New England States Tag 15: ein perfekter Tag am Meer

Ich weiß, die letzten Tage waren unsere Reisebericht durchaus ambivalent und zwischen der ein oder anderen Zeile ließ sich auch Enttäuschung über verschiedene Kleinigkeiten recht deutlich herauslesen. Aber so ist das halt, wenn sich auf einer großen Tour befindet, große Erwartungen hat und diese dann nicht immer erfüllt werden. Zum Teil müssen wir uns sicherlich falsche bzw. unrealistische Ansprüche eingestehen, einen weiteren Teil macht vermutlich das immer benötigte Quäntchen Glück (mit dem Wetter, den Walen, dem Stau, …) aus und manche Dinge, sind einfach doof (z.B. unrealistische Beschreibungen, Fälle von klassischem Touristennepp). Je nach Zusammensetzung der genannten Faktoren kann die Stimmung dann schon mal eine gewisse Tendenz entwickeln und dann ist er plötzlich da – der Frust – zumindest kurz. Wie man über die letzten 14 Tage sicherlich gemerkt hat, fiel es mir zudem schwer unsere Rundreise durch die Neu England-Staaten nicht immer wieder mit dem Benchmark aus dem letzten Jahr, Kalifornien, zu vergleichen. Auch an der Westküste war nicht immer alles perfekt, aber wenn etwas mal etwas nicht so toll war, dann lag es eigentlich immer an uns (zu müde, zu erschöpft, leicht kränkelnd .. und nach zwei Wochen auf Tour mit immer neuen Eindrücken zeigt das dicke Fell hat langsam Aufallerscheinungen). Warum jetzt aber diese eher philosophische Einleitungen? Weil heute endlich mal wieder ein perfekter Tag war. Vom Frühstück in der Sonne, über das Mittagessen am Meer bis zum Sonnenuntergang am Strand war es ein Urlaubstag wie aus dem Bilderbuch, einer der hilft wieder aufzutanken und der die notwendige Kraft für anstehende Herausforderungen nach der Reise gibt.

Wie bereits gestern angekündigt, fuhren wir wesentliche Stationen des zuvor bei Regen absolvierten Trips ab und steuerten daher zunächst Chatham im Südosten an. Den touristischen Ortskern durchfuhren wir ohne Stopp und stellten unseren schneeweißen Ford Escape an einem der wenigen, legalen Parkplätze in der Nähe des Strandes ab. Die künstliche Verknappung der freien Stellflächen und deren schlechte Ausschilderung ist auch in Chatham (ähnlich wie in den Hamptons) signifikant, so dass man sich häufig auf ein winziges Stück Seitenstreifen quetscht, während nebenan ein parkähnliches Grundstück mit einem kleinen Haus darauf steht. Nun, Exklusivität hat halt ihren Preis.

Der Spaziergang direkt entlang des Wassers war erneut sehr faszinierend. Da die Tide gegen 06:00 Uhr am höchsten war, lief während unseres Besuchs ein breiter und erstaunlich kräftiger Strom in Richtung der offenen See – kein Wunder, dass das Baden hier verboten ist. An einigen Stellen scheint es zusätzliche Unterströmungen zu geben, so dass die Wassermassen richtig laut plätschern. Ab und an treibt dann schon mal eine Robbe (oder ein Seehund?) vorbei, der die Strömung wie ein Anhalter nutzt. Je weiter man auf der trocken gelegten Landzunge spaziert, desto lauter wird das Meer – bis zu einem Punkt, an dem man denkt, man stünde neben einem sehr hohen Wasserfall. Ab und an kämpfen einlaufende Fischerboote gegen die Strömung an, was man an der geringen Geschwindigkeit und dem auffällig lauten Motorgeräusch hört – durch die außergewöhnliche Form der Bucht fahren die Kutter ja auch in weniger als 50m Entfernung vorbei.

Nach einem sehr ausgedehnten und landschaftlich beeindruckenden Spaziergang kehrten wir zu unserem Ausgangspunkt zurück, um anschließend einige Meilen weiter nach Norden zu fahren – zum Fischerhafen von Chatham. Hier wollten wir gestern schon kurz halten, scheiterten aber an fehlenden Parkmöglichkeiten (die überall präsenten „No parking anytime, 50$ fine“-Schilder schrecken dann doch etwas ab). Heute hatten wir etwas mehr Glück und so endlich Gelegenheit die Besucherterrasse im Hafen näher zu erkunden. Wie sich kurze Zeit später herausstellte, war dieser Tipp aus dem Reiseführer wirklich ein Volltreffer. Von der Plattform aus kann man Fischern zuschauen, die unmittelbar vor- und unter den neugierigen Zuschauern ihre Fracht löschen, begleitet von verspielten (und vermutlich hungrigen) Seehunden. Außerdem hat man eine sehr schöne Weitsicht über die Bucht und das bunte Treiben darin, so dass man – entsprechendes Interesse vorausgesetzt – hier ganz locker eine Stunde zubringen kann.

Von Chatham aus fuhren wir weiter gen Norden, genauer gesagt zum Fort Mills Trail. Dieser ist recht kurz (1,2 Meilen) und führt durch eine recht schöne Marschlandschaft direkt am Meer. Etwas problematisch sind die erstaunlich großen Hirschzecken – man sollte den Weg besser nicht allzu weit verlassen 😉 Ansonsten ist der Pfad aber recht ereignisarm, weshalb ich zurückblickend empfehlen würde die Aussicht von einem anderen Punkt zu genießen und die Wanderung bei Zeitknappheit eher auszulassen.

Im weiteren Verlauf steuerten wir – wie gestern – den Coastguard Beach (an diesem gab es heute keinen einzigen Parkplatz, weshalb wir weiterfuhren), die Three Sisters (die bei Sonnenschein eigentlich nur wie drei größere Littfaßsäulen aussehen) und schließlich den Great Island Trail im Westen an. Über einen ziemlich ausgewaschenen, aber kurzen Weg gelangten wir bei bester Musik (Ultra Japan über Sirius war wirklich fantastisch) auf einen abgelegenen Parkplatz in unmittelbarer Wassernähe. Etwas nervös machte mich zunächst das dezente Schild mit der Aufschrift „Attention: This lot is affected by high tide“ (Achtung: Der Parkplatz säuft bei Hochwasser ab – salopp übersetzt), Augenblicke später hatte ich beim Aussteigen ein Déjà-vu an „Die Mumie“. Sobald ich einen Fuß auf den Boden gesetzt hatte, schreckten hunderte kleiner Winkerkrabben (das kommt heraus, wenn man „Krebs mit einer großen Schere“ googled) auf und bewegten sich in Richtung des schützenden Schilfs. Die unerwartete Menge dieser kleinen Krabbler und ihre schnellen Bewegungen können durchaus einschüchternd wirken, so dass ich meine nur sandalen-bewährten Füße nur noch mit Vorsicht aufsetzte. Je näher man hinschaut, desto mehr neugierige Krabben entdeckt man, die in meist sehr geringer Entfernung mal schnell, mal langsam über den Boden huschen. Nach einigen Minuten beschlossen wir für die geplante Wanderung einen anderen Parkplatz zu wählen und überließen unsere kleinen Voyeure wieder sich selbst – sicherlich zur Erleichterung auf beiden Seiten.

Der sich nun anschließende Spaziergang entlang des Great Island Trails war ebenfalls nett, aber nicht außergewöhnlich. Auch hier gab es sehr schöne Aussichten über das Umland zu bewundern, wobei der Strand nicht allzu toll war (recht viel Seegrass, rauer Sand), weshalb wir den Ausflug etwas verkürzten und nach rund 3km zum Auto zurückkehrten. Mit knurrenden Mägen stoppten wir im Anschluss für eine kurze Stärkung bei Ben & Jerrys, da wir wenigstens einmal in diesem Urlaub einen Eisbecher nach amerikanischer Art essen wollten. Daraus wurde leider nichts, da auch dieser Ben & Jerrys „nur“ Kugeleis und andere Kleinigkeiten verkauft, aber keine richtigen Eisbecher. Die Wahl des Stopps hat zudem zumindest meinem Bauch nicht gefallen, da ich die nächsten 1,5h mit eher unangenehmen Gefühlen zu kämpfen hatten. Unseren Besuch am Race Point in der Nähe von Provicetown ließen wir uns trotzdem nicht nehmen. Auch hier müsste man – wenn die Saison nicht bereits vorbei wäre – eigentlich 20$ für’s Parken bezahlen, wobei der Strand auch wirklich sehr lang und „einigermaßen“ weich ist. Theoretisch dürfte man Teile der Küstenlinie übrigens sogar befahren, wobei hierfür eine separate Genehmigung erforderlich ist. Ab und an gab es sogar Seelöwen in unmittelbarer Ufernähe zu sehen, was schon schön war. Nach einem kurzen Spaziergang fanden wir einen schönen Platz um unsere Decken auszubreiten und eine kleine Pause einzulegen (fand mein Bauch ganz toll). Als wir wieder aufwachten, war das Rauschen des Meeres erstaunlich laut, was daran lag, dass das Wasser auf 2m an uns herangekommen war – ganz offensichtlich war die Flut auf dem Vormarsch.

Also packten wir unsere Sachen zusammen und fuhren ein weiteres Mal nach Provincetown. Das „Flair“ der sehr individuellen Stadt entsprach nach wie vor dem am Vortag. Ein buntes Gewusel, sehr viele Menschen, sehr viele unterschiedliche Geräusche und Gerüche – in P-Town ist schon echt viel los. Im Gegensatz zu unserem Besuch gestern hatten wir jedoch etwas mehr Zeit, so dass wir den Hafen ausgiebig besichtigten und uns auch das Angebot der lokalen Souvenir-Künstler-Stände („Crafted here on site“ / Hier vor Ort hergestellt) näher ansahen. Die feilgebotenen Waren waren zum Teil schon durchaus nett, die Preisgestaltung scheint aber einen heftigen Touristen-Zuschlag zu beinhalten (geschnitzte Schilder in mittlerer Größe ab 140$ etc.). Zum Abendessen gab es Lobsterroll (also zumindest für Dani) direkt am Wasser – quasi als Übung für den vollen Lobster, der morgen auf dem Programm steht.

Als sich die Sonne langsam dem Horizont näherte, steuerten wir erneut den Race Point, genauer gesagt die Herring Cove an. Es handelt sich hierbei um einen sehr langen Parkplatz, der leicht erhöht an einem Strand liegt. Man hat also eine hervorragende Sicht auf die Küste, das Meer und den Sonnenuntergang und kann diesen wunschweise – wie wir – direkt aus dem geöffneten Kofferraum genießen. Das Panorama und die Farben des Sonnenuntergangs waren dabei wirklich schön – ganz, wie man sich das Ende eines perfekten Tags am Meer vorstellt. So haben wir Cape Cod nach einem langen und facettenreich Tag ziemlich lieb gewonnen. Die sanften Landschaften sind zum Teil sehr reizvoll und die vielen verschiedenen Strände bieten jeweils ganz eigene Reize. Im Gegensatz zu den Hamptons ist die kleine Insel im Osten Massachusetts‘ stark bewaldet, weshalb sie einen ursprünglichen, natürlicheren Charakter versprüht. Die starke Tourismus-Industrie, die Exklusivität inkl. riesiger Prunkbauten und die z.T. künstliche Parkplatzknappheit hat man jedoch genauso. Ernsthaft, insbesondere zur Saison kann eine mehrtägige Rundtour auf Cape Cod mit wechselnden Stationen pro Tag schon durchaus preisintensiv werden, kostet doch nahezu jeder Parkplatz in der Regel zwischen 15 und 25$ pro Tag – Stellflächen mit stundengenauer Abrechnung gibt es tendenziell eher selten. In den Touristeninformationen wird ein Seasonal Park Sticker für 60$ angeboten, wobei wir uns mangels Bedarf nicht näher mit den zugehörigen Bedingungen beschäftigt haben – die Anschaffung könnte sich aber ggf. schnell amortisieren. In jedem Fall sollte man die Distanzen auf der Insel nicht unterschätzen. Selbst zur Nebensaison mit wenig Verkehr dauert die Fahrt von P-Town im Norden zu unserer Unterkunft in Dennis Port (ziemlich in der Mitte des horizontalen Teils von Cape Cod gelegen) etwas über 1h – man darf halt niemals vergessen, dass man meist mit maximal 80 km/h pro Stunde unterwegs ist, häufig weniger).

Morgen endet dann leider unser Abenteuer an der Ostküste – glücklicherweise erst um 22:10 Uhr in Boston. So bleibt uns fast der gesamte Tag, um nochmals das Maximum aus unserem letzten Tag auf Cape Cod zu holen. Ideen und Möglichkeiten gibt es so viele (eine Fahrradtour auf den sehr gut ausgebauten Wegen, eine Kajak-Tour durch die Marsch-Landschaften, eine Stand Up Paddle Tour und so vieles mehr), wobei wir vermutlich auf eine Kombination aus Mini Golf, Hafen in Chatham, Strandspaziergang und Lobster essen setzen werden. Ich vermute den morgigen Beitrag nicht zur gewohnten Zeit veröffentlichen zu können und bitte daher um etwas Geduld.

New England States Tag 12: Boston

Nach den eher beschaulichen Tagen in den Hamptons, Mystic und Newport bzw. Plymouth wurde es heuter wieder etwas turbulenter, denn eine intensive Stadtbesichtigung des historisch bedeutsamen Bostons stand auf unserem Programm. Glücklicherweise sind wir am Wochenende hier, so dass zumindest die Fahrt in die Stadt und die Parkplatzsuche dort relativ problemlos verläuft – vor einer derartigen Unternehmung unter der Woche hat uns bisher jeder Ortsansässige spätestens im dritten Satz gewarnt.

Unser Plan sah vor recht zentral bei den Boston Commons – dem ältesten Park der Vereinigten Staaten – zu parken  (18$ pro Tag – das ist nahezu rekordverdächtig günstig) und von dort aus die Stadt zu erkunden. Das hat grundsätzlich auch gut funktioniert, mit der Einschränkung, dass an diesem Wochenende ein Festival namens „Boston Freedom Rally“ stattfand. Ich verzichte jetzt mal darauf Rechercheergebnisse von der Veranstalter-Website wiederzugeben und beschränke mich einfach auf unsere ganz individuellen Erfahrungen und Eindrücke. Basierend auf diesen würde ich das Happening wahlweise als „Hippi-Fest“ oder „Convention für Freunde der Marijuana-Pflanze“ bezeichnen. Dies bedeutet, dass überall Müll rumlag, an jeder Eck Bongs und anderes „Equipment“ verkauft wurde, die Straßen mit Trucks gepflastert waren, die vielseitige Aufschriften wie „Yes! We deliver Weed to your home. Selling per pound“ (Ja, wir liefern dir Gras nach Haus – Verkauf pfundweise). Das eine solche Veranstaltung natürlich ein gewisses Klientel (in großen Massen) anlockt, ergibt sich von selbst. Über die verstörende Musik schreibe ich einfach nichts. Über den intensiven Geruch unserer Kleidung nach diesem Tag auch nicht – nur so viel, auf dem Weg zurück in unsere Unterkunft fuhren wir die ersten 3 Kilometer mit offenen Fenstern, um etwas auszulüften (man will ja keinen falschen Eindruck bei den Airbnb-Hosts hinterlassen).

Nachdem ich nun also dieses zentrale Element unseres Tages ausgiebig geschildert habe (wir mussten es im Rahmen unserer Stadt-Erkundung mehrfach durchqueren), kann ich ja damit beginnen unsere sonstigen Eindrücke der ausgiebigen Boston-Erkundung zu schildern. Anfangs waren wir der naiven Ansicht, wir könnten die Stadt und ihre wichtigsten Plätze einfach entlang des sogenannten Freedom Trails erkunden; einer Linie aus roten Backsteinen, die die historisch bedeutsamsten Plätze miteinander verbindet. Dazu erwarben wir für nur 3$ eine unglaublich sinnlose Karte mit sehr schlechten Texten und waren bester Dinge auf diese Art ganz viel zu lernen. Schon an der dritten Station unserer bis dahin trostlosen Wanderung erreichte die Stimmung ein, vorsichtig ausgedrückt, kritisches Level. Einen intensiven Dialog später verließen wir den malerischen Trail (wir hatten bis dahin zumindest das Massachusetts State House, zwei Friedhöfe und zwei Kirchen gesehen) und kürzten direkt zum Hafen ab. Unser Plan war ein Ticket für eine Tour mit einem sog. Duck-Boat zu lösen, einem Amphibienfahrzeug, dass 20 Minuten die Seeseite bzw. Fluss-Seite der Stadt erkundet und in 60 Minuten die wichtigsten Orte an Land anfährt und erklärt. Von einem netten Touristen-Guide wurden wir dann umgestimmt auf die Trolley-Tour umzusteigen, da man diese an zwei Tagen nutzen kann, man an zwölf Stationen ab- und zusteigen kann und zudem einen Gutschein für eine Hafenrundfahrt erhält – mehr „Value for the Money“ sozusagen. Für 39$ pro Person schlugen wir ein und enterten Augenblicke später unseren überdachten, aber mit offenen Fenstern versehenen „Bus“.

Diese Idee hat sich zurückblickend als sehr gut herausgestellt, da wir per Zufall einen ziemlich ungewöhnlichen Fahrer hatten. Anstatt wie alle anderen Guides ein beiges Einheitshemd zu tragen, spannte sich ein Football-Shirt mit seinem Namen quer über seinen breiten Nacken. Tickets wollte er nicht sehen („I don’t really care – I get payed no matter if you’re having a ticket“ / „Ist mir egal, ich werde sowieso bezahlt) und schon nach weniger als einem Kilometer hatte er uns erklärt, dass dies nur einer seiner vielen Jobs ist (primär baut er Requisiten für TV-Produktionen) und er den Trolley eher zum Spaß fährt. Das hat man ihm abgekauft, da er historische Informationen zu den Gebäuden sehr gelungen mit markigen Witzen und gelösten Anmerkungen verknüpfte. Die Gäste aus „proper England“ (also der Alten Welt) fand er besonders amüsant, da diese seiner Ansicht nach ja vor Jahren aus dem Land getrieben wurden und nun wie ein Party-Gast zurückkommen, der zuvor aus der Bar geschmissen wurde. Die Stimmung an Bord war wirklich gut, so dass wir von der Möglichkeit des Ausstiegs zunächst keinen Gebrauch machten und eine volle Runde (rund 60 Minuten) mitfuhren. Das war definitiv wesentlich besser als der Freedom-Trail, auch wenn man aus dem Trolley heraus natürlich nur bedingt Gelegenheit für Fotos und intensivere Erkundungen hat.

Wieder am Hafen angekommen begaben wir uns auf eine rund 3,5km lange Wanderung durch die Stadt, an deren Ende wir für eine Stärkung in ein Restaurant der Kette „The Cheesecake Factory“ einkehrten. Die Käsekuchen-Fabriken mögen wir spätestens seit Kalifornien sehr, auch wenn bei einem regulären Essen selten genug Appetit für das namensgebende Stück Kuchen übrig bleibt. Aus genau diesem Grund wollten wir dieses Mal (neben Getränken) nur Käsekuchen essen und – scheiterten erneut. Unsere gewählten Kreationen aus Käsekuchen, Oreo-Keksen, Choclat Chips und Schokosauce bzw. Käsekuchen, Zitrone und Meringue-Topping waren derart sättigend, dass es aussichtslos war diesen Genuss bis zur letzten Gabel auskosten zu können. Ehrlich, ich habe keine Ahnung, wie man derart reichhaltige Teilchen als „Dessert“ nach einem Menü essen kann.

Auf dem Weg von der Cheesecake Factory zu unserem nächsten Stopp wurden wir dann bitter von der Trolley-Tour enttäuscht – über 30 Minuten kam schlicht und ergreifend kein Bus. Irgendwann begaben wir uns ziemlich frustriert wieder auf den Fußweg, um am Zielort angekommen nur fadenscheidige Ausreden präsentiert zu gekommen („habt ihr vielleicht am falschen Ort gewartet?“ .. alles klar). Danach versuchten wir unsere Tickets für die Hafentour einzulösen, was aber ebenfalls eine große Enttäuschung war. Zunächst wurde eine große Reisegruppe geschlossen vorgezogen, weil ein Mitglied im Rollstuhl saß und dann wurde uns erklärt, dass es heute nur ein Gate auf das Schiff geben würde. Von Platz ~30 auf der Warteliste rutschten wir damit ans Ende der regulären Warteschlange auf Platz 80 oder so und mit Hinblick auf die wenigen Plätzen auf dem Oberdeck drängte ich Dani verärgert dazu das Weite zu suchen. Wenn mir eins auf den Keks geht, dann veralbert zu werden.

Also setzten wir uns wieder in einen der Trolleys, lernten nun wie langweilig, starr und unmotiviert die Vollzeit-Fahrer das Standardprogramm abspulen und gelangten in den Navy Yard. In diesem liegt die USS Constitution, das älteste noch seetüchtige Kriegsschiff der Welt. Aktuell ist die Constitution zwar weder seetüchtig (sie liegt im Trockendock) noch kriegstauglich (alle Kanonen liegen demontiert an Land), aber man kann sie trotzdem besuchen (na zumindest zwei Decks von ihr) und auf diese Weise ein wenig Geschichte fühlen. Dabei muss man klar sagen, dass es schon sehr beeindruckend ist an Deck des 1797 gebauten und immerhin 62m langen Dreimasters zu stehen. Die Constitution diente übrigens als Vorlage für das französische Schiff „Acheron“ im Film Master & Commander – nur als Anmerkung für Freunde der Filmkunst 😉 Ansonsten kann man auf dem Vorzeige-Schiff der US Navy jedoch wenig unternehmen, so dass wir uns recht bald dem zugehörigen Museum zuwandten.

Dieses war eine sehr große Überraschung im positiven Sinn. Zunächst kann man mehrere interaktive Stationen durchlaufen, um sich auf das Leben als Seefahrer vorzubereiten – Kommunikation per Morsecode, Schiffsbau, Navigation usw. Danach durchläuft man eine Reise auf der Constitution von der Ausbildung als Kadett, über den Alltag an Bord bis zu den Erlebnissen nach der Rückkehr. So kriegt man einen sehr lebendigen und detaillierten Einblick in das Leben und Sterben der damaligen Zeit – inkl. Aspekten wie Bezahlung, Kleidung, dem Tagesablauf an Bord, den verschiedenen Rollen auf einem Schiff und dem Schicksal ausgewählter Crewmitglieder nach ihrer Heimkehr (teilweise sehr bewegend). Sehr beeindruckend fand ich auch die interaktive Segelstation, an der man auf einem Mast (mit den Füßen 30cm über dem Boden) rumklettern und ein Segel reffen sollte. Das klingt zunächst nach Spaß, aber es ist sehr bemerkenswert, wie wacklig das gesamte Konstrukt ist, wie viel Körperspannung man benötigt und wie viel Koordination bzw. Geschick gefragt sind. Stellt man sich diese Aufgabe nun in 30m Höhe und bei Wellengang, Sturm und Regen vor, wächst der Respekt vor den mutigen Seglern nochmals deutlich.

Nach dem Constitution Museum nutzten wir erneut den Trolley, um zu unserem Ausgangspunkt Boston Commons zurückzukehren. Immer noch hochmotiviert (was auch sonst..) gingen wir direkt an der Tiefgarage vorbei, blendeten die schreckliche Musik und die vielen „besonderen“ Menschen aus und begaben uns auf eine Erkundungstour durch Beacon Hill – einem historischen Stadtteil Bostons. Ich persönlich (aber ich bin ja kein Experte und definitiv ist an mir auch kein Kunstkenner verloren gegangen – es ist ja manchmal auch durchaus wichtig zu wissen, was man nicht kann) fand Beacon Hill wie eine Mischung aus San Francisco und Brooklyn. Es gibt eine Straße für die besonders reichen Bewohner und diese zu sehen, hätten manche als ausreichend empfinden können. Andere haben jedoch Fotos einer besonders romantischen, malerischen Straße im Internet gesehen, die wir tapfer erkunden wollten. Also spazierten (hetzten?) wir durch Beacon Hill und irgendwie sah eine Straße für mich wie die andere aus. Im Moment aufkommender Verzweiflung wandten wir uns gar an lokale Experten, die uns nach einiger Erklärung den Weg zur von uns gesuchten Straße wiesen. Sollten hier jemals die Fotos zu sehen sein und sollte irgendjemand eben jenen ikonischen Ort ebenfalls besuchen wollen: einfach zur Acorn Street gehen und den Rest von Beacon Hill sagen wir einfach „nur streifen“, dann wird alles gut.

So verließen wir Boston nach einem langen Tag mit mehr als 17 zu Fuß zurückgelegten Kilometern und ohne Hafenrundfahrt. Auch weitere Museen und historische Highlights konnten wir in der knappen Zeit nicht angemessen würdigen, aber so ist das halt, wenn man auf der Durchreise ist. Insgesamt war der Tag in Boston gefühlt ein 3/4 Tag in New York und unterm Strich „ganz nett“. Irgendwie hat mich die Stadt aber nicht so erreicht, dass ich sagen würde es war ein „Highlight“ und die weite Reise nebst der damit verbundenen Kosten war es uneingeschränkt wert. Aber vielleicht hat Kalifornien 2015 meine Ansprüche an einen unvergesslichen Urlaubstag auch einfach nachhaltig auf ein sehr anspruchsvolles Level gehoben (hatte ich schon erwähnt, dass die Planungen für Kalifornien 2017 bereits begonnen haben?).

Morgen soll es (wieder mal) regnen, so dass wir vermutlich einen relativen großen Teil unserer Zeit in Shopping-Malls verbringen werden. Spätestens gegen Abend sollten wir jedoch in Cape Cod ankommen, wo wir die letzten drei Nächte an der Ostküste verbringen werden. Wie immer werde ich versuchen zu berichten – so die Zeit und das WLAN mitspielen.

New England States Tag 11: Zeitreise in die Gründerzeit

Eine Warnung vorab: Auch bei diesem Beitrag aus unserer „New England States“-Serie bin ich mir nicht sicher, ob es mir gelingen wird, die Eindrücke korrekt zu beschreiben. Außerdem stehe ich unter dem starken Einfluss einer wirklich tollen Unterkunft, die mir nach ziemlich vielen Nächten in „akzeptablen“ Zimmern endlich mal wieder das Gefühl gibt zu Hause zu sein (oder wie unsere amerikanischen Freunde sagen würden: a home far away from home).

Dabei begann unser Tag eher enttäuschend und ich habe mir im Vorfeld vorgenommen das auch in aller Ehrlichkeit so zu beschreiben. „Eigentlich“ hatten wir geplant mindestens die Hälfte des Tages in Newport (Rhode Island) zu verbringen – einer malerischen Stadt, die für ihre überdimensionalen Prunkbauten (die Mansions) und ihren sehr großen Hafenbereich bekannt ist. Ich sage bewusst Hafenbereich, da die Infrastrukturen am Wasser an der Neu England-Küste nicht unserem klassischen europäischen Bild eines Hafens mit mehreren Stegen und einer steinernen Einfassung entsprechen. Viel mehr handelt es sich um eine Art zum Ufer hin zunehmend flache Bucht, in der die meisten Boote vor Anker liegen und in der es meist mehrere, verteilte Kais für kleinere Shuttle-Boote und einige wenige große Yachten gibt.

Außerdem wollten wir gern eine drei stündige Bootstour auf einer America’s Cup Yacht unternehmen – nach den diversen, eher ruhigen Hafenrundfahrten in den letzten Jahren hatten wir mal Lust auf etwas authentische Segelaction auf einem richtigen Sportboot. Dieser Plan wurde frühzeitig und nachhaltig zunichte gemacht, da während unseres Besuchs am Atlantik kein noch so kleines Lüftchen ging – ziemlich untypisch und für unser Vorhaben mindestens „unglücklich“ (das ist die politisch angesagte Formulierung für „ganz schön sch..lecht“). Ein kurzes Gespräch mit der Dame am Ticketschalter bekräftigte unsere Befürchtungen überraschend, stellte sie eine im besten Fall leichte Segeltour („a light sail“) in Aussicht. Gefahren wird natürlich dennoch, denn die 36 – 70$ (je nach Tour) kann man ja notfalls auch im Schneckentempo einsammeln. Wir entschieden uns dagegen und gingen sofort zum zweiten Agendapunkt des Tages über: der Hafenbesichtigung. Beim Versuch den Booten näher zukommen, realisierten wir endlich auch, warum die Unterkünfte in der Region aktuell so rar und teuer sind: es war bzw. ist „Newport International Boat Show“. Jetzt kommt der wirklich frustrierende Teil: Was die Organisatoren dieser Show – offensichtlich in Absprache mit der Stadt – gemacht haben, ist schlicht eine nahezu vollständige Sperrung aller Stege und aller Bereiche des Hafens. Außer in ganz wenigen Arealen stehen überall Zäune und Tore, die man ohne Eintrittskarte zur Show nicht passieren darf. So bekam man binnen Minuten den Eindruck in einem Gefängnis und nicht einem beliebten Städtchen am Meer zu sein. Falls sich jemand fragt, warum wir nicht einfach den Eintritt bezahlt haben: Wir hatten einfach keine Lust 20$ pro Person zu zahlen, um danach gemeinsam mit mehreren hundert „wenig trainierten“ (sprich restlos übergewichtigen) Amerikanern im Zeitlupentempo über die kleinen Kais zu schlendern. Dass man dazu eine mindestens 60 Personen lange Schlange am Eingang hätte überwinden müssen, war übrigens auch nicht förderlich.

So verließen wir den Hafen recht schnell und fuhren zu den Mansions. Wie eingangs erwähnt, handelt es sich dabei um eine Sammlung von gigantischen Anwesen, die teilweise auf Augenhöhe mit den Hamptons, teilweise nochmals darüber liegen. Dafür sind sie natürlich wesentlich älter und – hier kommt der wichtigste Unterschied – sie sind für den Publikumsverkehr geöffnet. Dies bedeutet, dass man zwischen 15 und 25 Dollar pro Person pro Anwesen bezahlt, damit man das jeweilige Grundstück besichtigen und ein paar Räume des Hauses betreten darf. Das ist alles ganz okay, aber das Preis-/Leistungsverhältnis ist insbesondere für Menschen, die mit „historischen“ Gebäuden vertraut sind, fast schon befremdlich. Man stelle sich einen US-Amerikaner vor, der einen ausgedehnten Spaziergang z.B. durch Stuttgart (inkl. Villa Berg) unternimmt. Er dürfte sich nach einem halben Tag euphorisiert in einem „German Beergarden“ betrinken, da er so viele unglaublich alte Gebäude in einem derart tollen Zustand gesehen und dafür nicht einen Dollar (noch nicht einmal „Suggested Donation“, also empfohlene Spende) gezahlt hat. In Newport hingegen hat man sogar die gigantisch hohen Zäune nachträglich mit historisch nur bedingt authentischem Sichtschutz (grünem Stoff) nachgerüstet – irgendwo gibt es meiner Meinung nach eine Grenze. Dafür ist der Cliffwalk ganz in der Nähe recht nett, er bietet jedoch nur sehr wenige Ausstiegspunkte um zum Parkplatz zurückzukommen („next exit 2 Miles“).

Fassen wir zusammen: Bootsfahrt ausgefallen, Hafen quasi gesperrt, Mansions unverschämt abgeriegelt und teuer (okay, das wussten wir vorher) – die Stimmung war vorsichtig formuliert nicht ideal. Dann kam die rettende Idee: Ich sagte „Lass uns nach Boston fahren“ und Dani entgegnete „Was hältst du von der Plimoth Plantation – die wollten wir eh machen und wir müssten es heute noch schaffen.“. Die Idee fand ich sofort überzeugend und so kamen wir ca. 1h später in Plymouth an. Keine 26 Dollar pro Person später waren wir mittendrin in der Zeitreise in die Gründerzeit. Vielleicht erkläre ich im Vorfeld zunächst kurz den thematischen Hintergrund des kulturellen Highlights: es handelt sich um ein lebendes Museum, dass die Besiedlung Nordamerikas im Jahr 1624 (und zwar exakt in diesem Jahr) zeigt. Dies bedeutet es gibt die Gebäude , die Werkzeuge und die Lebensweise aus dieser Zeit zu sehen – verkörpert und erklärt von Menschen, die so tun, als ob sie in dieser Epoche leben. Und genau hier liegt der Mehrwert: die sehr talentierten Schauspieler der Plantation bringen einem Geschichte auf eine sehr interaktive und eingängige Weise näher – dazu gleich mehr.

Zu Beginn der Wanderung durch die Geschichte trifft man zunächst auf vier Vertreter eines Stamms nativer Einwohner („Natives“, wir würden umgangssprachlich Indianer sagen). Diese leben – konträr zu den Siedlern – keine bestimmte Rolle, sondern sind im Prinzip Botschafter ihrer Kultur. Dies tun sie, in dem sie in authentischer Kleidung verschiedene Tätigkeiten in einem kleinen, traditionellen Dorf ausführen und dabei für Gespräche mit den Besuchern zur Verfügung stehen. Wir hatten beispielsweise einen sehr interessanten, ca. 30 Minuten langen Dialog mit einem Stammeskrieger (43, macht den Job seit 26 Jahren), der uns zunächst intensiv über unsere Hintergründe ausgefragt hat, bevor er uns spannende Details zu seiner Kultur und dem Dorfleben erklärt hat – z.B. das derzeit eine weitere Hütte auf traditionelle Art gebaut wird, wobei jeder Schritt öffentlich vor dem täglichen Publikum erfolgt. Da die Natives jedoch „keine Rolle spielen“ (im Sinne von „sie schauspielern nicht“), kann man sich mit ihnen auch ganz regulär über moderne kulturelle und andere Aspekte austauschen.

Dies funktioniert ca. 300m später definitiv nicht mehr: Nach einem gewundenen Weg betritt man durch eine Art Torhaus eine kleine Siedlung, die in Aufbau und Aussehen wie gesagt dem Stand aus 1624 entsprechen soll. Optisch ist das eigentlich zunächst gar nicht so spektakulär: ins Auge fallen eine Hauptstraße, zwei bis drei Nebenstraßen, ca. 10 Hütten und ein paar Tiere (Kühe!). Wirklich spannend wird es, sobald man sich den Einwohnern des kleinen Dorfs nähert: sie gehen meist ihrer alltäglichen Arbeit nach und sind in der Regel für Fragen der Besucher offen. Man kann sie jedoch auch mehr oder weniger ignorieren und sich einfach in den Hütten umschauen, wobei diese derart authentisch und belebt wirken, dass man sich fühlt, als ob man in das Haus eines Fremden eingebrochen ist. Dies allein klingt banal, ist aber schon mal eine ziemlich interessante Erfahrung. Je mehr Zeit man sich für die Gespräche mit den Siedlern nimmt, desto faszinierender wird der Besuch in Plimoth. Man muss einfach die Vorstellung zulassen, dass man sich im Jahr 1624 befindet, die in dieser Siedlung lebenden Pioniere mit der Mayflower über den Pazifik kamen und nun versuchen hier eine Zukunft aufzubauen. Wenn man diese mentale Hürde überwunden hat, stellen sich unzählige Fragen, die man schon immer mal los werden wollte. Wie war die Überfahrt? Wie viele Menschen haben überlebt? Habt ihr Angst vor den Eingeborenen? Plant ihr hierzubleiben? Was machst du hier eigentlich für einen Job? Verdienst du mit deiner Arbeit Geld? Bist du glücklich? Der geneigte Leser möge sich einfach mal in die Situation versetzen – dann wird sicherlich schnell klar, was die Faszination dieses Orts ausmacht. Auf all diese Fragen kriegt man nämlich Antworten – allerdings in einer sehr launigen, unterhaltsamen und individuellen Art. Man hat niemals das Gefühl, dass die „Siedler“ (Schauspieler) nur ihr Textbuch abspielen und immer wieder die gleichen Sätze emotionslos abspielen. Auch gibt es keine peinlichen Dialoge in der Form „Oh, was haben diese komischen Leute denn da drüben  .. es sieht aus wie ein Fernglas, aber sie drücken darauf rum“). Nein, zu meiner großen und positiven Überraschung ergeben sich sehr spannende Dialoge über das Leben in der damaligen Zeit, die das „Mindset“ (also die Lebenseinstellung) der aus England stammenden Pioniere eindrucksvoll transportieren. Hier einige Beispiele:

  • Frage an einen Siedler, ob er glücklich mit seiner Wahl ist übergesiedelt zu sein („Are you happy with your choice?“. Antwort: „Well I would not describe it to that positive extend“ / Soweit würde ich nun nicht gehen
  • Suggestionsfrage: „So I guess there’s a great future waiting for you?“ (Gehe ich recht in der Annahme, dass also eine tolle Zukunft auf dich wartet?). Antwort: „A future full of possibilities“ / eine Zukunft voller Möglichkeiten
  • Totale doofe Frage: What are you doing here? / Was machst du hier überhaupt? Antwort: I’m sitting here on a bench in the shade / Ich sitze hier im Schatten auf einer Bank
  • Frage: Why did you leave England / warum bist du überhaupt aus England weggegangen? Antwort: Because my father expected that I mary the fat, ugly daughter of the tailor. She stinks and has no teeth / Weil mein Vater erwartet hat, dass ich die dicke, hässliche Tochter des Schneiders heirate – sie sie stinkt und hat keine Zähne
  • Frage: What’s your job over here? / Was ist dein Beruf hier? Antwort: I’m a farmer. We are all farmers. / Ich bin ein Farmer, wir sind alle Farmer.
  • Frage: Aren’t you afraid someone could come and take your land? / Hast du keine Angst, dass jemand kommen und dein Land wegnehmen könnte? Antwort: No, that’s against the law and we Englanders obey the law / Nein, dass wäre gegen das Gesetz und wir Engländer halten uns an das Gesetz.

Mit Hilfe dieser und vieler weiterer Fragen (wir haben über 4h in der Siedlung verbracht und dabei allein mit drei Schauspielern jeweils knapp 1h erzählt) lernt man wirklich viele Hintergrundinformationen und Details über die Gründerzeit – Dinge, die man so nie erwartet hätte und die aus aktueller Sicht geradezu absehbar waren. So wurde beispielsweise das Risiko von blutigen Auseinandersetzungen mit den Eingeborenen („Sie sind gute Freunde, wir handeln mit ihnen) ebenso negiert wie das Risiko von Konflikten mit anderen Nationen („Die Spanier sind 3000 Meilen im Süden und interessieren sich nur für Gold, die Franzosen sind 2000 Meilen im Norden – kein Problem)“. Auch etwaige Bedrohungen durch Piraten hat der erste Vertreter des lokalen Gouverneurs nicht gesehen – die kämpfen nämlich nur im Kanal nahe England und nicht an der amerikanischen Küste. Im Zweifelsfall ist alles Gottes Wille – hier wird der puritanische Geist sehr glaubhaft transportiert.

Außerdem lernten wir extrem interessante Hintergründe zu den wirtschaftlichen Interessen der Siedlung und den Zielen der einzelnen Pioniere („Wenn ich hier sieben Jahre arbeite, erhalte ich 350 Acres Land, das kann ich dann wiederum anderen Siedlern verpachten)“. Extrem bemerkenswert fand ich das nahe Verhältnis zu England. So war die Siedlung niemals als authentische Einheit gedacht, sondern basierte von Anfang an auf der regelmäßigen Lieferung von Gütern aus der Alten Welt (z.B. Schießpulver, Nutztiere, Kleidung, Nägel usw) und im Gegenzug der Rücksendung wirtschaftlich interessanter Güter an die Finanziers der Siedlung. Dies entspricht so gar nicht meiner Vorstellung von der Gründerzeit („Ihr seid der Brückenkopf, ihr müsst so schnell wie möglich lernen autark zu leben), was sich auch in der vergleichsweise regelmäßigen Schiffsverbindung zwischen beiden Kontingenten fortsetzt. Eine Reise von und nach England wurde als durchaus valide Option angesehen – sie dauerte zwar drei Monate, war aber keinesfalls undenkbar. Ich könnte so vermutlich noch ganz viele Details aus unseren Gesprächen wiedergeben, aber das sprengt sicherlich den Rahmen des Beitrags. Ich möchte daher mit der Zusammenfassung schließen, dass ein Besuch in der Plimoth Plantation eine ganz tolle Erfahrung ist, die aber nur funktioniert, wenn man sich auf das lebende Museum einlässt, bereit ist mit den Siedlern zu reden (es gibt so gut wie keine Hinweisschilder), nicht viel los ist und man zumindest ein Grundinteresse an Geschichte hat. Rückblickend betrachtet hätte ich mich gern noch intensiver mit den historischen Zusammenhängen beschäftigt, um noch interessantere Fragen zu stellen – ein weiterer Punkt für die „beim nächsten Mal“-Liste.

Wie man sicherlich merkt, bin ich immer noch ganz fasziniert vom Tag. Hinblickend auf den bereits sehr stattlichen Umfang dieses Beitrags sehe ich mich leider gezwungen weitere Details zu unserem Spaziergang zum Strand in Plymouth und unsere Unterbringung des Tages signifikant zu verkürzen bzw. diese auszulassen.

Um nun aber nach dem traurigen Start in Newport und der fantastischen Fortsetzung in Plymouth mit einer weiteren tollen Sache zu schließen, möchte ich noch kurz von unserer Unterbringung für die nächsten zwei Nächte berichten. Wir haben – mal wieder – eine Unterkunft über Airbnb gebucht, die unsere Erwartungen jedoch deutlich übertroffen hat. Dies hängt sicherlich auch damit zusammen, dass wir erst die dritten Mieter des neu gebauten Apartments sind, die Ausstattung mehr als komplett ist, wir eine sehr schöne und fast schon freundschaftliche Unterhaltung mit unserer Vermieterin hatten und bei der Ankunft zudem ein voller Kühlschrank gewartet hat. Wer den Gegenwert von kalten Getränken, frischem Brot und zwei großen Schalem frischem Obst in Amerika kennt (ich tippe in Summe auf ca. 50 Dollar) und zudem mit den Preisstrukturen  der hiesigen Unterbringungen vertraut ist, wird vom Preis-/Leistungsverhältnis umso faszinierter sein. Wie auch schon in Kalifornien zuvor hat uns Airbnb die bisher besten Unterkünfte des gesamten Urlaubs beschert. Morgen wartet dann Boston auf uns – ich bin gespannt.

New England States Tag 10: Eine besondere Beziehung zum Meer

Bevor ich in den Bericht unseres heutigen Tages einsteige, muss ich im Vorfeld um Entschuldigung bitten: wir sind erst vor wenigen Minuten von unserem Abendessen in Providence (Rhode Island) zurückgekehrt und ich habe aktuell gefühlt mehr Blut im Bauch, als in meinen Fingern bzw. meinem Gehirn 😉 Aber wie immer werde ich mein Bestes geben.

Der heutige, zehnte Tag unserer Rundreise begann mit der „Vertreibung aus dem Paradies“, da wir die Hamptons mit einer der ersten Fähren von Orient Point aus verlassen mussten. Der Tag war durchgeplant, die Fähre gebucht (sollte man tatsächlich im Vorfeld machen .. vor allem am Wochenende; in der Saison sowieso) und wir waren auf einer Mission. Auf den knapp 50km Fahrt von unserer Unterkunft in der Nähe von Riverhead zum Fähranleger hatten wir nochmals ausgiebig Gelegenheit die tolle Landschaft und die riesigen Farmen Long Islands zu bewundern – insbesondere die gigantischen Rollrasenfelder sind sehr beeindruckend. Diese werden mittels sehr bemerkenswerter Bewässerungstechnik gepflegt (teilweise mit Hilfe von in Traversen geführten Schläuchen, die sich über mehrere hundert Meter erstecken) und reichen an manchen Punkten der Insel wortwörtlich soweit das Auge reicht.

Am Fähranleger lief dann alles ganz entspannt: wir mussten nur kurz den Buchungscode vorzeigen, wurden dann gefragt ob wir Interesse daran hätten eine Fähre früher als geplant – quasi sofort – zu nehmen (fanden wir natürlich perfekt) und schon wurden wir auf das überraschend kleine Schiff gelotst. Dieses legte auch wenige Momente später ab, so dass wir es uns an Deck bequem machten und die Überfahrt in der Morgensonne genossen. Der rund 76 Dollar teure Service bringt einen in ca. 1,5h stress- und staufrei in die Hamptons bzw. zurück ans Festland nach New London nahe New Haven (hier befindet sich übrigens Yale). Insgesamt eine sehr smarte Option um die zeit- und nervenintensive Fahrt über New York City zu vermeiden.

Vom Fähranleger in New London aus waren es dann nur noch 15 Minuten bis zu unserem Tagesziel: dem Mystic Seaport – the Museum of America and the Sea. Es handelt sich dabei um ein lebendes Museum in der Nähe des Ortes Mystic, welches – nach eigenen Angaben – das größte seiner Art in Amerika ist. Obgleich wir diesen Fakt natürlich nicht verifizieren konnten, sei bereits im Vorfeld angemerkt, dass der Seaport definitiv eines der größten Highlights unserer Reise war. Jeder der sich auch nur ansatzweise für (historische) Seefahrt interessiert, wird hier höchst neugierig einen halben, wenn nicht sogar einen ganzen Tag verbringen können. Ich kann an dieser Stelle sicherlich nicht jedes Detail des Museumsdorfes (das Gelände ist wirklich überraschend groß und der Begriff „Dorf“ nicht übertrieben) wiedergeben, aber ich möchte dennoch kurz die einzelnen Bereiche beschreiben.

Gleich zu Beginn bewunderten wir den Werft-Bereich, in dem Mitarbeiter des Museums historische Boote restaurieren, repartieren und seetüchtig halten. Dies bedeutet, dass es nicht nur ein großes „Ersatzteillager“ in Form von Hölzern, Stämmen und fertigen Masten gibt, sondern auch eine Werfthalle in der tatsächlich gearbeitet wird. Von einer Art Aussichtsdeck aus hat man eine sehr gute Sicht über den Arbeitsbereich und kann den Experten bei ihrer kleinteiligen und handwerklich sicherlich sehr anspruchsvollen Arbeit zuschauen. Allein hier könnten Liebhaber sicherlich geraume Zeit verbringen – es ist wirklich faszinierend, mit welcher Genauigkeit und Authentizität das Museum Restaurationsarbeiten erledigt. Unmittelbar neben der Halle befindet sich das „Dock“ (das Wort ist nicht passend – ich meine viel mehr die „Starteinrichtung“ für Schiffe, mit der diese erstmals zu Wasser gelassen werden), mit dessen Hilfe z.B. die für insgesamt ca. 5 Millionen US-Dollar restaurierte Charles W. Morgan – ein Walfangschiff – wieder auf die Reise geschickt wurde.

Vom Werftbereich aus begaben wir uns zu diversen kleineren und größeren Hütten, die einzelne Gewerke des Schiffsbaus bzw. der maritimen Industrie näher vorstellten. Hierzu zählte z.B. ein Lobstershack (hier kann man sehen, wie Hummerkörbe gebaut werden), eine Schmiede, eine Faßküferei, ein Schiffszubehörladen („Chandlery“), eine Art Supermarkt (Grocery & Hardware Store), eine Schule, eine Kirche sowie mehrere Wohnhäuser. Ein absolutes Highlight war die Seilerei – ein sehr langes Gebäude, in dem über zwei Stockwerke gezeigt wird, wie Taue hergestellt wurden und manchmal noch heute werden. Außerdem verfügt das Museumsdorf über mehrere Ausstellungen (z.B. zum historischen Walfang), die ebenfalls in zeitgenössischen Gebäude untergebracht sind. In nahezu jedem Gebäude warten Freiwillige, die sehr gern und bereitwillig weitere Details erklären. Äußerst angenehm ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass das Personal tatsächlich auf die Vermittlung von Wissen auf angenehme, unkomplizierte Art fokussiert ist und nicht nach zwei Minuten die Frage folgt: „Where are you from?“ (in der Regel der Beginn eines längeren Smalltalks). Als weitere, sehr liebevoll realisierte Station sei das Diorama des Seaports und seiner Umgebung zur Zeit des 19. Jahrhunderts genannt – hier müssen sehr viele Freiwillige sehr viel Liebe investiert haben. Gleiches gilt übrigens auch für diverse andere, funktionstüchtige Exponate. So wurde z.B. ein Diesel-Motor gezeigt, dessen Restauration mehr als 3.300 Stunden gedauert hat – sehr beeindruckend.

Neben den Gebäuden an Land verfügt Mystic Seaport natürlich auch über mehrere Boote, die man zum Teil betreten kann. Auch diese wurden sehr sorgfältig wiederaufgebaut bzw. sind an einzelnen Baustellen nach wie vor Experten aktiv – auch sie sind sehr aufgeschlossen und erklären neugierigen Besuchern gern was sie hier tun und worauf man dabei achten muss. Das bekannteste Exponat – die Charles W. Morgan – konnten wir leider nicht selbst entern, da am heutigen Tag ein Kran da war und verschiedene Teile der Masten abgenommen wurden. Dies war zwar traurig, dafür konnten wir beim Mittagessen am Wasser zuschauen, wie schwindelfreie Mitarbeiter des Museums in der Takelage rumkletterten – ebenfalls sehr spannend. Man hätte übrigens auch noch eine kleine Rundfahrt um die malerisch gelegene Anlage unternehmen können, was wir aus Zeitgründen aber nicht wahrnehmen konnten.

Alles in allem ist Mystic Seaport wirklich extrem sehenswert und lädt zum Verweilen ein. Es bieten sich überall spannende Fotomotive, interessante Gespräche und eine außergewöhnliche Atmosphäre. Durch den lebenden Charakter des Museums liegt die Seefahrt wortwörtlich in der Luft; nahezu jede Anlage und jedes Exponat kann bei Bedarf angeschaltet bzw. demonstriert werden. Zusammenfassend ist Mystic daher bisher meine Platz 1-Sehenswürdigkeit in New England.

Vom Seaport aus fuhren wir einige Kilometer weiter nach Narragansett, um uns die Strände in der Bucht anzuschauen. Dort angekommen zeichnete sich ein überraschendes Bild: durch die Nähe der Brown University und die Tageszeit (Freitagnachmittag) war der Strand quasi voll von jungen Menschen, was bei dem insgesamt eher hohen Altersschnitt in den Neu England-Staaten durchaus willkommen ist. Auch sonst ist der Strand sehr einladend, ist er Sand doch recht weich und vor allem breit und ziemlich sauber. Durch das ungewöhnlich flache Küstenprofil bietet sich die Bucht zum Wassertreten förmlich an, was durch die sehr gemäßigten Wassertemperaturen (alles ist relativ) nochmals attraktiver erscheint. Die Möglichkeit sind jedoch limitiert, da der Strand nur etwas mehr als einen Kilometer lang ist. An einem Ende geht der Sand recht abrupt in eine steinige Landzunge über, am anderen Ende steht „The Towers“ – ein ikonischer Steinbogen zwischen zwei Türmen, der gleichzeitig das Erkennungsmerkmal der Region darstellt. Insgesamt daher ein schöner Zwischenstopp für einen Spaziergang am Meer, der aber von der Qualität und Exklusivität hinter den Stränden der Hamptons deutlich zurückbleibt (man muss ja auch realistisch bleiben).

Im weiteren Verlauf unserer Fahrt suchten wir noch nach einem zweiten Stand zum Spazierengehen, was jedoch eher erfolglos war (Beschreibungen unserer Fehlschläge spare ich einfach aus .. niemand ist schließlich an Details zu einem Ministrand unmittelbar neben einem riesigen Industriegebiet interessiert). Beim abendlichen Besuch in Providence wurde wieder einmal klar, wie krass in Amerika die unterschiedlichen Aktivitätsprofile unter der Woche und am Wochenende sind. An einem Freitagabend ohne Reservierung essen gehen zu wollen, setzt schon mal 20 – 30 Minuten Geduld voraus – diese hatten wir offensichtlich.

Morgen geht es für uns weiter in Richtung Newport, von wo aus wir diverse Anwesen aus der Kolonialzeit erkunden werden. Abends geht es dann weiter nach Boston, wo wir die nächsten zwei Nächte verbringen werden. Aus aktueller Sicht ist das Wetter leider ein Wackelkandidat – hoffen wir das Beste!

New England States Tag 9: die Hamptons

Eigentlich ist es ganz leicht unseren heutigen Tag an der Ostküste zusammenzufassen: Erst flüchteten wir aus New York, dann verliebten wir uns gleich auf ersten Blick in die Hamptons – doch der Reihe nach.

Nach nunmehr drei Nächten in Brookyln – die bedingt durch die körperlichen Anstrengungen tagsüber allesamt sehr erholsam waren – wurde es endlich wieder Zeit für einen Standortwechsel. Ernsthaft, ich habe mich selten so sehr darauf gefreut einen Ort zu verlassen, wie am Ende unserer Zwischenstation im Big Apple. Die Stadt wie – wie in den letzten zwei Beiträgen schon beschrieben – sicherlich extrem interessant und unglaublich facettenreich, aber als Teil einer Rundreise mit einem Mietwagen doch sehr zeitintensiv. So waren wir ziemlich gut gelaunt und neugierig auf den Rest des Tages, als wir unser Hab und Gut um 07:30 Uhr fertig im Mietwagen verstaut hatten.

Schon auf den ersten Metern entdeckte ich meine tiefe Abneigung gegenüber dem New Yorker Verkehr sofort wieder. Stuttgart, Frankfurt, Berlin, ja sogar Los Angeles – überall fährt er sich basierend auf unseren Erfahrungen wesentlich angenehmer als in NYC. Eine Spur ist durch einen Lieferwagen blockiert, du blinkst und denkst der Schulbus auf der Spur links hinter dir lässt dich rein? Quatsch – er gibt Gas, und fährt die Lücke zu. Da musst du schon sehen wo du bleibst, Schwächling. Ganz im Ernst, solche Situationen passieren im New Yorker Verkehr ständig und sie gehen einem einfach extrem auf den Keks. Der Verkehrsfluss wird durch dieses Verhalten scheinbar nicht eben optimiert, denn unsere Fahrt in Richtung Osten zog sich ewig – für 120km haben wir insgesamt fast 2,5h benötigt. Dabei ist anzumerken, dass es rund um New York kaum Hover-Lanes für Fahrzeuge mit mindestens zwei Insassen gibt – hier ist sogar LA wesentlich besser aufgestellt.

Irgendwann fuhren wir endlich von der Interstate ab und nach einigen Kilometern auf einem Highway erreichten wir gegen 10:30 Uhr endlich die Dune Road in Westhampton. Auf dieser recht malerischen Strecke kann man rund 15km fast direkt am Stand entlangfahren und bekommt ein erstes Gefühl für das Luxusende Long Islands im Osten des Bundesstaates. Die Häuser sind hier bereits ausnahmslos recht gepflegt und residieren meist auf stattlichen Grundstücken. Auch der Strand – wir legten eine kleine Pause für einen Spaziergang ein – ist breit, weich und sehr wenig frequentiert. Über den weiteren Verlauf der Dune Road und eine kleine Brücke gelangten wir schließlich direkt nach Southhampton. Southhampton ist so etwas wie das Kampen auf Sylt der Hamptons – das Epizentrum des Wohlstands. Man hat das Gefühl, dass hier kein Grashalm gegen die Regeln wächst, niemand auf nur eine Meile pro Stunde zu schnell fährt, niemand raucht und auch absolut niemand die Frechheit besitzt seinen Müll während der Fahrt aus dem Fenster zu werfen. Okay, dafür kann man beim Tanken schon Mal 2,65$ pro Gallone zahlen (normal sind derzeit zwischen 2,07 und 2,20$ .. wobei 2,17$ nur wenige Kilometer weiter östlich aufgerufen wurden). Dafür steht man dann an der Zapfsäule, die sonst wahrscheinlich nur von italienischen Luxusfahrzeugen frequentiert wird. Den Gipfel der Manifestation von Wohlstand in Beton, Glas und Holz kann man dann in der Meadow Lane – eine lange Straße auf einer vorgelagerten Halbinsel – bewundern. Die Straße wird umgangssprachlich auch „Billionares Lane“ – also Straße der Milliadäre – genannt, und diesen Namen trägt sie zurecht. Die Grundstücke sind hier zum größten Teil extrem groß und die Häuser allesamt  superlativ, einzig der Baustil unterscheidet sich von Objekt zu Objekt. Das unmittelbar an der Straße ein Heliport liegt, ist sicher kein Zufall 😉

Spannend ist auch die Tatsache, dass in Southhampton – ebenso wie eigentlich überall in den Hamptons – das Parken auf’s Strengste reglementiert wird. „No parking“-Schilder stehen quasi allerorten und wurden scheinbar in Stückgrößen >10.000 erworben. Ab und an trifft man auf scheinbar großzügige Außenparkplätze, die jedoch mit ganz wenigen Ausnahmen das Schild „Permit only“ (nur mit Genehmigung) tragen und daher Anwohnern bzw. deren Bekannten vorbehalten sind. So reduziert sich die Auswahl an öffentlichen Parkplätzen auf ein Minimum – ich würde schätzen auf 10km Strand kommen Kapazitäten von 100 freien Stellflächen. Die Situation entspannt sich ab dem 16.09. übrigens signifikant, denn dann ist die Saison offiziell vorbei und bis Mitte Mai können die meisten Parkmöglichkeiten frei genutzt werden. In jedem Fall ergibt sich durch die starke Reglementierung an den Stränden ein faszinierendes Bild: Endloser, weißer Sand, extrem Breit, extrem sauber, extrem tolle Ausblicke auf die Häuser und: bis zum Horizont kein Mensch weit und breit. Wenn man sich so manche Immobilie näher anschaut, möchte man dafür auch sofort in Demut verfallen – hier abends auf der Terrasse mit Seeblick ein Glas Rotwein zu genießen, muss schon etwas Besonderes sein.

Von der Meadow Lane aus fuhren wir weiter gen Osten, um uns Montauk und das Montauk Lighthouse anzuschauen – die Fahrt erstreckt sich nochmals über 50km. Nimmt man die szenische Route in Form des Old Montauk Highways fühlt man sich beinahe wie auf Sylt: Über relativ schmale und überraschend hügelige Straßen geht es an tollen Häusern und faszinierenden Ausblicken auf das Meer vorbei. Montauk selbst wirkt etwas touristischer und definitiv nicht so herausgeputzt, wie die Luxusstädte zuvor. Das Montauk Lighthouse selbst ist ein wirklich faszinierender Ort, der eine eigenartig vertraute und sympathische Ausstrahlung hat. Kaum angekommen, fühlt man sich sofort, als ob dies das Ziel einer langen Reise ist und man hofft, dass der Tag noch möglichst lang ist – ich weiß, das klingt sülzig und platt, aber so ist es nun mal. Rund um den Leuchtturm hat man eine tolle Aussicht auf das Meer und die Fischerboote, die hier keine 100m vom Ufer entfernt auf der Jagd sind. Weiterhin kann man auf einem schönen Trail den Hügel umrunden und in die Turtle Bay absteigen, von der man ebenfalls eine sehr schöne Aussicht auf das Lighthouse hat. Die Geräuschkulisse wird hier einzig vom Meer und dem Kreischen der Möwen geprägt – was für eine Entschleunigung und Harmonie nach den 2,5 Tagen in New York. Einziger Nachteil: Das Parken am Lighthouse kostet 8$, der Eintritt pro Person nochmals 10$ – preiswert ist anders.

Da wir morgen schon wieder weiterfahren und die Hamptons so intensiv wie möglichen erkunden wollten, fuhren wir viel zu früh zurück nach Westen, genauer gesagt nach Easthampton. Auch dieses schöne Städtchen ist eindeutig von einem sehr wohlhabenden Klientel geprägt, hat sich aber auch Straßenzüge mit einer sehr natürlichen Gestaltung der Häuser erhalten. Die Grundstücke wirken hier noch „historisch gewachsen“ und nicht durch hohe Hecken (teilweise übrigens in doppelter Ausführung) abgeschirmt. Während unserer Fahrt nach und durch Easthampton entdeckten wir übrigens eher beiläufig diverse Drehorte aus der Serie „The Affair“ (die übrigens sehr authentisch und wenig verändert gezeigt werden); die Hamptons sind ja ferner auch als Schauplatz für „Royal Pains“ und „Revenge“ bekannt – beide Serien geben das Luxusende Long Islands meiner Meinung nach jedoch nur sehr stark interpretiert wieder.

In Easthampton unternahmen wir einen langen Strandspaziergang im Sonnenuntergang, wobei die Dünung hier fantastische Effekte am Ufer entstehen lässt. Es gibt quasi eine Art Sandbank direkt an der Wasserkante, über die das Meer je nach Höhe der Wellen mal mehr, mal weniger drüberläuft. Der so entstehende Pool zwischen Wasserkante und Strand ist überraschend tief und hat sogar eine Fließrichtung (Osten), so dass prinzipiell schon mal ziemlich viel Bewegung in der Sache ist. Wenn nun noch die Gezeiten und etwas Wind dazu kommen, bilden sich plötzlich flussartige Strömungen, die teilweise schon mal an eine Flutkatastrophe erinnern können (ernsthaft). Das ist toll anzusehen, sehr faszinierend aber für Unbedarfte sicherlich auch gefährlich. Die Hamtpons sind halt sehr charismatisch.

Da unser Abend nach Sonnenuntergang wenig spektakulär verlief, abschließend noch ein paar zusammenfassende Worte zu den Hamptons: Man kann sie sich ein bisschen wie eine Mischung aus Palm Beach (riesige Anwesen hinter hohen Hecken), Newport Beach (riesige Anwesen mit Geschmack) und Sylt (eine sehr exklusive, fast schon abgeschottete Gesellschaft) vorstellen. Das primäre Fortbewegungsmittel scheinen Range Rover zu sein (analog zu den Cayennes auf Sylt), man sieht häufiger Mitdreißiger in Baumwollwesten mit eigenartigen Farben und noch häufiger ältere Männer mit halb so alten Frauen. Das kann schon mal am Ego nagen 😉 Ansonsten ist die Region aber eher ruhig weiß vor allem durch die faszinierende Natur zu begeistern. Man kann hier toll spazieren gehen, das Meer genießen, durch die Häfen schlendern, große Farmen besuchen und ganz allgemein People Watching betreiben. Für 3-5 Tage sicherlich der perfekte Ort am Meer – wäre er nur nicht so schwer zu erreichen. Zur Hauptsaison stelle ich mir eine Reise in die Hamptons ohne Einladung eines Anwohners aber relativ schwierig vor – die Parkplatzauswahl ist wirklich extrem gering und das Straßennetz nur bedingt aufnahmefähig – sogar heute, in der Nachsaison, bildeten sich immer wieder Staus.

Morgen früh werden wir die Hamptons – nach einem viel zu kurzen Aufenthalt – mittels Fähre nach New London verlassen und uns danach Newport anschauen. Schauen wir mal, was der zehnte Tag unserer Reise für uns bereithält.

New England States Tag 7: New York Part I – die Druckbetankung

Man stelle sich bitte kurz folgende Geräusche in wilder Mixtur vor: Rangierende LKWs, Hubschrauber, zirpende Grillen, Rüttelplatten, Autos, Flugzeuge, hupende Fahrzeuge, laute Musik, das Gebrabbel unzähliger Menschen, Werbereklamen, Polizei- und Rettungswagensirenen und dazu noch die U-Bahn, die im Untergrund immer mal deutlich wahrnehmbar vorbeirauscht. Der geneigte Leser möge bei Interesse bitte tatsächlich zumindest kurz versuchen alle diese Töne laut abzumischen (Referenzlautstärke: direkt neben einem laufenden LKW stehen .. Abstand vom Motor 1m), dann ergibt sich ein – zumindest meiner Meinung nach – einigermaßen realistischer Eindruck der Klangkulisse in New York City.

Nachdem wir uns nun gemeinsam auf die Erlebnisse in der Stadt die niemals schläft eingestellt haben, kann ich ja ein wenig von unserem Tag berichten. Alles begann mit einem ausgedehnten Spaziergang – zur U-Bahn. Unser Integrationsprogramm für Weltbürger sieht nämlich vor auch das öffentliche Verkehrsnetz intensiv zu erproben und so wäre es natürlich eher unpassend schnöde im Hotel in Manhattan zu schlafen. Stattdessen haben wir das malerische Brookyln als Ort unserer Übernachtung gewählt, wobei die Eindrücke je nach Kreuzung von „Wow, coole Lofts mit beeindruckenden Dimensionen“ bis zu „Ich bin ein verirrter Reisender, holt mich hier raus“ reichen. Insbesondere nach Einbruch der Dunkelheit kann das zuweilen schon mal spannend sein, wobei ich mittlerweile glaube, dass der Stadtteil wirklich sicher ist und man sich etwaigen Stress wirklich nur selbst macht. Kurze Erklärung zu unserer eher ungewöhnlichen Standortwahl: Aktuell findet die New York Fashionweek statt, was die Verfügbarkeit von Hotels in Manhattan extrem einschränkt.

Mit der Subway fuhren wir anschließend „nur“ ca. 25 Minuten nach Downtown Manhattan. Für jemanden der New York das erste Mal besucht, ist es schon ein ziemlich spannender Moment, wenn man die sehr heiße U-Bahn-Station verlässt (sicher über 25°C Lufttemperatur), der Treppe folgt und sich noch unterwegs fragt, wie die Stadt nun wohl in der Realität aussehen wird. Die dann folgenden Eindrücke wiederzugeben, ist gar nicht so einfach. Es ist immer noch laut, die meisten Gebäude sind unglaublich hoch und unfassbar groß und die Baustile wechseln sich scheinbar willkürlich ab. Nach wenigen Minuten beginnt man zu verstehen, warum gefühlt 99% der anderen Passanten Earsticks oder Kopfhörer tragen – mit einer gewissen Schalldämmung ließe sich die Stadt sicherlich viel besser genießen.

Etwas kulturgeschockt spazierten wir also von unserem „Landungspunkt“ direkt in Richtung High Line Park. Bei selbigem handelt es sich um eine Art grüne Oase in der Stadt, die dergestalt realisiert wurde, dass eine alte Stadtbahnstrecke begrünt und zu einem Park umgestaltet wurde. Dort wo früher die Bahnen fuhren – die Gleise sieht man übrigens noch – wachsen jetzt jede Menge Büsche, Sträucher und kleine Bäume und es bieten sich fantastische Aussichten auf die Stadt. Fast könnte man den Park als Rückzugsort betrachten, wäre da nicht der auch dort sehr hohe Lärmpegel (und sei es von dem freundlichen Freiwilligen, der den Müll einsammelt und dabei seine Tonne mit immenser Lautstärke hinter sich herzieht). In jedem Fall ist der High Line Park ein tolles Refugium mitten in der City, in dem man locker 45 – 60 Minuten verbringen kann und der übrigens keinen Eintritt kostet.

Vom High Line Park aus begaben wir uns auf einen ausgedehnten Spaziergang (das Wort hat in diesem Kontext allerdings fast schon Marketing-Charakter) durch die Innenstadt. Bekannte Bauwerke und Orte wie den Madison Square Garden (hier ließen wir uns übrigens einen frisch gemachten Smoothie für 6$ pro Stück am One Penn Plaza schmecken – genial), das Rockefeller Center, die Fifth Avenue, das Empire State Building, die New York Public Library, die Grand Central Station (extrem beeindruckend – unbedingt anschauen!) und vor dem Mittagessen abschließend den Times Square erkundeten wir mit unterschiedlicher Intensität. Insbesondere der Times Square ist schon eine Attraktion für sich, kann man die vielen Eindrücke der unzähligen Bildschirme doch kaum Greifen – unvorstellbar, wie es hier bei Dunkelheit sein muss.

Nach einer dringenden benötigten Stärkung (ich gebe zu, der Aufenthalt im Restaurant diente eher der Erholung unserer Füße und Ohren sowie als willkommene Abkühlung bei 29°C Außentemperatur), begaben wir uns mit der U-Bahn in Richtung 9/11 Memorial. Das gesamte World Trade Center Areal befindet sich nach wie vor im Umbau, weshalb es auch hier zu teilweise chaotischen Zuständen und wildem Gewusel kommt. Die „Gedenkstätte“ am Ground Zero ist aber bereits seit 2014 fertigstellt und kann seitdem auch besichtigt werden. Ich denke es ist schwer die richtigen Worte für diesen Ort zu finden (die Menschen die grinsend für ein Selfie vor dem Mahnmal passieren, sind aus meiner Sicht jedenfalls deplatziert), weshalb ich es eigentlich gar nicht erst versuchen möchte. Belassen wir es dabei zu sagen, dass das zwei großen Bassins mit den tiefen Wasserfällen und ihren kupfernen Einfassungen, die die Namen der Opfer tragen, schon bewegend sind. Als Ort der Erinnerung zwar anders ausgeführt, als ich es vermutet hatte, aber meiner Ansicht nach durchaus angemessen und auch der Weltsicht der US-Bevölkerung (think forward) entsprechend.

Vom World Trade Center unternahmen wir einen zweiten Spaziergang in Richtung Lower Manhattan und schauten uns dabei insbesondere die Wallstreet bzw. die New York Stock Exchange, die Raging Bull Statue und die Trinity Church an. Insgesamt lässt sich festhalten, dass überall wahnsinnig viel los ist, in New York wesentlich mehr als im Rest der von uns bisher besuchten USA geraucht wird und die Polizei-Präsenz unglaublich hoch ist. Zumindest letzteres gibt einem aber durchaus ein gutes Gefühl und man umklammert die Digitalkamera nicht permanent bis zur Blutarmut 😉

Um 17:30 Uhr begann dann unsere „Besichtigung“ des One World Observatorys – zumindest eine der bekannten Aussichtsplattformen wollten wir natürlich besuchen. Die Formalien im Vorfeld sind ganz einfach und laufen schneller ab, als von uns vermutet. Zuvor ausgedruckte Tickets zeigen, kurzer Sicherheitscheck (inklusive Körperscanner), durch drei eher unspektakuläre Ausstellungsräume schländern und dann mit dem Fahrstuhl nach oben fahren. Selbiger ist komplett mit Videopanels bestückt, auf denen die Fahrt nach oben als Zeitreise illustriert ist – von der grünen Wiese bis zum heutigen Stadtbild. Das ist ziemlich cool, geht aber viel zu schnell. Oben angekommen, gilt es dann nochmals ein kurzes Video zu schauen, an dessen Ende die Projektsflächen nach oben gefahren werden und man erstmals die Aussicht präsentiert bekommt – das ist ganz nett, reicht aber z.B. nicht an den „Wow-Effekt“ im Kennedy Space Center heran, wenn man plötzlich die originale Atlantis zu sehen bekommt.

Anschließend darf man noch eine kostenpflichtige Fotooption auslassen, bevor man endlich auf das sogenannte „Discovery Level“ darf – jener Etage mit einer 360°-Übersicht über die Stadt. Was soll man hierzu schreiben: Die Weitsicht und das Panorama aus dem 104. Stock, 406,6m über dem Meerespiegel, sind schon sehr beeindruckend. Schön ist auch, dass man rundum ganz nah an die dicken Scheiben rankommt (also kein Gitter etc.) und so fast ohne jegliche Sichtstörung auf die Stadt schauen kann. Je nach Stadt der Sonne kann man einige Richtungen besser Überblicken (kurz vor Sonnenuntergang z.B. Downtown), während andere Regionen (bei uns die Freiheitsstatue) durch das krasse Gegenlicht eher schlecht zu erkennen sind. Es gibt aber keinerlei Zeitbeschränkung, so dass man sich so lange wie gewünscht auf dem Aussichtsdeck aufhalten und die verschiedenen Eindrücke intensiv genießen kann. Der gesamte Raum ist übrigens angenehm klimatisiert (keine Eiswürfel-Luft) und die Geräuschkulisse ist zumindest okay. Es gibt mehrere Bänke (direkt an den Scheiben kann man nicht sitzen) und zwei sehr interessante Infostände, an denen während unseres rund 1,5 stündigen Besuchs sehr interessante Vorträge auf rhetorisch sehr ansprechende Weise gehalten werden. Die in diesen Sessions vermittelten Tipps sind durchaus spannend, weshalb es sich lohnt das One World Observatory zu Beginn der einer NYC-Reise zu besuchen. Einzig unser Plan tolle Sonnenuntergangsfotos zu machen ist ein wenig gescheitert – bei einsetzender Dämmerung werden drinnen Lichter angeschaltet, so dass sich vermehrt Reflexionen in den Scheiben zeigen. Für spannende Bilder bei Nacht hätten wir noch deutlich mehr Geduld haben müssen – das war nach rund 30.000 Schritten an diesem Tag und vor dem Hintergrund der noch anstehenden Rückfahrt nicht mehr drin. Wir beschränkten uns daher auf einige Aufnahmen des 9/11 Memorials bei Dunkelheit, was ich ebenfalls sehr stimmig fand.

Abschließend noch ein Hinweis zum One World Observatory: Es gibt scheinbar keine Einschränkungen was das Mitbringen von Getränken angeht. Man sollte sich daher ggf. in adäquatem Umfang selbstversorgen, da im Shop auf dem Aussichtslevel schon ein einfaches Wasser 5 Dollar + Steuern für  500ml kostet – heftig.

Insgesamt war ich grundsätzlich positiv davon überrascht, was wir heute schon alles gesehen haben. New York ist jedoch ein gewaltiger Energie-Dieb und zwingt den Körper durch (zumindest in unserem Fall) hohe Temperaturen, viel Lärm und mitunter weite Fußwege in die Knie. Auch die Orientierung ist bei den herausfordernden Umweltbedingungen nicht immer trivial, so dass man den ein oder anderen Meter zusätzlich einkalkulieren sollte. Abgesehen davon ist es fast schon erschreckend, wie viele Optionen noch offen geblieben sind. Ob nun eine Bootstour, ein Musical auf dem Broadway, eine geführte City-Tour, ein Shopping-Trip, eines der vielen hochkarätigen Museen oder ein Sundowner auf der Rooftop war – man weiß gar nicht, was man zu erst machen soll. Wir werden es morgen mal mit einem Besuch auf Ellis Island und im Central Park versuchen und schauen, wie wir den Tag sonst noch gestalten. Ich werde wie immer versuchen zu berichten und hoffe, dass meine kurze Schilderung über unsere ersten Eindrücke von New York interessant und kurzweilig war 🙂

New England States Tag 4: Hello, New Hampshire

Nachdem ich in der Zwischenzeit erfahren habe, dass unser Reisebericht tatsächlich von ganz lieben Menschen tagesaktuell verfolgt wird, fühle ich mich natürlich aufgefordert auch an Transfertagen – wie heute – zumindest einen kurzen Abriss über unsere heutigen Erlebnisse zu geben.

Fangen wir mit einem der angenehmen Aspekte des Tages an: dem Frühstück. Da wir uns heute trotz günstiger Wetterbedingungen (0% Bedeckung zum Sonnenaufgang) gegen einen Early Bird Trip zum Cadillac Mountain entschieden haben, hatten wir durch eine zeitlich optimierte Planung unserer morgendlichen Tätigkeiten die Gelegenheit in den Genuss des hausgemachten Frühstücks in unserer Unterkunft zu kommen. Dieses war – wie wir bereits antizipiert hatten – großartig. Also zumindest von der Auswahl und vom Geschmack her. Die etwas „gediegene“ (man könnte auch sagen düstere) Atmosphäre nebst „Wir klatschen unseren Namen“-Musik aus dem BOSE-System war im besten Fall etwas speziell – aber der Start in den Tag war gesichert.

Anschließend steuerten wir – wie gesagt bei besten Bedingungen – den Cadillac Mountain an. Wie durch eine große glückliche Fügung hatten wir erneut keine Hindernisse auf der Straße und erreichten unser Ziel weniger als 15 Minuten nach Verlassen des Hotels (Einschub: Du merkst, dass du diesen Sommer zu viel Porsche gefahren bist, wenn du vor einer Kurve gedanklich die Kupplung trittst, in den zweiten Gang schaltest, das Zwischengas förmlich hören kannst und du mit jeder Faser spürst, wie dich das Sperrdifferential bei zunehmender Querbeschleunigung aus der Kurve zieht. Wenn du dich dann dabei ertappst die hierzu passenden Geräusche leise [?] zu imitieren, kannst du dir bezüglich deiner Diagnose 100%ig sicher sein).

Oben angekommen war es sehr faszinierend das Kontrastprogramm zu unserem letzten Besuch zu erleben. Statt dickem Nebel gab es in alle Richtungen eine grandiose Aussicht zu bewundern, die zusätzlich durch den Umstand aufgewertet wurde, dass in der Bucht unmittelbar vor Bar Harbor ein großes Kreuzfahrtschiff festgemacht hatte. Ich fühlte mich sofort wahlweise an Fluch der Karibik oder Master and Commander erinnert, so „dominant“ wirkte das riesige Schiff in der kleinen Bucht vor dem fast schon winzigen Hafen. Die Anleger von Bar Habor sind in der Tat so klein und so flach, dass permanent zwei Shuttle-Boote zwischen dem Kreuzfahrer und dem Kai pendelten. Auch sonst war es faszinierend den Fast-Rundumblick über Mount Desert Island zu genießen und die verschiedenen Stationen unseres Besuchs nach und nach zu entdecken. Rückblickend betrachtet ist es sicher keine schlechte Idee den Cadillac Mountain frühzeitig zu besuchen und so ein gutes Verständnis für den Aufbau des Parks zu bekommen – zumindest falls die Sicht mitspielt 😉

Vor der höchsten Erhebung der Region aus steuerten wir noch einmal meinen Lieblingsplatz im Nationalpark an: das Ottercliff. An der Klippe sitzend dem Rauschen der Wellen und dem Läuten der Rifftonne (ich weiß, könnte das Wort der Woche werden) zu lauschen, ist zusammen mit der fantastischen Weitsicht einfach eine sehr schöne und beruhigende Erfahrung. Sozusagen perfekt als akustische Untermalung zum Einschlafen nach einem harten Tag. Dani schlug bereits vor eine solche Tonne auf unserem Balkon zu installieren – wir konnten das noch nicht abschließend klären.

Anschließend verließen wir den Park auf direktem Weg zurück nach Bar Harbor, da uns die freundliche Dame an der Parkinformation neben dem „spannenden“ Tipp bezüglich der Tide Pools von gestern zusätzlich den Rat gegeben hatte die Sandbänke vor Bar Island bei Ebbe zu erkunden – der ideale Zeitpunkt sei gegen 10:30 Uhr. Wir waren 10:20 Uhr da und sofort sehr positiv überrascht. Bei Niedrigwasser kann man von Bar Harbor aus trockenen Fußes auf einer sehr breiten Sandbank nach Bar Island laufen (und übrigens auch fahren, man darf nur nicht auf dem vom Wasser bedrohten Bereich parken) und dabei ganz entspannt im flachen Wasser spazieren, Möwen bei der Jagd nach Krebsen beobachten und das Panorama der Bucht bewundern. Insbesondere mit dem großen Kreuzfahrtschiff im Hintergrund ergab sich eine faszinierende, fast schon unwirkliche Szenerie – es wird wirklich Zeit für Fotos. Wie fast überall in der Natur ist es übrigens sehr beeindruckend, von wie vielen Lebewesen man umgeben ist, wenn man einfach mal zwei Minuten im flachen Wasser still stehen bleibt. Plötzlich schwimmen überall kleine Fische, durchsichtige Mini-Garnelen krabbeln über den Grund (ja, ein Biologe ist definitiv nicht an mir verloren gegangen) und kleine Krebse verstecken sich ängstlich unter Steinen – schon cool.

Nachdem wir die Sandbänke und das flache, warme Wasser ausgiebig erkundet hatten, wurde es Zeit Mt. Desert Island bzw. dem Acadia Nationalpark den Rücken zu kehren. Als wir vor zwei Tagen ankamen, hätte ich nicht gedacht, dass uns dieser beschauliche Fleck Erde so ans Herz wachsen würde. Der Nationalpark mit Bar Harbor als Epizentrum ist sehr facettenreich, angenehm belebt (an manchen Stellen zu belebt) und dabei noch „greifbar“. Die Hotspots sind überschaubar und gut erreichbar, die Trials übersichtlich und nicht zu monoton und die Distanzen nicht zu lang. Insgesamt aus meiner Sicht eine ganz tolle Empfehlung für zwei bis drei Nächte.

Nun begann der langweilige Tag des Tages: Rund 4h Fahrt gen Westen nach North Conway, recht knapp hinter der Grenze zu New Hampshire gelegen. Unterwegs wurde uns wieder einmal der Pragmatismus des amerikanischen Straßenbaus vor Augen geführt. Da fährst du einen geteerten, ebenen, ziemlich geraden Highway (!) entlang, der plötzlich quasi im Nichts endet. Ernsthaft, plötzlich endet der Teer (manchmal fährt man dann wirklich nur noch auf fester Erde, manchmal zumindest auf Resten von Asphalt), große Schlaglöcher tun sich auf und man fragt sich, ob die Welt gleich endet. In den meisten zivilisierten Ländern dürfte man solche Strecken vermutlich gar nicht legal mit Mietwagen befahren („keine unbefestigten Straßen“). Wir haben dieses „Happening“ nun mehrfach in Maine erlebt und insbesondere heute zog es sich über mehr als 10 Meilen in die Länge – schon heftig. Heftig ist vermutlich auch die Job-Beschreibung der sog. Flagger – das sind die armen Jungs und Mädels deren Pendant in Zentraleuropa Baustellenampel heißt. Ernsthaft, ich habe keine Ahnung, wie man acht Stunden oder mehr am Tag sein „Stopp“-Schild anschauen und dieses periodisch auf „Slow“ drehen kann – bei jedem Wetter, zu jeder Jahreszeit.

Gegen 17:00 Uhr erreichten wir unsere nächste Übernachtungsstation in North Conway – direkt an den White Mountains. Leider verlief unsere Ankunft nicht ausschließlich positiv: Es regnete und unser Hotel (140$ / Nacht) war etwas „speziell“ (das ist das freundliche Wort für total daneben). Eine Auswahl der bemerkenswerten Features: Frühstück nach vordefiniertem Menü ohne Auswahl, Frühstück in Gruppen nach vorausgewählter Terminoption, Haare der Vormieter an diversen Stellen im Raum – damit man sich zu Hause fühlt, WLAN nur sporadisch an wechselnden Positionen im Raum, gut eingewohnte Innenausstattung aus den 80er Jahren – garantiert gut ausgelüftet und eingewohnt. Suboptimal und definitiv nicht zum Wohlfühlen, aber wir werden hoffentlich weiter ziehen, bevor die negativen Schwingungen auf uns abfärben können.

Den Abend verbrachten wir dann im hiesigen, Settlers Green genannten, Shopping-Center. Dieses ist zwar nicht als klassisches Outlet-Center geführt, aber in New Hampshire wird für Kleidungsstücke bis 150$ Warenwert kein Sales Tax (also keine Mehrwertsteuer) fällig. Dadurch ergeben sich zumindest in der Theorie ganz nette Möglichkeiten für Schnäppchen, die wir zumindest bedingt erfolgreich in die Praxis umsetzen konnten. Im Vergleich zu Kalifornien und vor allem Florida sind die lokalen Shopping-Möglichkeiten aber eher enttäuschend – sowohl was das Design der lokalen Stores, als auch was die Preise und Auswahl angeht. Insbesondere die Malls in Florida waren hier schon ganz weit vorn.

So neigt sich unser vierter Tag in Nordamerika dem Ende – und wir sind nach wie vor guter Laune. Wir haben schon einige sehr schöne Momente erlebt, die ein oder andere Enttäuschung verdaut und gemeinsam sehr viel gelacht. Morgen werden wir (hoffentlich) die White Mountains erkunden und dabei vermutlich stellenweise die aktuellen Temperaturen in Deutschland um 50% unterschreiten – falls wir nicht erfrieren, werde ich an gewohnter Stelle berichten 😉

New England States Tag 1: Maine

Es ist mal wieder so weit – ziemlich genau ein Jahr nach unserem Roadtrip durch das sonnige Kalifornien sind wir wieder in den Vereinigten Staaten auf Tour. Da der Familienrat einstimmig (…) beschlossen hat, dass eine Wiederholung des Vorjahresurlaubs nicht so richtig vielversprechend sein würde (ich möchte nicht unterschlagen, dass es auch abweichende Strömungen gab), sind wir dieses Mal nicht an der hippen Westküste, sondern haben uns auf eine Rundreise ab Boston begeben.

Von der für Ihre Elite-Universitäten bekannten Metropole geht es für uns zunächst weiter nach Nordosten (grobe Richtung: Bar Harbor), bis in die White Mountains, bevor wir erneut gen Süden drehen, nach New York fahren, dieses über die Hamptons nach Osten verlassen um an Ende der Tour hoffentlich ein paar entspannte Tage in Newport, Cape Cod und Boston zu verbringen. Lassen wir uns überraschen 🙂

— Tag 00: Mietwagen (3) —

— Tag 00: Rator (7) —

Aus Gründen akuter körperlicher Erschöpfung musste ich den Bericht des Anreisetags inklusive der Mietwagenauswahl ausfallen lassen bzw. verschieben, so dass wir direkt in unseren Tagesreport des ersten vollen Tags an der Ostküste einsteigen. Zu Erinnerung: Unseren ersten vollen Tag in Florida verbrachten wir in Miami, am ersten vollwertigen Reisetag in Kalifornien haben wir Los Angeles unsicher gemacht – bei kuschligen 41,5°C tagsüber und über 37°C nachts. Unsere Beziehung zu Maine begann nach einer erholsamen Nacht gegen 07:00 Uhr etwas „unterkühlter“ – bei Nebel, leichtem Nieselregen (aber nur manchmal) und 20°C. Nunja, ein bisschen wollten wir es ja auch so 😉

— Nebel-Foto (4) —

Die erste Station des Tages stellte ein Besuch an Tide Pools keine 2km von unserem Hotel in Wells entfernt, dar. Obwohl der kleine Ort gefühlt am Ende der Welt liegt, war zunächst eine Parkgebühr via Kreditkarte zu entrichten (3 USD), bevor wir uns den Weg durch den Nebel zu den „Gezeitentümpeln“ suchten. Die guten Nachrichten zuerst: Wir hatten Niedrigwasser und es war wärmer als gedacht. Die schlechten Nachrichten: Es war mindestens 10 Grad zu kalt, 100% zu neblig und meine Brille mochte die Gischt nicht. Aber da wir ja noch ganz am Anfang unseres Abenteuers stehen und hochmotiviert sind, konnten uns diese kleinen Startschwierigkeiten gar nichts anhaben. Mit ungebrochenem Enthusiasmus kraxelten wir über die glitschigen Steine, beobachteten das überraschend rege Treiben der Schnecken im Brackwasser, stalkten einen nervösen Einsiedlerkrebs und erfreuten uns an den überraschend intensiven Farbwechseln, die sich ergaben, sobald auch nur ganz wenige Sonnenstrahlen durch das Grau drangen (die Steine leuchten dann gleich unerwartet grün / gelb). Es war ein toller Einstieg in den Urlaub am Meer – nur etwas konträr zu unseren Erlebnissen in den Vorjahren.

— Tide Pools & Füße (15) —

Von Wells aus ging es rund 1h später gen Norden zu einem Punkt Namens „Two Lights“ – von dieser Spitze einer Landzunge sollte man „eigentlich“ gleich zwei Leuchttürme sehen können. Sah man nicht – nur Nebel. Dafür hatten wir (Ebbe sei Dank) ausführlich Gelegenheit über eine große Fläche von Schiefersteinen zu kraxeln, die aussahen wie versteinertes Treibholz. Das klingt jetzt ziemlich banal, aber die Landschaft sah wirklich sehr beeindruckend aus und wenn wir jemals die Fotos bearbeitet online stellen, kann ich das auch beweisen 😉 Nebenbei haben wir unser erstes 360°-Foto dort aufgenommen, was ebenfalls ein ziemlich interessantes Format der Konservierung von Erinnerungen ist. Außerdem gab bzw. gibt es bei „Two Lights“ einen sehr großen Lobster Shack, der aber touristisch orientiert erst um 11:00 Uhr öffnet – deutlich zu spät für uns.

— Schiefer (22) —

Anschließend fuhren wir weiter Richtung Popham State Park, der sich auf einer Schereninsel befindet. Die gesamte Region sieht aus wie eine wilde Kreuzung aus norwegischer Landschaft und amerikanischer Architektur. Von einem „alten“ Fort aus spazierten wir den „Fjord“ entlang in Richtung Meer und ließen uns von den vielen Herrenhäusern begeistern, die jeweils eine eigene Insel exklusiv zu besetzen scheinen. Der Strand war hier super breit und der Sand sehr warm, so dass bestes Küstenflair aufkam. Da wir noch etwas mit der Zeitanpassung zu kämpfen hatten, machten wir eine kurze Pause ganz nah an der Dünung – ein tolles Mittagsschläfchen begleitet vom Rauschen der Wellen. Als wir wieder am Auto ankamen, herrschte am Parkplatz großes Gedränge – inklusive einem TV-Team. Wie wir erfuhren, sollte der neuste Zerstörer der US Marine irgendwann zwischen 15:00 und 17:00 Uhr hier vorbeikommen – interessant, aber soviel Zeit hatten wir nicht.

— Männchen am Strans (33) —

So fuhren wir die Route die wir gekommen waren in Gegenrichtung zurück und anschließend auf die nächste Halbinsel. Unterwegs kamen wir in Bath vorbei und konnten – neben der gigantisch großen Werft – auch das besagte Schiff sehen. Eine wirklich imposant Erscheinung. Das nächste Zwischenziel am Ende der Five Islands Road war dann eher enttäuschend: Insgesamt 5okm Fahrt um an einem einsamen Platz mit einem geschlossenen Lobster Shack zu stranden. Zugegeben, die Aussicht war dennoch ganz nett.

— Foto Werft (36) —

Also fuhren wir wieder zurück, um bei der Rückkehr auf das Festland zu bemerken, dass sich der Zerstörer gerade von der Anlegestelle löste. Also änderten wir kurzerhand den Kurs, suchten uns in letzter Minute einen Parkplatz mit Blick auf das Wasser und erhaschten doch noch einen schnellen Blick und ein paar spontane Fotos von dem Monstrum. Wenn die Bilder hier jemals zu sehen sein werden, wird sicherlich schnell klar, warum so viele Zuschauer so eine Aufregung um das „Boot“ gemacht haben.

— Zerstöööhrer (44) —

Nach diesem unterwarteten, wenn doch aufregenden, Highlight begaben wir uns auf den Weg zum Pemaquid Point Lighthouse Park. Da es bereits kurz vor 17 Uhr war, durften wir das Kassierhäuschen ohne Bezahlung passieren – jedoch blieb uns dadurch auch ein Besuch im hiesigen kleinen Museum verwehrt. Wir wurden aber durch einen phänomenalen Ausblick über die Klippen und auf den Leuchtturm entschädigt. Die tief stehende Sonne warf ein tolles Licht und zurückblickend hätten wir hier noch viel länger verweilen sollen.

— Spiegelnder Leuchtturm (52) —

Unser letztes Ziel des Tages war das Owl Head Lighthouse – ein Leuchtturm auf der insgesamt dritten von uns besuchten Schereninsel. Unterwegs waren wir sehr skeptisch, ob wir überhaupt noch vor dem Sonnenuntergang ankommen würden – denn selbiger soll am Leuchtturm gemäß Schilderungen aus diversen Reiseführern ein absolutes Highlight sein. Wir schafften es. Vor dem Sonnenuntergang – und wir waren ganz allein am maritimen Signal für verirrte Seefahrer – und es war enttäuschend. Der Blick war „ganz nett“, aber definitiv keine Eile und eigentlich auch keinen Umweg wert.

— Owls Head (57) —

Nach einem ziemlichen langen Tag wurde es nun Zeit in unsere zweite Unterkunft einzuchecken – ein nettes Hotel in Rockport nördlich von Bristol. Morgen wartet die Weiterfahrt nach Bar Harbor auf uns, wo wir zwei Nächte verbringen werden – ich bin gespannt. Im Laufe des Tages klarte auch das Wetter deutlich auf, so dass die Vorzeichen für die nächsten Tage mehr als gut aussehen. Wir werden berichten 🙂