen). Dieser verläuft dann weitestgehend unaufgeregt, bevor die Phase der Neugier beginnt. Wie hoch wird unser Zimmer liegen? Wie modern wird es sein? Wie ist die Aussicht? Das Wynn selbst gilt ja eines der pompösesten Hotels am Strip und legt – nach eigener Aussage – viel Wert auf Exklusivität und Luxus. Dies kann man in nahezu allen Bereichen des Hotels glaubhaft nachvollziehen. Der Casino-Bereich wirkt freundlich, die Servicekräfte recht stilvoll gekleidet, die verbauten Materialen sind sehr hochwertig, alles ist sauber und gepflegt und die gesamte Anlage (Eröffnungsjahr: 2005) vermittelt einen modernen Eindruck. Auch unser Zimmer hat uns nicht enttäuscht: 32. Etage (von 60) mit einer tollen Sicht auf den Strip und das Gelände vor dem Hotel inklusive großem, künstlichen Wasserfall (zur Erklärung: Der Wasserfall gehört zur Parasol Down Bar). Auch die Innenausstattung ist absolut gelungen – stimmige Farben, großzügige Dimensionen, tolle Details & Deko und sehr hochwertige Möbel. Besonders faszinierend ist aber der Moment, wenn man das Zimmer erstmalig betritt, neben der Tür am Bedienpanel auf „All on“ drückt, die Lichter langsam heller werden und vor allem die blickdichte Gardine elektrisch zur Seite fährt und den Panorama-Blick auf den Strip freigibt – das ist schon großes Kino. Auch Menschen mit schlechter Orientierung (wie mir) kann das Wynn wärmstens empfohlen werden – anders als andere große Häuser (auch hier sei exemplarisch das Caesars genannt) sind alle Strukturen klar und gut verständlich nachzuvollziehen. Durch die relativ einfache Grundform des Bogens kann man sein Ziel nicht allzu sehr verfehlen, was hilft unnötige Meilen zu Fuß zurückzulegen. Dieser Bedarf es dann allerdings um den Strip zu erkunden. Durch die Esplanade genannte Shopping-Meile des Hotels geht es zu einer Fußgänger-Brücke, über die man zum Palazzo bzw. wunschweise zu den Grand Canal Shoppes gelangt. Durch diese kann man das gesamte Areal, an der Gondel-Strecke und dem Marcos Platz entlang bis zu Maddam Tausads zurücklegen – und unterwegs schon locker mehrere Tausend Dollar ausgeben 😉 Danach am besten ein paar Schritte weiter an der Straße entlang, diese überqueren und in die The Forum Shops at Caesars gehen. Hier gelangt man über die bekannte, spiralförmige Rolltreppe nach oben, von wo aus man der großzügigen Shopping-Mall bis zum Casino-Bereich folgen kann. Diesen bis zur pompösen Rezeption des Caesars durchquere, dort wieder kurz unter freien Himmel begeben, der Fußgänger-Brücke zum Bellagio folgen und dieses anschließend durch die Shops und den Casino-Bereich bis zum japanischen Garten besichtigen. Nun kann man das berühmte Resort mit dem Wasserspiel vor der Tür am Haupteingang verlassen und entweder nach rechts weitergehen (hier würde dann das neue City Center mit weiteren Shops folgen), oder man wendet sich nach links und bewundert den Blick über das Paris, die Eifelturm-Replik und die Fontänen. Nun hat man bereits einen relativ großen Teil des Strips gesehen, vermutlich viele Eindrücke gewonnen und war dem heißen Wetter mit seinen hitzigen Winden (und den nervigen Verkäufern am Straßenrand) so wenig wie möglich ausgesetzt.

Besonders empfehlenswert ist natürlich ein ausgiebiger Besuch der Fountains (haben wir gleich drei Mal gemacht). Diese bieten ab ca. 15:00 Uhr (bin mir da nicht sicher) bis tief in die Nacht hinein alle 30 Minuten (vor Sonnenuntergang) bzw. alle 15 Minuten (bei Dunkelheit) eine ca. 3-4 minütige, faszinierende Choreographie aus Licht, Wasser und Musik. Dies ist so schön, dass man abends meist ein paar Minuten warten muss, wenn man direkt am Geländer stehen möchte. Die Wartezeit kann man bei kühlen Getränken und / oder durch Fotos mit hübschen Damen (beides gegen kleines Geld) bedarfsweise einfach überbrücken – in Vegas ist man stets gut versorgt 😉 Dies gilt umso mehr für die unzähligen Restaurants, Bars und Snack-Stände, die allerorts auf Kontakt mit der hoffentlich großzügig ausgestatteten Kreditkarte warten. Wenn man eine tolle Zeit haben möchte und bereit ist ein wenig Geld zu investieren, gibt es dafür vermutlich keinen Ort auf dem so kompakt so viele Möglichkeiten geboten werden, wie in der Stadt der Sünde.

Nach einer ersten ausgedehnten Stadttour bestand unser Abendprogramm im Besuch des XS Nachtclubs, direkt  im Wynn. Dem Vernehmen nach ist das XS seit mehr als sechs Jahren der beliebteste Club der Stadt und es wird einiges getan, um diesen Zustand zu erhalten. So gibt es nicht nur exklusive Events (wie z.B. den Sunday Night Swim, bei dem zu guter Musik wild im Pool gefeiert werden darf), sondern auch hochkarätige DJs. Mit David Guetta, Skrillex und Avicii – um nur drei große Namen zu nennen – hat man im XS die Möglichkeit hervorragend unterhalten zu werden. So auch während unseres Besuchs, als David Guetta dem Club im Rahmen eines Sunday Night Swims wirklich gut eingeheizt hat. Dank Übernachtung im Hotel hatten wir Skip the Line Passes, was etwaige Wartezeiten (zumindest bis 23:00 Uhr) schon mal wirkungsvoll vermeidet. Trotzdem war von 22:30 Uhr bis ca. 00:00 Uhr erstaunlich wenig los. Ein paar Menschen im Pool, relativ viele leere Cabanas und Tische (alles recht teuer) und eine eher gediegene Beschallung. Trotzdem strömten fortwährend Menschen in den Club, in dem die Stimmung ab ca. Mitternacht auch merklich an Fahrt gewann. Vermutlich trugen auch die Getränke (ab ca. 14$ für den preiswertesten Cocktail) ihren Teil dazu bei, dass es langsam richtig vorwärts ging. Pünktlich um 01:30 Uhr stoppte dann die Musik und die Menge wurde laut. Ganz unvermittelt stand David Guetta – laut Forbes der zweit best verdienende DJ der Welt im Jahr 2015 – auf der Bühne und verlieh dem Abend mit seinem Song „Play Hard“ („Work Hard, Play Hard“) das passende Credo.

Wer sich die Werbevideos des XS Clubs angesehen hat und von mühsam zusammengeschnittenen Highlights aus sechs Jahren ausgeht, dem kann ich glücklicherweise versichern, dass dem nicht so ist. Durch das Zusammenspiel aus toller Architektur, sehr gutem Service, perfekter Lichtinstallation, super Soundsystem und vor allem authentisch agierenden DJs macht es wirklich Spaß im Vorzeigeclub des Wynns zu feiern. Sicherlich hatten wir auch „Glück“ (okay, wir haben natürlich bewusst das David Guetta Event gewählt und unsere Reise drumherum geplant, aber das klappt ja nicht immer) mit dem Mainact, denn die Art wie David Guetta die 2h von 01:30 Uhr bis ca. 03:30 Uhr gefüllt hat, war schon extrem mitreißend. Man hatte immer das Gefühl, dass er selbst richtig Spaß bei der Sache hat und nicht einfach nur zu mitgebrachter Konservenmusik ein wenig klatscht. Immer wieder hat er neue Spannungsmomente erzeugt, die sich dann in kräftigen Beats, begleitet von einer grellen Lichtshow, Nebelstößen und „Konfetti“ (das metallische Zeug, was bei allen großen Jubel-Momenten im TV zum Einsatz kommt und den Boden übrigens enorm rutschig macht) entladen haben. Dabei herrschte unter den Gästen größtenteils eine enorm gute Stimmung, wen man auch angelächelt hat, alle waren happy. So happy, dass man (und vor allem Frau) sich schon diverser Annäherungsversuche erwehren muss, was unterm Strich aber gut klappt.

Zusammenfassend kann man – wie man hier sicherlich merkt – das Erlebte kaum adäquat beschreiben, weshalb ich mich darauf beschränke zu sagen, dass der Abend im XS Club für mich das bisherige Highlight der Reise war. Hätten wir die Gelegenheit gehabt das Event in der nächsten Nacht zu wiederholen – und es sei es für den fünffachen Preis gewesen – ich wäre sofort dabei gewesen. An dieser Stelle noch ein Hinweis: Will man möglichst weit vorn an der Bühne dabei sein, sollte man spätestens ab 00:30 Uhr langsam anfangen sich in diesen Bereich zu begeben und dort zu bleiben. Sobald es richtig los geht, riegeln die Sicherheitsleute den Tanzbereich ab, und weisen sogar weinende Damen solange ab, bis jemand freiwillig den Rückzug antritt. In diesem Bereich gibt es für Normalsterbliche übrigens keine Gelegenheit neue Getränke zu bestellen oder den biologischen Grundbedürfnissen nachzugehen, weshalb man ggf. vorsorgen sollte. Außerdem wird es im Club naturgemäß recht laut (im Poolbereich wesentlich weniger intensiv), weshalb man auch hier entweder entsprechend planen sollte (im Zweifelsfall Ohropax) oder ein paar Stunden Taubheitsgefühl nicht zu vermeiden sind (in denen schläft man ja meist eh). Falls man im XS feiert, ist es natürlich genial im Wynn zu schlafen. Raus aus dem Club, wenige Meter bis zum Fahrstuhl gehen und nach maximal fünf Minuten kann man mit Aussicht auf den Strip mit der ägyptischen Seide im Californian King Bed kuscheln.

Außer die Nacht zum Tage zu machen, waren wir in Vegas eigentlich nur shoppen (insbesondere die Forum Shops at the Caesars beherbergen meiner Meinung nach ein paar nette Läden; auch das Premium Outlet North hat uns recht gut gefallen .. sein Pendant im Süden eher nicht so), essen (Guy Fieri, die Cheesecake Factory im Caesars und eine Double Frozen Hot Chocolate im Serendipity 3 möchte ich hervorheben) und spazieren. Dadurch, dass in Vegas alles unglaublich groß ist, sind die Distanzen weitaus länger, als man meinen würde. Nur weil man das Wynn vom Bellagio aus fast sehen kann, heißt das nicht, dass man nicht trotzdem 30 – 40 Minuten benötigt, um diese Strecke zu Fuß zu überbrücken. Allerdings gibt es soviel zu sehen, dass hier sozusagen der Weg das Ziel ist. Bedingt durch diesen Umstand mussten wir einen Besuch der Freemont Street und auch die Besichtigung des Hover Damms aufschieben .. weniger ist ja bekanntlich manchmal mehr und wir wurden auch so schon von Eindrücken erschlagen. Auch der Besuch einer Show (wir wollten gern Le Reve schauen) bleibt als offener Punkt auf der ToDo-List – just während unseres Aufenthalts hatte das Ensemble geschlossen zwei Wochen Urlaub.

Das Gefühl einer omnipräsenten Reizüberflutung gilt leider nicht für die Rückfahrt. Während man auf dem Weg nach Vegas ja tendenziell von einer gewissen Neugier abgelenkt wird, ist die Reise durch die Wüste zurück gen Westküste enorm langweilig. Mit einer kleinen Umfahrung mussten wir an einem Tag knapp 600km überbrücken, was bei extrem eintöniger Landschaft (obwohl der Regen in der Wüste schon interessant war) und geringen Geschwindigkeiten definitiv nicht unterhaltsam ist. Etwas interessanter wird es erst wieder ab Bakersfield, wenn die Landwirtschaft an Bedeutung gewinnt und die Szenerie wieder lebendiger wird. Trotzdem ein ganz schön langer Ritt und einen Umweg durch das Death Valley (nochmal +150km) hätte ich mir definitiv nicht mehr vorstellen können.

Nach Los Angeles, San Diego und Las Vegas werden wir jetzt zwei Tage Natur erleben (Sequoia und Yosemite National Park), bevor es dann in die Bay Area nach San Francisco geht. Mal schauen, wie regelmäßig wir die Berichterstattung halten können 😉

Kalifornien Tag 2: Erkundung von LA

Die erste Nacht in einem fremden Bett ist ja oft ein wenig gewöhnungsbedürftig – bei 36°C Lufttemperatur auch noch gegen 22:00 Uhr und einem permanent laufenden Standlüfter wird dieses Gefühl eher noch intensiviert. Auch das die auf dem Grundstück lebende Katze (mit Glocke) nachts mehrmals an unserem offenen, zweiflügligen Portal vom Schlafzimmer zum Pool vorbeischlich, war durchaus etwas spannend 😉 Aber nach mehr als 24h ohne Schlaf sind dem Körper scheinbar alle Störfaktoren egal oder sie treten zumindest in den Hintergrund, so dass wir mit Ausnahme kleinerer Unterbrechungen fast 9h durchgeschlafen haben.

Die Idylle unseres Frühstücks wurde von der Erkenntnis unterbrochen, dass wir bei Google nicht die Stauprognose von unserer Unterkunft zum TCL Theatre (gedacht 10 – 15 Minuten), sondern die Gegenrichtung (daher real 30 – 45 Minuten) eruiert hatten, so dass es plötzlich höchste Zeit zum Aufbruch war. Rein in den Mustang, schnell über ein paar Querstraßen und schwupp, schon standen wir im erwarteten Stau auf dem Freeway. Zum Glück ist dieser relativ entspannt, da die automobile Masse sich einfach nur langsam vorwärts bewegt und aggressive Spurwechsel eher selten zu beobachten sind. Also nur warten, aber sonst eher unproblematisch. Leider „verpassten“ wir die Einfahrt zum geplanten Parkhaus (genauer gesagt konnten wir keine zeitgerechte Einigung darüber erzielen, ob die zur Verfügung stehende Einfahrt auch die richtige sei), so dass wir auf Plan B ausweichen mussten. So lernten wir ein für uns neues Kuriosum kennen: Überlange Parkplätze, bei denen zwei Fahrzeuge in Reihe geparkt werden. Der Fahrer des vorderen Wagens, welcher das hintere Auto quasi blockiert, muss dabei seine Schlüssel an einer Art Rezeption abgeben, welche etwaige Konflikte bedarfsweise durch eigenständiges Umparken auflöst. Für uns Europäer vor dem Hintergrund typischer Haftungsfragen etc. eine ziemlich abwegige Idee.

Da Plan B so gut funktioniert hat, fanden wir uns pünktlich am Hollywood Boulevard ein, spazierten am legendären Chinese Thearte vorbei und holten unsere Tickets für die vorab gebuchte sechs Stunden lange Tour durch LA ab. Da wir uns nicht sicher waren, wie gut wir die Anreise und den Jetlag verkraften würden, dachten wir ein paar Stunden im Bus sitzen, unterbrochen von mehreren Pausen zur Erkundung einzelner Highlights, sei eine gute Idee. Da laut Aussage unseres Fahrers heute der heißeste Tag des Jahres werden sollte, erschien der geplante Tagesablauf sogar noch besser gewählt. Ohne Vorgreifen zu wollen, lässt sich festhalten, dass trotz minimaler Besatzung pro Bus (12 Personen) die Klimaanlage desselben bei 107 Grad Fahrenheit (knapp 42°C) Außentemperatur auch nur eingeschränkt im Stande ist Wunder zu vollbringen.

Bevor unsere Tour startete, hatten wir durch eine kurzfristige Terminverschiebung rund 1h Zeit, so dass wir uns die Gegend einige Blocks rauf und runter um das Theatre etwas näher anschauten. Zum Glück kann man sich die Zeit hier sehr gut vertreiben, gibt es doch über rund 1 Meile verteilt den berühmten Walk of Fame mit den in den Boden eingelassenen Sternen zu sehen. Wie wir später erfuhren, muss eine 12 köpfige Jury der Hollywood Chamber of Commerce über die Zuteilung eines Sterns entscheiden, dessen zukünftiger Besitzer dann noch 30.000$ für etwaige Aufwendungen bezahlen muss. Dafür erhält man dann eine augenscheinlich ziemlich haltbare Bodenplatte mit goldenen Akzenten und dem eigenen Namen – ziemlich cool. Ein Stern auf den Walk of Fame kann man für Aktivitäten aus fünf verschiedenen Kategorien erhalten, so dass eine Person theoretisch auch mehrere Sterne haben kann (Walt Disney haben wir zum Beispiel 2x gefunden). Ansonsten dachte ich aber immer, dass die Sterne „individueller“ sind – dem ist nicht so. Die wirklich eigenständige Note eines Stars findet sich in den signierten Betonplatten direkt vor dem Theatre, wo neben Hand- und Fußabdrücken (bzw. viel mehr Schuhabdrücken) auch diverse, handgeschriebene Weisheiten und Floskeln zu finden sind. Sogar R2D2 und C3PO aus Star Wars haben hier ihre unverwechselbaren Spuren hinterlassen. Später erfuhren wir während unserer Tour, dass im Rahmen der Oscar-Verleihung (bzw. der Vergabe der Academy Awards) 12 Millionen Dollar allein für diese eine Nacht ausgegeben werden, um den Boulevard optisch und sicherheitstechnisch adäquat herzurichten. Beeindruckend.

Gegen 09:35 Uhr begann dann unsere fast 80 Meilen lange Tour durch LA, die von unserem Fahrer Randy interessant und gut verständlich kommentiert wurde. Randy machte uns auf die diverse Gebäude aufmerksam, welche in bekannten Filmen genutzt wurden – z.B. das Appartment (bzw. Hotel) in dem Julia Roberts in „Pretty Woman“ wohnt und aus welchem sie über eine Feuerleiter von Richard Gere erretet wurde – die Leiter ist wirklich da und das Hotel zudem äußerst preiswert. Auch kannte sich unser Guide hervorragend mit den diversen Residenzen der lokalen Celebrities sowie der ihnen gehörenden Objekte aus, so dass man an der ein oder anderen Ecke schon sehr interessante Einblicke bekam. Das von Bernie Ecclestone als Hochzeitsgeschenk für seine Tochter erworbene Anwesen zum Beispiel trotz in seiner Größe und Opulenz jeglicher Beschreibung. Andere bekannte Highlights, wie z.B. das Playboy Mansion verstecken sich hinter einem massiven Tor, durch welches sich keine bzw. nur wenige Einblicke gewinnen lassen. Leider gilt diese Aussage für nahezu alle Objekten in den Nobelorten Bel Air, Beverly Hills bzw. zu einem gewissen Grad Hollywood. Dass die Gegend etwas vornehmer wird, merkt man neben den vielen Toren (die vermutlich den Zugang zu den allermeisten attraktiven Anwesen schon frühzeitig und gänzlich blockieren) daran, dass es keine Fußwege gibt. Mit dem Auto vorbei fahren ist daher (wo es denn überhaupt möglich ist) erlaubt, aber zu Fuß eine Erkundungstour starten ist nicht erwünscht. In jedem Fall sind die wohlhabenden Gemeinden um LA ein hervorragender Ort um das zu sehen, was mit normalsterblichen Mitteln einfach unerreichbar ist. Auffallend ist übrigens auch die Frequenz an Rolls Royce Limousinen, die ihre Besitzer standesgemäß in den noblen „Hideout“ bringen.

Von Bevery Hills aus ging es (rein geographisch betrachtet) wieder hinab ins beschauliche Santa Monica, genauer gesagt an die Santa Monica Pier. Vereinfacht gesagt handelt es sich bei selbiger um eine hölzerne Seebrücke, die aber gigantische Dimensionen hat und sogar einen kleinen Vergnügungspark inkl. Achterbahn und Riesenrad beherbergt. Wie wir schnell feststellten, ist dies eine richtig nette Ecke der Metropolregion und auch die immensen Temperaturen lassen sich direkt am Meer bzw. über selbigem wesentlich besser aushalten. Auf unserer 30 Minuten langen Erkundungstour zu Fuß versuchten wir so viele Eindrücke wie möglich zu gewinnen und ließen es uns nicht nehmen für nur 3,50$ pro Stück ein „full organic“ Wassereis Geschmacksrichtung Erdbeere quasi zu verschlingen – sehr angenehm. Auffallend ist – wie scheinbar in ganz LA – der krasse Kontrast zwischen arm und reicht auf engstem Raum. Direkt auf dem Rasen vor hochpreisigen Eigenstumswohnungen schlafen Obdachlose .. mitten in der Sonne, völlig ungeschützt und sogar in ziemlich großer Anzahl. Ein in dieser Form ziemlich irritierender Anblick. (Anmerkung für Computerspieler: Die Pier entspricht dermaßen genau der Abbildung in GTA V, dass es einem fast die Sprache verschlägt. Sogar Dani war beeindruckt!)

Von Santa Monica (sehr hübsch) ging es weiter nach Venice Beach (weniger hübsch). Venice ist grundsätzlich so wie am Vortag schon beschrieben (tagsüber hübsch, nachts gefährlich), nur noch krasser als gedacht. Randy berichtete uns von eskalierender Bandengewalt und Schießereien – für uns Europäer ziemlich unvorstellbar und sicherlich für die ganze Gegend ein belastender Umstand. Ferner scheint Venice laut Randy die verrücktesten Typen aus aller Welt anzuziehen, was die Lebensqualität in diesem Gebiet vermutlich nicht eben steigert.

Nach der Durchfahrt dieses ambivalenten Gebiets ging es wieder steil bergauf – zum über der Stadt thronenden Griffith Observatory. Der Blick von selbigem auf das Hollywood-Sign und über die 17 Millionen Einwohner beherbergende Region insgesamt ist absolut beeindruckend und zugleich irritierend. Man sieht jede Menge Villen, pulsierende Verkehrsadern, gigantische Gebäudekomplexe und dazwischen karge Hänge, sandige Pfade und eine ziemlich stark vertrocknete Vegetation. Ausblick und Anblick bilden einen faszinierenden Mix, dem man sich vermutlich lange hingeben könnte, wenn man den ca. 40°C ohne jeglichen Schatten besser hätte trotzen können. Ganz schön heftig, aber auch sehr lohnenswert. Insbesondere die Vorstellungen in der Sternwarte sollen qualitativ überzeugen können – mal schauen, ob wir das noch ausprobieren können.

Nach dem vergleichsweise kurzen Halt über den Dächern von LA ging es – mittlerweile war fast 14:00 Uhr – endlich zum Lunch am Farmers Market. Selbiger soll über 100 Möglichkeiten der Nahrungsaufnahme bieten und an die beste Mall der Region angrenzen (so Randy). Tatsächlich fühlten wir uns stark an den großen Basar in Istanbul in amerikanischer Machart erinnert. Schmale Gassen, wenig Durchlüftung, viele kleine Buden .. zumindest an diesem Tag nicht ideal. Wir entschieden uns für ein paar klimatisierte Plätze in einem pseudo-deutschen (bayrischen) Biergarten. Die Qualität der Speisen war überragend, der Preis in Ordnung, der Service für amerikanische Verhältnisse schlecht und die Musik gänzlich ungewohnt – es lief Antenne Bayern im Livestream. Dennoch war die Mahlzeit lange überfällig und half ideal dabei wieder ein wenig abzukühlen.

Eine Stunde später steuerte unser Bus auf die letzte Station des Tages zu – den berühmten Rodeo Drive. Selbiger hält aus meiner Sicht exakt alles ein, was er verspricht. Sehr viele hochklassige Läden (jeweils deutlich größer als in anderen Einkaufsstraßen dieser Art die ich kenne), immens viele hübsche Menschen, relativ viele teure Autos. Leider haben wir weder einen Star, noch ein richtiges automobiles Highlight gesehen – Porsche 911 und Bentley reißen ja mittlerweile niemanden mehr vom Hocker 😉 Insgesamt hat uns diese Gegend wirklich gut gefallen .. Spazieren gehen, ein überteuertes Eis essen und People Watching betreiben – am Rodeo Drive kann man es mit ein wenig Freizeit sicher richtig gut gehen lassen.

Gegen 16:00 Uhr waren wir dann wieder am Auto, um 20$ Parkgebühren ärmer und nun wieder auf eigene Faust unterwegs. Während der Tour hatten wir uns die Namen einiger netter Ecken notiert, so dass wir nun mittels OpenStreetMap-Material auf unserem Garmin Oregon in Kombination mit unserem Garmin Nüvi nochmals einige Luxusecken ansteuerten. Dabei lenkten wir den Mustang bevorzugt über relativ kleine, kurvige Straßen quer durch die Hollywood-Hills, in denen auch erstaunlich viele „normale“ Häuser stehen. Wirklich exklusiv wird es hier wohl nur in den Stichstraßen, die man in der Regel nicht oder nur zu einem sehr kleinen Teil befahren kann. Trotzdem ist es sehr spannend sich diesen Aspekt von Hollywood auf diese Weise zu erschließen – zudem ist der Fahrtwind im Cabrio in Kombination mit der Klima wesentlich entspannter als ein Spaziergang. Auf diese Weise legten wir rund 60km zurück, schossen das ein oder andere spannende Foto und trotzen der Hitze. Am Ende noch ein kurzer Zwischenstopp im Ralph’s um für das Abendessen einzukaufen (Schwarzbrot oder was auch immer genau das dunkle Weißbrot darstellen soll für 4,99$) und schon war Tag 2 in Kalifornien so gut wie beendet. Den Ausklang dieses ereignisreichen Teils unserer Rundtour stellte eine exzessive Nutzung des hauseigenen Pools dar. Dieser ist mit ca. 25°C sehr angenehm temperiert, außergewöhnlich sauber und vor allem riesig. Ich bin kein Experte für das Schätzen von Dimensionen, aber ich würde auf ungefähr 20x7m tippen – ziemlich beeindruckend. Die Unterwasserbeleuchtung sorgt insbesondere bei Dunkelheit für eine stimmige Atmosphäre, denn Sternegucken in LA, während man auf dem Rücken durch den Pool schwimmt, ist schon wirklich cool.

Morgen werden wir dann die Warner Bros. Studiotour besuchen und uns danach vermutlich eine kühle Mall suchen. Gerüchteweise soll es erst am Wochenende milder werden – nach den kühlen Azoren und dem Kälteeinbruch in Florida haben wir jetzt also das krasse Gegenteil erwischt. Abwechslung schadet bekanntlich nicht 😉

Florida Tag 8 – Muscheln, so weit das Auge reicht

Unser achter Tag in Florida war – sozusagen ein Novum für unseren Trip – ziemlich entspannt als „einfach den Strand genießen“ geplant. Wie jeden Morgen starteten wir kurz vor 06:00 Uhr in den Tag (aus unserer Sicht einfach das ideale Timing vor dem Hintergrund, dass es gegen 17:30 Uhr dunkel wird und man dann spätestens um 22:00 Uhr todmüde ins Bett fällt) und wurden bereits von den Vorboten des Sonnenaufgangs begrüßt.

Da erst ab 07:30 Uhr mit der Verköstigung in unserer feudalen Unterkunft zu rechnen war, begaben wir uns – natürlich – sofort an den Strand. Wie wir rasch feststellen durften, waren bereits ziemlich viele Frühaufsteher und Muschelsucher vor uns auf diese Idee gekommen .. der frühe Vogel fängt hier ganz offensichtlich den Wurm bzw. findet die größte, schönste, seltenste Muschel. In jedem Fall kamen wir in den Genuss eines extrem beeindruckenden Sonnenaufgangs, da sich die rote Kugel vergleichsweise langsam direkt über die am Strand auflaufende Brandung des Meeres schob. Während man den Sonnenuntergang ja meistens „nur“ über irgendwelchen Feldern oder besonders in unserem Fall im Winter von der Autobahn aus zwischen den Hochhäusern Frankfurts sieht, stellt so ein enorm friedlicher Sonnenaufgang am Meer schon ein wirkliches Highlight dar. Klingt sicherlich etwas kitschig, entspricht aber der Wahrheit … der Morgen unseres achten Tages in Florida war der bisher definitiv beeindruckendste und übertraf qualitativ auch die viel gepriesenen Keys.

Allerdings war es gar nicht so einfach den Blick immer auf den Horizont auszurichten, da es zu unseren Füßen Muscheln in den unterschiedlichsten Farben, Formen und Größen in rauen Menge zu bewundern gab. Die Anzahl der kalkigen Meeresbewohner ist hier am Strand von Sanibel derart groß, dass teilweise ganze Parkplätze mit Muscheln, anstelle von Kies gefüllt sind (z.B. jener vor unserem Hotel). Besonders bemerkenswert finde ich dabei das Geräusch, wenn die von der Brandung angespülten Exemplare mit den „Bestandsmuscheln“ des Strandes zusammenprallen bzw. über diese rollen und sich ein leises Klimpern ergibt .. ziemlich ungewohnt und schwer zu beschreiben, aber für mich ein charakteristisches Geräusch für Sanibel Island. Während die Sonne also höher und höher stieg (und mit ihr die Temperaturen rasch von 21°C in Richtung 28°C kletterten), füllte sich so langsam unser Rucksack. Kurz vor 08:00 traten wir den – wenn man nach vorn und nicht nach unten schaut – erstaunlich schnellen Rückweg zum Hotel an und bedienten uns erstmal am überraschend üppigen Frühstücksbuffet (Säfte, Cornflakes, Süßkraum, etwas Brötchen-ähnliches, Obst .. schon nett). Selbiges ist hier so angelegt, dass man vom Zimmer ein kleines Tablet mitnimmt und die gewünschten Speisen am Buffet nur einsammelt und dann zur Nahrungsaufnahme in die Höhle schafft 😉 Die Höhle bietet in unserem Fall einen komfortablen Balkon mit Möbeln und Garten / Meerblick, so dass die morgendliche Stärkung in wirklich toller Atmosphäre erfolgen kann. Außerdem gelang es uns während des Frühstücks das erste Mal seit einer Woche mit zu Hause zu skypen .. ein tolles Gefühl und dank relativ weniger aktiver Benutzer im WLAN sogar qualitativ einigermaßen erträglich.

Danach ging es für uns – natürlich – wieder an den Strand. Dieses Mal in Badeklamotten, mit größerem Muschelsammler und ohne Kamera über der Schulter .. was für ein Genuss. Wir unternahmen einen ausgedehnten Spaziergang, stockten unseren „Schatzbeutel“ gehörig auf und ärgerten uns doch immer wieder, wenn ein besonders schönes Exemplar noch gefüllt und damit belebt war. Sammeln darf man hier bis auf drei Ausnahmen nämlich alle Muschelarten, so sie denn bereits „unbewohnt“ sind. Aber natürlich sieht man diese Herausforderung sportlich und wirft brav alles in Meer zurück, dass einen noch mit überraschend großen Augen ansehen kann.

Gegen Mittag waren wir dann der Meinung, dass es Zeit für einen kleinen Szenenwechsel sein könnte. Also schnappten wir uns das Auto und starteten gen Süden – der Leuchtturm sollte unser Ziel sein. Bei der Fortbewegung auf Sanibel stören dabei zwei Dinge: Es gibt nicht wirklich viele Straßen, was relativ häufig zu Staus führt, wobei die Verkehrsregelung in diesem Fall von sympatischen Helfern (keinen Sheriffs) übernommen wird, die sogar nett zurückwinken, wenn man sie bei der Vorbeifahrt grüßt. Der zweite Negativpunkt ist nicht spezifisch für Sanibel sondern eher generisch zu sehen: Die Geschwindigkeitslimits sind für deutsche Verhältnisse einfach unglaublich gering. 35 Meilen pro Stunde sind zum Beispiel das allerhöchste der Gefühle, was man an irgendeiner Stelle dieser Insel fahren darf .. sozusagen der Best Case bzw. der günstigste Fall. Stellenweise sind es aber auch nur 25 MPH, 20 MPH oder gar 15 MPH .. da kann einem schon mal der Gasfuß zucken. Mit anderen Worten: Bei nicht mal 60km/h kann sich eine Fahrt von 30km schon ganz schön in die Länge ziehen..

Wie dem auch sei .. irgendwann erreichten wir den Leuchtturm und waren einigermaßen ernüchtert. Wer unter „Leuchtturm“ die bunten Bauten von Ost- und Nordsee versteht, wird möglicherweise ein wenig irritiert sein, wenn er die bräunliche Konstruktion auf Sanibel entdeckt, die so wirkt, als wäre die letzte Woche noch ein Erdölförderturm gewesen. Macht nix, anschauen kann man sich das gute Stück ja trotzdem mal. Außerdem statteten wir dem örtlichen Pier (Steg) einen Besuch ab, an dem (wie so oft hier) jede Menge Angler am Werk waren. Diese sind hier häufig sehr erfolgreich, so dass wir dem Fang (und Tod) eines Hammerhais von ca. 80cm Länge beiwohnen durften .. sicherlich kein Bild, was für uns Europäer unbedingt alltäglich ist 😉 Das tolle ist, dass die hiesigen Freizeitfischer (wie eigentlich alle hier) sehr zugänglich sind .. Fotos? Kein Problem. Anfassen? Kein Problem. Sonst irgendwelche Fragen? Einfach los!

Nach diesem interessanten Eindruck statteten wir auf der Rückfahrt gen Norden auch kurz der Sanibel Marina einen Besuch ab, welche zwar äußerst schön hergerichtet und dabei relativ überschaubar ist, jedoch nicht allzu gastfreundlich wirkt. Wir hatten den Eindruck, dass man – mit Ausnahme der wenige Gäste des „Sanibel Thrillers“ (Speedboot-Fahrt) – eher unter sich bleiben möchte. Als nächstes lag unser Fokus darauf einen Kescher für Dani zu erspähen .. unsere Ergebnisse der Muscheljagd sollten mir lokal typischen Hilfsmitteln verbessert werden. Schon der vierte Laden hat ein annehmbares Exemplar und wir mussten auch glaube ich nur vier mal bei dem bereits beschriebenen, intensiven Verkehr links abbiegen. Bei dem relativ bekannten Shop „She sells sea shells“ (cooler Name, oder? In Deutsch natürlich mit „Sie verkauft Muscheln“ wesentlich weniger spannend) wurden wir übrigens nicht fündig .. dafür hätte man hier für relativ ambitionierte Beträge alle möglichen Muschelarten in den unterschiedlichsten Größen erwerben können („Ja natürlich haben wir diese gigantisch große, selbst auf Sanibel unglaublich seltene Muschel selbst gefunden .. du musst nur morgens um 03:00 Uhr an diesem geheimen Strand mit der Kopflampe in ca. 1,5m Tiefe suchen..“). Danach statten wir einem der lokalen Restaurants einen Besuch ab und wurden (wie immer) sehr zügig sehr lecker verköstigt .. wie bereits im letzten Beitrag anmoderiert sogar kostengünstiger als bei der Selbstversorgung.

Anschließend wiederholten wir einfach – weil es so toll war und so erholsam ist – den Ablauf des Morgens: Ab an den Strand und mit geleertem Muschelsammelbeutel und brandneuem Kescher wieder auf die Jagd gehen. Bedingt durch die veränderte Tide und eine zunehmende Brandung wurde die Ausbeute zwar nicht unbedingt besser, doch in diesem Fall ist sicherlich der Weg bereits ein großer Teil des Ziels. Gegen 16:00 Uhr waren wir zurück am Hotel und starteten nochmals mit dem Auto – dieses Mal in Richtung Norden nach Captiva. Captiva ist eine gar nicht so kleine Insel nördlich von Sanibel, die ein wenig tropischer und ruhiger sein soll. Ein kleines Manko dabei: Nach meinen (zugegeben kurzen) Recherchen gibt es auf Captiva nur genau zwei legale, öffentliche Parkplätze für den Zugang zum Strand. Auf der Fahrt sieht man dann auch warum: Die Straßen sind von riesigen Grundstücken mit pompösen Villen gesäumt, die teilweise auf zwei gegenüberliegende Seiten der Insel Meerblick haben .. so lässt es sich bestimmt gut leben. Das Parken entlang dieser Straßen ist ziemlich flächendeckend verboten, weshalb die entsprechenden Objekte sich jeweils mit dem Attribut „Privater Strandzugang“ schmücken dürfen. Da einer der zwei öffentlichen Parkplätze sehr klein ist, blieb im Prinzip nur eine Option (am Ende des Captiva Drives). Die ist auch grundsätzlich ganz nett, hatte jedoch zum Zeitpunkt unseres Besuch ein ganz entscheidendes Manko: Bedingt durch eine Sonnenuntergangshochzeit am Strand waren mindestens 50% der wenigen Stellflächen durch Hochzeitsgäste belegt, die restlichen Fahrzeuge gehörten scheinbar ausdauernden Strandbesuchern. So verharrten wir ca. 15 Minuten wartend in unserem Auto (mittlerweile warteten hier uns drei weitere Fahrzeuge) und hofften, dass irgendwann irgendjemand losfahren würde. Dieser Vorgang ist durchaus nervenaufreibend, da sich der Prozess von „Wir kommen vom Strand und fahren los“ ja noch in die Phasen „Wir ziehen uns um“, „Wir verstauen die Sachen“, „Wir gehen nochmal auf Toilette“ und final „Wir verzweifeln am Navi“ aufgliedert .. nunja, Geduld ist einfach gesagt nicht meine Stärke.

Irgendwann war das Auto geparkt, das Parkticket für für 7$ für 3h gelöst und wir betraten den legendären Strand von Captiva Beach (empfiehlt jeder Reiseführer). Was soll ich sagen .. so viel anders als 30km südlich sieht es hier (große Überraschung) auch nicht aus 😉 Allerdings waren die Anzahl und Art der Muscheln doch ein wenig abweichend von jenen in Sanibel, so dass sich der Besuch durchaus gelohnt hat. Auch der Sonnenuntergang war von Captiva aus toll zu beobachten, wobei erneut die Phase nach Verschwinden des roten Feuerballs beeindruckender war, als die Zeit unmittelbar vor dem Verschwinden der Sonne hinter dem Horizont. Erneut blieb es erstaunlich lange hell und färbte sich der Himmel in den tollsten Farben (orange, hellblau, dunkelblau), was mir als ziemlich außergewöhnlich in Erinnerung blieb. Außerdem wurden wir kurz vor dem Sonnenuntergang noch Zeuge eines weiteren Angelerfolgs: Ein Sportsmann landete unmittelbar vor unseren Augen einen Stachelrochen (Durchmesser des Körpers ca. 50cm, Länge inkl. Stachel rund 1m) an .. auch dies ist sicher etwas, was man nicht alle Tage sieht. Der Kampf mit dem Tier war augenscheinlich ziemlich anstrengend und auch nach der „Trockenlegung“ des Mantas näherte sich der Angler nur mit größter Vorsicht. Rasch war die Schnur durchtrennt und der Fisch zog mitsamt des in seinem Maul verbleibenden Hakens wieder von dannen .. sicherlich auch nicht die feine Art, aber vermutlich die sicherste. Abschließend sei angemerkt, dass Captiva Island – für mich ziemlich überraschend – doch deutlich tropischer wirkt als Sanibel.

So neigt sich der „zweite“ (eigentlich 1.5te) Tag auf der Muschelinsel so langsam dem Ende. Was bleibt, sind wirklich viele neue Naturerlebnisse und einige Kilo gesammelter Muscheln. Hier werden wir vor dem Abflug nochmals ganz genau hinschauen müssen, damit wir nicht – wie diverse Berichte im Internet bekunden – Übergewicht zahlen müssen 😉 Jetzt geht es noch fix zum „feierlichen“ Jubiläumsabendessen in die thematisch passende „Island Cow“, bevor morgen die Fahrt nach Crystal River mit Zwischenstationen in Fort Myers und Anna Maria Island in der Nähe von St. Petersburg ansteht.

Florida Tag 6 – Die Keys

Der Übergang von Tag 5 auf Tag 6 gestaltete sich leider etwas holprig. Unglücklicherweise bestand die „Tür“ zwischen unserem Apartment und dem unserer Nachbarn nämlich nur aus einem dünnen, leidlich passgenauen Brett mit Farbe, welches die Geräusche des Nebenraums in etwa so gut abschirmte, wie ein Stoffvorhang. In direkter Konsequenz fühlten wir uns ein wenig an Jugendherbergszeiten bzw. Klassenfahrten erinnert, mit dem Unterschied, dass hier jede Nacht mit 170€ zu Buche schlägt. So musste Dani unseren Schlaf irgendwann spät in der Nacht durch ein energisches Klopfen an eben jene Tür, verbunden mit den Worten „Keep it down … PLEASE“ retten. Die Wirkung war zwar grandios, doch bereits wenige Stunden später begannen die überall in Key West frei rumlaufenden Hühner den neuen Tag einzuläuten.

Macht nichts, denn wir hatten sowieso vor am Sonnenaufgang zu partizipieren. Auf flinken Füßen begaben wir uns daher gegen 06:20 Uhr gemeinsam mit erstaunlich vielen anderen Touristen zu einem nahegelegenen Pier, von dem aus wir eine hervorragende Sicht auf den noch relativ dunklen Horizont erhaschen konnten. Unterwegs stellten wir überrascht fest, dass der „Southern Most Point“ bereits zu dieser Zeit recht stark belegt war .. bemerkenswert, wie früh das Interesse für diese Sehenswürdigkeit bzw. ein Foto mit ihr beginnt.

Einige Minuten später, gegen 06:40 Uhr, krabbelte die Sonne dann tatsächlich über den Horizont und erzeugte dabei ein faszinierendes Spektakel aus Farben, Wolkenspiel und Reflektionen im Wasser .. definitiv enorm sehenswert und bedingt durch die günstigeren Umweltbedingungen auch abermals begeisternder als der Sonnenuntergang wenige Stunden zuvor.  Wir schossen viele, sehr viele (zu viele) Fotos, während der Strand bereits eifrig geharkt wurde und mehrere Amerikaner um uns herum sich wiederholt versicherten, dass sie so einen Sonnenaufgang noch nie gesehen hatten. Gut, irgendwann war der Tagesbeginn genug zelebriert und so langsam meldeten sich unsere Mägen und berichteten, dass die Speisen des Hard Rock Cafes aufgebraucht waren. Auf dem Weg zurück ins Hotel statteten wir dem nun einsamen Aussichtspunkt in 90 Meilen Entfernung zu Kuba einen weiteren Besuch ab, bevor wir kurz die Kleidung wechselten und dann einen morgendlichen Spaziergang in Richtung Donut-Shop starteten. Bei diesem angekommen, stärkten wir uns bei einer sehr leckeren Kreation aus Schokolade und Teig, bevor wir erneut den Historic Harbor Walk absolvierten – am Morgen sieht der Hafen zwar nicht wesentlich anders, aber deutlich ruhiger aus.

Danach war es auch schon Zeit auszuchecken und so langsam den Rückweg in Richtung Norden anzutreten. Unterwegs stoppten wir noch am Higgs Beach, angeblich einem der schönsten Strände der Insel. Irgendwie konnten wir uns trotzdem nicht dafür begeistern ins Wasser zu springen – primär lag es wahrscheinlich daran, dass selbiges (warum auch immer) relativ aufgewühlt war und daher keine allzu schöne Sicht bot. Wir kletterten also zurück in den Mustang und setzten bei schönstem Wetter, heißer Sonne und seichtem Wind Kurs in Richtung Marathon. Aus dem Radio lief kubanische Musik, der Verkehr rollte, die Palmen am Wegesrand raschelten vernehmlich im Rhythmus des Windes .. ein schöner Moment.

Noch schöner wurde es, als wir kurz nach der Seven Mile Bridge, rund 10km vor Marathon rechts von der US1 abbogen und in den Bahia Honda State Park einfuhren. Hier wären regulär 9USD Eintritt fällig gewesen – diese wären es aber mehr als wert gewesen. Am 11.11.2014 mussten wir keine Gebühr entrichten, da – während in Deutschland wenig begeisternd der Karneval beginnt – in den Vereinigten Staaten der Veterans Day zu Ehren der Kriegshelden zelebriert wird. Wir entrichteten also eine kleine Spende und fanden uns Augenblicke später im Inneren des Parks wieder. Völlig begeistert folgten wir zunächst dem Bridge Trail, der der eigentliche Anlass unseres Parkbesuchs war: Dani wollte einfach nur die alte, bei einem Hurrikan stark beschädigte Eisenbahnbrücke aus den Zeiten von Henry Flagler von unten fotografieren. Diesem Ansinnen kamen wir natürlich nach, bevor wir endlich neugierig an den Strand gingen.

Der Bahia Honda State Park besteht nämlich zu 80% aus einer geschützten Unterwasserlandschaft und ist für seine hervorragenden Schnorchelreviere bekannt. Der Strand ist hier recht schmal, geht aber in eine relativ breite Flachwasserzone mit bester Sicht auf den Grund über. Mutig und ausgerüstet mit Neoprenschuhen, Schnorchel, Taucherbrille und GoPro enterten wir die Fluten. Nach einer kurzen Aklimatisierung (geschätzte Wassertemperatur ca. 24°C) begannen wir mit den ersten Schnorchelübungen. Diese verliefen größtenteils problemlos (bis auf ein paar Milliliter geschlucktes Meerwasser und ein paar im Schnorchel verfangene Haare für Dani) und waren recht vielversprechend. Eigentlich dachten wir die Gewässer am Park nur als einen ersten Test bzw. eine Vorbereitung für das geplante Schwimmen mit den Manatees nutzen zu können, doch nach einigen Minuten des Herumtreibens in der überraschend starken Strömung entdeckten wir einen Fisch nach dem anderen. Nach kurzer Zeit waren wir völlig begeistert: Es gab die unterschiedlichen Fischarten zu sehen (leider kann ich an dieser Stelle nicht mit Namen prahlen), Korallen und auch jede Menge Muscheln ließen sich geduldig und ausgedehnt beobachten. Wir waren mehr als positiv überrascht, wie nah am Strand und in welch geringer Wassertiefe eine derart große Artenvielfalt darauf wartete erkundet zu werden. Bedingt durch die gleißende Sonne und die wenigen Wolken ergab sich eine hervorragende Sicht auf die teilweise sehr neugierigen Meeresbewohner.

Beim zweiten Durchgang (wir ließen uns jeweils von der Strömung ca. 100m treiben, gingen dann in Ufernähe und schlenderten dort zurück an unseren Ausgangspunkt) gelang es Dani sogar einen Stachelrochen von ca. 50cm Durchmesser (nur „Hauptkörper“) zu erspähen, der neben uns recht langsam über den Boden schwamm – extrem beeindruckend! Das wir später auch eine Muscheln entdeckten, die Key West als Symbol gewählt hat, rundete unser Unterwassererlebnis zusätzlich positiv ab. Leider blieben zwei bzw. eigentlich drei negative Erkenntnisse: Zum einen wird das Wasser doch irgendwann recht frisch, was durch den doch relativ kühlen Wind nicht eben besser wird. Zum anderen mussten wir später leider feststellen, dass die GoPro 2 eine (bekannte) Schwäche beim standardmäßigen Schutzgehäuse hat, welche sich durch die gekrümmte Linse in recht unscharfen Unterwasseraufnahmen bemerkbar macht. Hilfreich wäre hier ein Gehäuse mit gerader Linse, wie es optional verfügbar ist .. oder eine GoPro 3 oder 4, die standardmäßig mit gerader Linse im Gehäuse ausgeliefert werden. Der letzte „Negativpunkt“ besteht in unserer eigenen Unachtsamkeit: Beim Schnorcheln (wir waren rund 3h so beschäftigt) ist eine Seite des Körpers gut gekühlt, während die andere der Sonne weitestgehend schutzlos ausgeliefert ist. Entsprechend deutlich heben sich bei Dani nun Hautpartien die unter ihrem Bikini lagen vom Rest der Haut ab 😉 Sieht lustig aus, scheint aber dem Vernehmen nach ein wenig unangenehm zu sein..

Als letztes Highlight des Tages statteten wir Robbie’s Marina auf Islamorada einen kurzen Besuch ab. Dieses kleine Fleckchen ist dafür bekannt, dass man an der Steganlage riesige Tarpune sehen und mittels enorm preisgünstiger Eimer mit kleinen Fischen (18$ pro Stück) auch von Hand füttern kann. Das sieht sehr spektakulär aus, da die Fische sehr gierig bzw. futterneidisch sind und mit teilweise über 1,5m Länge auch beeindruckende Dimensionen erreicht haben. Zwischendurch gelang es uns sogar einen Hai (jedenfalls behauptet Dani das es ein solcher wahr. Leider ist es schon zu spät, um dieses Thema jetzt noch in Gänze zu ergoogeln) zu erspähen .. ziemlich cool.

Der Rest unseres sechsten Tages ist schnell erzählt: Weiterfahrt nach Florida City / Homestead, wo ein wunderbares Motel an einer „kaum befahrenen“, vierspurigen Straße auf uns wartete. Auch unsere Versuche in einem Applebee’s bzw. Chili’s eine warme Mahlzeiten zu erhalten waren eher weniger erfolgreich, da wir (Veterans Day und so) mindestens 30 bzw. 45 Minuten hätten warten müssen. Der wenige Meter von unserer Unterkunft entfernt gelegene Denny’s hat uns letztendlich aber auch durch Abend gebracht, auch wenn das Serviceerlebnis hier nur bedingt optimal war.

So geht Tag 6 zu Ende .. wenn alles gut läuft, sollten wir morgen eine Bootstour durch die Everglades unternehmen, zwei Trails durch die Sümpfe besuchen, das Luxusstädtchen Naples erkunden und vielleicht sogar den Sonnenuntergang in Captiva Beach auf Sanibel Island bewundern dürfen. Es bleibt spannend 🙂

Winterurlaub auf den Azoren 2014 – Eine „individuelle“ Erfahrung

Einfacher als die generelle Wahl der Beschäftigung war die Selektion eines angemessenen Reiseziels: Hier hatte Dani schon seit geraumer Zeit die Azoren ganz oben auf der Wunschliste und mit Hinblick auf harte Faktoren wie Reisezeit (4,5h), Zeitverschiebung (+2h), notwendige Reisedokumente und Impfungen usw. stellt sich die Inselgruppe im Atlantik als erstaunlich unkompliziert heraus. Da wir einen Direktflug bevorzugten, ist auch die Frage nach Abflugzeit und Airline schnell beantwortet, denn von Frankfurt aus geht es nur genau 1x pro Woche mit genau einer Fluglinie auf unser Wunschziel Sao Miguel. So ein ganz klein wenig skeptisch war ich bezüglich der zu erwartenden Wetterbedingungen, denn der azoreanische Winter versprach etwas geringere Temperaturen als in vergleichbaren Zielen wie Madeira und zudem eine geringfügig höhere Zahl an Regentagen .. aber wie so oft im Leben: No Risk, No fun.

Die weitere Planung unseres Abenteuers wurde von Dani mit weniger als vier Wochen Vorlaufzeit mustergültig vorgenommen: Faltkarten wurden besorgt und zurecht geschnitten, Reiseführer studiert, Highlights ausgewählt. Ich beschränkte mich auf mehrere Google-Suchen nach „Acores Must see“, der Vorbereitung des Geocachens auf der Insel und natürlich der Buchung eines Mietwagens. Innerlich muss ich an dieser Stelle schon Grinsen, denn mindestens zwei der „Highlights“ unseres Frühlingsurlaubs wurden an dieser Stelle bereits thematisch angeschnitten.

Im Interesse der geneigten Leserschaft und auf Basis der Erfahrungen in den letzten Jahren sowie mit Hinblick auf meine aktuelle Freizeitsituation sowie in Abstimmung mit sonstigen Aktivitäten außerhalb der Arbeitszeit habe ich mich entschlossen diesen Blogbeitrag NICHT chronologisch aufzubauen. Wir haben zwar (vorbildlich) eine Art Reisetagebuch geführt, doch dieses in gewohnter Manier in einen mehrteiligen Band hier für das Blog zu transformieren, würden die aktuellen Rahmenbedingungen leider nicht zu lassen. Ich werde daher (wie beim Sylt-Urlaub auch) versuchen auf die Dinge einzugehen, die wir besonders sehenswert oder zumindest besonders „erinnerungswürdig“ fanden.

Ja, es gibt auch richtig schöne Ecken auf Sao Miguel - das ist eine davon
Ja, es gibt auch richtig schöne Ecken auf Sao Miguel – das ist eine davon

Part 1: Logistik

Wie bereits stimmungsvoll anmoderiert: Wenn man in der Nähe des richtigen Airports wohnt, ist es ein leichtes komfortabel, schnell und völlig entspannt auf die Azoren und zurück zu gelangen – zumindest in der Theorie. Für uns z.B. war die Anreise mit der S-Bahn (1x Umsteigen), der anschließende Flüchtlingstransport mit der AirRail-Bahn (noch nie so voll erlebt) und der kurze Spaziergang durch das Terminal 2 bis hin zum (falschen) Fluggastbereich E die absolut ideale Lösung. Gut, dass wir kurz vor dem Abflug noch auf das falsche Gate aufmerksam wurden, war durchaus hilfreich, doch so konnten wir die Wartezeit wenigstens entspannt und bei absoluter Ruhe genießen!

Sieht aus als sei nix los - so ist das meist an einem Gate ohne geplante Flüge ;-)
Sieht aus als sei nix los – so ist das meist an einem Gate ohne geplante Flüge 😉

Auch der rund 4,5h lange Flug nach Sao Miguel gestaltet sich unproblematisch. Das vom Kabinenpersonal absolut niemand Deutsch sprach, störte maximal einige Mitreisende, uns eher nicht. Das der Flieger nicht mehr so ganz top modern und das Essen eher unterdurchschnittlich war, war ebenfalls kein Problem. Tatsächlich ein Problem war, dass unser Flugzeug beim Rückflug nach rund 1h wieder umkehrte (der Rückflug vom Rückflug sozusagen), da es an Board einen gesundheitlichen Notfall gab. Während dieser grundsätzlich eher traurigen Begebenheit hatten wir nicht nur ausreichend Gelegenheit die scheinbare Konfusion der Crew zu beobachten, sondern durften uns auch in der Überbrückung von 4h Dürrezeit ohne Getränke üben (mal im Ernst: Um 06:00 Uhr im Hotel loszufahren, um dann gegen 11:00 Uhr im Flieger das erste Mal Getränke zu erhalten – sonst nur im Einzelfall und mit viel Unmut in den Gesichtern der Besatzung – ist nicht toll). Als Wiedergutmachung haben wir den Anflug auf Ponta Delgada so insgesamt gleich 2x sehen dürfen – für manchen Flugfan durchaus lohnenswert 😉 Auch sonst muss ich an dieser Stelle einfach gestehen, dass die von der Airline selbst propagierten Werte „Freundlichkeit“, „Innovation“ und „Zuverlässigkeit“ während unseres Trips wohl gerad Urlaub hatten.

Anflug auf PDL (zugegeben, dieses Foto stammt von unserem zweiten Anflug)
Anflug auf Ponta Delgada – zum zweiten Mal

Nachdem die Anreise von Frankfurt nach Ponta Delgada geglückt war, ging es vor Ort (nach einem kurzen Marsch über das Vorfeld und einer unglaublich schnellen Gepäckausgabe .. echt!) mit der Abholung des Mietwagens weiter. Dieser hatten wir – man kennt die diversen Horrorgeschichten ja zur Genüge – über einen großen deutschen Automobilclub und dessen Partner in den gleichen Farben reserviert. Vor Ort also nur schnell die üblichen Services (Navi? Zusatzversicherung zur Vollkasko mit 0€ Selbstbeteiligung?) dankend ablehnen und schon saßen wir in einem unerwartet neuen und gepflegten Peugeot 208 (knapp 1 Jahr alt, 17.000km, fast voll getankt, nur ganz wenige Schäden .. echt super). Zwar fand ich es irritierend keinen Funkschlüssel zu erhalten, doch für sieben Tage sollte dies keine Schwierigkeit sein. TomTom an die Scheibe und ab gen Hotel – nach knapp 12h seit Aufbruch wurde es langsam Zeit für eine Dusche. Bevor ich jedoch zum Thema Unterkunft komme, muss ich noch kurz die Leihwagen-Anekdote zu Ende bringen:

Es war der 18.02.2014, Danis Geburstag, der Himmel war ein ganz klein wenig grau (ich musste also eine dünne Jacke über mein T-Shirt ziehen) und es war früh am Morgen. Unser bärenstarker Löwe hatte uns bis dahin 1,5 Tage und rund 150km begleitet, als mitten auf einer längeren Geraden, bei furchteinflößenden ca. 50km/h ein eigenartiges Geräusch auftrat. Es hörte sich an, als wenn man über Dreck fahren würde. Da war aber kein Dreck. Leider fand unser Motor den virtuellen Dreck nicht gut, denn er ging aus. Während mir sofort böses schwante, ermutigte Dani mich zu einem neuerlichen Startversuch – er war ergebnisneutral. Eine kurze Suche der SOS Nummer und 30 Minuten später begann das Warten auf Erlösung, welches rund 2h nach der Panne in Form eines Tauschfahrzeugs herbei gefahren kam. Bis dahin also alles vorbildlich: Ein paar Formulare unterzeichnet, Peugeot silber gegen Peugeot weiß getauscht, Sachen umgeladen, Tag gerettet.

Ich mochte weiß eh mehr..
Ich mochte weiß eh mehr..

Der Tag war auch gut, bis ich gegen 18:00 Uhr azoreanischer Zeit mal wieder Internetzugriff hatte: Die Autovermietung unserer Wahl hatte die Güte 5000USD auf meiner Kreditkarte zu blockieren – der Restverfügungsrahmen war sagen wir mal wenig attraktiv. Eine telefonische Rücksprache ergab: „The money is only blocked. We are not happy that the engine is totally broken. It worked when we gave you the car. This is a standard procedure. We will call you tomorrow.“. Anders gesagt: Kunde, du hast die Kiste kaputt gemacht, wir finden das ganz schön doof und bis auf Weiteres blockieren wir erstmal den geschätzten Gegenwert der Reparatur auf deiner Kreditkarte. Ich möchte an dieser Stelle nicht zu sehr ins Detail gehen, aber das Geld (was eigentlich nie wirklich weg wahr) wiederzubekommen, hat unzählige Telefonate mit der Kreditkartenfirma (sorry, nur gebuchte Zahlungen können reklamiert werden), dem Automobilclub (Wir bitten Sie um Geduld), der Service-Hotline der Autovermietung (Portugal ist ein Lizenznehmer .. da sehen wir nicht mal die Rechnung) und der Station (Don’t worry, the money is only blocked!), gekostet. Es ist total bemerkenswert, wie schnell 5000 Dollar geblockt, aber nicht wieder freigegeben werden können. Obwohl „eigentlich“ nicht viel passiert ist, hat dieser Zwischenfall den Urlaubsspaß doch etwas getrübt, fühlt man sich doch ein wenig hilflos. Ursache war laut Aussage der Station übrigens ein Fehler der Fabrik, wie überraschend.

Thematischer Einschub: Da unten waren wir auch - passte zu meiner Stimmung (und war ganz schön anstrengend)
Thematischer Einschub: Da unten waren wir  übrigens auch – passte zu meiner Stimmung (und war ganz schön anstrengend)

Nachdem nun also der Flug erledigt und der Mietwagen erhalten war, enterten wir unser Hotel. Eigentlich kein Hotel, sondern eher eine kleine Unterkunft mit nur vier Einheiten in familiärer Atmosphäre – Dani wollte gern etwas „Besonderes“ abseits des Hotel-Mainstreams erleben. Ich hatte basierend auf den Fotos im Internet ja ein ganz klein wenig Bedenken wie toll es sei beim Frühstück mit sechs Fremden einen Tisch teilen zu müssen, aber man muss ja auch mal etwas Neues probieren .. und Platz 1 bei Tripadvisor klang vielversprechend! Da man ja immer mit etwas Positivem beginnen soll, möchte ich zunächst von dem grandiosen Frühstück berichten – das war wirklich ein Highlight. Jeden Morgen frisches Obst, ein wechselndes Menü (mit Karte und so!), warmes Brot und frische, individuell zubereitete Speisen (also z.B. für mich immer extrem leckere Pancakes). Auch die Anlage selbst war sehr ausladend, relativ modern und wirklich gut gepflegt .. auch soweit also alles toll! Weniger positiv fand ich den auf den Gemeinschaftsbereich limitierten Internetzugang und – wie schon ganz vage vermutet – den permanenten Kontakt mit den anderen Gästen. Ein zwischenmenschlich sehr spannendes Abendessen mit den sechs amerikanischen Lehrern (You work in IT? AWESOME!) und mehrere Skype-Abende mit den Gästen aus Quebec später, konnte Dani meine Skepsis dann auch teilen 😉 Aber eigentlich war alles halb so schlimm und die Gastgeber waren auch wirklich nett! Was weniger schön war: Das Haus schien auf einer aktiven Quelle gebaut worden zu sein, denn die Luftfeuchtigkeit schon im Flur war gefühlt um 100% höher als die im Freien. Dies, gepaart mit der minimalistischen Lüftungsanlage im Bad ohne Tageslicht, führte zu Tropfsteinhöhlen-artigen Verhältnissen. Selten war meine Jeans jedenfalls morgens nasser als abends 😉

Da haben wir gewohnt - aus Gründen des Datenschutzes hier eher im Überblick ;-)
Da haben wir gewohnt – aus Gründen des Datenschutzes hier eher im Überblick 😉

Part 2: Must have seen!

Schaut man sich die Fotos in diesem Beitrag und in der Galerie an und gelingt es einem den teilweise beißenden Zynismus aus den obigen Zeilen herauszulesen, so muss man leider zwei Dinge feststellen: Zum einen hatten wir wirklich kein Glück mit dem Wetter während unserer Atlantik-Erkundung und zum anderen gab es verschiedene flankierende Faktoren, die den Urlaub ebenfalls leicht belastet haben. Realistisch betrachtet muss man natürlich zugeben, dass man zumindest die erstgenannten Umstände nicht beeinflussen kann und man im Leben nicht immer Glück haben kann 😉 Wir waren bei teilweise 15°C, Windstille und schönsten Bedingungen mitten im November auf Sylt .. und nun waren wir halt bei recht frischen Temperaturen (laut unseren Gastgebern teilweise 10°C unter dem Schnitt für diese Reisezeit), meist starkem Wind und insgesamt eher wenig Sonne im Februar auf den Azoren.

Ein versöhnlicher Eindruck des Wetters - Abendstimmung an der "Our Lady of Peace Chapel"
Ein versöhnlicher Eindruck des Wetters – Abendstimmung an der „Our Lady of Peace Chapel“

Gesamtheitlich betrachtet lag mir das Wetter auf Sylt dennoch mehr am Herzen 😉 Doch dieser Rückblick lenkt mich gleich auf ein nächstes Thema: Zu hohe Erwartungen. Während wir bei unserer Reise auf Deutschlands nördlichste Insel geistig mit sieben Tagen vor dem Kamin gerechnet haben, ganz in Ruhe und abgeschottet vom Alltag und stressigen Arbeitstagen, rechneten wir auf den Azoren mit allerschönstem Frühlingswetter. Wir malten uns Spaziergänge im seichten, warmem Wind aus und stellen uns vor, wie wir bekleidet nur von einem T-Shirt (mal auf den Oberkörper fixiert) Vitamin D in rauen Mengen tanken würden. Dieser Optimismus ging sogar soweit, dass mir das Management nicht gestattete meine Mütze mitzunehmen .. immerhin wurde der Ankauf einer regenfesten Outdoor-Jacke bewilligt (zurückblickend das am meisten getragene Kleidungsstück). Aber gesamtheitlich betrachtet – und um dem Geheul über das Wetter ein Ende zu machen – kann man nicht alles haben und sollte sich halt nie der naiven Hoffnung hingeben, dass immer nur die anderen Sturm abkriegen 😉 Nachdem ich nun versucht habe eine Grundlage dafür zu schaffen, warum die Azoren nicht unbedingt nur perfekte Eindrücke bei uns hinterlassen haben, jetzt aber zu unseren unzensierten Highlights.

Ich war auch da .. meistens sogar angemessen gekleidet
Ich war auch da .. meistens sogar angemessen gekleidet

Platz 1: Die Teeplantagen Chá Gorreana

Da ich mich schwer damit getan habe meine persönliche Nummer 1 zu identifizieren, habe ich mich einfach an tolle Begleitumstände gehalten: Die Teeplantagen im Nordosten von Sao Miguel haben wir schönstem Sonnenschein und an Danis Geburtstag besichtigt. Das war toll .. auch wenn einige Stunden zuvor der Mietwagen seinen Motorschaden erlitten hatte. Offen gesagt war es jedoch weniger das Haupthaus der Plantage (dieses wird in diversen Reiseführern vollmundig gelobt .. wir fanden es zwar recht nett, letztendlich aber unspektakulär), als viel mehr der Spaziergang auf dem vorangelegten und gut ausgeschilderten Wanderweg direkt in die Teefelder, der uns so positiv im Gedächtnis geblieben ist. Hier wandelt man inmitten eines saftigen Grüns, kann immer wieder die faszinierenden Formen der akribisch angelegten Pflanzenreihen bewundern und dabei Höhenmeter um Höhenmeter den Blick auf das Meer und die Insel genießen. Insbesondere bei Sonnenschein – den wir wie schon erwähnt zumindest die ersten 2/3 unserer Wanderung genießen durften – ein absolutes Highlight. In der Nebensaison ist hier absolut nichts los, so dass man außer auf ein paar wenige Wanderer eigentlich nur auf Mitarbeiter der Plantage trifft. Der „untere“ Teil des Trails hat uns übrigens besser gefallen als der obere Abschnitt im Wald – ohne die Weitsicht fehlt dann doch etwas der Faszination. Idealerweise empfiehlt sich die Mitführung eines kleinen Proviantrucksacks, so dass man unterwegs ein Picknick einlegen und die faszinierende Landschaft ganz in Ruhe genießen kann. Eintritt: 0€, Zeitaufwand: Ca. 2-3h, Parken: In der Nebensaison völlig schmerzfrei, tendenziell eher wenige Stellplätze, Erreichbarkeit: Wie fast alles auf den Azoren absolut problemlos gegeben .. je nach Lage der Unterkunft muss man halt ein paar Kilometer fahren. Dies ist aber über die gut ausgebaute Schnellstraße zügig zu meistern.

Panorama-Blick aus den Teefeldern - wirklich schön!
Panorama-Blick aus den Teefeldern – wirklich schön!

Platz 2: Unsere „Dschungelwanderung“ zum Salto do Prego über Sanguinho

Wer auf die Azoren fliegt, sollte sich eine Wanderung zum Salto do Prego auf gar keinen Fall entgehen lassen. So viel Dschungel-Atmosphäre, Blumenstrauß-Geruch und Abenteuer-Feeling hatten wir sonst nirgendwo auf der Insel. Die vollständig kostenneutrale Wanderung startet dabei in Faial da Terra (im Südosten der Insel) und beginnt mit einem vergleichsweise steilen Anstieg. Wir wählten voller Naivität die linke Route, was sich als absolut richtige Entscheidung herausgestellt hat, denn ich denke, nur so passiert man automatisch Sanguinho. Über gewundene, aber gut ausgebaute Wege (nicht Straßen!) geht es stetig bergan, so dass man nach jeder Kurve eine etwas bessere Sicht auf das Dörfchen mit dem Meer im Hintergrund erhält. Irgendwann trifft man dann ganz unerwartet (und gefühlt mitten im Grün) auf einen zivilisierten Ort mit Bananenbäumen, einem Brunnen und sogar Straßenlaternen. Das klingt an dieser Stelle völlig banal, doch wenn man vor Ort war – erlebt hat wie abgeschieden sich dieses kleine Stückchen Zivilisation anfühlt und wie schlecht es angebunden ist – dann ist man doch überrascht, von dem was man da sieht. Als vom alltäglichen Stress Getriebener kann man sich kaum vorstellen die wenigen Felder rund um Sanguinho zu bewirtschaften, abends den Blick auf das Meer schweifen zu lassen und so sein Leben zu verbringen – fern ab von Eskalationen, Steering Committees, One-Pagern und Work-Life Balance (aber auch ohne Highspeed-Internet und 5 Zylinder-Turbomotoren).

Sanguinho City Center - ein friedlicher Ort
Sanguinho City Center – ein friedlicher Ort

Sicherlich kein Leben das ich wählen würde, doch zumindest eines, dass es sich lohnt (wenn auch nur ganz oberflächlich) zu sehen. Von Sanguinho aus ist es nur noch ein recht kurzer Marsch zum Salto do Prego genannten Wasserfall, welchem man sich auf zunehmend kleiner werdenden Wegen nähert. Dabei geht es oft über kleine Brücken und häufig über schmale und durchaus auch mal überspülte Pfade – toll! Der Wasserfall selbst liegt dann am Ende dieses Trails und ergießt sich im Prinzip in einem größeren „Kessel“, welcher von Wanderern gern ausgiebig und zeitintensiv okkupiert wird. Auch der Rückweg in Richtung Fahrzeug verläuft auf gut erkennbaren Wegen durch die Natur und bietet mit Bachquerungen und vielen Vogelstimmen tolle Eindrücke von der Natur – so behält man die Azoren gern im Gedächtnis! Ich vermute, dass wenn wir Sonne gehabt hätten, der Trip in den Dschungel noch toller gewesen wäre. Trotzdem: Unbedingt machen .. lohnt sich uneingeschränkt!

Daniana Jones?
Daniana Jones?

Platz 3: Termas da Ferrraria (nein, hat nichts mit Sportwagen aus Italien zu tun)

Von der reinen Kraft der Natur haben mich die Termas da Ferraria im Westen der Insel sicherlich am meisten beeindruckt. Nachdem man seinen Mietwagen zielsicher einige viele Serpentinen gen Meeresspiegel gesteuert hat, sind es nur noch einige Meter vom großzügigen Parkplatz zur faszinierenden Kraftdemonstration von Wasser und Wind. Die Thermen mit Badebecken und vergleichsweise teurem Eintritt darf man übrigens durchaus vernachlässigen – ich persönlich fand sie nicht allzu einladend. Umso intensiver wirkte auf mich das Erlebnis das Geräusch des Meeres zu hören, wenn es immer und immer wieder gegen die Lavafelsen schlägt, dabei seine Gischt meterhoch gen Land schleudert und dabei die Luft mit dem Geruch des Atlantiks füllt. Vermutlich ist es der schroffe Anblick der erhärteten, schuhfeindlichen Lava, der so einen bemerkenswerten Kontrast zum Blau des Meeres bietet.

Blick auf die Termas vor der Serpentinenbewältigung
Blick auf die Termas vor der Serpentinenbewältigung

Wenn das Wetter – nicht so wie zum Zeitpunkt unseres Besuchs – ruhiger ist, kann man hier übrigens bei Niedrigwasser in einem natürlich beheizten Meerwasserbecken baden .. es gibt hier sogar (die Reste) eine(r) Umkleidekabine inklusive Spinden.

Viel spannender als das Meerwasserbecken ist aber die Brücke vom „Festland“ auf die vorgelagerte Minihalbinsel, die sich dem Atlantik entgegen streckt. Je nach Tide und Stärke der Windboe rauschen hier Wassermassen durch einen natürlichen Kanal, die unweigerlich an den letzten Besuch im Strömungskanal des lokalen Spaßbades erinnern. Höhenunterschiede des Wasserspiegels von 3-5m ergeben sich quasi sekündlich und von irgendwo spritzt eigentlich immer Wasser. Diese beeindruckenden, lebendigen und rauen Bedingungen haben uns zwar den Zugriff auf einen Geocache vereitelt (der Weg über den relativen schmalen Hals zwischen Festland und Halbinsel war uns dann mit Hinblick auf die reißenden Wassermassen doch zu gefährlich) und zudem völlig durchnässt (danach hatten wir neben den wasserdichten Jacken auch Ersatzhosen dabei), werden mir aber bestimmt noch lange im Gedächtnis bleiben. Wie so oft auf den Azoren: Kein Eintritt, keine Parkgebühren, einfach kommen und staunen!

Bewegte Wassermassen wie im Schüttelglas
Bewegte Wassermassen wie im Schüttelglas

Platz 4: Der Terra Nostra Park in Furnas

Gleich das zweite Ziel während unseres ersten vollen Tages auf der Insel war der Terra Nostra Park. Er ist neben den natürlich beheizten Naturbadebecken im Westen der Insel eine der wenigen Attraktionen, bei den wir Eintritt zahlen mussten (selbiger war aber absolut im Rahmen und definitiv gerechtfertigt). Highlight des Parks sind neben den unzähligen Palmen, Blumen und unterschiedlichsten Gewächsen (an mir ist einfach kein Botaniker verloren gegangen) definitiv der Naturbadeteich in allerfeinstem Braunton. Leider kann ich dem geneigten Leser an dieser Stelle keine persönlichen Eindrücke vom Badeerlebnis vermitteln, da mir zu diesem Zeitpunkt einfach zu kalt war. So richtig hatte ich die fehlenden Mütze zu diesem frühen Zeitpunkt unserer Reise noch nicht verschmerzt und irgendwie lagen die Temperaturen insgesamt ein klein wenig unter dem mir versprochenen Bereich (ich erwähnte es bereits) 😉 Dani jedoch war so mutig und stürzte sich in die rein optisch zumindest bedenklich gefärbten Fluten .. glücklicher Weise gänzlich ohne negative Folgen. Das Wasser ist mit ca. 39°C ausgesprochen warm, so das man mit Blick auf die umliegenden Bäume und das direkt angeschlossene Herrenhaus ausgiebig Plantschen kann. Die wohlige Wärme sollte man ausgiebig aufsaugen, denn die anschließenden Duschen (deren Besuch obligatorisch ist, da das stark eisenhaltige Wasser Verfärbungen auf der Haut hinterlässt) sind definitiv nicht beheizt – weder natürlich, noch industriell 😉

Hauptbecken in einladender Färbung
Hauptbecken in einladender Färbung
Dani ganz mutig - und gut gelaunt!
Dani ganz mutig – und gut gelaunt!

Insgesamt lässt es sich im Terra Nostra Park sehr schön spazieren gehen; ferner bildet er mit seiner Lage in Furnas eine ideale Ausgangsbasis für weitere Aktivitäten in diesem Teil der Insel.

Platz 5: Der Lagoa Azul

Ein in jedem Touristen-Guide für die Insel genanntes (und meist sogar auf dem Cover gezeigtes) Highlight ist sicherlich die Region um den blauen See, den Lagoa Azul. Die in dieser Region vermutlich sinnvollste Aktivität – neben Rallye-Fahren auf dem Bergkamm, wie im Flieger gezeigt, besteht hier in einer Wanderung, die man je nach persönlichem Gusto zwischen Nachmittagsspaziergang und ganztägiger Herausforderung ansiedeln kann. Wir entschlossen uns am (zumindest laut Wettervorhersage) zweit schönsten Tag unserer Woche auf den Azoren für eine eher kurze, ca. 11km lange Wanderung ab Sete Cidades bzw. einem nahegelegenen Parkplatz. Da wir aber wenig motiviert waren mehrere Kilometer steilen Aufstiegs direkt parallel zur Straße zurücklegen zu müssen, nutzten wir in diesem Zusammenhang das erste und einzige Mal während dieser Woche ein Taxi. Selbiges zu organisieren war jedoch weniger einfach als gedacht, da in Metrolpolregion alle der insgesamt null auffindbaren Taxen belegt waren. Erst nach zweimaligem Durchfragen konnte ein freundlicher Einheimischer dank mehrerer Telefonate ein geeignetes Mobil organisieren. Nach einem freundlichen Smalltalk in bestem Englisch (Finger auf Karte, 11€, Verabschiedung: „Good luck!“) ging es auch schon los. Fazit: Klappt eigentlich alles ganz prima, wir wurden genau am gewünschten Zielpunkt abgesetzt und äußerst preisgünstig ist diese Option obendrein auch noch.

Angekommen an dem von Dani in akribischer Vorarbeit perfekt ausgewählten Parkplatz (an dem zufällig auch eine Cache-Serie startete) ging es auch schon los und wir begaben uns auf den spannenden Trail oben auf dem Kamm am Lagoa Azul entlang. Da wir in diesem Blogbeitrag ja ausnahmsweise nicht zu ausschweifend werden wollen, beschränke ich mich darauf zu berichten, dass die Wanderung körperlich eher entspannt ist, zuweilen sehr schöne Aussichten bietet und bei Sonne herrlich zum Abschalten geeignet ist.

Panoramablick - sorgfältig ausgesucht nach idealen Sonnenverhältnissen
Panoramablick – sorgfältig ausgesucht nach idealen Sonnenverhältnissen

Bei weniger idealen Wetterverhältnissen kann (…) es auch schon mal ungemütlich, ja gar kalt und zugig werden .. aber daran gewöhnt man sich mit der Zeit 😉 Ansonsten eine wie gesagt tolle Halbtagsbeschäftigung, die problemlos zu einem Ganztagestripp ausgebaut werden kann, und durchaus empfehlenswert ist. Trotzdem landet diese Station unserer Erkundungstour nur auf dem fünften Platz, da z.B. eine Wanderung im schönen Bayern mit Blick auf die dort omnipräsenten Seens meiner Meinung nach ähnliche oder sogar nachhaltigere Impressionen liefern kann.

Perfekte Bedingungen für eine lockere Frühlingswanderung (hier auch die bereits oben erwähnte, extrem wichtige Sonderausstattung im Bild)
Perfekte Bedingungen für eine lockere Frühlingswanderung (hier auch die bereits oben erwähnte, extrem wichtige Sonderausstattung im Bild)

 Platz 6: Diverse

Jetzt habe ich in fünf kurzen Absätzen von den touristischen Highlights berichtet, die wir besucht und die mir dabei am besten gefallen haben. Sicherlich bleiben dabei – zu unrecht – viele andere nette Ecken und kurze Trips auf der Strecke .. aber für diesen Fall gibt es ja die obligatorische Reiseliteratur 😉 Was sich aus meiner Sicht definitiv lohnt ist in Abhängigkeit von den jeweiligen Wetterbedingungen eine ausgedehnte Tour über die Insel mit Stopps an den zahlreich vorhandenen, touristisch sehr gut erschlossenen „Miradouros“ (Sehenswürdigkeiten) in unmittelbarer Nähe zur Straße. Auf diese Weise haben wir wirklich sehr viele schöne Parks, Aussichtspunkte und idyllische Plätze gesehen, die zudem auffallend akribisch gepflegt und sehr sauber waren. Keine Ahnung, was hier zur Saison los ist, aber für die vergleichsweise sehr ruhige Zeit während unserer Tour war hier meist (abgesehen vom Reinigungspersonal) keine Menschenseele anzutreffen – trotzdem war alles so, als ob morgen Tag des Denkmals wäre. Hierfür muss man den Azoren ein ganz explizites Lob aussprechen!

Ausblick von einem der vielen, empfehlenswerten Miradouros
Ausblick von einem der vielen, empfehlenswerten Miradouros

Auch eine kurze Stadttour durch Ponta Delgada, welches mit Hinblick auf die Bevölkerungsdichte das zentrum der Azoren darstellt, ist durchaus empfehlenswert und bietet die verschiedensten Facetten – von einer recht engen, lauten Innenstadt, über einen modernen Hafen bis hinzu Surfern am künstlich angelegten Strand. Ferner zählt eine Besichtigung der brodelnden (und geruchstechnisch sehr intensiven) Quellen (vor allem in der Region um Furnas) sicherlich zu den kleinen Highlights, die während einer Erkundungstour auf Sao Miguel nicht fehlen sollte.

Brodelnde, geruchs-intensive Quellen .. sollte man ebenfalls gesehen haben
Brodelnde, geruchs-intensive Quellen .. sollte man ebenfalls gesehen haben

Natürliche, warme Badebecken gibt es übrigens auch am touristisch ebenfalls sehr gut erschlossenen Wasserfall Caldeira Velha in der Nähe von Ribeira Grande, dem man mit einer schönen Erkundungstour zum Lagoa do Fogo (bei uns gab es statt Fogo leider nur Nebel zu sehen) verbinden kann. Auch hier (also am Wasserfall) kann man in natürlich erwärmten Fluten baden, sollte sich aber auf eine gewisse Menschenansammlung in dem kleinen Tal gefasst machen – außerdem ist die Chance für Motorschäden in dieser Region unserer persönlichen Erfahrung nach am größten 😉

Part 3: Fazit & Außerdem

Jetzt ist schon ziemlich viel gesagt (~3500 Wörter), einige Absätze lang gejammert und über mehrere Textblöcke hinweg gelobt wurden – rund zwei Monate nach dem Urlaub und fast fünf Monate nach Beginn des neuen Jahres wird es so langsam wirklich Zeit hier zum Ende zu kommen.

Genug gejammert - aber wenn's doch hilft ;-)
Genug gejammert – aber wenn’s doch hilft 😉

Müsste ich unseren Urlaub auf den Azoren ganz kurz zusammen fassen, dann würde ich sagen: Man kann nicht immer gewinnen 😉 Wir hatten einfach mit verschiedenen Rahmenbedingungen wie Wetter, Unterkunft, Mietwagen und An- bzw. Abreise nicht wirklich Glück, was den Gesamteindruck ein wenig schmälert. Aber wir hatten uns, wir hatten Zeit für einander, wir waren eine Woche ganz weit Weg vom Business (aber nicht vom Ärger) und wir haben einige schöne Momente erlebt (und dabei über 50 Geocaches besucht). Vielleicht zeigen sich die Azoren manchmal auch von einer ganz anderen Seite und vielleicht sind viele Impressionen unter anderen Rahmenbedingungen ganz anders .. bei entsprechend günstigen Faktoren könnte man durchaus empfehlen dies selbst auszuprobieren. Für uns bleibt jedoch ein Eindruck am bezeichnendsten (und das ist jener, der uns am meisten an diesen Urlaub erinnert): Wenn wir spazieren gehen bzw. Fahrrad fahren, eine steife Brise von vorn kommt, der Himmel Wolken verhangen ist und die ersten Regentropfen gen Boden rauschen, dann sagt einer von uns meistens „Ganz schön azoreanisch“, worauf der andere in der Regel ergänzt „Naja, ein bisschen besser ist es schon noch..“. 😀

Bye bye, Azoren - die nasse Insel mitten im Atlantik ;-)
Bye bye, Azoren – die nasse Insel-Gruppe mitten im Atlantik 😉

DANKE für’s Lesen .. und jetzt weiter mit ein bisschen leichterer Lektüre – in der Zwischenzeit gibt es weitere Eindrücke nach Tagen sortiert (und liebevoll nachbearbeitet) in der Gallery.

Auf dem Floß da ist was los – Erlebnisbericht einer besonderen Isartour

Nachdem wir am Vortag ja bereits die Alpen unsicher gemacht und die Idylle des Chiemsees genossen hat, stand für diesen Freitag (den 16.08. übrigens) eine ganz besondere Gaudi auf dem Plan: Eine organisierte Floßfahrt auf der Isar. Ursprünglich gedacht als Hochzeitsgeschenk zeigten sich die Beschenkten so angetan, dass sie den Spaß gern auch mit einigen Kollegen und Freunden teilen wollten. Zurückblickend eine super Idee, denn so richtig Stimmung kommt auf dem Wasser halt doch erst auf, wenn man sich kennt und ein paar Spaßgaranten dabei hat 😉

Stimmungsbild zur Einleitung :-)
Stimmungsbild zur Einleitung 🙂

Doch der Reihe nach: Unsere Floßfahrt startete früh, eigentlich sogar viel zu früh. Denn obgleich der Erstkontakt mit dem Wasser erst gegen 09:30 Uhr geplant war, galt es doch zuvor via Bustransfer von München aus zum Startplatz der lustigen Tour gebracht zu werden. So mussten wir schon 08:30 Uhr in der Nähe des Hauptbahnhofs sein und dazu abermals einige Minuten eher in Ismaning mit den öffentlichen Verkehrsmitteln aufbrechen (Autofahren möchte nach so einem Tag sicher niemand mehr..). Kurz gesagt mussten wir verdammt früh aufstehen, um nach einem Zwischenstopp beim Bäcker pünktlich den Rendevouz-Punkt zu erreichen. Wie auch am Vortag lachte uns die Sonne dabei mit ihrem breitesten Grinsen an und glücklicherweise sollte es auch den gesamten Tag über so bleiben. Die Maximaltemperaturen für diesen schönen Sommertag waren mit 24°C zudem auch sehr „human“ angesagt, so dass man zusammenfassend von besten Voraussetzungen sprechen kann.

Nach einigen Minuten des Wartens gesellten sich immer mehr „Seefahrer“ zu unserem Sammelpunkt und irgendwann durften wir die hochmodernen Reisebusse (sehr sauber, absolut geruchsneutral, Daumen hoch) dann auch betreten. Wenige Augenblicke später schunkelte das Monster über die Straßen Münchens und brachte uns langsam aber stetig vom Zentrum weg. Dabei erklang nach einigen Minuten eine zünftige Blasmusik, die immer mal wieder von (professionell aufgezeichneten) Erklärungen und Hinweisen unterbrochen wurde. Bereits nach wenigen Minuten war ich recht überrascht von der insgesamt sehr gut vorbereiteten und recht „kommerzialisierten“ Organisation der Fahrt .. ich hatte mir die ganze Sache naiverweise etwas hemdsärmeliger vorgestellt. Nach rund einer halben Stunde Fahrt (können auch 45 Minuten gewesen sein) hielt der Bus auf einem mittelgroßen Platz, der zudem das Ende eines recht kleinen Feldweges darstellte. Eifrig verließen wir unser Vehikel und warteten auf die Dinge die da kommen mögen, während die Band (welche wir unterwegs aufgesammelt hatten) als erstes an Bord ging. Wenige Minuten später war es dann soweit: Wir enterten einer nach dem anderen das Floß. Das Floß, dass ist ein 18m langes und 7m breites Wasserfahrzeug, dass aus Stämmen aus den Alpen (müssen eine Saison halten) vor der Tour von den Flößern in 90 Minuten zusammengebaut und unmittelbar nach der Ankunft wieder zerlegt und per Tieflader zurück zum Ausgangsort der Reise gebracht wird. Beeindruckt? Ich war es zumindest.

Das noch jungfräuliche Floß am Startplatz
Das noch jungfräuliche Floß am Startplatz

Auf dem „Kahn“ angekommen, zeigte sich dann ein weiterer Aspekt der Kommerzialisierung: Auf recht engen Bänken mussten wir rund 70 Reiselustige uns zusammendrängen – auf Gruppen konnte hierbei natürlich nur bedingt Rücksicht genommen werden. So saßen wir also eng an eng (um ehrlich zu sein sogar enger als in der Economy Class eines Inlandsflugs) und warteten auf den Beginn der Tour, während wir als erstes von einem lust’gen Fotografen abgelichtet wurden. Irgendwann ging es dann aber los und noch während unser Floß rückwärts zur Fließrichtung der Isar trieb, begann der Chefentertainer Werner ein paar interessante Dinge zur Natur, dem Floß und dem Ablauf unserer Reise zu berichten – sympatisch. Zeitgleich begann auch der Ausschank des (im Preis inkludierten) Biers, was quasi eine Schlüsselstellung im Stimmungsverlauf der weiteren Odyssee einnahm. Keine 15 Minuten nach dem Ablegen gab es ein erstes Prosit und während es rund um uns herum lustig plätscherte, wurden die Kehlen mit bestem bayrischen Bier befeuchtet. Da so ein Gerstensaft aus dem eigens dafür übergebenen Krug (Aufdruck: Auf dem Floß da ist was los) natürlich eine Grundlage benötigt, wurden auch Brezen, Semmeln mit Leberkäs und (etwas später) auch Würstchen, Käsesemmeln und saure Gurken gereicht. Für die Damen an Bord unseres Dampfers standen zudem wunschweise Piccolos bereit. Was ich damit sagen will: Es war an alles gedacht, es war alles sehr lecker und alles war in rauen Mengen verfügbar. Während der gesamten Fahrt (d.h. auch nicht fünf Minuten vor dem Anlegen am Abend) hatte man niemals das Gefühl, dass hier irgendetwas abgezählt war oder nicht alle werden sollte – ein ganz großes Lob.

Stimmungsvoller Start in einen tollen Tag
Stimmungsvoller Start in einen tollen Tag
Dani: Ohne Tracht, aber mit vollem Krug
Dani: Ohne Tracht, aber mit vollem Krug

Während wir so dahin schwammen und Flößer (Förg) und Steuermann (Stürer) uns auf Kurs bzw. in sicheren Bereichen der Isar hielten, berichtete uns Werner von der Geschichte des Floßes, dass vom Lastschiff zum Lustschiff wurde .. und gab im späteren Verlauf des Tages auch so manchen Witz von sich. Auch sonst wurde die Stimmung von Minute zu Minute besser, spielte die Band auf und floss das Bier in Strömen. So angeheitert (einmal im Jahr darf man das auch schon vor 10:00 Uhr sein) lockerte sich auch nach und nach die Sitzordnung, so dass wir uns irgendwann im vorderen Bereich des Floßes (also in der Nähe des Flößers mit seinem Ruder) mit unserer Gruppe trafen. Spätestens ab jetzt steuerte der Tag direkt darauf zu ein insgesamt perfektes Erlebnis zu werden, denn unter schönster Sonne, mit netten Menschen und bei bester Stimmung kann man sich einfach nur wohlfühlen. Mit zunehmender Feierlaune wurden wir uns auch immer sicherer, dass früher oder später jemand (unfreiwillig) über Bord gehen würde, denn die schmalen Pfade an den Außenseiten der Bänke waren doch – insbesondere Barfuß – sehr glitschig. Das uns noch nicht einmal die ambitionierten Mitfahrerinnen auf Highheels diesen Spaß gönnten, ist zurückblickend fast schon etwas schade.

Stimmung!
Stimmung!
Ein paar Leute mussten auch arbeiten - bei Niedrigwasser vermutlich sogar noch mehr
Ein paar Leute mussten auch arbeiten – bei Niedrigwasser vermutlich sogar noch mehr als sonst

Die unterhaltsamen Gespräche auf unserem Wasserfahrzeug wurden mal mehr, mal weniger deutlich vom friedlichen Brummen des Außenbordmotors untermalt – andernfalls hätten wir die rund 30km lange Strecke mit Hinblick auf das zu diesem Zeitpunkt vorherrschende Niedrigwasser der Isar vermutlich nicht zurückgelegt. Aus jetziger Sicht betrachtet gebe es natürlich schlimmere Szenarien als dieses .. schließlich waren die Vorräte mehr als ausreichend dimensioniert 😉 Wenn wir wegen des Motors schon über das Heck des Floßes sprechen, möchte ich an dieser Stelle noch kurz auf eine weitere Besonderheit der urigen Tour auf dem Wasser eingehen: Dem Isar Wasser Closett, kurz IWC. Wer sich hier ein von Planen verstecktes Dixie-Klo vorstellt, denkt übrigens zu optimistisch 😉 So sollte man schon durchaus „abenteuerlustig“ sein, oder die individuellen menschlichen Bedürfnisse auf die Mittagsrast im Biergarten beschränken.

Mindestens zwei Personen auf diesem Bild haben das Essen genossen ;-)
Mindestens zwei Personen auf diesem Bild haben das Essen genossen 😉

Auch selbige war übrigens absolut perfekt organisiert: Anlegen, reservierte Plätze einnehmen, kurz warten, lecker essen (im Preis inkludiert), dabei die Floßrutsche bewundern und anschließend wieder das Wasserfahrzeug besteigen. Auch auf Sonderwünsche bezüglich des Essens wurde eingegangen und man fühlte sich rundum gut betreut – klasse. Direkt nach der rund 60 minütigen Pause steuerte unsere Floßbesatzung dann zielsicher auf die bereits angesprochene Rutsche zu, welche mit 365m Länge und 18m Höhenunterschied zudem die längste ihrer Art in Europa ist. Wie wir nach kurzer Zeit feststellen durften, war die Passage dieses interessanten Abschnitts gleichzeitig die feuchteste Erfahrung des Tages, kamen uns während der lustigen Fahrt im Kanal doch sogar die Bretter der Passagierplattform entgegen. Danach ging es so weiter wie davor – zünftige Musik, lockere Gespräche und jede Menge guter Stimmung. Irgendwann erreichte selbige ein derart hohes Niveau, dass sogar die ersten Tourteilnehmer (mehr oder weniger unabgesprochen) ein erfrischendes Bad in der Isar nahmen. Obgleich ich von dieser verlockenden Option nicht Gebrauch gemacht habe, waren die Bilder der schwimmend „nachtankenden“ Freunde schon durchaus witzig 😉 Ebenso unterhaltsam waren auch die immer mal wieder am Ufer sichtbaren Radfahrer und Spaziergänger, die in der Regel sehr neugierig schauend (zurück) winkten – macht Spaß!

Trinken geht offensichtlich in jeder Lage
Trinken geht offensichtlich in jeder Lage

Gegen 16:45 Uhr erreichten wir (gefühlt viel zu schnell) unsere Anlegestelle, nicht ohne auf den letzten Kilometer vorher noch mehrmals von unten gewässert worden zu sein. Mit gekonnten Handgriffen legte unser Floß an, und wenige Augenblicke nach der herzlichen Verabschiedung von der „Besatzung“ saßen wir auch schon wieder leicht geschafft, aber ziemlich guter Laune, im Bus. Nach einem Tag voller Sonne, Wasser und vielen Prosits ging es zurück in Richtung München Zentrum, wo schon ein weiterer Biergarten auf uns wartete. Spätestens nachdem ich unterwegs den Flüssigkeitshaushalt meines Körpers wieder auf ein normales bzw. erträgliches Level bringen konnte, konnte ich mich dann auch so richtig auf den Ausklang des Tages freuen. Bei frischen Pommes und einer Maß Radler (es war dann doch genug Bier für diesen Tag) rekapitulierten wir das Erlebte .. und schmiedeten bereits erste Pläne bezüglich einer möglichen Wiederholung.

Das Ende der Tour aus Sicht des Floßes
Das Ende der Tour aus Sicht des Floßes

Fazit: Eine Floßfahrt auf der Isar kann ich – insbesondere bei gutem Wetter und mit den richtigen Leuten (je mehr, desto besser) nur uneingeschränkt empfehlen. Die Organisation war tadellos, die (von der Band und der Besatzung auch etwas forcierte) Stimmung hervorragend und die Tour durch die bayerische Natur entlang der Isar einfach nur sehr schön. Als „Zuageroaster“ haben wir uns übrigens (trotz fehlender Tracht) die gesamte Tour über nicht gefühlt – hier muss man also keine Bedenken haben. Definitiv ein Highlight des Jahres 2013!

Ein toller Tag auf dem Wasser!
Ein toller Tag auf dem Wasser!

Weitere Eindrücke gibt es drüben in der Galerie: Klick.

Dem Himmel ganz nah: Tag der Luftfahrt 2013

Als ich vor wenigen Tagen morgens leicht verschlafen auf dem Weg zu meinem derzeitigen Lieblingskunden war, weckte plötzlich ein Werbespot im Radio meine Aufmerksamkeit: Historische Flugzeugausstellung, der A380 ganz nah sein, Fahrzeugausstellung, Einblick in die Welt der Flugsicherung .. das klang ziemlich spannend. Geboten wurde all dies und mehr im Rahmen des ersten Tages der Luftfahrt am Flughafen Frankfurt.

Wie auch schon bei Happy Landings waren wir sofort Feuer und Flamme und versuchten augenblicklich Tickets zu ergattern. Im Gegensatz zum Eröffnungsevent der neuen Landebahn (Los-System, bei dem wir Glück hatten) verlief beim Tag der Luftfahrt alles ganz zivil: Auf die Webseite des Partner-Radiossenders (FFH) gehen, kurz ein paar Daten eintragen und schon hielten wir zwei personalisierte Tickets in unseren Händen. Zum Zeitpunkt unserer Anmeldung standen noch fast alle Zeiträume (Samstag und Sonntag, jeweils zwischen 10:00 und ich glaube 18:00 Uhr) zur Verfügung, so dass wir für den frühestmöglichen Terminkorridor entschieden (the earyly bird catches the worm und so).

Das wir mit unserem Interesse für diese spannend klingende Veranstaltung nicht alleine dastanden, zeigte sich bereits wenige Tage später, als alle 40.000 Tickets vergeben waren. Auf Grund der geringen Vorlaufzeit zwischen Anmeldung und Event vergingen die verbliebenen Tage wie im Flug (übrigens eine thematisch hervorragend passende Metapher) und ehe wir uns versahen, fanden wir uns im Parkhaus P4 Business Parking (meine absolute Empfehlung – geringer Mehrpreis, viele Vorteile) wieder. Einige Meter später erspähten wir auch schon die lange Reihe wartender Shuttlebusse, welche die neugierigen Besuchermassen gen Veranstaltungsfläche transportieren sollten. In die erste Reihe schafften wir es zwar nicht mehr rechtzeitig, doch kurz nach 10:00 Uhr saßen wir neugierig im Bus gen Ausstellung. Was würde uns erwarten? Wie würde es im Vergleich zu Happy Landings sein?

"Soooo groß!"
„Soooo groß!“
Dani hat dann mal in erster Reihe geparkt und freut sich ;-)
Dani hat dann mal in erster Reihe geparkt und freut sich 😉

Der Massentransport ruckelte und zuckelte überraschend lange, bevor er uns nach einigen Minuten am Rande einer Baustelle absetzte. Eifrig gliederten wir uns in den Menschenstrom gen Eingang ein, die im Hintergrund wartende A380 schon fest im Blick. Die weiteren Formalien gestalteten sich dann erstaunlich minimalistisch: Kein Sicherheitscheck, keine Identitätskontrolle. Einfach zwei mal kurz „Beep“ und schon befanden wir auf dem großzügig dimensionierten Veranstaltungsgelände. Selbstredend steuerten wir als erstes zielsicher auf die A380 zu – zu groß war die Neugier darauf den Riesenvogel aus allen Winkeln betrachten zu können. Majestetisch, riesig, modern, elegant .. so stand die „Frankfurt am Main“, D-AIMA, bekannt aus verschiedenen Reportagen und Dokumentationen auf dem Vorfeld. Es gab auch eine Gangway gen Einstieg und die Schlange der Wartenden vor selbiger erschien sogar akzeptabel kurz. Leider mussten wir Augenblicke später erfahren: Nur mit Bordkarte. Selbige gab es angeblich „irgendwo bei FFH“. Na gut, also wieder ganz grob zurück Richtung Eingang gedreht und dann Kurs auf das weitere Veranstaltungsgelände gesetzt.

Zu sehen gab es alles, was so im Flughafenbetrieb in Bodennähe herum wuselt
Zu sehen gab es alles, was so im Flughafenbetrieb in Bodennähe herum wuselt

Selbiges wurde zunächst von einem gefühlt überdimensionierten E-Bike-Verleih gekennzeichnet, kurze Zeit später folgte dann eine eindrucksvolle Ausstellung wirkungsvoll geparkter und auf Hochglanz polierter Flughafenfahrzeuge. So inspizierten wir Schneefräsen, bewunderten Enteisungsfahrzeuge und betatschen die harten Borsten der Kehrmaschinen. Bei einer angenehm geringen Besucherdichte fühlte man sich nie gehetzt oder bedrängt und konnte die Ausstellung bei bestem Sonnenschein und seichtem Wind ausgiebig genießen. Auf unserem weiteren Weg kamen wir dann auch an der FFH-Bühne vorbei, wo es jedoch ad-hoc gar keine Bordkarten (und auch keine Hinweisschilder zu selbigen) gab. Um es kurz zu machen: Irgendwann fanden wir durch mehrfaches Fragen heraus, dass pro Stunde 50 Bordkarten verlost werden. Darauf hatten wir dann jedoch keine Lust und setzten unseren Spaziergang einfach fort. Nach einem Besuch am Absperrzaun zum eigentlichen, produktiv genutzten Flughafen (inklusive toller Impressionen und ungewohnter Perspektiven) ging es langsam wieder zurück gen Eventfläche. An diesem Punkt fiel uns übrigens auf, wie „dezent“ die Abtrennung zwischen Ausstellung und eigentlichem Flughafen war .. für Neugierige wäre der Besuch des Tags der Luftfahrt daher vermutlich sogar ohne jegliche Ausstellung lohnenswert gewesen.

Stand nicht nur rum, sondern startete auch (zumindest ein Schwesterflieger): Die A380
Stand nicht nur rum, sondern startete auch (zumindest ein Schwesterflieger): Die A380

Auf dem Rückweg lag unser Fokus nun auf den vielfältigen ausgestellten Feuerwehr-, Zoll- und Polizeifahrzeugen. Während Dani mal die Rolle als Bediener einer Drehleiter probte, begutachtete ich die funktionale Innenausstattung eines Polizei 5ers .. sowas brauch ich auch 😉 Während wir an verschiedenen Positionen Platz nahmen, fiel immer wieder auf, wie freundlich und gut gelaunt die anwesenden „Bewacher“ waren – so macht die Kontaktaufnahme Spaß!

Dani probiert sich mal in einer anderen Jobrolle
Dani probiert sich mal in einer anderen Jobrolle

Auch eine kurze Demonstration der Zollhundestaffel sahen wir uns eher aus Zufall an – zum Glück war es nach wie vor problemlos möglich einen freien Platz am Absperrband zu finden. Ein stärkendes Eis später näherten wir uns dann erneut dem Highlight des Tages: Der Flugzeugausstellung. Dabei war es für mich sehr überraschend, wie nah man den Exponaten kommen konnte und durfte. Dies gilt sowohl für die gezeigte Boing 737-500 der Lufthansa Technical Training, als auch für die verschiedenen historischen Flieger und sogar die A380. Großflächige Absperrungen gab es nicht, so dass man bis auf wenige Meter an die Hightech-Vögel und Oldies heran kam. Letztere wurden dann aber doch durch ihre Besitzer / Aussteller akribisch bewacht, so dass der nötige Respekt dem Material gegenüber quasi passiv eingefordert wurde 😉  Insbesondere um den riesigen Airbus schlichen wir daher mehrmals herum; begutachteten ihn aus allen möglichen Winkeln und Perspektiven. Auch wenn ich rational nicht so recht erklären kann warum, übt die A380 doch eine große Faszination aus und zieht den Blick immer und immer wieder auf sich. So bot sie auch eine tolle Kulisse für die sonstigen Exponate, welche von modernen Kunstfliegern bis zu historischen Maschinen reichte.

Auf Hochglanz polierte Oldtimer
Auf Hochglanz polierte Oldtimer
Dimensionen, die faszinieren
Dimensionen, die faszinieren

Insbesondere der LEOS Schlepper vom Typ AST-1X verdeutlicht einem dabei, wie gigantisch die Ausmaße der Maschine sind und welche Kräfte erforderlich sind, um das Monster am Boden zu bewegen. Auch hier galt erneut: Keine Berührungsängste – das Inspizieren mit Augen und Händen war problemlos möglich.

Ich war auch da .. gemeinsam mit dem LEOS-Schlepper ;-)
Ich war auch da .. gemeinsam mit dem LEOS-Schlepper 😉

Nach rund 3h hatten wir das Gefühl genug „Luftfahrt-Feeling“ aufgesogen zu haben – die Ausstellungsfläche wurde zunehmend voller, die Sonne brannte und wir hatten schließlich noch weitere Pläne für das erste richtige Sommerwochenende (oder zurückblickend betrachtet den ersten Sommer Samstag). Kaum waren wir am Ausgang angekommen, fanden wir auch schon einen Platz im erstbesten (klimatisierten) Bus zurück – perfekte Organisation sei Dank. So ging ein sehr spannender Vormittag zu Ende und wir freuen uns schon jetzt auf den Tag der Luftfahrt 2014. Abschließend betrachtet muss ich jedoch zugeben, dass Happy Landings doch eine ganz Nummer größer war: Viel umfangreichere Ausstellung, deutlich mehr Erlebnismöglichkeiten, ganz andere Dimensionen. Trotzdem gibt es sonst wohl (abgesehen von Rundfahrten) kaum eine Möglichkeit so nah an das Erlebnis „Airport“ heranzukommen, wie zum Tag der Luftfahrt.

An dieser Stelle sei übrigens ergänzt, dass die für den Sonntag angemeldeten Besucher weniger Glück hatten. Zwar konnte ich morgens (08:00 Uhr) noch bei Sonnenschein und 20°C mit offenem Verdeck zum Bäcker fahren, doch leider kam eine große Gewitterfront rasch näher. Während bei uns dadurch „nur“ der Besuch des Opel-Zoos ausfiel, mussten am Flughafen mehrere Flüge gestrichen und das Veranstaltungsgelände leider völlig geschlossen werden.

Weitere Impressionen finden sich übrigens drüben in der Gallery: Klick.