New England States Tag 15: ein perfekter Tag am Meer

Ich weiß, die letzten Tage waren unsere Reisebericht durchaus ambivalent und zwischen der ein oder anderen Zeile ließ sich auch Enttäuschung über verschiedene Kleinigkeiten recht deutlich herauslesen. Aber so ist das halt, wenn sich auf einer großen Tour befindet, große Erwartungen hat und diese dann nicht immer erfüllt werden. Zum Teil müssen wir uns sicherlich falsche bzw. unrealistische Ansprüche eingestehen, einen weiteren Teil macht vermutlich das immer benötigte Quäntchen Glück (mit dem Wetter, den Walen, dem Stau, …) aus und manche Dinge, sind einfach doof (z.B. unrealistische Beschreibungen, Fälle von klassischem Touristennepp). Je nach Zusammensetzung der genannten Faktoren kann die Stimmung dann schon mal eine gewisse Tendenz entwickeln und dann ist er plötzlich da – der Frust – zumindest kurz. Wie man über die letzten 14 Tage sicherlich gemerkt hat, fiel es mir zudem schwer unsere Rundreise durch die Neu England-Staaten nicht immer wieder mit dem Benchmark aus dem letzten Jahr, Kalifornien, zu vergleichen. Auch an der Westküste war nicht immer alles perfekt, aber wenn etwas mal etwas nicht so toll war, dann lag es eigentlich immer an uns (zu müde, zu erschöpft, leicht kränkelnd .. und nach zwei Wochen auf Tour mit immer neuen Eindrücken zeigt das dicke Fell hat langsam Aufallerscheinungen). Warum jetzt aber diese eher philosophische Einleitungen? Weil heute endlich mal wieder ein perfekter Tag war. Vom Frühstück in der Sonne, über das Mittagessen am Meer bis zum Sonnenuntergang am Strand war es ein Urlaubstag wie aus dem Bilderbuch, einer der hilft wieder aufzutanken und der die notwendige Kraft für anstehende Herausforderungen nach der Reise gibt.

Wie bereits gestern angekündigt, fuhren wir wesentliche Stationen des zuvor bei Regen absolvierten Trips ab und steuerten daher zunächst Chatham im Südosten an. Den touristischen Ortskern durchfuhren wir ohne Stopp und stellten unseren schneeweißen Ford Escape an einem der wenigen, legalen Parkplätze in der Nähe des Strandes ab. Die künstliche Verknappung der freien Stellflächen und deren schlechte Ausschilderung ist auch in Chatham (ähnlich wie in den Hamptons) signifikant, so dass man sich häufig auf ein winziges Stück Seitenstreifen quetscht, während nebenan ein parkähnliches Grundstück mit einem kleinen Haus darauf steht. Nun, Exklusivität hat halt ihren Preis.

Der Spaziergang direkt entlang des Wassers war erneut sehr faszinierend. Da die Tide gegen 06:00 Uhr am höchsten war, lief während unseres Besuchs ein breiter und erstaunlich kräftiger Strom in Richtung der offenen See – kein Wunder, dass das Baden hier verboten ist. An einigen Stellen scheint es zusätzliche Unterströmungen zu geben, so dass die Wassermassen richtig laut plätschern. Ab und an treibt dann schon mal eine Robbe (oder ein Seehund?) vorbei, der die Strömung wie ein Anhalter nutzt. Je weiter man auf der trocken gelegten Landzunge spaziert, desto lauter wird das Meer – bis zu einem Punkt, an dem man denkt, man stünde neben einem sehr hohen Wasserfall. Ab und an kämpfen einlaufende Fischerboote gegen die Strömung an, was man an der geringen Geschwindigkeit und dem auffällig lauten Motorgeräusch hört – durch die außergewöhnliche Form der Bucht fahren die Kutter ja auch in weniger als 50m Entfernung vorbei.

Nach einem sehr ausgedehnten und landschaftlich beeindruckenden Spaziergang kehrten wir zu unserem Ausgangspunkt zurück, um anschließend einige Meilen weiter nach Norden zu fahren – zum Fischerhafen von Chatham. Hier wollten wir gestern schon kurz halten, scheiterten aber an fehlenden Parkmöglichkeiten (die überall präsenten „No parking anytime, 50$ fine“-Schilder schrecken dann doch etwas ab). Heute hatten wir etwas mehr Glück und so endlich Gelegenheit die Besucherterrasse im Hafen näher zu erkunden. Wie sich kurze Zeit später herausstellte, war dieser Tipp aus dem Reiseführer wirklich ein Volltreffer. Von der Plattform aus kann man Fischern zuschauen, die unmittelbar vor- und unter den neugierigen Zuschauern ihre Fracht löschen, begleitet von verspielten (und vermutlich hungrigen) Seehunden. Außerdem hat man eine sehr schöne Weitsicht über die Bucht und das bunte Treiben darin, so dass man – entsprechendes Interesse vorausgesetzt – hier ganz locker eine Stunde zubringen kann.

Von Chatham aus fuhren wir weiter gen Norden, genauer gesagt zum Fort Mills Trail. Dieser ist recht kurz (1,2 Meilen) und führt durch eine recht schöne Marschlandschaft direkt am Meer. Etwas problematisch sind die erstaunlich großen Hirschzecken – man sollte den Weg besser nicht allzu weit verlassen 😉 Ansonsten ist der Pfad aber recht ereignisarm, weshalb ich zurückblickend empfehlen würde die Aussicht von einem anderen Punkt zu genießen und die Wanderung bei Zeitknappheit eher auszulassen.

Im weiteren Verlauf steuerten wir – wie gestern – den Coastguard Beach (an diesem gab es heute keinen einzigen Parkplatz, weshalb wir weiterfuhren), die Three Sisters (die bei Sonnenschein eigentlich nur wie drei größere Littfaßsäulen aussehen) und schließlich den Great Island Trail im Westen an. Über einen ziemlich ausgewaschenen, aber kurzen Weg gelangten wir bei bester Musik (Ultra Japan über Sirius war wirklich fantastisch) auf einen abgelegenen Parkplatz in unmittelbarer Wassernähe. Etwas nervös machte mich zunächst das dezente Schild mit der Aufschrift „Attention: This lot is affected by high tide“ (Achtung: Der Parkplatz säuft bei Hochwasser ab – salopp übersetzt), Augenblicke später hatte ich beim Aussteigen ein Déjà-vu an „Die Mumie“. Sobald ich einen Fuß auf den Boden gesetzt hatte, schreckten hunderte kleiner Winkerkrabben (das kommt heraus, wenn man „Krebs mit einer großen Schere“ googled) auf und bewegten sich in Richtung des schützenden Schilfs. Die unerwartete Menge dieser kleinen Krabbler und ihre schnellen Bewegungen können durchaus einschüchternd wirken, so dass ich meine nur sandalen-bewährten Füße nur noch mit Vorsicht aufsetzte. Je näher man hinschaut, desto mehr neugierige Krabben entdeckt man, die in meist sehr geringer Entfernung mal schnell, mal langsam über den Boden huschen. Nach einigen Minuten beschlossen wir für die geplante Wanderung einen anderen Parkplatz zu wählen und überließen unsere kleinen Voyeure wieder sich selbst – sicherlich zur Erleichterung auf beiden Seiten.

Der sich nun anschließende Spaziergang entlang des Great Island Trails war ebenfalls nett, aber nicht außergewöhnlich. Auch hier gab es sehr schöne Aussichten über das Umland zu bewundern, wobei der Strand nicht allzu toll war (recht viel Seegrass, rauer Sand), weshalb wir den Ausflug etwas verkürzten und nach rund 3km zum Auto zurückkehrten. Mit knurrenden Mägen stoppten wir im Anschluss für eine kurze Stärkung bei Ben & Jerrys, da wir wenigstens einmal in diesem Urlaub einen Eisbecher nach amerikanischer Art essen wollten. Daraus wurde leider nichts, da auch dieser Ben & Jerrys „nur“ Kugeleis und andere Kleinigkeiten verkauft, aber keine richtigen Eisbecher. Die Wahl des Stopps hat zudem zumindest meinem Bauch nicht gefallen, da ich die nächsten 1,5h mit eher unangenehmen Gefühlen zu kämpfen hatten. Unseren Besuch am Race Point in der Nähe von Provicetown ließen wir uns trotzdem nicht nehmen. Auch hier müsste man – wenn die Saison nicht bereits vorbei wäre – eigentlich 20$ für’s Parken bezahlen, wobei der Strand auch wirklich sehr lang und „einigermaßen“ weich ist. Theoretisch dürfte man Teile der Küstenlinie übrigens sogar befahren, wobei hierfür eine separate Genehmigung erforderlich ist. Ab und an gab es sogar Seelöwen in unmittelbarer Ufernähe zu sehen, was schon schön war. Nach einem kurzen Spaziergang fanden wir einen schönen Platz um unsere Decken auszubreiten und eine kleine Pause einzulegen (fand mein Bauch ganz toll). Als wir wieder aufwachten, war das Rauschen des Meeres erstaunlich laut, was daran lag, dass das Wasser auf 2m an uns herangekommen war – ganz offensichtlich war die Flut auf dem Vormarsch.

Also packten wir unsere Sachen zusammen und fuhren ein weiteres Mal nach Provincetown. Das „Flair“ der sehr individuellen Stadt entsprach nach wie vor dem am Vortag. Ein buntes Gewusel, sehr viele Menschen, sehr viele unterschiedliche Geräusche und Gerüche – in P-Town ist schon echt viel los. Im Gegensatz zu unserem Besuch gestern hatten wir jedoch etwas mehr Zeit, so dass wir den Hafen ausgiebig besichtigten und uns auch das Angebot der lokalen Souvenir-Künstler-Stände („Crafted here on site“ / Hier vor Ort hergestellt) näher ansahen. Die feilgebotenen Waren waren zum Teil schon durchaus nett, die Preisgestaltung scheint aber einen heftigen Touristen-Zuschlag zu beinhalten (geschnitzte Schilder in mittlerer Größe ab 140$ etc.). Zum Abendessen gab es Lobsterroll (also zumindest für Dani) direkt am Wasser – quasi als Übung für den vollen Lobster, der morgen auf dem Programm steht.

Als sich die Sonne langsam dem Horizont näherte, steuerten wir erneut den Race Point, genauer gesagt die Herring Cove an. Es handelt sich hierbei um einen sehr langen Parkplatz, der leicht erhöht an einem Strand liegt. Man hat also eine hervorragende Sicht auf die Küste, das Meer und den Sonnenuntergang und kann diesen wunschweise – wie wir – direkt aus dem geöffneten Kofferraum genießen. Das Panorama und die Farben des Sonnenuntergangs waren dabei wirklich schön – ganz, wie man sich das Ende eines perfekten Tags am Meer vorstellt. So haben wir Cape Cod nach einem langen und facettenreich Tag ziemlich lieb gewonnen. Die sanften Landschaften sind zum Teil sehr reizvoll und die vielen verschiedenen Strände bieten jeweils ganz eigene Reize. Im Gegensatz zu den Hamptons ist die kleine Insel im Osten Massachusetts‘ stark bewaldet, weshalb sie einen ursprünglichen, natürlicheren Charakter versprüht. Die starke Tourismus-Industrie, die Exklusivität inkl. riesiger Prunkbauten und die z.T. künstliche Parkplatzknappheit hat man jedoch genauso. Ernsthaft, insbesondere zur Saison kann eine mehrtägige Rundtour auf Cape Cod mit wechselnden Stationen pro Tag schon durchaus preisintensiv werden, kostet doch nahezu jeder Parkplatz in der Regel zwischen 15 und 25$ pro Tag – Stellflächen mit stundengenauer Abrechnung gibt es tendenziell eher selten. In den Touristeninformationen wird ein Seasonal Park Sticker für 60$ angeboten, wobei wir uns mangels Bedarf nicht näher mit den zugehörigen Bedingungen beschäftigt haben – die Anschaffung könnte sich aber ggf. schnell amortisieren. In jedem Fall sollte man die Distanzen auf der Insel nicht unterschätzen. Selbst zur Nebensaison mit wenig Verkehr dauert die Fahrt von P-Town im Norden zu unserer Unterkunft in Dennis Port (ziemlich in der Mitte des horizontalen Teils von Cape Cod gelegen) etwas über 1h – man darf halt niemals vergessen, dass man meist mit maximal 80 km/h pro Stunde unterwegs ist, häufig weniger).

Morgen endet dann leider unser Abenteuer an der Ostküste – glücklicherweise erst um 22:10 Uhr in Boston. So bleibt uns fast der gesamte Tag, um nochmals das Maximum aus unserem letzten Tag auf Cape Cod zu holen. Ideen und Möglichkeiten gibt es so viele (eine Fahrradtour auf den sehr gut ausgebauten Wegen, eine Kajak-Tour durch die Marsch-Landschaften, eine Stand Up Paddle Tour und so vieles mehr), wobei wir vermutlich auf eine Kombination aus Mini Golf, Hafen in Chatham, Strandspaziergang und Lobster essen setzen werden. Ich vermute den morgigen Beitrag nicht zur gewohnten Zeit veröffentlichen zu können und bitte daher um etwas Geduld.

New England States Tag 14: die Geduldsprobe

Unser vierzehnter Tag an der Ostküste der Vereinigten Staaten begann zunächst ziemlich nach Plan: der Regen hatte aufgehört, der Himmel war immer noch recht zugezogen und der kleine Teich vor unserer Tür begann langsam auszutrocknen. Während die Arbeiter auf dem Anwesen gegenüber begannen das nächste Feriendomizil aufzuhübschen, frühstücken wir uns also gemütlich in den Tag.

Da wir noch keinen allzu guten Überblick über Cape Cod hatten – die beschauliche Insel ist immerhin 60km hoch und 50km breit – hatten wir am Vorabend eine Route aus mehreren verteilten Stationen geplant, um die Gegend etwas besser kennenzulernen. Stopp Nummer eins war das im Nordwesten gelegene Städtchen Sandwich, dass über tolle Strände verfügen soll. Bereits auf der rund 45 Minuten langen Fahrt kamen uns leichte Zweifel bezüglich unseres Vorhabens, denn plötzlich war der Regen zurück und obgleich die Intensität eher wechselhaft war, gab es plötzlich keine Tendenz für sonnige Bedingungen mehr. Irgendwann wurden die Straßen immer kleiner, wir erreichten unser Ziel und mussten sofort den Plan verwerfen zumindest ein paar Fotos zu machen, denn der Regen war unerfreulich intensiv. Dass er noch Reserven hatte, merkten wir auf dem rund 200m langen Weg auf den Strand – plötzlich wurden die Tropfen dicker und häufiger, so dass wir binnen weniger Augenblicke komplett durchnässt waren.

Machen wir es kurz und beschränken uns darauf, dass wir rund eine Stunde später an der zweiten Station im Südosten, genauer gesagt in Chatman, ankamen. Auch in Chatman nieselte es noch, aber hier war plötzlich erstaunlich viel los. Chatman ist touristisch sehr stark erschlossen und selbst in der Nebensaison hart an der Grenze zu überlaufen. Hinzu kommt der eher unglückliche Umstand, dass es so gut wie keinen (eigentlich gar keinen) öffentlichen Parkplatz gibt. Die einzige valide Option ist mehr als zwei Meilen vom Strand entfernt, was natürlich schon eine recht heftige Entfernung darstellt. Man darf jedoch 30 Minuten an einem Lookout-Point gegenüber der Coastguard-Station parken und der zugehörige, recht kurze Strandabschnitt hat es wirklich in sich. Die Fahrrinne verläuft hier sehr nah am Strand, so dass die einlaufenden Fischerboote ganz nah vorbei kommen. In weniger als 100m Abstand erstreckt sich eine weitere Insel, die größtenteils von Seehunden besiedelt wird – er ergibt sich also ein sehr schönes Panorama. Mich hat die Stimmung (es war zum Zeitpunkt unserer Besichtigung sehr neblig) an „Der Sturm“ erinnert – falls den Film aus 2000 noch jemand kennt 😉

Von Chatham aus fuhren wir weiter gen Norden, unser nächstes Ziel war das Visitor Center am Salt Pond. Da der Regen eher wieder zunahm, war das Center sehr stark frequentiert und schien für viele Besucher als eine Art Zuflucht zu fungieren. Leider waren die freundlichen Freiwilligen auch eher überfordert und hatten keine Informationen zu den Wetteraussichten für den Nachmittag. So richtig viele Dinge gab es hier leider nicht zu entdecken, so dass wir mit ein paar Broschüren zu nahegelegenen Wanderoptionen weiterzogen.

Die nächsten zwei Zwischenstationen unserer Reise fielen ebenfalls ins Wasser. „Eigentlich“ wollten wir eine Wanderung bei Coast Guard Beach unternehmen (uneigentlich waren wir da und haben im Auto 20 Minuten ein Schläfchen gehalten, um auf Besserung zu warten) und anschließend die Three Sister Lighthouses beim Nauset Light Beach besuchen. Da waren wir, gesehen haben aber nichts – ich hatte ein Dejavu an Two Lights in Maine. Aber immerhin kennen wir jetzt den Weg und können morgen einfach einen zweiten Versuch starten.

Am nächsten Zwischenstopp am Great Island Trail an der Westküste der Insel gab es außer seeeehr viel Marschland und noch mehr Regen ebenfalls nichts zu sehen, so dass wir letztendlich bis nach Provincetown (hier häufig einfach P-Town genannt) weiterfuhren. Wie bereits gestern beschrieben, gilt Provincetown als Hochburg Andersliebender und soll u.a. daher Ähnlichkeiten zu Key West besitzen. Nachdem wir da waren, würde ich das sehr touristische Städtchen als Key Wests „dirty little Sister“ beschreiben. Es gibt im Prinzip nur eine recht kleine Innenstadt, auf die sich alles konzentriert, diese besteht aus meist kleinen, sehr eng gepackten Geschäften, es hängen überall bunte Fahnen rum das übliche Verkehrschaos verbessert das Bild nicht eben. Negativ fiel mir der omnipräsente Geruch von Frittierfett auf, aber das ist sicherlich individueller Wahrnehmung geschuldet. Da wir unmittelbar nach unserer Ankunft in Provincetown (der Regen hatte endlich aufgehört und die Sonne kam langsam raus) Tickets für eine Walbeobachtungstour gebucht hatten, mussten wir unseren Spaziergang durch die bunte Stadt auf rund 1,5h beschränken – was denke ich aber auch weitestgehend ausreicht.

Pünktlich um 16:00 Uhr brachen wir dann auf unseren „3 bis 4 Stunden“ langen Bootsausflug in Richtung der Stellwagen Bank auf. Das Vehikel unserer Wahl war die „Dolphin X“, ein recht großes und modernes Schiff mit zwei Besucherdecks und recht sympatisch wirkender Crew (Kostenpunkt: 90$ für zwei Erwachsene). Das Meer war zum Zeitpunkt unserer Tour sehr ruhig, die Sonne versteckte sich ab und an hinter Schleierwolken und es war fast windstill – insgesamt sehr schöne Bedingungen für eine Ausfahrt bis zum Sonnenuntergang. Bereits nach den ersten Minuten waren wir positiv überrascht. Nichts klapperte an Bord, die Geräusche des Motors waren recht leise und wir fuhren mit über 40km/h in Richtung der Walgründe (meist zwischen 22 und 23 Knoten – also ziemlich flott). Nach rund 45 Minuten Fahrt, während der eine sehr hübsche Ozeanologin einige Grundlagen zu Walen und ihrem Verhalten vermittelte, begannen plötzlich die ersten Kinder laut zu kreischen – offensichtlich hatten wir unser Ziel erreicht.

Die dann folgenden rund 60 Minuten waren durchaus beeindruckend und überzeugten uns davon, dass die Tour ihren Preis tatsächlich wert war. Walbeobachtungstouren werden ja sehr häufig angeboten und bisher hatten wir immer Zweifel, ob sich ein solches Event lohnen würde bzw. ob man auch tatsächlich Wale sehen würde. Aufgrund einer persönlichen Erfahrung aus dem Freundeskreis haben wir uns dieses Mal aber auf das Abenteuer eingelassen und wurden sehr positiv überrascht. Über nahezu den gesamten Zeitraum konnten wir immer wieder Buckelwale („Humpback Whales“) bei der Jagd und Nahrungsaufnahme beobachten. Dabei gab es „ruhigere“ Momente (wenn die Wale ausgeatmet oder z.B. in Zeitlupe ihre Schwanzfloße aus dem Wasser gestreckt haben) und echte Highlights, wenn im Rudel gejagt wurde. Die Wale schwimmen dann unter Wasser im Kreis, stoßen Luftblasen aus und vermitteln damit dem Beutefisch die Information, dass dieser in eine Wand schwimmt. Die potentielle Nahrung wird von den Walen dann noch oben getrieben, so dass sich am Ende dieses Vorgangs ein spektakuläres Bild an der Wasseroberfläche ergibt. Da sind dann plötzlich ein, zwei oder gar drei Walmäuler, die mehrere Meter aus dem Wasser schauen und dazu ein wildes Getümmel aus Seevögeln, die versuchen ebenfalls ihren Teil abzugreifen. Das ganze geschieht teilweise so nah am Boot (teilweise nur ca. 30m vom Rumpf entfernt), dass es wirklich beeindruckend ist. Der Captain unseres Walbeobachtungsschiffs versuchte dabei immer wieder sachte an die Tiere heranzufahren und das Boot querab zu bringen, so dass möglichst viele Passagiere eine gute Sicht hatten. Die Ozeanologin erklärte parallel dazu das Geschehen mittels Funkmikrophon und Lautsprecher – das war alles in allem schon ziemlich professionell.

Ein wenig enttäuschend fand ich den Umstand, dass wir die Beobachtung nach ziemlich genau 1h abbrechen „mussten“ und zurück gen Hafen fuhren. Wären wir mit der gleichen Geschwindigkeit zurück- wie hingefahren, hätte die Tour aber nur 2,5h gedauert. Also wurde gedümpelt, so dass wir immerhin 2,75h unterwegs waren. Das war okay, aber wenn man 3-4h verspricht und das Glück hat recht schnell einen vielversprechenden Spot zu finden, hätte man sich meiner Meinung nach durchaus noch länger Zeit lassen können. So blieb uns leider der Anblick eines „springenden“ Wals verwehrt – wir sahen diesen äußerst bemerkenswerten Vorgang einmal aus sehr großer Entfernung und einmal nah am Boot, bemerkten ihn aber zu spät. Der ganze leicht Geschmack des durchaus weit verbreiteten „Touristennepps“ blieb also auch hier.

Einen romantischen Sonnenuntergang und 60 Minuten Fahrt später kamen wir wieder an unserem Ferienhaus an. Nun steht noch die Planung des morgigen Tages an, welcher aus aktueller Sicht signifikant bessere Wetterbedingungen bieten soll. Grundsätzlich werden wir vermutlich die gleichen Stationen wie heute ansteuern – dieses Mal allerdings mit mehr Bewegung und weniger Nebel bzw. Regen.

New England States Tag 13: Regen

Um keine falschen Hoffnungen aufkommen zu lassen, möchte ich die treuen Leser unseres täglichen Berichts bereits im Vorfeld darum bitten die mentale Enttäuschungsbereitschaft hochzufahren: die folgenden Zeilen werden kein Highlight. Der Grund dafür ist eigentlich ganz einfach: da wir heute außer rund 12h Regen (von 8 bis 8) nicht allzu viel erlebt haben, gibt es auch nicht allzu viel zu erzählen.

Alles begann schon während des Auszugs aus unserer vorletzten Unterkunft in Boston. Noch während wir unsere Habe ein vorletztes Mal verstaut haben (mittlerweile haben wir Übung, es war der Auszug aus unserer achten Unterkunft in diesem Urlaub, jeder kennt seine Aufgaben und jedes Teil hat seinen Platz in den Koffern – wir sind also sozusagen sehr effizient geworden), begann die Wetterprognose einzutreten: ein romantischer Landregen, mit wenig Wind und langen Fäden setzte ein. So fiel die Verabschiedung mit unseren Gastgebern etwas kürzer als erwartet aus und kurze Zeit später fuhren wir auf den Highway. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch guter Dinge, dass der Regen zumindest gegen Nachmittag nachlassen würde, so dass wir statt der zwei ursprünglich geplanten (in leicht konträren Richtungen gelegenen) Einkaufszentren nur eines ansteuerten: die Wrentham Village Premium Outlets.

Diese werden, wie die meisten großen Malls und Outlets in den USA, von der Simon Property Group betrieben, so dass man hinsichtlich der Auswahl der Shops und des Aufbaus der Anlage spätestens beim zweiten Trip in die Vereinigten Staaten vertrautes Terrain betritt. Insgesamt hat das Shopping-Erlebnis ein gemischtes Bild hinterlassen. Die Auswahl bei Nike war z.B. deutlich größer und besser als in anderen Outlets, auch das Angebot und die Preise in eher teureren Läden wie Coach und Kate Spade waren super. Sonst zuverlässige Quellen guter Deals wie Ascis waren bestenfalls durchwachsen und viele weitere von uns besuchte Shops, wie z.B. Merrell und Uggs, waren eher eine Enttäuschung (reale Straßenpreise in einem Outlet mit eingeschränkter Beratung zu zahlen, finde ich eher daneben). Wirklich bemerkenswert war das Burberry Outlet, da ich gar nicht wusste, dass es auch derartige Läden der ja grundsätzlich sehr hochpreisigen Marke gibt. Das einzige Objekt, welches uns gefallen hätte, lag trotzdem außerhalb des akzeptablen Preisbereichs (selbst mit einer gewissen Leidensbereitschaft). Besonders enttäuschend fand ich den Food Court bzw. die Auswahl an Restaurants – für amerikanische Verhältnisse kann man hier bestenfalls knapp über McDonalds-Niveau speisen, maximal auf „Dennys“-Level. Auch hier denke ich sehr gern an unseren perfekten und extrem eindrucksvollen Shopping-Trip nach „Fashion Island“ in Newport Beach zurück (2017 …).

Vom Outlet Center aus starteten wir auf die rund 1,5h dauernde Fahrt nach Cape Cod – bei Dauerregen. Unterwegs fiel auf, wie gut das Straßennetz auch in diesen eher entlegenen Winkel ausgebaut ist, geht es doch größtenteils über vierspurige Straßen. Laut Schilderung diverser Vermieter hier in der Gegend soll der Verkehr aber insbesondere zur Urlaubssaison eine Katastrophe sein – ähnlich wie in den Hamptons. Wir kamen problemlos durch und fanden unser Ferienhaus – unsere Unterkunft für die letzten drei Nächte in den Neu England-Staaten – auch auf Anhieb. Es ist das letzte Haus am Ende einer Straße, deren letzte 200m ungepflastert sind und auf deren letzten 30m sich nach dem Regen ein romantischer Teich gebildet hat. Eilig brachten wir unsere Gepäck nach Drinnen (den Schlüssel konnten wir einem vorher vereinbarten Versteck entnehmen) und begannen sogleich mit der Erkundung unseres Domizils.

Dabei muss man sich doch immer wieder über die klaffende Lücke zwischen Objektbeschreibung und Realität wundern, wobei die fast immer stark übertriebenen Bewertungen der meist amerikanischen Besucher in den gängigen Reiseportalen nicht eben weiterhelfen. Da man ja immer mit etwas Positivem beginnen soll: grundsätzlich ist das Haus schön, ziemlich modern, recht luftig, hat drei Schlafzimmer (dafür nur ein Badezimmer?) und ist ruhig gelegen. Weniger angenehm sind so kleine Details wie Fenster im Erdgeschoss die sich nicht mehr verriegeln lassen (zum Glück haben wir ja kaum Wertgegenstände dabei), ein falsches Passwort des Gäste-WLANs als im Handbuch zum Haus angegeben (offensichtlich konnte ich das Problem lösen), sehr wenig Toilettenpapier, fast gar keine Basisausstattung und diverse kleinere Mängel bei der Sauberkeit. Wirklich ärgerlich finde ich dann dreiste Falschaussagen (Airbnb: 3,5 Minuten zum Traumstrand; Realität: mindestens 5 Minuten zu einer Bucht voller Seegrass und geborstenen Muscheln, eingekesselt von Privatstränden), verbunden mit frechen Forderungen (bei Auszug alle Betten abgezogen, alle Handtücher in der Maschine und alle Böden gewischt – wofür zahlen wir doch gleich eine Reinigungsgebühr?). Aber gut, solche Dinge passieren und man muss halt daraus lernen.

Vom benachbarten Traumstand in Laufentfernung fuhren wir gegen 18:00 Uhr noch schnell zum West Dennis Beach, um wenigstens etwas Auslauf zu kriegen. Auch hier das Gute zuerst: der Stand ist ewig lang und man kann in beide Richtungen bis zum Horizont spazieren. Weniger erfreulich: überall Seegrass, überall scharfkantige Muscheln und fast überall tote Pfeilschwanzkrebse. Schieben wir es einfach auf ein Unwetter, dass bestimmt vor Kurzem über die sonst recht malerische Region gefegt ist.

Da wir bis zur angestrebten Beitragslänge noch ein paar Wörter Raum haben, erlaube ich neugierigen, potentiellen USA-Touristen noch kurz von unserem abendlichen Einkauf für die nächsten drei Tage zu berichten – denn wenn man sich für ein Ferienhaus entscheidet, plant man möglicherweise ja auch die ein oder andere Mahlzeit im trauten Heim einzunehmen. Das funktioniert auch ganz super, man sollte nur das aus Deutschland gewohnte Preisgefüge einfach mit dem Faktor zwei multiplizieren, dann gibt es an der Kasse auch keine unerfreulichen Überraschungen 😉 Ganz im Ernst, für einen kleinen Einkauf bestehend aus etwas Obst, Orangensaft, Toilettenpapier (preisoptimierte Wahl), ganz wenig Schokolade, Muffins für’s Frühstück, Joghurt, Brot, Tomaten, Eis und etwas Kleinkram ist man ganz schnell 70$ los. Man bemerke: kein Alkohol, keine sonstigen Getränke, keine Hygiene-Artikel – nichts von dem, was einen Einkauf sonst teuer macht. Signifikantes Einsparpotential gibt es durch die Kundenkarten der verschiedenen Märkte, die jedoch separat beantragt werden müssen und selbstverständlich nur an Kunden mit einer Adresse in den Vereinigten Staaten ausgegeben werden. Mittels dieser kann man z.B. den Preis zum Überleben absolut essentieller Kleinigkeiten (hier: Ben & Jerrys Eiscreme) von 4,99$ pro Packung auf 5$ für zwei (!) Becher drücken.

Glücklicherweise soll das Wetter morgen spätestens gegen Mittag aufklaren, so dass wir auf eine ausgedehnte Inselerkundung starten können. Auf unserem vorläufigen Plan für die nächsten Tage stehen neben ausgedehnten Strandspaziergängen potentielle Highlights wie eine Whale Watching Tour, eine Tour auf Stand Up Paddle-Boards und eine Besichtigung von Province Town (soll ein bisschen wie Key West sein). Ich bin daher vorsichtig optimistisch in den nächsten Tagen Beiträge mit mehr erheiternden Inhalten bieten zu können und hoffe der Bereicht des heutigen, umweltbedingt etwas suboptimalen Tages, war dennoch einigermaßen interessant.

New England States Tag 11: Zeitreise in die Gründerzeit

Eine Warnung vorab: Auch bei diesem Beitrag aus unserer „New England States“-Serie bin ich mir nicht sicher, ob es mir gelingen wird, die Eindrücke korrekt zu beschreiben. Außerdem stehe ich unter dem starken Einfluss einer wirklich tollen Unterkunft, die mir nach ziemlich vielen Nächten in „akzeptablen“ Zimmern endlich mal wieder das Gefühl gibt zu Hause zu sein (oder wie unsere amerikanischen Freunde sagen würden: a home far away from home).

Dabei begann unser Tag eher enttäuschend und ich habe mir im Vorfeld vorgenommen das auch in aller Ehrlichkeit so zu beschreiben. „Eigentlich“ hatten wir geplant mindestens die Hälfte des Tages in Newport (Rhode Island) zu verbringen – einer malerischen Stadt, die für ihre überdimensionalen Prunkbauten (die Mansions) und ihren sehr großen Hafenbereich bekannt ist. Ich sage bewusst Hafenbereich, da die Infrastrukturen am Wasser an der Neu England-Küste nicht unserem klassischen europäischen Bild eines Hafens mit mehreren Stegen und einer steinernen Einfassung entsprechen. Viel mehr handelt es sich um eine Art zum Ufer hin zunehmend flache Bucht, in der die meisten Boote vor Anker liegen und in der es meist mehrere, verteilte Kais für kleinere Shuttle-Boote und einige wenige große Yachten gibt.

Außerdem wollten wir gern eine drei stündige Bootstour auf einer America’s Cup Yacht unternehmen – nach den diversen, eher ruhigen Hafenrundfahrten in den letzten Jahren hatten wir mal Lust auf etwas authentische Segelaction auf einem richtigen Sportboot. Dieser Plan wurde frühzeitig und nachhaltig zunichte gemacht, da während unseres Besuchs am Atlantik kein noch so kleines Lüftchen ging – ziemlich untypisch und für unser Vorhaben mindestens „unglücklich“ (das ist die politisch angesagte Formulierung für „ganz schön sch..lecht“). Ein kurzes Gespräch mit der Dame am Ticketschalter bekräftigte unsere Befürchtungen überraschend, stellte sie eine im besten Fall leichte Segeltour („a light sail“) in Aussicht. Gefahren wird natürlich dennoch, denn die 36 – 70$ (je nach Tour) kann man ja notfalls auch im Schneckentempo einsammeln. Wir entschieden uns dagegen und gingen sofort zum zweiten Agendapunkt des Tages über: der Hafenbesichtigung. Beim Versuch den Booten näher zukommen, realisierten wir endlich auch, warum die Unterkünfte in der Region aktuell so rar und teuer sind: es war bzw. ist „Newport International Boat Show“. Jetzt kommt der wirklich frustrierende Teil: Was die Organisatoren dieser Show – offensichtlich in Absprache mit der Stadt – gemacht haben, ist schlicht eine nahezu vollständige Sperrung aller Stege und aller Bereiche des Hafens. Außer in ganz wenigen Arealen stehen überall Zäune und Tore, die man ohne Eintrittskarte zur Show nicht passieren darf. So bekam man binnen Minuten den Eindruck in einem Gefängnis und nicht einem beliebten Städtchen am Meer zu sein. Falls sich jemand fragt, warum wir nicht einfach den Eintritt bezahlt haben: Wir hatten einfach keine Lust 20$ pro Person zu zahlen, um danach gemeinsam mit mehreren hundert „wenig trainierten“ (sprich restlos übergewichtigen) Amerikanern im Zeitlupentempo über die kleinen Kais zu schlendern. Dass man dazu eine mindestens 60 Personen lange Schlange am Eingang hätte überwinden müssen, war übrigens auch nicht förderlich.

So verließen wir den Hafen recht schnell und fuhren zu den Mansions. Wie eingangs erwähnt, handelt es sich dabei um eine Sammlung von gigantischen Anwesen, die teilweise auf Augenhöhe mit den Hamptons, teilweise nochmals darüber liegen. Dafür sind sie natürlich wesentlich älter und – hier kommt der wichtigste Unterschied – sie sind für den Publikumsverkehr geöffnet. Dies bedeutet, dass man zwischen 15 und 25 Dollar pro Person pro Anwesen bezahlt, damit man das jeweilige Grundstück besichtigen und ein paar Räume des Hauses betreten darf. Das ist alles ganz okay, aber das Preis-/Leistungsverhältnis ist insbesondere für Menschen, die mit „historischen“ Gebäuden vertraut sind, fast schon befremdlich. Man stelle sich einen US-Amerikaner vor, der einen ausgedehnten Spaziergang z.B. durch Stuttgart (inkl. Villa Berg) unternimmt. Er dürfte sich nach einem halben Tag euphorisiert in einem „German Beergarden“ betrinken, da er so viele unglaublich alte Gebäude in einem derart tollen Zustand gesehen und dafür nicht einen Dollar (noch nicht einmal „Suggested Donation“, also empfohlene Spende) gezahlt hat. In Newport hingegen hat man sogar die gigantisch hohen Zäune nachträglich mit historisch nur bedingt authentischem Sichtschutz (grünem Stoff) nachgerüstet – irgendwo gibt es meiner Meinung nach eine Grenze. Dafür ist der Cliffwalk ganz in der Nähe recht nett, er bietet jedoch nur sehr wenige Ausstiegspunkte um zum Parkplatz zurückzukommen („next exit 2 Miles“).

Fassen wir zusammen: Bootsfahrt ausgefallen, Hafen quasi gesperrt, Mansions unverschämt abgeriegelt und teuer (okay, das wussten wir vorher) – die Stimmung war vorsichtig formuliert nicht ideal. Dann kam die rettende Idee: Ich sagte „Lass uns nach Boston fahren“ und Dani entgegnete „Was hältst du von der Plimoth Plantation – die wollten wir eh machen und wir müssten es heute noch schaffen.“. Die Idee fand ich sofort überzeugend und so kamen wir ca. 1h später in Plymouth an. Keine 26 Dollar pro Person später waren wir mittendrin in der Zeitreise in die Gründerzeit. Vielleicht erkläre ich im Vorfeld zunächst kurz den thematischen Hintergrund des kulturellen Highlights: es handelt sich um ein lebendes Museum, dass die Besiedlung Nordamerikas im Jahr 1624 (und zwar exakt in diesem Jahr) zeigt. Dies bedeutet es gibt die Gebäude , die Werkzeuge und die Lebensweise aus dieser Zeit zu sehen – verkörpert und erklärt von Menschen, die so tun, als ob sie in dieser Epoche leben. Und genau hier liegt der Mehrwert: die sehr talentierten Schauspieler der Plantation bringen einem Geschichte auf eine sehr interaktive und eingängige Weise näher – dazu gleich mehr.

Zu Beginn der Wanderung durch die Geschichte trifft man zunächst auf vier Vertreter eines Stamms nativer Einwohner („Natives“, wir würden umgangssprachlich Indianer sagen). Diese leben – konträr zu den Siedlern – keine bestimmte Rolle, sondern sind im Prinzip Botschafter ihrer Kultur. Dies tun sie, in dem sie in authentischer Kleidung verschiedene Tätigkeiten in einem kleinen, traditionellen Dorf ausführen und dabei für Gespräche mit den Besuchern zur Verfügung stehen. Wir hatten beispielsweise einen sehr interessanten, ca. 30 Minuten langen Dialog mit einem Stammeskrieger (43, macht den Job seit 26 Jahren), der uns zunächst intensiv über unsere Hintergründe ausgefragt hat, bevor er uns spannende Details zu seiner Kultur und dem Dorfleben erklärt hat – z.B. das derzeit eine weitere Hütte auf traditionelle Art gebaut wird, wobei jeder Schritt öffentlich vor dem täglichen Publikum erfolgt. Da die Natives jedoch „keine Rolle spielen“ (im Sinne von „sie schauspielern nicht“), kann man sich mit ihnen auch ganz regulär über moderne kulturelle und andere Aspekte austauschen.

Dies funktioniert ca. 300m später definitiv nicht mehr: Nach einem gewundenen Weg betritt man durch eine Art Torhaus eine kleine Siedlung, die in Aufbau und Aussehen wie gesagt dem Stand aus 1624 entsprechen soll. Optisch ist das eigentlich zunächst gar nicht so spektakulär: ins Auge fallen eine Hauptstraße, zwei bis drei Nebenstraßen, ca. 10 Hütten und ein paar Tiere (Kühe!). Wirklich spannend wird es, sobald man sich den Einwohnern des kleinen Dorfs nähert: sie gehen meist ihrer alltäglichen Arbeit nach und sind in der Regel für Fragen der Besucher offen. Man kann sie jedoch auch mehr oder weniger ignorieren und sich einfach in den Hütten umschauen, wobei diese derart authentisch und belebt wirken, dass man sich fühlt, als ob man in das Haus eines Fremden eingebrochen ist. Dies allein klingt banal, ist aber schon mal eine ziemlich interessante Erfahrung. Je mehr Zeit man sich für die Gespräche mit den Siedlern nimmt, desto faszinierender wird der Besuch in Plimoth. Man muss einfach die Vorstellung zulassen, dass man sich im Jahr 1624 befindet, die in dieser Siedlung lebenden Pioniere mit der Mayflower über den Pazifik kamen und nun versuchen hier eine Zukunft aufzubauen. Wenn man diese mentale Hürde überwunden hat, stellen sich unzählige Fragen, die man schon immer mal los werden wollte. Wie war die Überfahrt? Wie viele Menschen haben überlebt? Habt ihr Angst vor den Eingeborenen? Plant ihr hierzubleiben? Was machst du hier eigentlich für einen Job? Verdienst du mit deiner Arbeit Geld? Bist du glücklich? Der geneigte Leser möge sich einfach mal in die Situation versetzen – dann wird sicherlich schnell klar, was die Faszination dieses Orts ausmacht. Auf all diese Fragen kriegt man nämlich Antworten – allerdings in einer sehr launigen, unterhaltsamen und individuellen Art. Man hat niemals das Gefühl, dass die „Siedler“ (Schauspieler) nur ihr Textbuch abspielen und immer wieder die gleichen Sätze emotionslos abspielen. Auch gibt es keine peinlichen Dialoge in der Form „Oh, was haben diese komischen Leute denn da drüben  .. es sieht aus wie ein Fernglas, aber sie drücken darauf rum“). Nein, zu meiner großen und positiven Überraschung ergeben sich sehr spannende Dialoge über das Leben in der damaligen Zeit, die das „Mindset“ (also die Lebenseinstellung) der aus England stammenden Pioniere eindrucksvoll transportieren. Hier einige Beispiele:

  • Frage an einen Siedler, ob er glücklich mit seiner Wahl ist übergesiedelt zu sein („Are you happy with your choice?“. Antwort: „Well I would not describe it to that positive extend“ / Soweit würde ich nun nicht gehen
  • Suggestionsfrage: „So I guess there’s a great future waiting for you?“ (Gehe ich recht in der Annahme, dass also eine tolle Zukunft auf dich wartet?). Antwort: „A future full of possibilities“ / eine Zukunft voller Möglichkeiten
  • Totale doofe Frage: What are you doing here? / Was machst du hier überhaupt? Antwort: I’m sitting here on a bench in the shade / Ich sitze hier im Schatten auf einer Bank
  • Frage: Why did you leave England / warum bist du überhaupt aus England weggegangen? Antwort: Because my father expected that I mary the fat, ugly daughter of the tailor. She stinks and has no teeth / Weil mein Vater erwartet hat, dass ich die dicke, hässliche Tochter des Schneiders heirate – sie sie stinkt und hat keine Zähne
  • Frage: What’s your job over here? / Was ist dein Beruf hier? Antwort: I’m a farmer. We are all farmers. / Ich bin ein Farmer, wir sind alle Farmer.
  • Frage: Aren’t you afraid someone could come and take your land? / Hast du keine Angst, dass jemand kommen und dein Land wegnehmen könnte? Antwort: No, that’s against the law and we Englanders obey the law / Nein, dass wäre gegen das Gesetz und wir Engländer halten uns an das Gesetz.

Mit Hilfe dieser und vieler weiterer Fragen (wir haben über 4h in der Siedlung verbracht und dabei allein mit drei Schauspielern jeweils knapp 1h erzählt) lernt man wirklich viele Hintergrundinformationen und Details über die Gründerzeit – Dinge, die man so nie erwartet hätte und die aus aktueller Sicht geradezu absehbar waren. So wurde beispielsweise das Risiko von blutigen Auseinandersetzungen mit den Eingeborenen („Sie sind gute Freunde, wir handeln mit ihnen) ebenso negiert wie das Risiko von Konflikten mit anderen Nationen („Die Spanier sind 3000 Meilen im Süden und interessieren sich nur für Gold, die Franzosen sind 2000 Meilen im Norden – kein Problem)“. Auch etwaige Bedrohungen durch Piraten hat der erste Vertreter des lokalen Gouverneurs nicht gesehen – die kämpfen nämlich nur im Kanal nahe England und nicht an der amerikanischen Küste. Im Zweifelsfall ist alles Gottes Wille – hier wird der puritanische Geist sehr glaubhaft transportiert.

Außerdem lernten wir extrem interessante Hintergründe zu den wirtschaftlichen Interessen der Siedlung und den Zielen der einzelnen Pioniere („Wenn ich hier sieben Jahre arbeite, erhalte ich 350 Acres Land, das kann ich dann wiederum anderen Siedlern verpachten)“. Extrem bemerkenswert fand ich das nahe Verhältnis zu England. So war die Siedlung niemals als authentische Einheit gedacht, sondern basierte von Anfang an auf der regelmäßigen Lieferung von Gütern aus der Alten Welt (z.B. Schießpulver, Nutztiere, Kleidung, Nägel usw) und im Gegenzug der Rücksendung wirtschaftlich interessanter Güter an die Finanziers der Siedlung. Dies entspricht so gar nicht meiner Vorstellung von der Gründerzeit („Ihr seid der Brückenkopf, ihr müsst so schnell wie möglich lernen autark zu leben), was sich auch in der vergleichsweise regelmäßigen Schiffsverbindung zwischen beiden Kontingenten fortsetzt. Eine Reise von und nach England wurde als durchaus valide Option angesehen – sie dauerte zwar drei Monate, war aber keinesfalls undenkbar. Ich könnte so vermutlich noch ganz viele Details aus unseren Gesprächen wiedergeben, aber das sprengt sicherlich den Rahmen des Beitrags. Ich möchte daher mit der Zusammenfassung schließen, dass ein Besuch in der Plimoth Plantation eine ganz tolle Erfahrung ist, die aber nur funktioniert, wenn man sich auf das lebende Museum einlässt, bereit ist mit den Siedlern zu reden (es gibt so gut wie keine Hinweisschilder), nicht viel los ist und man zumindest ein Grundinteresse an Geschichte hat. Rückblickend betrachtet hätte ich mich gern noch intensiver mit den historischen Zusammenhängen beschäftigt, um noch interessantere Fragen zu stellen – ein weiterer Punkt für die „beim nächsten Mal“-Liste.

Wie man sicherlich merkt, bin ich immer noch ganz fasziniert vom Tag. Hinblickend auf den bereits sehr stattlichen Umfang dieses Beitrags sehe ich mich leider gezwungen weitere Details zu unserem Spaziergang zum Strand in Plymouth und unsere Unterbringung des Tages signifikant zu verkürzen bzw. diese auszulassen.

Um nun aber nach dem traurigen Start in Newport und der fantastischen Fortsetzung in Plymouth mit einer weiteren tollen Sache zu schließen, möchte ich noch kurz von unserer Unterbringung für die nächsten zwei Nächte berichten. Wir haben – mal wieder – eine Unterkunft über Airbnb gebucht, die unsere Erwartungen jedoch deutlich übertroffen hat. Dies hängt sicherlich auch damit zusammen, dass wir erst die dritten Mieter des neu gebauten Apartments sind, die Ausstattung mehr als komplett ist, wir eine sehr schöne und fast schon freundschaftliche Unterhaltung mit unserer Vermieterin hatten und bei der Ankunft zudem ein voller Kühlschrank gewartet hat. Wer den Gegenwert von kalten Getränken, frischem Brot und zwei großen Schalem frischem Obst in Amerika kennt (ich tippe in Summe auf ca. 50 Dollar) und zudem mit den Preisstrukturen  der hiesigen Unterbringungen vertraut ist, wird vom Preis-/Leistungsverhältnis umso faszinierter sein. Wie auch schon in Kalifornien zuvor hat uns Airbnb die bisher besten Unterkünfte des gesamten Urlaubs beschert. Morgen wartet dann Boston auf uns – ich bin gespannt.

New England States Tag 10: Eine besondere Beziehung zum Meer

Bevor ich in den Bericht unseres heutigen Tages einsteige, muss ich im Vorfeld um Entschuldigung bitten: wir sind erst vor wenigen Minuten von unserem Abendessen in Providence (Rhode Island) zurückgekehrt und ich habe aktuell gefühlt mehr Blut im Bauch, als in meinen Fingern bzw. meinem Gehirn 😉 Aber wie immer werde ich mein Bestes geben.

Der heutige, zehnte Tag unserer Rundreise begann mit der „Vertreibung aus dem Paradies“, da wir die Hamptons mit einer der ersten Fähren von Orient Point aus verlassen mussten. Der Tag war durchgeplant, die Fähre gebucht (sollte man tatsächlich im Vorfeld machen .. vor allem am Wochenende; in der Saison sowieso) und wir waren auf einer Mission. Auf den knapp 50km Fahrt von unserer Unterkunft in der Nähe von Riverhead zum Fähranleger hatten wir nochmals ausgiebig Gelegenheit die tolle Landschaft und die riesigen Farmen Long Islands zu bewundern – insbesondere die gigantischen Rollrasenfelder sind sehr beeindruckend. Diese werden mittels sehr bemerkenswerter Bewässerungstechnik gepflegt (teilweise mit Hilfe von in Traversen geführten Schläuchen, die sich über mehrere hundert Meter erstecken) und reichen an manchen Punkten der Insel wortwörtlich soweit das Auge reicht.

Am Fähranleger lief dann alles ganz entspannt: wir mussten nur kurz den Buchungscode vorzeigen, wurden dann gefragt ob wir Interesse daran hätten eine Fähre früher als geplant – quasi sofort – zu nehmen (fanden wir natürlich perfekt) und schon wurden wir auf das überraschend kleine Schiff gelotst. Dieses legte auch wenige Momente später ab, so dass wir es uns an Deck bequem machten und die Überfahrt in der Morgensonne genossen. Der rund 76 Dollar teure Service bringt einen in ca. 1,5h stress- und staufrei in die Hamptons bzw. zurück ans Festland nach New London nahe New Haven (hier befindet sich übrigens Yale). Insgesamt eine sehr smarte Option um die zeit- und nervenintensive Fahrt über New York City zu vermeiden.

Vom Fähranleger in New London aus waren es dann nur noch 15 Minuten bis zu unserem Tagesziel: dem Mystic Seaport – the Museum of America and the Sea. Es handelt sich dabei um ein lebendes Museum in der Nähe des Ortes Mystic, welches – nach eigenen Angaben – das größte seiner Art in Amerika ist. Obgleich wir diesen Fakt natürlich nicht verifizieren konnten, sei bereits im Vorfeld angemerkt, dass der Seaport definitiv eines der größten Highlights unserer Reise war. Jeder der sich auch nur ansatzweise für (historische) Seefahrt interessiert, wird hier höchst neugierig einen halben, wenn nicht sogar einen ganzen Tag verbringen können. Ich kann an dieser Stelle sicherlich nicht jedes Detail des Museumsdorfes (das Gelände ist wirklich überraschend groß und der Begriff „Dorf“ nicht übertrieben) wiedergeben, aber ich möchte dennoch kurz die einzelnen Bereiche beschreiben.

Gleich zu Beginn bewunderten wir den Werft-Bereich, in dem Mitarbeiter des Museums historische Boote restaurieren, repartieren und seetüchtig halten. Dies bedeutet, dass es nicht nur ein großes „Ersatzteillager“ in Form von Hölzern, Stämmen und fertigen Masten gibt, sondern auch eine Werfthalle in der tatsächlich gearbeitet wird. Von einer Art Aussichtsdeck aus hat man eine sehr gute Sicht über den Arbeitsbereich und kann den Experten bei ihrer kleinteiligen und handwerklich sicherlich sehr anspruchsvollen Arbeit zuschauen. Allein hier könnten Liebhaber sicherlich geraume Zeit verbringen – es ist wirklich faszinierend, mit welcher Genauigkeit und Authentizität das Museum Restaurationsarbeiten erledigt. Unmittelbar neben der Halle befindet sich das „Dock“ (das Wort ist nicht passend – ich meine viel mehr die „Starteinrichtung“ für Schiffe, mit der diese erstmals zu Wasser gelassen werden), mit dessen Hilfe z.B. die für insgesamt ca. 5 Millionen US-Dollar restaurierte Charles W. Morgan – ein Walfangschiff – wieder auf die Reise geschickt wurde.

Vom Werftbereich aus begaben wir uns zu diversen kleineren und größeren Hütten, die einzelne Gewerke des Schiffsbaus bzw. der maritimen Industrie näher vorstellten. Hierzu zählte z.B. ein Lobstershack (hier kann man sehen, wie Hummerkörbe gebaut werden), eine Schmiede, eine Faßküferei, ein Schiffszubehörladen („Chandlery“), eine Art Supermarkt (Grocery & Hardware Store), eine Schule, eine Kirche sowie mehrere Wohnhäuser. Ein absolutes Highlight war die Seilerei – ein sehr langes Gebäude, in dem über zwei Stockwerke gezeigt wird, wie Taue hergestellt wurden und manchmal noch heute werden. Außerdem verfügt das Museumsdorf über mehrere Ausstellungen (z.B. zum historischen Walfang), die ebenfalls in zeitgenössischen Gebäude untergebracht sind. In nahezu jedem Gebäude warten Freiwillige, die sehr gern und bereitwillig weitere Details erklären. Äußerst angenehm ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass das Personal tatsächlich auf die Vermittlung von Wissen auf angenehme, unkomplizierte Art fokussiert ist und nicht nach zwei Minuten die Frage folgt: „Where are you from?“ (in der Regel der Beginn eines längeren Smalltalks). Als weitere, sehr liebevoll realisierte Station sei das Diorama des Seaports und seiner Umgebung zur Zeit des 19. Jahrhunderts genannt – hier müssen sehr viele Freiwillige sehr viel Liebe investiert haben. Gleiches gilt übrigens auch für diverse andere, funktionstüchtige Exponate. So wurde z.B. ein Diesel-Motor gezeigt, dessen Restauration mehr als 3.300 Stunden gedauert hat – sehr beeindruckend.

Neben den Gebäuden an Land verfügt Mystic Seaport natürlich auch über mehrere Boote, die man zum Teil betreten kann. Auch diese wurden sehr sorgfältig wiederaufgebaut bzw. sind an einzelnen Baustellen nach wie vor Experten aktiv – auch sie sind sehr aufgeschlossen und erklären neugierigen Besuchern gern was sie hier tun und worauf man dabei achten muss. Das bekannteste Exponat – die Charles W. Morgan – konnten wir leider nicht selbst entern, da am heutigen Tag ein Kran da war und verschiedene Teile der Masten abgenommen wurden. Dies war zwar traurig, dafür konnten wir beim Mittagessen am Wasser zuschauen, wie schwindelfreie Mitarbeiter des Museums in der Takelage rumkletterten – ebenfalls sehr spannend. Man hätte übrigens auch noch eine kleine Rundfahrt um die malerisch gelegene Anlage unternehmen können, was wir aus Zeitgründen aber nicht wahrnehmen konnten.

Alles in allem ist Mystic Seaport wirklich extrem sehenswert und lädt zum Verweilen ein. Es bieten sich überall spannende Fotomotive, interessante Gespräche und eine außergewöhnliche Atmosphäre. Durch den lebenden Charakter des Museums liegt die Seefahrt wortwörtlich in der Luft; nahezu jede Anlage und jedes Exponat kann bei Bedarf angeschaltet bzw. demonstriert werden. Zusammenfassend ist Mystic daher bisher meine Platz 1-Sehenswürdigkeit in New England.

Vom Seaport aus fuhren wir einige Kilometer weiter nach Narragansett, um uns die Strände in der Bucht anzuschauen. Dort angekommen zeichnete sich ein überraschendes Bild: durch die Nähe der Brown University und die Tageszeit (Freitagnachmittag) war der Strand quasi voll von jungen Menschen, was bei dem insgesamt eher hohen Altersschnitt in den Neu England-Staaten durchaus willkommen ist. Auch sonst ist der Strand sehr einladend, ist er Sand doch recht weich und vor allem breit und ziemlich sauber. Durch das ungewöhnlich flache Küstenprofil bietet sich die Bucht zum Wassertreten förmlich an, was durch die sehr gemäßigten Wassertemperaturen (alles ist relativ) nochmals attraktiver erscheint. Die Möglichkeit sind jedoch limitiert, da der Strand nur etwas mehr als einen Kilometer lang ist. An einem Ende geht der Sand recht abrupt in eine steinige Landzunge über, am anderen Ende steht „The Towers“ – ein ikonischer Steinbogen zwischen zwei Türmen, der gleichzeitig das Erkennungsmerkmal der Region darstellt. Insgesamt daher ein schöner Zwischenstopp für einen Spaziergang am Meer, der aber von der Qualität und Exklusivität hinter den Stränden der Hamptons deutlich zurückbleibt (man muss ja auch realistisch bleiben).

Im weiteren Verlauf unserer Fahrt suchten wir noch nach einem zweiten Stand zum Spazierengehen, was jedoch eher erfolglos war (Beschreibungen unserer Fehlschläge spare ich einfach aus .. niemand ist schließlich an Details zu einem Ministrand unmittelbar neben einem riesigen Industriegebiet interessiert). Beim abendlichen Besuch in Providence wurde wieder einmal klar, wie krass in Amerika die unterschiedlichen Aktivitätsprofile unter der Woche und am Wochenende sind. An einem Freitagabend ohne Reservierung essen gehen zu wollen, setzt schon mal 20 – 30 Minuten Geduld voraus – diese hatten wir offensichtlich.

Morgen geht es für uns weiter in Richtung Newport, von wo aus wir diverse Anwesen aus der Kolonialzeit erkunden werden. Abends geht es dann weiter nach Boston, wo wir die nächsten zwei Nächte verbringen werden. Aus aktueller Sicht ist das Wetter leider ein Wackelkandidat – hoffen wir das Beste!

New England States Tag 9: die Hamptons

Eigentlich ist es ganz leicht unseren heutigen Tag an der Ostküste zusammenzufassen: Erst flüchteten wir aus New York, dann verliebten wir uns gleich auf ersten Blick in die Hamptons – doch der Reihe nach.

Nach nunmehr drei Nächten in Brookyln – die bedingt durch die körperlichen Anstrengungen tagsüber allesamt sehr erholsam waren – wurde es endlich wieder Zeit für einen Standortwechsel. Ernsthaft, ich habe mich selten so sehr darauf gefreut einen Ort zu verlassen, wie am Ende unserer Zwischenstation im Big Apple. Die Stadt wie – wie in den letzten zwei Beiträgen schon beschrieben – sicherlich extrem interessant und unglaublich facettenreich, aber als Teil einer Rundreise mit einem Mietwagen doch sehr zeitintensiv. So waren wir ziemlich gut gelaunt und neugierig auf den Rest des Tages, als wir unser Hab und Gut um 07:30 Uhr fertig im Mietwagen verstaut hatten.

Schon auf den ersten Metern entdeckte ich meine tiefe Abneigung gegenüber dem New Yorker Verkehr sofort wieder. Stuttgart, Frankfurt, Berlin, ja sogar Los Angeles – überall fährt er sich basierend auf unseren Erfahrungen wesentlich angenehmer als in NYC. Eine Spur ist durch einen Lieferwagen blockiert, du blinkst und denkst der Schulbus auf der Spur links hinter dir lässt dich rein? Quatsch – er gibt Gas, und fährt die Lücke zu. Da musst du schon sehen wo du bleibst, Schwächling. Ganz im Ernst, solche Situationen passieren im New Yorker Verkehr ständig und sie gehen einem einfach extrem auf den Keks. Der Verkehrsfluss wird durch dieses Verhalten scheinbar nicht eben optimiert, denn unsere Fahrt in Richtung Osten zog sich ewig – für 120km haben wir insgesamt fast 2,5h benötigt. Dabei ist anzumerken, dass es rund um New York kaum Hover-Lanes für Fahrzeuge mit mindestens zwei Insassen gibt – hier ist sogar LA wesentlich besser aufgestellt.

Irgendwann fuhren wir endlich von der Interstate ab und nach einigen Kilometern auf einem Highway erreichten wir gegen 10:30 Uhr endlich die Dune Road in Westhampton. Auf dieser recht malerischen Strecke kann man rund 15km fast direkt am Stand entlangfahren und bekommt ein erstes Gefühl für das Luxusende Long Islands im Osten des Bundesstaates. Die Häuser sind hier bereits ausnahmslos recht gepflegt und residieren meist auf stattlichen Grundstücken. Auch der Strand – wir legten eine kleine Pause für einen Spaziergang ein – ist breit, weich und sehr wenig frequentiert. Über den weiteren Verlauf der Dune Road und eine kleine Brücke gelangten wir schließlich direkt nach Southhampton. Southhampton ist so etwas wie das Kampen auf Sylt der Hamptons – das Epizentrum des Wohlstands. Man hat das Gefühl, dass hier kein Grashalm gegen die Regeln wächst, niemand auf nur eine Meile pro Stunde zu schnell fährt, niemand raucht und auch absolut niemand die Frechheit besitzt seinen Müll während der Fahrt aus dem Fenster zu werfen. Okay, dafür kann man beim Tanken schon Mal 2,65$ pro Gallone zahlen (normal sind derzeit zwischen 2,07 und 2,20$ .. wobei 2,17$ nur wenige Kilometer weiter östlich aufgerufen wurden). Dafür steht man dann an der Zapfsäule, die sonst wahrscheinlich nur von italienischen Luxusfahrzeugen frequentiert wird. Den Gipfel der Manifestation von Wohlstand in Beton, Glas und Holz kann man dann in der Meadow Lane – eine lange Straße auf einer vorgelagerten Halbinsel – bewundern. Die Straße wird umgangssprachlich auch „Billionares Lane“ – also Straße der Milliadäre – genannt, und diesen Namen trägt sie zurecht. Die Grundstücke sind hier zum größten Teil extrem groß und die Häuser allesamt  superlativ, einzig der Baustil unterscheidet sich von Objekt zu Objekt. Das unmittelbar an der Straße ein Heliport liegt, ist sicher kein Zufall 😉

Spannend ist auch die Tatsache, dass in Southhampton – ebenso wie eigentlich überall in den Hamptons – das Parken auf’s Strengste reglementiert wird. „No parking“-Schilder stehen quasi allerorten und wurden scheinbar in Stückgrößen >10.000 erworben. Ab und an trifft man auf scheinbar großzügige Außenparkplätze, die jedoch mit ganz wenigen Ausnahmen das Schild „Permit only“ (nur mit Genehmigung) tragen und daher Anwohnern bzw. deren Bekannten vorbehalten sind. So reduziert sich die Auswahl an öffentlichen Parkplätzen auf ein Minimum – ich würde schätzen auf 10km Strand kommen Kapazitäten von 100 freien Stellflächen. Die Situation entspannt sich ab dem 16.09. übrigens signifikant, denn dann ist die Saison offiziell vorbei und bis Mitte Mai können die meisten Parkmöglichkeiten frei genutzt werden. In jedem Fall ergibt sich durch die starke Reglementierung an den Stränden ein faszinierendes Bild: Endloser, weißer Sand, extrem Breit, extrem sauber, extrem tolle Ausblicke auf die Häuser und: bis zum Horizont kein Mensch weit und breit. Wenn man sich so manche Immobilie näher anschaut, möchte man dafür auch sofort in Demut verfallen – hier abends auf der Terrasse mit Seeblick ein Glas Rotwein zu genießen, muss schon etwas Besonderes sein.

Von der Meadow Lane aus fuhren wir weiter gen Osten, um uns Montauk und das Montauk Lighthouse anzuschauen – die Fahrt erstreckt sich nochmals über 50km. Nimmt man die szenische Route in Form des Old Montauk Highways fühlt man sich beinahe wie auf Sylt: Über relativ schmale und überraschend hügelige Straßen geht es an tollen Häusern und faszinierenden Ausblicken auf das Meer vorbei. Montauk selbst wirkt etwas touristischer und definitiv nicht so herausgeputzt, wie die Luxusstädte zuvor. Das Montauk Lighthouse selbst ist ein wirklich faszinierender Ort, der eine eigenartig vertraute und sympathische Ausstrahlung hat. Kaum angekommen, fühlt man sich sofort, als ob dies das Ziel einer langen Reise ist und man hofft, dass der Tag noch möglichst lang ist – ich weiß, das klingt sülzig und platt, aber so ist es nun mal. Rund um den Leuchtturm hat man eine tolle Aussicht auf das Meer und die Fischerboote, die hier keine 100m vom Ufer entfernt auf der Jagd sind. Weiterhin kann man auf einem schönen Trail den Hügel umrunden und in die Turtle Bay absteigen, von der man ebenfalls eine sehr schöne Aussicht auf das Lighthouse hat. Die Geräuschkulisse wird hier einzig vom Meer und dem Kreischen der Möwen geprägt – was für eine Entschleunigung und Harmonie nach den 2,5 Tagen in New York. Einziger Nachteil: Das Parken am Lighthouse kostet 8$, der Eintritt pro Person nochmals 10$ – preiswert ist anders.

Da wir morgen schon wieder weiterfahren und die Hamptons so intensiv wie möglichen erkunden wollten, fuhren wir viel zu früh zurück nach Westen, genauer gesagt nach Easthampton. Auch dieses schöne Städtchen ist eindeutig von einem sehr wohlhabenden Klientel geprägt, hat sich aber auch Straßenzüge mit einer sehr natürlichen Gestaltung der Häuser erhalten. Die Grundstücke wirken hier noch „historisch gewachsen“ und nicht durch hohe Hecken (teilweise übrigens in doppelter Ausführung) abgeschirmt. Während unserer Fahrt nach und durch Easthampton entdeckten wir übrigens eher beiläufig diverse Drehorte aus der Serie „The Affair“ (die übrigens sehr authentisch und wenig verändert gezeigt werden); die Hamptons sind ja ferner auch als Schauplatz für „Royal Pains“ und „Revenge“ bekannt – beide Serien geben das Luxusende Long Islands meiner Meinung nach jedoch nur sehr stark interpretiert wieder.

In Easthampton unternahmen wir einen langen Strandspaziergang im Sonnenuntergang, wobei die Dünung hier fantastische Effekte am Ufer entstehen lässt. Es gibt quasi eine Art Sandbank direkt an der Wasserkante, über die das Meer je nach Höhe der Wellen mal mehr, mal weniger drüberläuft. Der so entstehende Pool zwischen Wasserkante und Strand ist überraschend tief und hat sogar eine Fließrichtung (Osten), so dass prinzipiell schon mal ziemlich viel Bewegung in der Sache ist. Wenn nun noch die Gezeiten und etwas Wind dazu kommen, bilden sich plötzlich flussartige Strömungen, die teilweise schon mal an eine Flutkatastrophe erinnern können (ernsthaft). Das ist toll anzusehen, sehr faszinierend aber für Unbedarfte sicherlich auch gefährlich. Die Hamtpons sind halt sehr charismatisch.

Da unser Abend nach Sonnenuntergang wenig spektakulär verlief, abschließend noch ein paar zusammenfassende Worte zu den Hamptons: Man kann sie sich ein bisschen wie eine Mischung aus Palm Beach (riesige Anwesen hinter hohen Hecken), Newport Beach (riesige Anwesen mit Geschmack) und Sylt (eine sehr exklusive, fast schon abgeschottete Gesellschaft) vorstellen. Das primäre Fortbewegungsmittel scheinen Range Rover zu sein (analog zu den Cayennes auf Sylt), man sieht häufiger Mitdreißiger in Baumwollwesten mit eigenartigen Farben und noch häufiger ältere Männer mit halb so alten Frauen. Das kann schon mal am Ego nagen 😉 Ansonsten ist die Region aber eher ruhig weiß vor allem durch die faszinierende Natur zu begeistern. Man kann hier toll spazieren gehen, das Meer genießen, durch die Häfen schlendern, große Farmen besuchen und ganz allgemein People Watching betreiben. Für 3-5 Tage sicherlich der perfekte Ort am Meer – wäre er nur nicht so schwer zu erreichen. Zur Hauptsaison stelle ich mir eine Reise in die Hamptons ohne Einladung eines Anwohners aber relativ schwierig vor – die Parkplatzauswahl ist wirklich extrem gering und das Straßennetz nur bedingt aufnahmefähig – sogar heute, in der Nachsaison, bildeten sich immer wieder Staus.

Morgen früh werden wir die Hamptons – nach einem viel zu kurzen Aufenthalt – mittels Fähre nach New London verlassen und uns danach Newport anschauen. Schauen wir mal, was der zehnte Tag unserer Reise für uns bereithält.

New England States Tag 8: New York Part II – Es geht noch heißer

Nach einer erholsamen Dusche und einigen Minuten der Ruhe gestern Abend (Ruhe ist in New York der Zustand, wenn man draußen nur noch Sirenen und sporadisch laute Musik sowie hupende Autos hört, aber sonst keines der gestern geschilderten Geräusche – mal abgesehen vom Brummen der dringend benötigten Klimaanlage) dachte ich eigentlich, dass der Tag rückblickend gar nicht so schlimm war.

Klar, wir waren sehr viel unterwegs, das Chaos auf den Straßen und Bürgersteigen ist eine permanente Herausforderung für die Nerven (ebenso wie die Navigation in Manhattan – wer es gewohnt ist sich mittels Garmin GPS zu orientieren, wird verzweifeln, da die Ortung durch die Häuserschluchten und Reflexionen massiv gestört wird) und die Reizüberflutung ungefähr aller Sinne ist schon anstrengend. Aber insgesamt war der Tag doch okay und morgen (bzw. heute) würde es sowieso ruhiger werden: Boot fahren, im Park spazieren gehen – alles ganz entspannt.

Meine Vision eines lockeren Tags im Big Apple hielt nicht lange – ich bin mir nicht sicher, wann sie genau kaputt gegangen ist. Beim Warten in der stickigen U-Bahn? Bei der Orientierungslosigkeit nach der Ankunft auf Manhattan? Beim  Joint-rauchenden Ticket-Verkäufer auf dem Weg in den Battery Park? Irgendwo dazwischen auf jeden Fall. Aber wie dem auch sei, nun ging es erstmal darum einige New Yorker „Must have Seen“-Pflichtstationen zu besuchen.

Dank vorgebuchter Tickets gingen am Anleger der Statue Cruises zumindest der Checkin und die Sicherheitskontrolle noch recht schnell, das Boarding auf das bereits sehr gut gefüllte Boot zog sich dann noch in die Länge (unglaublich, wie lang einige Menschen benötigen, um ein paar Treppenstufen zu erklimmen). Wir kämpften uns trotzdem bis auf das Oberdeck durch und genossen anschließend einen beeindruckenden Blick auf die ikonische Skyline. Die Sonne brannte bereits um 09:30 Uhr sehr heiß, so dass der Fahrtwind der überraschend großen Fähre sehr willkommen war. Deuter hält sein Versprechen übrigens immer noch nicht, so dass sich schnell eine kraftschlüssige Verbindung zwischen Polo-Shirt und Haut aufbaute – auf Dauer weniger schön. Auf Liberty Island angekommen unternahmen wir zunächst einen ausgedehnten Spaziergang einmal rund um das gesamte Areal. Die kleine Insel vor Manhattan eignet sich perfekt, um das tolle Panorama zu genießen, es ist nicht zu voll, man kann sich an einigen Stellen im Schatten erholen und ist vom Lärm der Stadt recht weit weg (bis auf die permanent fliegenden Helikopter). Die Statue selbst ist ebenfalls recht beeindruckend und man kann sich nur vorstellen, wie bewegend der Anblick der Lady Liberty auf die ankommenden Immigranten nach einer wochenlangen (monatelangen?) Überfahrt gewesen sein muss. Man kann die Statue übrigens in unterschiedlichen Touren besuchen: entweder nur den Sockel oder je nach Ticket auch die Krone. Dies haben wir jedoch ausgelassen.

Nach der Besichtigung von Liberty Island hieß es erneut anstehen und warten, um nach Ellis Island überzusetzen. Wirklich schön ist der Umstand, dass die Fähre zwischen den beiden Inseln die „szenische“ Route nimmt und erneut vor der Freiheitsstatue langfährt, so dass man nochmals Gelegenheit für ein paar eindrucksvolle Fotos hat. Auf Ellis Island angekommen kann man das Museum eigentlich gar nicht verfehlen. Es handelt sich bei selbigem um das frühere Hauptgebäude der Immigration, welches in Teilen in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt wurde. Wie fast überall in den USA gibt es Audio-Guides mit Kopfhörern, so dass man sich ergänzend zu den Info-Tafeln auch noch individuell weitere Erklärungen geben lassen kann. Insbesondere das Erdgeschoss hält eine sehr hohe Informationsdichte geschriebener Informationen bereit, so dass einem irgendwann schon mal die Lust auf’s Lesen vergehen kann – schließlich ist man ja auch sehr neugierig auf das, was in den weiteren Bereichen des Museums geboten wird.

Kommt man dann dort an, gibt es schon mal das Risiko etwas enttäuscht zu werden. Der zweite Stock besteht im Wesentlichen aus einer sehr großen, toll restaurierten Halle, in der früher die Befragungen im Rahmen des „Legal Checks“ durchgeführt wurden. Insbesondere durch Fotografien des damaligen Aussehens kann man sich sehr greifbar vorstellen, welche Bedeutung dieser Ort für viele Millionen Immigranten die in New York ankamen, hatte. In den beiden Trakten an der Seite der Haupthalle gibt es dann zwei weitere Ausstellungen: Zum einen eine Abfolge von Räumen, in denen die einzelnen Schritte der Immigrationsprüfung (Gesundheitschecks, bei Bedarf psychische Tests etc.) recht detailliert beschrieben und gezeigt werden. Zum anderen gibt es eine Ausstellung diverser Exponate und zeitgenössischer Unterlagen zum Thema Immigration – hier kann man Reisepässe , Passagierlisten, Werbeplakate für Überfahrten und so weiter bestaunen. Alles in Allem ermöglicht der Besuch von Ellis Island – der Insel der Tränen – dem interessierten Touristen meiner Meinung nach ein recht gutes Bild von den Abläufen während der aktiven Zeit dieser Einrichtung zu erhalten. Andererseits hätte die Umsetzung des Museums meiner Meinung nach durchaus etwas „lebendiger“ und moderner sein können – hier hat halt jeder seine individuellen Präferenzen. Auch die Außenbereiche der Insel bieten übrigens eine hervorragende Sicht auf die Skyline und bieten sich für eine weitere Fotosession an (während unseres Besuchs war die brennende Sonne hierfür allerdings nicht ideal).

Von Ellis Island aus kehrten wir auf das Festland zurück, bewunderten kurz das Gewusel am Heliport (hier starten und landen wirklich im Minutentakt Helikopter) und fuhren anschließend mit der Metro zum Central Park. Um gleich vorweg mit einer Illusion abzuschließen: Auch im Central Park ist es nicht ruhig und nicht friedlich. Es ist zwar entspannter als in den Straßen Manhattans (und natürlich viel grüner), aber dennoch nicht wirklich still. Dennoch ist der Park sehr groß und lädt zu einem ausgedehnten Spaziergang ein. Es gibt große Wiesen, schöne Pfade, ausgedehnte Seen und immer mal sehr interessante Aussichten auf die umliegenden Gebäude in unterschiedlichsten Baustilen zu sehen. Einzelne Stationen des Parks – wie z.B. „The Mall“ – eine sehr breite und schöne Allee im Herzen des Parks – oder die Bethesda Terrace sind weltberühmt und waren schon Schauplatz in diversen Filmen. Insbesondere die Terrassen haben uns extrem gut gefallen, was sicherlich auch dem Umstand geschuldet ist, dass während unseres Besuchs ein sehr talentiertes Soul- und Jazz-Gesangsensemble in der Unterführung größere Menschenmassen anzog. Ernsthaft, die Darbietung von „The Lion Sleeps Tonight“ aus dem König der Löwen war der Qualität der von uns erlebten Aufführung in Hamburg meilenweit überlegen und hat für Gänsehaut gesorgt (wirklich!). Die Zeit verflog hier leider viel zu schnell.

Von der Bethesda Terrace aus statteten wir der Alice im Wunderland-Statue noch einen kurzen Besuch ab, da wir einen Quoten-Geocache für den Bundesstaat New York mitnehmen wollten, was zum Glück auch problemlos geklappt hat. Vom Cache aus begaben wir uns erneut zu einer Metro-Station, um Richtung Pier 83 zu fahren, wo wir Tickets für eine abendliche Fahrt rund um Manhattan buchen wollten. Dort angekommen ereilten uns zwei Probleme: Erstens wurde die Zeit etwas knapp, um von der Bahn-Station zum Pier und zurück und danach wieder dorthin zu laufen (wir wollten zwischendurch noch kurz shoppen), zweitens wurde der Himmel bedrohlich dunkel. Also verschoben wir die Ticket-Reservierung – es sollte ja notfalls auch ohne gehen – und gingen direkt zum Times Square. Weitere Unterhaltungsoptionen mussten leider ebenfalls entfallen, da die großen Museen bereits gegen 17:00 Uhr schließen und die von uns favorisierten Musicals heute nicht aufgeführt werden – man kann halt nicht alles haben. Unser kleiner Einkaufstripp war dafür, obwohl wir nur drei Stores gezielt angesteuert haben, sehr erfolgreich. Auf dem Weg von einem Shop zum nächsten passierte es dann: der Himmel öffnete sich und entließ größere Wassermengen in die Straßen von Manhattan. Es ist extrem beeindruckend, wie schnell plötzlich an jeder Straßenecke findige Verkäufer Regenschirme anbieten – man ist hier offensichtlich sehr flexibel. Durch den nun sehr grauen Himmel, der durch über die nächste Stunde hinweg nicht wesentlich heller wurde, wurde uns die Entscheidung bezüglich der Hafenrundfahrt ebenfalls genommen: wir schrieben sie geistig auf die Liste der Dinge, wie wir während des nächsten New York Aufenthalts noch machen wollen.

Mit bereits sehr schweren Füßen kämpften wir uns vom Shoppen in der Nähe des Central Parks aus nochmals quer durch die Innenstadt zum Times Square, welchen wir nun im „Dunkeln“ zu sehen bekamen – wow, das Feuerwerk an Licht und Geräuschen war abermals intensiver, ebenso das Gedränge der Massen. Wir bahnten uns – motiviert durch die guten Erfahrungen in Las Vegas – eher schlecht als recht unseren Weg zu Guy’s American Kitchen & Bar. Ohne an dieser Stelle zu sehr ins Detail zu gehen, würde ich das Lokal als eine Art gepimptes Hard Rock Cafe bezeichnen – mit durchaus ambitionierten Preisen. Knapp 20 Dollar für einen Cesars Salad (ohne Fleisch und / oder Hühnchen) und 9,50 Dollar für einen Käsekuchen (ohne Eis!) finde ich jedenfalls schon durchaus bemerkenswert. Aber es ist halt New York und die Qualität der gereichten Speisen war – ebenso wie der Service – ganz nett.

Nach einer letzten Bahnfahrt neigt sich unser New York-Stopp nun seinem Ende, und obwohl noch sehr viele mögliche Highlights offen geblieben sind, freue ich mich schon sehr auf unsere nächsten, sicherlich wesentlich entspannteren Stationen ohne Lärm, Parkplatzknappheit und permanenten Zigaretten-Gestank. Wir werden unserer Planung zu folge recht früh aufbrechen und die Stadt in Richtung Osten verlassen, wo unser nächster Stopp in Form der Hamptons auf uns wartet. New York bleibt als extrem intensive, facettenreiche und schier riesige Stadt zurück, deren Besuch sich im Prinzip als eigenständiger Urlaub anbietet.

New England States Tag 7: New York Part I – die Druckbetankung

Man stelle sich bitte kurz folgende Geräusche in wilder Mixtur vor: Rangierende LKWs, Hubschrauber, zirpende Grillen, Rüttelplatten, Autos, Flugzeuge, hupende Fahrzeuge, laute Musik, das Gebrabbel unzähliger Menschen, Werbereklamen, Polizei- und Rettungswagensirenen und dazu noch die U-Bahn, die im Untergrund immer mal deutlich wahrnehmbar vorbeirauscht. Der geneigte Leser möge bei Interesse bitte tatsächlich zumindest kurz versuchen alle diese Töne laut abzumischen (Referenzlautstärke: direkt neben einem laufenden LKW stehen .. Abstand vom Motor 1m), dann ergibt sich ein – zumindest meiner Meinung nach – einigermaßen realistischer Eindruck der Klangkulisse in New York City.

Nachdem wir uns nun gemeinsam auf die Erlebnisse in der Stadt die niemals schläft eingestellt haben, kann ich ja ein wenig von unserem Tag berichten. Alles begann mit einem ausgedehnten Spaziergang – zur U-Bahn. Unser Integrationsprogramm für Weltbürger sieht nämlich vor auch das öffentliche Verkehrsnetz intensiv zu erproben und so wäre es natürlich eher unpassend schnöde im Hotel in Manhattan zu schlafen. Stattdessen haben wir das malerische Brookyln als Ort unserer Übernachtung gewählt, wobei die Eindrücke je nach Kreuzung von „Wow, coole Lofts mit beeindruckenden Dimensionen“ bis zu „Ich bin ein verirrter Reisender, holt mich hier raus“ reichen. Insbesondere nach Einbruch der Dunkelheit kann das zuweilen schon mal spannend sein, wobei ich mittlerweile glaube, dass der Stadtteil wirklich sicher ist und man sich etwaigen Stress wirklich nur selbst macht. Kurze Erklärung zu unserer eher ungewöhnlichen Standortwahl: Aktuell findet die New York Fashionweek statt, was die Verfügbarkeit von Hotels in Manhattan extrem einschränkt.

Mit der Subway fuhren wir anschließend „nur“ ca. 25 Minuten nach Downtown Manhattan. Für jemanden der New York das erste Mal besucht, ist es schon ein ziemlich spannender Moment, wenn man die sehr heiße U-Bahn-Station verlässt (sicher über 25°C Lufttemperatur), der Treppe folgt und sich noch unterwegs fragt, wie die Stadt nun wohl in der Realität aussehen wird. Die dann folgenden Eindrücke wiederzugeben, ist gar nicht so einfach. Es ist immer noch laut, die meisten Gebäude sind unglaublich hoch und unfassbar groß und die Baustile wechseln sich scheinbar willkürlich ab. Nach wenigen Minuten beginnt man zu verstehen, warum gefühlt 99% der anderen Passanten Earsticks oder Kopfhörer tragen – mit einer gewissen Schalldämmung ließe sich die Stadt sicherlich viel besser genießen.

Etwas kulturgeschockt spazierten wir also von unserem „Landungspunkt“ direkt in Richtung High Line Park. Bei selbigem handelt es sich um eine Art grüne Oase in der Stadt, die dergestalt realisiert wurde, dass eine alte Stadtbahnstrecke begrünt und zu einem Park umgestaltet wurde. Dort wo früher die Bahnen fuhren – die Gleise sieht man übrigens noch – wachsen jetzt jede Menge Büsche, Sträucher und kleine Bäume und es bieten sich fantastische Aussichten auf die Stadt. Fast könnte man den Park als Rückzugsort betrachten, wäre da nicht der auch dort sehr hohe Lärmpegel (und sei es von dem freundlichen Freiwilligen, der den Müll einsammelt und dabei seine Tonne mit immenser Lautstärke hinter sich herzieht). In jedem Fall ist der High Line Park ein tolles Refugium mitten in der City, in dem man locker 45 – 60 Minuten verbringen kann und der übrigens keinen Eintritt kostet.

Vom High Line Park aus begaben wir uns auf einen ausgedehnten Spaziergang (das Wort hat in diesem Kontext allerdings fast schon Marketing-Charakter) durch die Innenstadt. Bekannte Bauwerke und Orte wie den Madison Square Garden (hier ließen wir uns übrigens einen frisch gemachten Smoothie für 6$ pro Stück am One Penn Plaza schmecken – genial), das Rockefeller Center, die Fifth Avenue, das Empire State Building, die New York Public Library, die Grand Central Station (extrem beeindruckend – unbedingt anschauen!) und vor dem Mittagessen abschließend den Times Square erkundeten wir mit unterschiedlicher Intensität. Insbesondere der Times Square ist schon eine Attraktion für sich, kann man die vielen Eindrücke der unzähligen Bildschirme doch kaum Greifen – unvorstellbar, wie es hier bei Dunkelheit sein muss.

Nach einer dringenden benötigten Stärkung (ich gebe zu, der Aufenthalt im Restaurant diente eher der Erholung unserer Füße und Ohren sowie als willkommene Abkühlung bei 29°C Außentemperatur), begaben wir uns mit der U-Bahn in Richtung 9/11 Memorial. Das gesamte World Trade Center Areal befindet sich nach wie vor im Umbau, weshalb es auch hier zu teilweise chaotischen Zuständen und wildem Gewusel kommt. Die „Gedenkstätte“ am Ground Zero ist aber bereits seit 2014 fertigstellt und kann seitdem auch besichtigt werden. Ich denke es ist schwer die richtigen Worte für diesen Ort zu finden (die Menschen die grinsend für ein Selfie vor dem Mahnmal passieren, sind aus meiner Sicht jedenfalls deplatziert), weshalb ich es eigentlich gar nicht erst versuchen möchte. Belassen wir es dabei zu sagen, dass das zwei großen Bassins mit den tiefen Wasserfällen und ihren kupfernen Einfassungen, die die Namen der Opfer tragen, schon bewegend sind. Als Ort der Erinnerung zwar anders ausgeführt, als ich es vermutet hatte, aber meiner Ansicht nach durchaus angemessen und auch der Weltsicht der US-Bevölkerung (think forward) entsprechend.

Vom World Trade Center unternahmen wir einen zweiten Spaziergang in Richtung Lower Manhattan und schauten uns dabei insbesondere die Wallstreet bzw. die New York Stock Exchange, die Raging Bull Statue und die Trinity Church an. Insgesamt lässt sich festhalten, dass überall wahnsinnig viel los ist, in New York wesentlich mehr als im Rest der von uns bisher besuchten USA geraucht wird und die Polizei-Präsenz unglaublich hoch ist. Zumindest letzteres gibt einem aber durchaus ein gutes Gefühl und man umklammert die Digitalkamera nicht permanent bis zur Blutarmut 😉

Um 17:30 Uhr begann dann unsere „Besichtigung“ des One World Observatorys – zumindest eine der bekannten Aussichtsplattformen wollten wir natürlich besuchen. Die Formalien im Vorfeld sind ganz einfach und laufen schneller ab, als von uns vermutet. Zuvor ausgedruckte Tickets zeigen, kurzer Sicherheitscheck (inklusive Körperscanner), durch drei eher unspektakuläre Ausstellungsräume schländern und dann mit dem Fahrstuhl nach oben fahren. Selbiger ist komplett mit Videopanels bestückt, auf denen die Fahrt nach oben als Zeitreise illustriert ist – von der grünen Wiese bis zum heutigen Stadtbild. Das ist ziemlich cool, geht aber viel zu schnell. Oben angekommen, gilt es dann nochmals ein kurzes Video zu schauen, an dessen Ende die Projektsflächen nach oben gefahren werden und man erstmals die Aussicht präsentiert bekommt – das ist ganz nett, reicht aber z.B. nicht an den „Wow-Effekt“ im Kennedy Space Center heran, wenn man plötzlich die originale Atlantis zu sehen bekommt.

Anschließend darf man noch eine kostenpflichtige Fotooption auslassen, bevor man endlich auf das sogenannte „Discovery Level“ darf – jener Etage mit einer 360°-Übersicht über die Stadt. Was soll man hierzu schreiben: Die Weitsicht und das Panorama aus dem 104. Stock, 406,6m über dem Meerespiegel, sind schon sehr beeindruckend. Schön ist auch, dass man rundum ganz nah an die dicken Scheiben rankommt (also kein Gitter etc.) und so fast ohne jegliche Sichtstörung auf die Stadt schauen kann. Je nach Stadt der Sonne kann man einige Richtungen besser Überblicken (kurz vor Sonnenuntergang z.B. Downtown), während andere Regionen (bei uns die Freiheitsstatue) durch das krasse Gegenlicht eher schlecht zu erkennen sind. Es gibt aber keinerlei Zeitbeschränkung, so dass man sich so lange wie gewünscht auf dem Aussichtsdeck aufhalten und die verschiedenen Eindrücke intensiv genießen kann. Der gesamte Raum ist übrigens angenehm klimatisiert (keine Eiswürfel-Luft) und die Geräuschkulisse ist zumindest okay. Es gibt mehrere Bänke (direkt an den Scheiben kann man nicht sitzen) und zwei sehr interessante Infostände, an denen während unseres rund 1,5 stündigen Besuchs sehr interessante Vorträge auf rhetorisch sehr ansprechende Weise gehalten werden. Die in diesen Sessions vermittelten Tipps sind durchaus spannend, weshalb es sich lohnt das One World Observatory zu Beginn der einer NYC-Reise zu besuchen. Einzig unser Plan tolle Sonnenuntergangsfotos zu machen ist ein wenig gescheitert – bei einsetzender Dämmerung werden drinnen Lichter angeschaltet, so dass sich vermehrt Reflexionen in den Scheiben zeigen. Für spannende Bilder bei Nacht hätten wir noch deutlich mehr Geduld haben müssen – das war nach rund 30.000 Schritten an diesem Tag und vor dem Hintergrund der noch anstehenden Rückfahrt nicht mehr drin. Wir beschränkten uns daher auf einige Aufnahmen des 9/11 Memorials bei Dunkelheit, was ich ebenfalls sehr stimmig fand.

Abschließend noch ein Hinweis zum One World Observatory: Es gibt scheinbar keine Einschränkungen was das Mitbringen von Getränken angeht. Man sollte sich daher ggf. in adäquatem Umfang selbstversorgen, da im Shop auf dem Aussichtslevel schon ein einfaches Wasser 5 Dollar + Steuern für  500ml kostet – heftig.

Insgesamt war ich grundsätzlich positiv davon überrascht, was wir heute schon alles gesehen haben. New York ist jedoch ein gewaltiger Energie-Dieb und zwingt den Körper durch (zumindest in unserem Fall) hohe Temperaturen, viel Lärm und mitunter weite Fußwege in die Knie. Auch die Orientierung ist bei den herausfordernden Umweltbedingungen nicht immer trivial, so dass man den ein oder anderen Meter zusätzlich einkalkulieren sollte. Abgesehen davon ist es fast schon erschreckend, wie viele Optionen noch offen geblieben sind. Ob nun eine Bootstour, ein Musical auf dem Broadway, eine geführte City-Tour, ein Shopping-Trip, eines der vielen hochkarätigen Museen oder ein Sundowner auf der Rooftop war – man weiß gar nicht, was man zu erst machen soll. Wir werden es morgen mal mit einem Besuch auf Ellis Island und im Central Park versuchen und schauen, wie wir den Tag sonst noch gestalten. Ich werde wie immer versuchen zu berichten und hoffe, dass meine kurze Schilderung über unsere ersten Eindrücke von New York interessant und kurzweilig war 🙂

New England States Tag 5: White Mountain National Forest

Tag sechs unserer Rundtour durch die Neu England-Staaten stand erneut ganz im Zeichen der Natur – dieses Mal allerdings etwas (eigentlich sogar signifikant und vor allem unerwartet) actionreicher als im Acadia. Doch der Reihe nach.

Schon auf dem kurzen Weg zum Frühstück gab es das ein oder andere Vorzeichen, dass zumindest unser Vormittag unter keinem glücklichen Stern stehen könnte. Es nieselte leicht, es war kalt (ca. 18°C), im „Zielgebiet“ herrschte Gewitterwarnstufe 2 und die Niederschlagswahrscheinlichkeit sollte bis mindestens 14:00 Uhr unerfreulich hoch bleiben. Aber was soll’s – Dani hat da immer so motivierende Sprüche von wegen Regenjacken und unsere neue Kamera nebst Objektiv verfügt glaube ich auch über irgendeine vom Marketing weichgespülte Feuchtigkeitsbeständigkeit. Als starten wir leicht skeptisch aber voller Hoffnung gegen 08:00 Uhr auf unseren Trip in den White Mountain National Forest gen Westen.

Bereits nach wenigen Kilometern legten wir einen ersten kurzen Zwischenstopp ein, da wir die erste „Covered Bridge“, also eine überdachte Holzbrücke, erreichten. Wir parkten unmittelbar vor diesem ikonischen Bauwerk und erkundeten zudem den Bereich unmittelbar darunter – hier lassen sich zur Saison jeden Tage vergnügte Menschen auf Schwimmreifen und anderen Wassersportgeräten von der Strömung entlang treiben. Aus verständlichen Gründen (und geringem Wasserstand) gab es derartige Vorgänge heute leider nicht zu bewundern. Während der Weiterfahrt sahen wir jedoch unzählige Fahrradfahrer (teilweise sogar auf Tandems) die gegen Sturm und Regen (Achtung: Spoiler) ankämpften – an Motivation mangelt es den hiesigen Sportlern offensichtlich nicht.

An unserem ersten Halt im National Forest galt es auch die erste Krise des Tages zu überstehen. Unsere eheinternen Auffassung zum „Self Service“ bezüglich der Parkgebühr (gigantische 3$ die man in einen Umschlag wirft, von dem man ein perforiertes Stück abtrennt und sich an den Spiegel hängt) waren nicht gänzlich kongruent. Anders formuliert hatte Dani gewisse Zweifel, ob dieser gänzlich undigitalisierte Prozess auch tatsächlich sinnvoll und funktional ist. Wie dem auch sei, nach einer kurzen Phase der Diskussion konnten wir uns die Lower Falls am östlichen Ende des Parks endlich in Ruhe und mit reinem Gewissen anschauen. Ein ziemlich niedlicher Ort mit einem mehr oder weniger kleinen Wasserfall, der sich malerisch durch das Tal schlängelt. Über die extrem glitschigen Steine zu kraxeln um den besten Foto-Spot zu erreichen macht richtig Spaß, falls es nicht gerade anfängt zu regnen und / oder man etwas unkontrolliert über die Felsen rutscht. Beides – sowohl der Regen, als auch das Rutschen – fühlen sich potentiell bedrohlich für die Kamera an und je größer die Tropfen werden, desto weniger vertraut man dem Marketing. Glücklicherweise schafften wir es unversehrt zurück ins Auto, bevor der Regen so richtig loslegte. In Deutschland würden wir vermutlich von einem Platzregen sprechen 😉 Um nicht zu viel Zeit zu verlieren, setzten wir unsere Reise trotzdem fort – bei den erlaubten 40 Meilen pro Stunde ist auch stärkerer Regen eher kein Problem für Mensch und Maschine.

Glücklicherweise klarte es bereits auf, als wir das erste Highlight des Tages erreichten: den Flume Gorge (Gorge spricht man übrigens wie „gordsch“ – gar nicht so einfach). In Deutschland würden wir zu diesem Wunder der Natur „Klamm“ sagen, einen Kiosk irgendwo in die Nähe bauen und die Menschen würden glücklich und unbescholten die tosenden Wassermengen, umgeben von einer tiefen Schlucht, bewundern. In Amerika wird ein Visitors Center nebst Souvenirshop, Kino (für den Imagefilm), Bus-Shuttle (für die körperlich herausgeforderten), Toiletten (mit besonders geringem Wasserverbrauch) und Cafeteria gebaut. Außerdem werden entlang des Pfades alle ca. 300m „Rain Shelter“ gebaut, an denen man meist nochmals das Nötigste – also Erinnerungsstücke und / oder Essen – kaufen kann. Das ist seeeehr besucherfreundlich, äußerst professionell und rechtfertigt dann selbstverständlich einen Eintrittspreis von 16$ pro Person (für ca. 1 – 1,5h Aktivität). Das klingt jetzt alles zugegeben etwas (zu) böse, denn der Flume Gorge selbst ist wirklich ganz toll. Startet der Trail am Anfang noch recht flach entlang eines friedlich plätschernden Baches, wird es irgendwann immer steiler. Am spannendsten Punkt steht man auf einem hölzernen Steg mitten in der Klamm, links und rechts die ca. 5m aufragenden Felsen, unter einem der laut rauschende Bach, an der Wand neben einem 100 Jahre alte Algen – das ist schon richtig cool. Zum Glück war während unseres Besuchs recht wenig los, so dass wir weder gehetzt waren noch andere hetzen mussten; es blieb immer Gelegenheit für ausreichend viele Fotos aus unterschiedlichsten Perspektiven.

Nachdem man der Klamm entstiegen ist, führt der weitere Trail auf schönen Pfaden durch das Gelände, wobei es immer mal kleinere Aussichtsplattformen und nette Erklärungsschilder gibt. Etwas bemerkenswerter ist gegen Ende der „Pool“, eine Art Becken mit kreisförmiger Strömung, über das eine weitere Covered Bridge führt. Das ist alles ganz schön, aber doch eher unspektakulär (wer mal im Harz war und das Bodetal kennt – es kostet übrigens keinen Eintritt – wird von dem Kessel am Flume Gorge jedenfalls nicht allzu beeindruckt sein).

Nach einer kleinen Stärkung in der urigen Cafeteria im pompösen Besucherzentrum fuhren wir zum Lost River Gorge and Boulder Caves. Der Name klingt zugegebenermaßen sperrig, weckt irgendwie Erinnerung an die Station zuvor und ich muss zugeben mit völlig falschen Vorstellungen an diesen Part unseres Tagesplans gegangen zu sein. Zu Beginn gilt es zunächst einen Souvenirshop zu durchqueren und die Eintrittsgebühren von „nur“ 18$ pro Person begleitet von einer kurzen Erklärung („You will follow a one mile trail which will usually take  between one and one and a half hours; ihr folgt einem Pfad der ca. 1 Meile lang ist, was ca. 1 – 1,5h dauern wird“) zu entrichten. Danach geht es zunächst sehr unspektakulär über diverse Holzstege und Treppen, was doch verdächtig an Flume Gorge erinnert. Dann gelang man plötzlich an den „Wendepunkt“ des Pfades und eine erste „Höhle“. Es handelt sich im Prinzip um eine Art Höhle mit offener Decke, die man nur durch eine halbhohe Öffnung betreten und verlassen kann. Natürlich gibt es hierzu ein Erklärungsschild, das einem genau erläutert wie man rein und rauskommt, dass es keinen dedizierten Ausgang gibt und wie dieses „Gebilde“ entstanden ist (es ist der Moment in dem du dich fragst, warum auf dem Schild nicht auch noch steht „Niemals das atmen vergessen“). Das ist auch der Augenblick, in dem sich das Wort „Touristennepp“ beginnt im Hinterkopf zu manifestieren. Aber dann gelangt man über einige weitere Holztreppen – inklusive ganz netter Aussicht auf die nicht allzu tiefe Klamm – zu einer zweiten Höhle. Es folgt eine kurze Überlegung, ob der Eingang nicht irgendwie relativ klein aussieht, bevor man sich plötzlich mittendrin befindet, sich den Rucksack wechselweise übergibt und irgendwie leichte Zweifel aufkommen, ob alle Kleidungsstücke den Tag überstehen werden. Spätestens bei der Höhle mit dem klangvollen Namen „Lemon Squeezer“ realisiert man final, was man hier tut: Man befindet sich in einem Kletterwald, nur eben für’s Höhlen-nun ja -durchkrabbeln. Ganz im Ernst, wenn man dann plötzlich schräg in einer Felsspalte klemmt, schräg hinter einem der Fluss laut rauscht und man sich jetzt überlegt, wie man den Kopf als erstes durch die kleine Öffnung rechts neben dem Fuß bekommt, dann hat das schon einen gewissen Unterhaltungswert. Es ist der Moment, in dem man die Diskussion „Schatz, wollen wir das wirklich?“ nur liebevoll in die Richtung „Wir sind doch schon soweit gekommen“ lenken kann, um zu erfahren, wie es hinter dem nächsten 90° Knick in fast völliger Dunkelheit weitergeht. Eigentlich kann ich immer noch nicht so richtig glauben, was wir da gemacht haben. Es war die mit Abstand unamerikanischste Erfahrung aller USA-Reisen und ich wüsste auch nicht, in welchem anderen bekannten (sicheren) Reiseland man ein derartiges Abenteuer erleben kann. Klar, eigentlich krabbelt man nur durch 5 – 15m kurze Höhlen, aber uneigentlich hat man keine Stirnlampe, keinen Helm und keine Knieschoner um durch die mitunter sehr engen Röhren zu gelangen, die man teilweise nur auf dem Bauch liegenden durchqueren kann – während immer mindestens ein Körperteil Kontakt zum Fels hat. Wie ich bereits sagte: ein Abenteuer mit nachdrücklichem Charakter.

Nach den spannenden 11 Höhlen folgen noch weitere Stege und Treppen inklusive Schwebebrücke, die einen aber ziemlich kalt lassen, wenn man sich erst einmal komplett eingesaut und den innereren Schweinehund überwunden hat – ich spare daher weitere Details an dieser Stelle aus.

Als wir am Lost River fertig waren, war es ca. 14:45 Uhr und unsere restliche Tagesplanung hatte ein gewisses Loch: zur nächsten Unterkunft waren es nur ca. 30 Minuten; die möglichen Kandidaten für weitere Stationen befanden sich aber allesamt mindestens 1h entfernt und hatten nur bis 17:00 Uhr offen. Wir entschieden uns trotzdem zu Vermonts größtem Maislabyrinth zu fahren – auch auf das Risiko hin, dass wir möglicherweise nicht mehr eingelassen werden würden. Allein die Fahrt zum und vom Corn Maze war jedoch ein echtes Highlight. Die letzten 10 Kilometer ging es über sehr gut befestigte Feldwege, auf denen das Tempolimit teilweise höher als auf den Highways (also bei gigantischen 35 Meilen pro Stunde) war. Ich fühlte mich massiv an eine Rallye-Sonderprüfung erinnert und Worte wie „Schotter, Kurve links, nicht schneiden“ geisterten durch meinen Kopf. Je näher wir unserem Ziel kamen, desto unsicherer wurde ich, denn weit und breit stand kein Schild, welches auf das Labyrinth verwies. Erst unmittelbar vor unserer Ankunft – an der letzten Kreuzung irgendwo im nirgendwo – in Deutschland würde man sagen auf einem Feldweg – plötzlich eine Notiz am Baum: Maze 623ft. Und schon waren wir da. Und schon mussten wir erkennen, dass das letzte Highlight des Tages keines werden würde, denn es war geschlossen (letzter Einlass 15:00 Uhr, Zeitbedarf für die verirrende Erfahrung laut Betreiber mindestens 2,5h). Trotzdem genossen wir die Aussicht von der Farm und schlossen Freundschaft mit der Kuh Mercedes und ihrem Bullenkalb Benz (die hießen wirklich so). Am Horizont konnte man auch ihre Freunde mit den vermuteten Namen „Dr.“, „Ing.“, „h.“, „c.“, „f.“, „Porsche“ und „AG“ auf der Weide sehen, aber für ein Gruppenbild kamen wir nicht nah genug ran.

Also fuhren wir unverrichteter Dinge wieder nach Süden zu unserer nächsten Unterkunft im malerischen Städtchen Quechee (oder wie unser Navi sagt „Kitschi“). Die Landschaft Vermonts war derart faszinierend, dass wir die Interstate rechts liegen ließen und nahezu die gesamten rund 100km über die US 5 fuhren. Ernsthaft, ich habe glaube ich noch nie so viele saftige Weiden, grüne Hänge und  sanfte Hügel wie hier gesehen. Noch dazu wirkt alles unglaublich aufgeräumt und sauber, gerade so, als würden sich sämtliche Ortschaften auf eine Parade vorbereiten. Unsere Gastgeberin erklärte uns später übrigens das man sagt in Vermont leben wahrscheinlich mehr Kühe als Menschen – sehr sympatisch 😉

Bevor wir den Abend ausklingen ließen, besuchten wir kurz vor Sonnenuntergang nach ganz kurz die (den?) Quechee Gorge – denn auch dieser kleine Ort hat seine eigene Klamm. Diese ist wirklich unfassbar tief, aber bei Weitem nicht so malerisch wie die gegen Eintritt erkundbaren Pendants in den White Mountains.

Morgen widmen wir uns dann einer weiteren landwirtschaftlichen Erfahrung, bevor wir am Abend in New York eintreffen werden. Auf das anstehende Kontrastprogramm zu unserem bisher sehr friedlichen Trip bin ich äußerst gespannt und hoffe berichten zu können.

New England States Tag 4: Hello, New Hampshire

Nachdem ich in der Zwischenzeit erfahren habe, dass unser Reisebericht tatsächlich von ganz lieben Menschen tagesaktuell verfolgt wird, fühle ich mich natürlich aufgefordert auch an Transfertagen – wie heute – zumindest einen kurzen Abriss über unsere heutigen Erlebnisse zu geben.

Fangen wir mit einem der angenehmen Aspekte des Tages an: dem Frühstück. Da wir uns heute trotz günstiger Wetterbedingungen (0% Bedeckung zum Sonnenaufgang) gegen einen Early Bird Trip zum Cadillac Mountain entschieden haben, hatten wir durch eine zeitlich optimierte Planung unserer morgendlichen Tätigkeiten die Gelegenheit in den Genuss des hausgemachten Frühstücks in unserer Unterkunft zu kommen. Dieses war – wie wir bereits antizipiert hatten – großartig. Also zumindest von der Auswahl und vom Geschmack her. Die etwas „gediegene“ (man könnte auch sagen düstere) Atmosphäre nebst „Wir klatschen unseren Namen“-Musik aus dem BOSE-System war im besten Fall etwas speziell – aber der Start in den Tag war gesichert.

Anschließend steuerten wir – wie gesagt bei besten Bedingungen – den Cadillac Mountain an. Wie durch eine große glückliche Fügung hatten wir erneut keine Hindernisse auf der Straße und erreichten unser Ziel weniger als 15 Minuten nach Verlassen des Hotels (Einschub: Du merkst, dass du diesen Sommer zu viel Porsche gefahren bist, wenn du vor einer Kurve gedanklich die Kupplung trittst, in den zweiten Gang schaltest, das Zwischengas förmlich hören kannst und du mit jeder Faser spürst, wie dich das Sperrdifferential bei zunehmender Querbeschleunigung aus der Kurve zieht. Wenn du dich dann dabei ertappst die hierzu passenden Geräusche leise [?] zu imitieren, kannst du dir bezüglich deiner Diagnose 100%ig sicher sein).

Oben angekommen war es sehr faszinierend das Kontrastprogramm zu unserem letzten Besuch zu erleben. Statt dickem Nebel gab es in alle Richtungen eine grandiose Aussicht zu bewundern, die zusätzlich durch den Umstand aufgewertet wurde, dass in der Bucht unmittelbar vor Bar Harbor ein großes Kreuzfahrtschiff festgemacht hatte. Ich fühlte mich sofort wahlweise an Fluch der Karibik oder Master and Commander erinnert, so „dominant“ wirkte das riesige Schiff in der kleinen Bucht vor dem fast schon winzigen Hafen. Die Anleger von Bar Habor sind in der Tat so klein und so flach, dass permanent zwei Shuttle-Boote zwischen dem Kreuzfahrer und dem Kai pendelten. Auch sonst war es faszinierend den Fast-Rundumblick über Mount Desert Island zu genießen und die verschiedenen Stationen unseres Besuchs nach und nach zu entdecken. Rückblickend betrachtet ist es sicher keine schlechte Idee den Cadillac Mountain frühzeitig zu besuchen und so ein gutes Verständnis für den Aufbau des Parks zu bekommen – zumindest falls die Sicht mitspielt 😉

Vor der höchsten Erhebung der Region aus steuerten wir noch einmal meinen Lieblingsplatz im Nationalpark an: das Ottercliff. An der Klippe sitzend dem Rauschen der Wellen und dem Läuten der Rifftonne (ich weiß, könnte das Wort der Woche werden) zu lauschen, ist zusammen mit der fantastischen Weitsicht einfach eine sehr schöne und beruhigende Erfahrung. Sozusagen perfekt als akustische Untermalung zum Einschlafen nach einem harten Tag. Dani schlug bereits vor eine solche Tonne auf unserem Balkon zu installieren – wir konnten das noch nicht abschließend klären.

Anschließend verließen wir den Park auf direktem Weg zurück nach Bar Harbor, da uns die freundliche Dame an der Parkinformation neben dem „spannenden“ Tipp bezüglich der Tide Pools von gestern zusätzlich den Rat gegeben hatte die Sandbänke vor Bar Island bei Ebbe zu erkunden – der ideale Zeitpunkt sei gegen 10:30 Uhr. Wir waren 10:20 Uhr da und sofort sehr positiv überrascht. Bei Niedrigwasser kann man von Bar Harbor aus trockenen Fußes auf einer sehr breiten Sandbank nach Bar Island laufen (und übrigens auch fahren, man darf nur nicht auf dem vom Wasser bedrohten Bereich parken) und dabei ganz entspannt im flachen Wasser spazieren, Möwen bei der Jagd nach Krebsen beobachten und das Panorama der Bucht bewundern. Insbesondere mit dem großen Kreuzfahrtschiff im Hintergrund ergab sich eine faszinierende, fast schon unwirkliche Szenerie – es wird wirklich Zeit für Fotos. Wie fast überall in der Natur ist es übrigens sehr beeindruckend, von wie vielen Lebewesen man umgeben ist, wenn man einfach mal zwei Minuten im flachen Wasser still stehen bleibt. Plötzlich schwimmen überall kleine Fische, durchsichtige Mini-Garnelen krabbeln über den Grund (ja, ein Biologe ist definitiv nicht an mir verloren gegangen) und kleine Krebse verstecken sich ängstlich unter Steinen – schon cool.

Nachdem wir die Sandbänke und das flache, warme Wasser ausgiebig erkundet hatten, wurde es Zeit Mt. Desert Island bzw. dem Acadia Nationalpark den Rücken zu kehren. Als wir vor zwei Tagen ankamen, hätte ich nicht gedacht, dass uns dieser beschauliche Fleck Erde so ans Herz wachsen würde. Der Nationalpark mit Bar Harbor als Epizentrum ist sehr facettenreich, angenehm belebt (an manchen Stellen zu belebt) und dabei noch „greifbar“. Die Hotspots sind überschaubar und gut erreichbar, die Trials übersichtlich und nicht zu monoton und die Distanzen nicht zu lang. Insgesamt aus meiner Sicht eine ganz tolle Empfehlung für zwei bis drei Nächte.

Nun begann der langweilige Tag des Tages: Rund 4h Fahrt gen Westen nach North Conway, recht knapp hinter der Grenze zu New Hampshire gelegen. Unterwegs wurde uns wieder einmal der Pragmatismus des amerikanischen Straßenbaus vor Augen geführt. Da fährst du einen geteerten, ebenen, ziemlich geraden Highway (!) entlang, der plötzlich quasi im Nichts endet. Ernsthaft, plötzlich endet der Teer (manchmal fährt man dann wirklich nur noch auf fester Erde, manchmal zumindest auf Resten von Asphalt), große Schlaglöcher tun sich auf und man fragt sich, ob die Welt gleich endet. In den meisten zivilisierten Ländern dürfte man solche Strecken vermutlich gar nicht legal mit Mietwagen befahren („keine unbefestigten Straßen“). Wir haben dieses „Happening“ nun mehrfach in Maine erlebt und insbesondere heute zog es sich über mehr als 10 Meilen in die Länge – schon heftig. Heftig ist vermutlich auch die Job-Beschreibung der sog. Flagger – das sind die armen Jungs und Mädels deren Pendant in Zentraleuropa Baustellenampel heißt. Ernsthaft, ich habe keine Ahnung, wie man acht Stunden oder mehr am Tag sein „Stopp“-Schild anschauen und dieses periodisch auf „Slow“ drehen kann – bei jedem Wetter, zu jeder Jahreszeit.

Gegen 17:00 Uhr erreichten wir unsere nächste Übernachtungsstation in North Conway – direkt an den White Mountains. Leider verlief unsere Ankunft nicht ausschließlich positiv: Es regnete und unser Hotel (140$ / Nacht) war etwas „speziell“ (das ist das freundliche Wort für total daneben). Eine Auswahl der bemerkenswerten Features: Frühstück nach vordefiniertem Menü ohne Auswahl, Frühstück in Gruppen nach vorausgewählter Terminoption, Haare der Vormieter an diversen Stellen im Raum – damit man sich zu Hause fühlt, WLAN nur sporadisch an wechselnden Positionen im Raum, gut eingewohnte Innenausstattung aus den 80er Jahren – garantiert gut ausgelüftet und eingewohnt. Suboptimal und definitiv nicht zum Wohlfühlen, aber wir werden hoffentlich weiter ziehen, bevor die negativen Schwingungen auf uns abfärben können.

Den Abend verbrachten wir dann im hiesigen, Settlers Green genannten, Shopping-Center. Dieses ist zwar nicht als klassisches Outlet-Center geführt, aber in New Hampshire wird für Kleidungsstücke bis 150$ Warenwert kein Sales Tax (also keine Mehrwertsteuer) fällig. Dadurch ergeben sich zumindest in der Theorie ganz nette Möglichkeiten für Schnäppchen, die wir zumindest bedingt erfolgreich in die Praxis umsetzen konnten. Im Vergleich zu Kalifornien und vor allem Florida sind die lokalen Shopping-Möglichkeiten aber eher enttäuschend – sowohl was das Design der lokalen Stores, als auch was die Preise und Auswahl angeht. Insbesondere die Malls in Florida waren hier schon ganz weit vorn.

So neigt sich unser vierter Tag in Nordamerika dem Ende – und wir sind nach wie vor guter Laune. Wir haben schon einige sehr schöne Momente erlebt, die ein oder andere Enttäuschung verdaut und gemeinsam sehr viel gelacht. Morgen werden wir (hoffentlich) die White Mountains erkunden und dabei vermutlich stellenweise die aktuellen Temperaturen in Deutschland um 50% unterschreiten – falls wir nicht erfrieren, werde ich an gewohnter Stelle berichten 😉