New England States Tag 8: New York Part II – Es geht noch heißer

Nach einer erholsamen Dusche und einigen Minuten der Ruhe gestern Abend (Ruhe ist in New York der Zustand, wenn man draußen nur noch Sirenen und sporadisch laute Musik sowie hupende Autos hört, aber sonst keines der gestern geschilderten Geräusche – mal abgesehen vom Brummen der dringend benötigten Klimaanlage) dachte ich eigentlich, dass der Tag rückblickend gar nicht so schlimm war.

Klar, wir waren sehr viel unterwegs, das Chaos auf den Straßen und Bürgersteigen ist eine permanente Herausforderung für die Nerven (ebenso wie die Navigation in Manhattan – wer es gewohnt ist sich mittels Garmin GPS zu orientieren, wird verzweifeln, da die Ortung durch die Häuserschluchten und Reflexionen massiv gestört wird) und die Reizüberflutung ungefähr aller Sinne ist schon anstrengend. Aber insgesamt war der Tag doch okay und morgen (bzw. heute) würde es sowieso ruhiger werden: Boot fahren, im Park spazieren gehen – alles ganz entspannt.

Meine Vision eines lockeren Tags im Big Apple hielt nicht lange – ich bin mir nicht sicher, wann sie genau kaputt gegangen ist. Beim Warten in der stickigen U-Bahn? Bei der Orientierungslosigkeit nach der Ankunft auf Manhattan? Beim  Joint-rauchenden Ticket-Verkäufer auf dem Weg in den Battery Park? Irgendwo dazwischen auf jeden Fall. Aber wie dem auch sei, nun ging es erstmal darum einige New Yorker „Must have Seen“-Pflichtstationen zu besuchen.

Dank vorgebuchter Tickets gingen am Anleger der Statue Cruises zumindest der Checkin und die Sicherheitskontrolle noch recht schnell, das Boarding auf das bereits sehr gut gefüllte Boot zog sich dann noch in die Länge (unglaublich, wie lang einige Menschen benötigen, um ein paar Treppenstufen zu erklimmen). Wir kämpften uns trotzdem bis auf das Oberdeck durch und genossen anschließend einen beeindruckenden Blick auf die ikonische Skyline. Die Sonne brannte bereits um 09:30 Uhr sehr heiß, so dass der Fahrtwind der überraschend großen Fähre sehr willkommen war. Deuter hält sein Versprechen übrigens immer noch nicht, so dass sich schnell eine kraftschlüssige Verbindung zwischen Polo-Shirt und Haut aufbaute – auf Dauer weniger schön. Auf Liberty Island angekommen unternahmen wir zunächst einen ausgedehnten Spaziergang einmal rund um das gesamte Areal. Die kleine Insel vor Manhattan eignet sich perfekt, um das tolle Panorama zu genießen, es ist nicht zu voll, man kann sich an einigen Stellen im Schatten erholen und ist vom Lärm der Stadt recht weit weg (bis auf die permanent fliegenden Helikopter). Die Statue selbst ist ebenfalls recht beeindruckend und man kann sich nur vorstellen, wie bewegend der Anblick der Lady Liberty auf die ankommenden Immigranten nach einer wochenlangen (monatelangen?) Überfahrt gewesen sein muss. Man kann die Statue übrigens in unterschiedlichen Touren besuchen: entweder nur den Sockel oder je nach Ticket auch die Krone. Dies haben wir jedoch ausgelassen.

Nach der Besichtigung von Liberty Island hieß es erneut anstehen und warten, um nach Ellis Island überzusetzen. Wirklich schön ist der Umstand, dass die Fähre zwischen den beiden Inseln die „szenische“ Route nimmt und erneut vor der Freiheitsstatue langfährt, so dass man nochmals Gelegenheit für ein paar eindrucksvolle Fotos hat. Auf Ellis Island angekommen kann man das Museum eigentlich gar nicht verfehlen. Es handelt sich bei selbigem um das frühere Hauptgebäude der Immigration, welches in Teilen in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt wurde. Wie fast überall in den USA gibt es Audio-Guides mit Kopfhörern, so dass man sich ergänzend zu den Info-Tafeln auch noch individuell weitere Erklärungen geben lassen kann. Insbesondere das Erdgeschoss hält eine sehr hohe Informationsdichte geschriebener Informationen bereit, so dass einem irgendwann schon mal die Lust auf’s Lesen vergehen kann – schließlich ist man ja auch sehr neugierig auf das, was in den weiteren Bereichen des Museums geboten wird.

Kommt man dann dort an, gibt es schon mal das Risiko etwas enttäuscht zu werden. Der zweite Stock besteht im Wesentlichen aus einer sehr großen, toll restaurierten Halle, in der früher die Befragungen im Rahmen des „Legal Checks“ durchgeführt wurden. Insbesondere durch Fotografien des damaligen Aussehens kann man sich sehr greifbar vorstellen, welche Bedeutung dieser Ort für viele Millionen Immigranten die in New York ankamen, hatte. In den beiden Trakten an der Seite der Haupthalle gibt es dann zwei weitere Ausstellungen: Zum einen eine Abfolge von Räumen, in denen die einzelnen Schritte der Immigrationsprüfung (Gesundheitschecks, bei Bedarf psychische Tests etc.) recht detailliert beschrieben und gezeigt werden. Zum anderen gibt es eine Ausstellung diverser Exponate und zeitgenössischer Unterlagen zum Thema Immigration – hier kann man Reisepässe , Passagierlisten, Werbeplakate für Überfahrten und so weiter bestaunen. Alles in Allem ermöglicht der Besuch von Ellis Island – der Insel der Tränen – dem interessierten Touristen meiner Meinung nach ein recht gutes Bild von den Abläufen während der aktiven Zeit dieser Einrichtung zu erhalten. Andererseits hätte die Umsetzung des Museums meiner Meinung nach durchaus etwas „lebendiger“ und moderner sein können – hier hat halt jeder seine individuellen Präferenzen. Auch die Außenbereiche der Insel bieten übrigens eine hervorragende Sicht auf die Skyline und bieten sich für eine weitere Fotosession an (während unseres Besuchs war die brennende Sonne hierfür allerdings nicht ideal).

Von Ellis Island aus kehrten wir auf das Festland zurück, bewunderten kurz das Gewusel am Heliport (hier starten und landen wirklich im Minutentakt Helikopter) und fuhren anschließend mit der Metro zum Central Park. Um gleich vorweg mit einer Illusion abzuschließen: Auch im Central Park ist es nicht ruhig und nicht friedlich. Es ist zwar entspannter als in den Straßen Manhattans (und natürlich viel grüner), aber dennoch nicht wirklich still. Dennoch ist der Park sehr groß und lädt zu einem ausgedehnten Spaziergang ein. Es gibt große Wiesen, schöne Pfade, ausgedehnte Seen und immer mal sehr interessante Aussichten auf die umliegenden Gebäude in unterschiedlichsten Baustilen zu sehen. Einzelne Stationen des Parks – wie z.B. „The Mall“ – eine sehr breite und schöne Allee im Herzen des Parks – oder die Bethesda Terrace sind weltberühmt und waren schon Schauplatz in diversen Filmen. Insbesondere die Terrassen haben uns extrem gut gefallen, was sicherlich auch dem Umstand geschuldet ist, dass während unseres Besuchs ein sehr talentiertes Soul- und Jazz-Gesangsensemble in der Unterführung größere Menschenmassen anzog. Ernsthaft, die Darbietung von „The Lion Sleeps Tonight“ aus dem König der Löwen war der Qualität der von uns erlebten Aufführung in Hamburg meilenweit überlegen und hat für Gänsehaut gesorgt (wirklich!). Die Zeit verflog hier leider viel zu schnell.

Von der Bethesda Terrace aus statteten wir der Alice im Wunderland-Statue noch einen kurzen Besuch ab, da wir einen Quoten-Geocache für den Bundesstaat New York mitnehmen wollten, was zum Glück auch problemlos geklappt hat. Vom Cache aus begaben wir uns erneut zu einer Metro-Station, um Richtung Pier 83 zu fahren, wo wir Tickets für eine abendliche Fahrt rund um Manhattan buchen wollten. Dort angekommen ereilten uns zwei Probleme: Erstens wurde die Zeit etwas knapp, um von der Bahn-Station zum Pier und zurück und danach wieder dorthin zu laufen (wir wollten zwischendurch noch kurz shoppen), zweitens wurde der Himmel bedrohlich dunkel. Also verschoben wir die Ticket-Reservierung – es sollte ja notfalls auch ohne gehen – und gingen direkt zum Times Square. Weitere Unterhaltungsoptionen mussten leider ebenfalls entfallen, da die großen Museen bereits gegen 17:00 Uhr schließen und die von uns favorisierten Musicals heute nicht aufgeführt werden – man kann halt nicht alles haben. Unser kleiner Einkaufstripp war dafür, obwohl wir nur drei Stores gezielt angesteuert haben, sehr erfolgreich. Auf dem Weg von einem Shop zum nächsten passierte es dann: der Himmel öffnete sich und entließ größere Wassermengen in die Straßen von Manhattan. Es ist extrem beeindruckend, wie schnell plötzlich an jeder Straßenecke findige Verkäufer Regenschirme anbieten – man ist hier offensichtlich sehr flexibel. Durch den nun sehr grauen Himmel, der durch über die nächste Stunde hinweg nicht wesentlich heller wurde, wurde uns die Entscheidung bezüglich der Hafenrundfahrt ebenfalls genommen: wir schrieben sie geistig auf die Liste der Dinge, wie wir während des nächsten New York Aufenthalts noch machen wollen.

Mit bereits sehr schweren Füßen kämpften wir uns vom Shoppen in der Nähe des Central Parks aus nochmals quer durch die Innenstadt zum Times Square, welchen wir nun im „Dunkeln“ zu sehen bekamen – wow, das Feuerwerk an Licht und Geräuschen war abermals intensiver, ebenso das Gedränge der Massen. Wir bahnten uns – motiviert durch die guten Erfahrungen in Las Vegas – eher schlecht als recht unseren Weg zu Guy’s American Kitchen & Bar. Ohne an dieser Stelle zu sehr ins Detail zu gehen, würde ich das Lokal als eine Art gepimptes Hard Rock Cafe bezeichnen – mit durchaus ambitionierten Preisen. Knapp 20 Dollar für einen Cesars Salad (ohne Fleisch und / oder Hühnchen) und 9,50 Dollar für einen Käsekuchen (ohne Eis!) finde ich jedenfalls schon durchaus bemerkenswert. Aber es ist halt New York und die Qualität der gereichten Speisen war – ebenso wie der Service – ganz nett.

Nach einer letzten Bahnfahrt neigt sich unser New York-Stopp nun seinem Ende, und obwohl noch sehr viele mögliche Highlights offen geblieben sind, freue ich mich schon sehr auf unsere nächsten, sicherlich wesentlich entspannteren Stationen ohne Lärm, Parkplatzknappheit und permanenten Zigaretten-Gestank. Wir werden unserer Planung zu folge recht früh aufbrechen und die Stadt in Richtung Osten verlassen, wo unser nächster Stopp in Form der Hamptons auf uns wartet. New York bleibt als extrem intensive, facettenreiche und schier riesige Stadt zurück, deren Besuch sich im Prinzip als eigenständiger Urlaub anbietet.

New England States Tag 7: New York Part I – die Druckbetankung

Man stelle sich bitte kurz folgende Geräusche in wilder Mixtur vor: Rangierende LKWs, Hubschrauber, zirpende Grillen, Rüttelplatten, Autos, Flugzeuge, hupende Fahrzeuge, laute Musik, das Gebrabbel unzähliger Menschen, Werbereklamen, Polizei- und Rettungswagensirenen und dazu noch die U-Bahn, die im Untergrund immer mal deutlich wahrnehmbar vorbeirauscht. Der geneigte Leser möge bei Interesse bitte tatsächlich zumindest kurz versuchen alle diese Töne laut abzumischen (Referenzlautstärke: direkt neben einem laufenden LKW stehen .. Abstand vom Motor 1m), dann ergibt sich ein – zumindest meiner Meinung nach – einigermaßen realistischer Eindruck der Klangkulisse in New York City.

Nachdem wir uns nun gemeinsam auf die Erlebnisse in der Stadt die niemals schläft eingestellt haben, kann ich ja ein wenig von unserem Tag berichten. Alles begann mit einem ausgedehnten Spaziergang – zur U-Bahn. Unser Integrationsprogramm für Weltbürger sieht nämlich vor auch das öffentliche Verkehrsnetz intensiv zu erproben und so wäre es natürlich eher unpassend schnöde im Hotel in Manhattan zu schlafen. Stattdessen haben wir das malerische Brookyln als Ort unserer Übernachtung gewählt, wobei die Eindrücke je nach Kreuzung von „Wow, coole Lofts mit beeindruckenden Dimensionen“ bis zu „Ich bin ein verirrter Reisender, holt mich hier raus“ reichen. Insbesondere nach Einbruch der Dunkelheit kann das zuweilen schon mal spannend sein, wobei ich mittlerweile glaube, dass der Stadtteil wirklich sicher ist und man sich etwaigen Stress wirklich nur selbst macht. Kurze Erklärung zu unserer eher ungewöhnlichen Standortwahl: Aktuell findet die New York Fashionweek statt, was die Verfügbarkeit von Hotels in Manhattan extrem einschränkt.

Mit der Subway fuhren wir anschließend „nur“ ca. 25 Minuten nach Downtown Manhattan. Für jemanden der New York das erste Mal besucht, ist es schon ein ziemlich spannender Moment, wenn man die sehr heiße U-Bahn-Station verlässt (sicher über 25°C Lufttemperatur), der Treppe folgt und sich noch unterwegs fragt, wie die Stadt nun wohl in der Realität aussehen wird. Die dann folgenden Eindrücke wiederzugeben, ist gar nicht so einfach. Es ist immer noch laut, die meisten Gebäude sind unglaublich hoch und unfassbar groß und die Baustile wechseln sich scheinbar willkürlich ab. Nach wenigen Minuten beginnt man zu verstehen, warum gefühlt 99% der anderen Passanten Earsticks oder Kopfhörer tragen – mit einer gewissen Schalldämmung ließe sich die Stadt sicherlich viel besser genießen.

Etwas kulturgeschockt spazierten wir also von unserem „Landungspunkt“ direkt in Richtung High Line Park. Bei selbigem handelt es sich um eine Art grüne Oase in der Stadt, die dergestalt realisiert wurde, dass eine alte Stadtbahnstrecke begrünt und zu einem Park umgestaltet wurde. Dort wo früher die Bahnen fuhren – die Gleise sieht man übrigens noch – wachsen jetzt jede Menge Büsche, Sträucher und kleine Bäume und es bieten sich fantastische Aussichten auf die Stadt. Fast könnte man den Park als Rückzugsort betrachten, wäre da nicht der auch dort sehr hohe Lärmpegel (und sei es von dem freundlichen Freiwilligen, der den Müll einsammelt und dabei seine Tonne mit immenser Lautstärke hinter sich herzieht). In jedem Fall ist der High Line Park ein tolles Refugium mitten in der City, in dem man locker 45 – 60 Minuten verbringen kann und der übrigens keinen Eintritt kostet.

Vom High Line Park aus begaben wir uns auf einen ausgedehnten Spaziergang (das Wort hat in diesem Kontext allerdings fast schon Marketing-Charakter) durch die Innenstadt. Bekannte Bauwerke und Orte wie den Madison Square Garden (hier ließen wir uns übrigens einen frisch gemachten Smoothie für 6$ pro Stück am One Penn Plaza schmecken – genial), das Rockefeller Center, die Fifth Avenue, das Empire State Building, die New York Public Library, die Grand Central Station (extrem beeindruckend – unbedingt anschauen!) und vor dem Mittagessen abschließend den Times Square erkundeten wir mit unterschiedlicher Intensität. Insbesondere der Times Square ist schon eine Attraktion für sich, kann man die vielen Eindrücke der unzähligen Bildschirme doch kaum Greifen – unvorstellbar, wie es hier bei Dunkelheit sein muss.

Nach einer dringenden benötigten Stärkung (ich gebe zu, der Aufenthalt im Restaurant diente eher der Erholung unserer Füße und Ohren sowie als willkommene Abkühlung bei 29°C Außentemperatur), begaben wir uns mit der U-Bahn in Richtung 9/11 Memorial. Das gesamte World Trade Center Areal befindet sich nach wie vor im Umbau, weshalb es auch hier zu teilweise chaotischen Zuständen und wildem Gewusel kommt. Die „Gedenkstätte“ am Ground Zero ist aber bereits seit 2014 fertigstellt und kann seitdem auch besichtigt werden. Ich denke es ist schwer die richtigen Worte für diesen Ort zu finden (die Menschen die grinsend für ein Selfie vor dem Mahnmal passieren, sind aus meiner Sicht jedenfalls deplatziert), weshalb ich es eigentlich gar nicht erst versuchen möchte. Belassen wir es dabei zu sagen, dass das zwei großen Bassins mit den tiefen Wasserfällen und ihren kupfernen Einfassungen, die die Namen der Opfer tragen, schon bewegend sind. Als Ort der Erinnerung zwar anders ausgeführt, als ich es vermutet hatte, aber meiner Ansicht nach durchaus angemessen und auch der Weltsicht der US-Bevölkerung (think forward) entsprechend.

Vom World Trade Center unternahmen wir einen zweiten Spaziergang in Richtung Lower Manhattan und schauten uns dabei insbesondere die Wallstreet bzw. die New York Stock Exchange, die Raging Bull Statue und die Trinity Church an. Insgesamt lässt sich festhalten, dass überall wahnsinnig viel los ist, in New York wesentlich mehr als im Rest der von uns bisher besuchten USA geraucht wird und die Polizei-Präsenz unglaublich hoch ist. Zumindest letzteres gibt einem aber durchaus ein gutes Gefühl und man umklammert die Digitalkamera nicht permanent bis zur Blutarmut 😉

Um 17:30 Uhr begann dann unsere „Besichtigung“ des One World Observatorys – zumindest eine der bekannten Aussichtsplattformen wollten wir natürlich besuchen. Die Formalien im Vorfeld sind ganz einfach und laufen schneller ab, als von uns vermutet. Zuvor ausgedruckte Tickets zeigen, kurzer Sicherheitscheck (inklusive Körperscanner), durch drei eher unspektakuläre Ausstellungsräume schländern und dann mit dem Fahrstuhl nach oben fahren. Selbiger ist komplett mit Videopanels bestückt, auf denen die Fahrt nach oben als Zeitreise illustriert ist – von der grünen Wiese bis zum heutigen Stadtbild. Das ist ziemlich cool, geht aber viel zu schnell. Oben angekommen, gilt es dann nochmals ein kurzes Video zu schauen, an dessen Ende die Projektsflächen nach oben gefahren werden und man erstmals die Aussicht präsentiert bekommt – das ist ganz nett, reicht aber z.B. nicht an den „Wow-Effekt“ im Kennedy Space Center heran, wenn man plötzlich die originale Atlantis zu sehen bekommt.

Anschließend darf man noch eine kostenpflichtige Fotooption auslassen, bevor man endlich auf das sogenannte „Discovery Level“ darf – jener Etage mit einer 360°-Übersicht über die Stadt. Was soll man hierzu schreiben: Die Weitsicht und das Panorama aus dem 104. Stock, 406,6m über dem Meerespiegel, sind schon sehr beeindruckend. Schön ist auch, dass man rundum ganz nah an die dicken Scheiben rankommt (also kein Gitter etc.) und so fast ohne jegliche Sichtstörung auf die Stadt schauen kann. Je nach Stadt der Sonne kann man einige Richtungen besser Überblicken (kurz vor Sonnenuntergang z.B. Downtown), während andere Regionen (bei uns die Freiheitsstatue) durch das krasse Gegenlicht eher schlecht zu erkennen sind. Es gibt aber keinerlei Zeitbeschränkung, so dass man sich so lange wie gewünscht auf dem Aussichtsdeck aufhalten und die verschiedenen Eindrücke intensiv genießen kann. Der gesamte Raum ist übrigens angenehm klimatisiert (keine Eiswürfel-Luft) und die Geräuschkulisse ist zumindest okay. Es gibt mehrere Bänke (direkt an den Scheiben kann man nicht sitzen) und zwei sehr interessante Infostände, an denen während unseres rund 1,5 stündigen Besuchs sehr interessante Vorträge auf rhetorisch sehr ansprechende Weise gehalten werden. Die in diesen Sessions vermittelten Tipps sind durchaus spannend, weshalb es sich lohnt das One World Observatory zu Beginn der einer NYC-Reise zu besuchen. Einzig unser Plan tolle Sonnenuntergangsfotos zu machen ist ein wenig gescheitert – bei einsetzender Dämmerung werden drinnen Lichter angeschaltet, so dass sich vermehrt Reflexionen in den Scheiben zeigen. Für spannende Bilder bei Nacht hätten wir noch deutlich mehr Geduld haben müssen – das war nach rund 30.000 Schritten an diesem Tag und vor dem Hintergrund der noch anstehenden Rückfahrt nicht mehr drin. Wir beschränkten uns daher auf einige Aufnahmen des 9/11 Memorials bei Dunkelheit, was ich ebenfalls sehr stimmig fand.

Abschließend noch ein Hinweis zum One World Observatory: Es gibt scheinbar keine Einschränkungen was das Mitbringen von Getränken angeht. Man sollte sich daher ggf. in adäquatem Umfang selbstversorgen, da im Shop auf dem Aussichtslevel schon ein einfaches Wasser 5 Dollar + Steuern für  500ml kostet – heftig.

Insgesamt war ich grundsätzlich positiv davon überrascht, was wir heute schon alles gesehen haben. New York ist jedoch ein gewaltiger Energie-Dieb und zwingt den Körper durch (zumindest in unserem Fall) hohe Temperaturen, viel Lärm und mitunter weite Fußwege in die Knie. Auch die Orientierung ist bei den herausfordernden Umweltbedingungen nicht immer trivial, so dass man den ein oder anderen Meter zusätzlich einkalkulieren sollte. Abgesehen davon ist es fast schon erschreckend, wie viele Optionen noch offen geblieben sind. Ob nun eine Bootstour, ein Musical auf dem Broadway, eine geführte City-Tour, ein Shopping-Trip, eines der vielen hochkarätigen Museen oder ein Sundowner auf der Rooftop war – man weiß gar nicht, was man zu erst machen soll. Wir werden es morgen mal mit einem Besuch auf Ellis Island und im Central Park versuchen und schauen, wie wir den Tag sonst noch gestalten. Ich werde wie immer versuchen zu berichten und hoffe, dass meine kurze Schilderung über unsere ersten Eindrücke von New York interessant und kurzweilig war 🙂

New England States Tag 6: Meet the Jerseys!

Unseren heutigen Tag in den Vereinigten Staaten könnte man wie folgt zusammenfassen: Kühe streicheln, dann sehr lange mit ziemlich viel Stau Auto fahren, dann Kulturschock, dann bloggen.

Aber obwohl es – auch nach lokaler Zeitrechnung – schon recht spät ist, werde ich versuchen ein wenig ausführlicher zu berichten und meine geistige Richtschnur von mindestens 1000 Wörtern pro Tag zumindest ansatzweise zu erreichen.

Um das zu schaffen,  beginne ich am besten mit dem Start in den Tag – unserem gemeinsamen Frühstück mit unserer Gastgeberin in Quechee (man spricht es übrigens in der Tat „Kieschi“ aus – falls sich jemand gefragt hat). Wie schon in Kalifornien haben wir uns nämlich auch dieses Mal an einigen Stationen unserer Reise für Unterbringungen über Airbnb entschieden, und in Vermont war es das erste Mal auf diesem Trip soweit. Das von uns gemietete Zimmer mit eigenem Bad war wirklich großartig – großzügig dimensioniert, sehr modern eingerichtet, sehr liebevoll hergerichtet und perfekt sauber. Entspannter hätte man die Nacht kaum verbringen können. Beim gemeinsamen Frühstück (man hätte natürlich auch allein essen können) haben wir dann ausgiebig über die aktuelle Situation in Deutschland, die anstehenden Wahlen und das Leben in den Staaten insgesamt gesprochen, was definitiv sehr interessant und aufschlussreich war.

Anschließend steuerten wir Billings Farm and Museum an – eine (immer noch produktive) Farm, die jedoch auch sehr bekannt für ihre Besucherfreundlichkeit und ihre Ausstellungen ist. Man kann sich das ein wenig so vorstellen, dass dort tatsächlich Tiere wie in einer regulären Landwirtschaft gehalten und „bewirtschaftet“ werden, dies jedoch sehr transparent und für die Besucher begeh- und erlebbar. Alle Farmmitarbeiter sind daher sehr offen und stehen jederzeit Rede und Antwort – ob im Kuhstahl oder beim Umladen von Kraftfutter aus einem Hänger in ein Silo mittels zweier Traktoren. Außerdem gibt es mehrere Ausstellungshäuser, u.a. ein Farmhaus das in Optik und Einrichtung dem Stand von 1890 entspricht, eine Sammlung alter Fahrzeuge, eine Kollektion zeitgenössischer Werkzeuge und so weiter. Die Qualität des gesamten Anwesens ist wirklich enorm und die Aufbereitung der Ausstellung sehr detailverliebt und schön gemacht. Bei Regen könnte man locker 2-3h damit zubringen sich alle Maschinen im Detail anzuschauen, an (kostenlosen) Führungen zu partizipieren und die sehr interessanten Erklärungsschilder zu lesen.

Ganz so viel Geduld hatten wir jedoch nicht, da uns die „Lifestock Barns“, also die Gebäude mit lebendem Vieh viel mehr gereizt haben. Schon draußen vom Parkplatz aus haben wir ca. 20 der 70 auf der Farm lebenden Jersey-Kühe in unterschiedlichen Wachstumsstufen auf den verschiedenen Weiden gesehen – die meisten von ihnen sehr neugierig und zugänglich. Die Mitarbeiter der Billings Farm ermuntern die Besucher aktiv die Tiere zu „paten“ – also zu streicheln – was wir uns natürlich nicht nehmen ließen. Sobald wir uns dem Gatter näherten, kamen vier Kälbchen auf uns zu und fingen aufgeregt an uns zu beschnüffeln. Entgegen der lokalen Kühe waren die Kleinen – sie waren an das was nun passierte offensichtlich sehr gut gewöhnt – Streicheleinheiten gegenüber sehr offen und ließen sich bereitwillig betatschen. Nachdem beide Hände, beide Unterarme und das Fitnessband voller Kuhspeichel und Kraftfutter-Resten waren (die Uhr konnte ich gerade noch so retten), beschlossen wir ein wenig weiterzuziehen und uns den Kuhstall näher anzuschauen. In diesem stehen tagsüber alle Kühe, die aktuell gemolken werden. Manche von ihnen sind ganz entspannt und streichelfreudig, andere zwar neugierig, aber Berührungen gegenüber eher ablehnend. In jedem Fall ist immer ein Mitarbeiter in der Nähe, der Fragen beantwortet und interessante Details zum Leben der Tiere erzählt. So wurde uns beispielsweise berichtet, dass die Kühe der Billingsfarm rassebedingt extrem faul sind und für sie der Stall offensichtlich das Paradies darstellt. Freies Wasser, endloses Futter, Schatten, eine leichte Brise (es waren Ventilatoren im Stall). Wenn man die Tiere dann angekettet in ihren Boxen sieht, mit Scheuerstellen im Nacken vom Gerüst, die Kette recht eng um den Hals und eine Art „Zackenleiste“ über dem Rücken (damit sie sich nicht über die normale Haltung hinweg aufrichten können), kann dieses Bild schon mal etwas bröckeln. Ich bin natürlich kein Experte, aber uneingeschränkt schön wirkte der Gesamteindruck im Stall auf mich zumindest nicht. Nachts dürfen die Kühe nach Aussage der Betreuer übrigens raus, was sie aber scheinbar nicht sonderlich mögen.

Die Billingsfarm züchtet übrigens auch, wovon wir uns anhand diverse Trophäen und Preise überzeugen konnten. Die letzten Ergebnisse der Züchtung – in Form von zwei bis drei Wochen alten Kälbern – konnte man nur hinter einer Plexiglasscheibe sehen, was ihrem Niedlichkeitsfaktor natürlich keinen Abbruch tat. Ansonsten kann man auf der Farm noch extrem niedliche Schafe streicheln (diese Rasse habe ich bisher noch nie gesehen – sie sah aus wie kleine Ewoks aus Star Wars) und Pferde ignorieren – weitere Tiere gab es zum Zeitpunkt unseres Besuchs nicht zu sehen.

Nachdem wir die Billings Farm gegen 14:30 Uhr verlassen hatten, suggerierte uns das Navi eine Fahrtzeit von ca. 4:30h für die 429km lange Strecke nach New York bzw. Brookyln – wir hätten also kurz vor 19:00 Uhr ankommen sollen. Das hat definitiv nicht geklappt. Ab ca. 250km vor unserem Ziel häuften sich die Verkehrsstaus, so dass wir immer wieder nur sehr schleppend voran kamen, was doch sehr ermüdend war. Hinzu kommt, dass ich in den USA noch nie einen derart aggressiven und rücksichtslosen Verkehr erlebt habe, wie hier. Da wird permanent Spur-Hopping betrieben (häufig inkl. Schneiden anderer Verkehrsteilnehmer), Spurwechselwünsche werden ignoriert und das Tempolimit wird gefühlt meistens um mindestens 20 Meilen pro Stunde überschritten – ziemlich unangenehm für Touristen nach einem langen Tag.

Auch sonst bin ich der Meinung, dass man eine Fahrt von Vermont nach New York an einem Tag gar nicht zulassen dürfte, so extrem ist der Kulturschock. Wirkt die Skyline im Sonnenuntergang von einer der Brücken noch malerisch, relativiert sich dieser Eindruck nach dem Verlassen der Interstates und Parkways doch ziemlich – vor allem im  Dunkeln. Sparen wir weitere Beschreibungen an dieser Stelle aus und sagen einfach: basierend auf meinen ersten Eindrücken ist die Stadt schon sehr speziell – meiner Meinung nach sogar wesentlich „taffer“ als Los Angeles. Ich bin schon sehr gespannt auf unseren morgigen Tag in Manhattan, der sicherlich einer der körperlich anstrengenderen dieser Reise wird.

P.S.: 996 Wörter, also knapp unter dem Ziel. Aber der Tag war wirklich sehr lang.