New England States Tag 3: Acadia

Tag 3 unserer Reise in den Nordosten der USA stand ganz im Zeichen der Natur und ausgiebiger Spaziergänge. Auf Grund der „etwas“ deprimierenden Wetterverhältnisse am Vortag beschlossen wir die Nacht mit Hinblick auf eine angestrebte Ergebnisintensivierung zu verkürzen und noch vor 07:00 Uhr in unser Erlebnis Acadia zu starten.

Etwas nachteilig gestaltete sich in diesem Zusammenhang die Frühstücks-Offerte in unserer sonst sehr urigen und gemütlichen Unterkunft: Speisen werden nur zwischen 08:00 und 10:00 Uhr gereicht. Hoch motiviert beschlossen wir daher ohne morgendliche Nahrungsaufnahme aufzubrechen bzw. diese auf einen Snack im Rahmen unserer ersten Wanderung zu verlagern – okay, manchmal muss man sich halt auch in Verzicht üben.

Unsere Fahrt in den Park begann dann erneut etwas enttäuschend: Zwar war es angenehm leer (wirklich eine immense Wohltat gegenüber dem Vortag), aber der Nebel war – absolute Windstille sei Dank – geblieben. Also hatten wir die Felsen zwar für uns, konnten aber dennoch nicht erkunden, wo sich die so nahklingende Rifftonne befand. Den Spaß am Thunderhole – am Donnerloch – ließen wir uns trotzdem nicht nehmen. Es handelt sich dabei um eine Art Grotte, in die das Wasser strömungsbedingt mit den Wellen eindringt und je nach Intensität der Bewegung keine andere Option hat, als Wild in die Höhe zu spritzen. Außerdem erzeugt es dabei ein Geräusch, das in der Tat wie ein kurzer, aber kräftiger Donner klingt. Wir haben so ähnliche „Phänomene“ schon in Kalifornien im Point Lobos Statepark und zum Beispiel auf den Azoren an den Termas da Ferrarria (von mir liebevoll Ferrari-Thermen genannt) gesehen, aber das Thunderhole im Acadia ist ganz besonders beeindruckend. An dieser Stelle muss ich erwähnen, dass zum Zeitpunkt unseres Besuchs Niedrigwasser und relativ wenig Bewegung im Meer war – bei Sturm bleibt hier sicherlich wortwörtlich sicher kein Auge trocken.

Nach dem Besuch an der Donnergrotte fuhren wir wenige Meter weiter zum Parkplatz am Gorham Mountain Trail. Dieser beginnt landschaftlich sehr beeindruckend mit einem sanften Anstieg, der komplett über relativ glatte Felsen führt. Sieht im Prinzip ein bisschen aus, wie fast jedes Sandsteingebirge in Deutschland, wandert sich aber sehr schön. Dank der hervorragenden Ausschilderung in Form sehr frequent aufgebauter Steinformationen kann man sich praktisch nicht verlaufen und sich ganz auf das Naturerlebnis einlassen, dass sich einstellt, wenn man bei 23°C und extrem hoher Luftfeuchtigkeit beginnt einen Berg zu erklimmen. Damit es nicht zu langweilig wird, bogen wir zwischendurch auf den Cadillac Cliff Trail ein, der das Schwierigkeitslevel nochmals ein wenig intensivierte.Hier ging es stellenweise schon mal über Steigeisen und durch ganz kurze „Höhlenabschnitte“ – ziemlich cool. Auf dem Mount Gorham angekommen wurde es endlich Zeit für das verdiente Frühstück in Form ganz leckerer Bagel nebst Schokokeksen und „Poland Springs“-Water – ein Genuss. Leider blieb uns die sicherlich extrem faszinierende Aussicht auf das Meer verwehrt, so dass wir dessen Nähe durch das permanente Brummen der Motoren der Krabbenkutter antizipieren mussten. Im weiteren Verlauf ging es mal mehr, mal weniger steil bergab, bevor wir einige Kilometer später wieder am Wanderweg parallel zur Park Loop Road herauskamen. Da dieser Abschnitt eher weniger malerisch war, lasse ich eine weitere Beschreibung aus.

Zurück am Auto trockneten wir kurz unsere etwas durchgeschwitzte Kleidung („Deuter hat versprochen, dass der total atmungsaktiv ist“), bevor wir weiter in Richtung Ship Harbor im Südwesten fuhren. Hier parkten wir direkt an der Straße und folgten dem ca. 1km langen Wonderland-Trail (cooler Name, oder?) zum Meer. Bei der Einfahrt in den Park hatten wir uns zur Bewunderung des 15 Minuten langen Imagefilms überreden lassen, in welchem „Gezeitentümpel“ (Tide Pools) gezeigt wurden und gemäß Schilderung der freundlichen Volunteers sollten die Aufnahme genau an dem von uns nun angesteuerten Ort entstanden sein. Seit Point Lobos sind wir totale Tide Pool-Fans und waren sehr gespannt, ob wir nun hier Seesterne und See-Igel entdecken würden. Taten wir nicht. Neue Erkenntnis: Manche Gezeiten-Becken sind großflächig mit Seegrass überzogen, welches man auch im trockenen Zustand nicht so wirklich durchqueren möchte. Macht nichts, zumindest das Wetter spielte nun endlich mit und verwöhnte uns mit blauem Himmel, 30°C und guter Sicht.

So traten wir die Rückreise in Richtung Bar Harbor an, nicht ohne Zwischendurch Halt in Southwest Harbor zu machen. Hier nahmen wir im netten Restaurant „The Upper Deck“ eine leckere Stärkung mit toller Sicht über den Hafen zu uns – sehr nett und dringend benötigt. Anschließend fuhren wir über mehrere kleine Zwischenstopps zu einem Parkplatz nördlich von Northeast Harbor, um eine weitere Wanderung über die sog. Carriage Roads zu unternehmen. Es handelt sich dabei um befestigte Wege durch den Nationalpark, die von der Fam. Rockefeller erworben und bewusst nicht geteert, sondern in diesem Zustand erhalten wurden (historische Ungenauigkeiten seien dem Autor bitte verziehen). Diese werden nun mehr oder weniger intensiv von Fahrradfahrern, Wanderern und Reitern frequentiert und intensiv beworben. Was soll ich sagen: Der Spaziergang über die sehr gut ausgebauten Wege führt durch schöne Natur, ist sehr trittsicher und bestens ausgeschildert. Unterwegs gibt es immer wieder schöne Steinbrücken zu bestaunen, an denen man meist auch auf etwas „wildere“ Trails abbiegen kann. Diese sind dann – wir haben das ausprobiert – etwas unterhaltsamer, aber dennoch gut ausgeschildert. Ab und an gibt es kleine Bäche, niedliche Holzbrücken und schöne Sichtachsen zu bewundern – alles in allem sehr nett. Positiv ist die Abgeschiedenheit dieser Region, die ebenso wie Southwest Harbor zuvor bei Weitem nicht so frequentiert ist, wie die Park Loop Road mit den klassischen Hotspots Thunderhole, Sand Beach, Jordan Pont und Ottercliff. Dennoch fanden wir die Carriage Roads jetzt nicht so beeindruckend, dass wir das Bedürfnis verspürt hätten die Wanderung signifikant auszudehnen. Ein Abstecher zum Bee Hive Trail mit Steigleitern bei Sonne würde mich da schon mehr reizen.

So kamen wir nach rund 2h wieder am Auto an und steuerten nochmals den Parkplatz am Ottercliff an – wir wollten wenigstens einmal die Aussicht mit Sonne und blauem Himmel genießen. Dies hat erstaunlich gut funktioniert, so dass wir nun auch endlich (!) die Rifftonne erspähen konnten, die, wenn man einmal die wilde Gischt ganz in ihrer Nähe gesehen hat, völlig zu Recht ununterbrochen läutet. Am Ottercliff wurden wir ein Weiteres mal mit einer auffälligen Besonderheit während unseres Besuchs hier konfrontiert: Das Durchschnittsalter ist extrem hoch und viele „Abenteurer“ scheinen den körperlichen Herausforderungen der lokalen Attraktionen teilweise nicht (mehr) gewachsen zu sein. Wenn man erwachsene Menschen beim Aufstieg vom Ottercliff zurück zur Straße an 30cm hohen Treppenstufen verzweifeln sieht, tut das schon weh.

Nach dem Ottercliff fuhren wir ein weiteres Mal über die Park Loop Road und kamen ca. 40 Minuten später in Bar Harbor an. Hier duschten wir kurz, bevor wir uns auf einen Spaziergang in die niedliche „Innenstadt“ und an den Hafen begaben – auch hier wollten wir nochmals die Aussicht ohne Nebel und bei Tageslicht genießen. Dabei bestätigten sich im Wesentlichen unsere Impressionen von gestern: „Bahaba“ ist malerisch, recht kompakt, ziemlich überlaufen, sehr klischeehaft und dennoch schön. Die Aussicht auf die kleinen Boote im Sonnenuntergang ist schon ziemlich stimmungsvoll und die Utensilien der Fischer bieten immer wieder interessante Motive mitten im geschäftigen Treiben (wie schön wäre es, wenn wir jetzt schon Fotos hier hätten). Unterwegs genossen wir übrigens je eine Scoop Eis für nur 4,10$ pro Stück, wobei die Portionsgröße eher 3-4 Kugeln nach europäischem Standard entsprach. So gestärkt beschlossen wir das Abendessen hinter die Stoßzeit zu verlegen und dafür das Bloggen nebst Packen etwas vorzuziehen.

Morgen früh werden wir nochmals den Acadia unsicher machen, bevor wir gegen Mittag die rund fünf stündige Fahrt nach Conway im Westen antreten werden. Hier werden wir vielleicht noch einen kurzen Shopping-Stopp einlegen, bevor wir übermorgen die White Mountains unsicher machen werden.

Kalifornien Tag 3: Warner Bros. Studios & Griffith Observatory

Unser dritter und zugleich letzer Tag in Los Angeles sollte – mehr oder weniger unerwarteter Weise – das bisher größte Highlight unserer Tour für uns bereithalten: Die Warner Bros. Studio Tour. Man muss an dieser Stelle ein wenig aufpassen, denn oftmals wird mit dem Begriff Studio Tour ein Besuch der Universal Studios assoziiert, die ja im Prinzip einen Vergnügungspark mit Fahrgeschäften, Snack-Buden, Souvenirständen usw. vor dem Hintergrund einer „Movie-Szenerie“ darstellen. Die Warner Bros. Studio Tour hingegen würde ich eher mit einer Werksbesichtigung bei einem Automobilhersteller wie z.B. VW oder Audi vergleichen. Man erhält die seltene Möglichkeit einen Blick hinter die Kulissen an einem Ort zu werfen, der einem sonst gänzlich fremd ist. Wie auch beim Besuch des Fabrikbands bei der Fahrzeugherstellung bekommt man das „Produkt“ (in diesem Fall also Filme und Serien) aus einer gänzlich anderen Perspektive zu sehen – je nach persönlicher Interessenlage absolut faszinierend.

Der Grad der Attraktivität der Studio Tour hängt sicherlich immer ein wenig davon ab, wie hoch die eigene Affinität gegenüber filmischen Werken ausgeprägt ist und welche Formate man genau präferiert. Warner Bros. ist aber an derart vielen aktuellen und historischen Produktionen beteiligt, dass für jeden etwas dabei sein sollte. Das fängt bei legendären Serien wie Emergency Room / ER, Two and a half Men und Friends an und setzt sich u.a. bei Chuck, Heart of Dixie, The Mentalist, Castle und Pretty little Liars fort. Auch filmische Highlights wie Matrix, Master and Commander, Herr der Ringe, Inception und viele weitere wurden zumindest in Teilen auf dem riesigen „Lot“ der Warner Bros. Studios produziert. Je mehr Bezug man zu diesen Werken hat, desto intensiver wird die Erfahrung während der Tour. Da erkennt man plötzlich Szenerien wieder, von denen man niemals geglaubt hätte, dass das Original wirklich so aussieht. Die Metro-Gleise in Chicago beispielsweise, unter denen sich bei Emergency Room immer mal wieder bei strömendem Regen diverse Dramen abgespielt haben, stehen in der Realität in Form von auf alt aufbereiteten, lackierten Plastik-Stelzen ohne Gleise darüber vor der Fassade eines Gebäudes. Man kann sich einfach nicht vorstellen, wie aus diesem Set das spätere, im TV gezeigte und sehr glaubwürdige Werk entsteht – jedenfalls so lange nicht, bis man die Tour weiter verfolgt.

Denn im Verlauf dieser bekommt man nicht nur den Unterschied von Fassade zu Studio erklärt, sondern lernt auch die Wirkung von Licht und Perspektive, die Arbeitsweise eines Greenscreens und noch vieles mehr kennen. Den Rahmen der eigentlichen Tour bildet dabei die Fahrt mit einem elektrisch betriebenen, offenen „Kleinbus“ (eigentlich eine Art Golfkart), der von einem Guide gesteuert wird. Dieser lenkt, erklärt und steht jederzeit für Fragen zur Verfügung. Das Event wird als „not prescribed“ beschrieben, d.h. jede Tour soll individuell sein und sich an den Interessen der jeweiligen Gruppe orientieren. Ob dem nun wirklich so ist, sei dahingestellt (letztlich durchfährt man einen Teil des Produktionsgeländes, besichtigt ein Museum, sieht sich eine der Produktionshallen von innen an, besichtigt eine Fahrzeugausstellung, geht kurz durch die riesige Requisitensammlung und besucht zum Ende eine Art interaktive Ausstellung in der Stage 48), tut der Sache aber überhaupt kein Abbruch. Jede einzelne Station ist extrem interessant und an jedem Punkt warten viele, gut gelaunte und kompetente WB Mitarbeiter darauf das gezeigte zu erklären, weitere Informationen zu geben oder einfach alles dafür zu tun, dass der Tag noch unvergesslicher wird. Dabei hat man an keiner Stelle das Gefühl, dass irgendjemand genervt davon wäre, dass im 10 Minuten Takt (oder sogar noch häufiger) Touristengruppen an seinem Arbeitsplatz vorbei laufen und unzählige Fotos schießen oder das stumpf nach Schema F ein vordefinierter Plan abgearbeitet werden soll. Auch ist der Anteil der „Guck mal hier in die Kamera, oh toll, für 30€ kannst du einen Abzug erwerben“-Aktionen extrem gering bzw. nicht vorhanden. Im Gegenteil, sehr oft bieten die Guides an ein Foto mit der eigenen Kamera zu machen und selbst im Souvenirshop am Schluss hat man das Gefühl, dass die Faszination an den Produkten den Mitarbeitern wichtiger ist, als tatsächlich Umsatz zu generieren. Da werden Zauberstäbe aus Harry Potter gezeigt, es wird zu Fotos angeregt und dabei ganz locker gescherzt .. ganz ganz toll.

Besonders beeindruckend fanden wir neben der genialen Atmosphäre insgesamt:

  • Die Umsetzung der Kulissen und diese gezeigt und erklärt zu bekommen. Erst wenn man bekannte Sets mit eigenen Augen gesehen hat, versteht man den Effekt, der durch bestimmte Beleuchtungen oder Perspektiven erreicht wird. Das gesamte Studio ist dabei unter der Prämisse errichtet worden, dass jedes Gebäude universal genutzt werden kann. Das bedeutet beispielsweise, dass sogar die regulären Büros im Stil eines Motels erbaut wurden und daher in diversen Produktionen als Tatort herhalten mussten. An dieser Stelle merkt man auch die Universalität der Szenerie. Türen erhalten andere Garnituren, Straßenlampen werden getauscht und schon kann ein bestehendes Gebäude für eine ganz andere Produktion genutzt werden. Dies geht soweit, dass einige Formate zu 100% auf dem Gelände der WB Studios gedreht werden und gar keine externen Drehorte mehr genutzt werden. Wirklich irritierend ist dabei die Größe (oder sollte man eher sagen „Kleine“) der meisten Sets – welche Tiefenwirkung hier durch Tricks erreicht wird, ist verblüffend.
  • Um unterschiedlichste Szenerien umsetzen zu können, muss es natürlich auch Menschen geben, die diese bauen. Man besichtigt in diesem Zusammenhang die sog. „Mill“, eine Art riesige Holzwerkstatt, in der Fassaden und ganze Wände für „One Camera Productions“ (also Produktionen, die in geschlossenen Räumen gedreht werden, bei der jeweils nur eine Kamera gleichzeitig genutzt werden kann) hergestellt werden. Diese Elemente werden beschriftet und anschließend innerhalb der unterschiedlich großen Stages (im Prinzip leere Hallen mit starkem Schallschutz) nach Bauplan aufgebaut und mit entsprechenden Requisiten präpariert. Außerdem gibt es Spezialisten, die Innen- und Außenszenarien gemäß des gewünschten Looks aufbereiten: Alt, verrostet, schäbig – mit Hammer, Meißel und Farbe lassen sich beeindruckende Effekte erzielen.
  • Damit die fertigen Sets auch glaubwürdig aussehen, sind natürlich diverse Dekogegenstände und weitere „Zusatzausstattungen“ (wie Möbel etc.) erforderlich. Diese werden bei Warner Bros. im sogenannten „Property Department“ gelagert, aus dem sie bedarfsweise für neue Produktionen ausgeliehen werden können. Dieses Gebäude sieht aus wie eine gigantisch große Verkaufsfläche für Klein- und Dekoartikel in einem typischen Möbelhaus. Auf engstem Raum gibt es von Kronleuchtern, über Möbel (z.B. die legendären Sessel aus Matrix, in denen Morpheus und Neo beim „Rote oder blaue Pille“-Gespräch sitzen), Telefone, Schwerter bis hin zu Antiquitäten wirklich alles Erdenkliche an Deko zu sehen. Unser Tour Guide berichtete, dass WB nach Ende des zweiten Weltkriegs spezielle Einkäufer auf drei Monate lange Shopping-Touren durch Europa geschickt hat, um Schlösser, Antiquariate etc. für anstehende Produktionen abzuklappern. In Zwischenzeit müsse man jedoch so gut wie nichts mehr neu anschaffen. Eine glaubwürdige Aussage.
  • Wirklich beeindruckend war auch die Ausstellung zu Filmfahrzeugen, die während unseres Besuchs ausschließlich Exponate mit Bezug zu den Batman-Filmen gezeigt hat. Insbesondere der über 1,2 Millionen Dollar teure Buggy für den nächsten Teil der Film-Serie war doch sehr sehenswert, handelt es sich um ein vollständig funktionsfähiges Fahrzeug, dass von Grund auf neu konstruiert wurde. Das muss man sich mal überlegen – da bauen Ingenieure einmalige Prototypen vom ersten bis zum letzten Teil einzig und allein für den Zweck des Films – vom Motor, den Bremsen, über das Chassis, Getriebe bis hin zu den Achsen. Für die Innenaufnahmen des Wagens gibt es übrigens jeweils ein separates Modell, da sich die filmischen Ansprüche an Innen- und Außendarstellung i.d.R. nicht vereinen lassen (man erklärte uns, dass beim Batmobil z.B. die Mechanik zum Herausfahren der Sitze in der Realität mit dem Einbauort des Motors kollidieren würde).
  • Die Möglichkeiten und Ausmaße der Postproduction glaubt man so lange nicht, bis sie einem an konkreten Beispielen Schritt für Schritt vor Augen geführt werden. Wenn Gandalf zum Beispiel im Herr der Ringe durch Frodos zu Hause schreitet (das ist diese kleine, geduckte Hütte im Berg) und die Zwerge auf ihre anstehende Mission einschwört, steht er während der Produktion in einem komplett leeren, grünen Raum. An einigen Positionen hängen Ausdrucke der Gesichter der Zwerge, scheinbar um dem Schauspieler eine Hilfe zu geben – aber das war es auch. Außerdem werden die Zwerge und Gandalf zeitgleich in zwei getrennten Räumen mit einer gekoppelten Kamera-Installation gefilmt, wobei die Kamera beim weißen Zauberer rund 20 Zentimeter näher dran ist, wodurch er im fertig gerechneten Film größer als seine Mitstreiter wirkt. Extrem beeindruckend sind auch die Erklärungen zum Thema „Layers“, also der schrittweisen Hinzufügung weiterer Ebenen mit Bildinhalten oder Verfremdungen der vorhandenen Bildinhalte. So erhält der Schauspieler vor dem Greenscreen im ersten Schritt einen Hintergrund, im zweiten wird selbiger farblich etwas aufgepeppt / angepasst und im dritten kommt selektive Unschärfe hinzu. Im Ergebnis erhält man einen bildlichen Eindruck, den es „im echten Leben“ so nie geben würde, aber den wir als TV- bzw. Kino-Konsument einfach erwarten und gewohnt sind.
  • In qualitativ hochwertigen Produktionen kommt der Bearbeitung des Tons mindestens so viel Aufmerksamkeit wie dem des Bildes zu. So wird am Beispiel von Gravity anschaulich gezeigt, welche verschiedenen Tonquellen hier miteinander verwoben werden, um das finale, überzeugende Klangbild zu erreichen. Da wären zunächst die Stimmen der Schauspieler, die vor allem im englischsprachigen Original schon großartig sind. Danach hat man sich damit beschäftigt, wie Astronauten die entsprechenden Geräusche im All wahrnehmen würden. Für die mechanischen Umgebungsgeräusche wurde per Filter eine passende Simulation errechnet. Hinzu kommt das Empfinden der eigenen Stimme welche – ein wenig wie Unterwasser – ziemlich dumpf und stark basslastig klingt und zusätzlich vom eigenen pochenden Herzschlag untermalt wird. Danach wird ein Soundtrack passend zu der Szene kreiert und eingespielt – bedarfsweise von einem bis zu 100 Personen umfassenden Orchester direkt auf dem WB-Gelände. In einem letzten Schritt werden nun alle drei Tonquellen stimmig abgemixt und das uns bekannte Resultat entsteht. Wenn man diesen Prozess mal in seine Einzelschritte zerlegt und auf einer entsprechend überzeugenden HiFi-Anlage gehört hat, weiß man, wie viel Mühe hier in dem Ergebnis steckt, dass wir am Ende einfach nur als „Wow .. hat mich intuitiv überzeugt“ hinnehmen.
  • Spannend fanden wir auch einen echten (also keine Replika!) Academy Award, besser bekannt als Oscar, in den eigenen Händen zu halten. Zwar unter dem kritischen Blick eines Warner Bros. Mitarbeiters, der sichtlich um die Kratzfähigkeit unserer Ringe besorgt war, aber dennoch ohne Panzerglas und frei von zusätzlichen Gebühren. Die etwas über 3,5kg schwere Statuette ist dabei übrigens überraschend schwer.

Die drei zuletzt genannten Highlights spielen sich alle in der sog. Stage 48 ab – einem Bereich der Tour, den man eigenständige durchläuft und hinsichtlich des Zeitbedarfs individuell anpassen kann. Wir fanden diesen Abschnitt jedoch derart interessant, dass wir uns weit über 1h Zeit gelassen haben, um die Erklärungen zu lesen, Vorführungen zu besuchen und interaktive Installationen zu testen. Wie bereits erwähnt, sorgen auch in der Stage 48 eine Vielzahl extrem freundlicher Mitarbeiter für eine Wohlfühlatmosphäre, die wirklich nicht selbstverständlich ist.

Nach dem Ende der Tour (die ich im Übrigen relativ betrachtet ziemlich preisattraktiv finde) hat man eigentlich nur noch einen Wunsch: Sofort mehr davon. Zurückblickend wäre eine VIP-Tour vielleicht eine coole Idee gewesen .. man muss ja noch Ziele haben 😉

Nach den Warner Bros. Studios wollten wir der 37°C heißen Luft durch ein paar Stunden in einer gekühlten Shoppingmall entgehen. Wir fuhren hierzu kurzerhand nach Glendale, was sich aber als vergleichsweise enttäuschend herausgestellt hat. Die Mall war zwar recht modern und sauber, doch sie wirkte fast schon steril und unsere Versuche den heimischen Kleiderschrank ein wenig zu erweitern, scheiterte leider auf ganzer Linie. Immerhin das Hägen Dasz Eis war extrem lecker, wobei ich immer wieder über den Umstand überrascht bin, dass man zwar nicht preiswert mal eben Zwischendurch ein Eis essen kann (unter 4$ geht nix), dafür aber auch große Varianten (3 Kugeln plus Sahne plus Kekse etc.) mit rund 7$ nicht exorbitant mehr kosten.

Den Nachmittag und Abend verbrachten wir anschließend im Griffith Observatory, dass heute zumindest von einer leichten Brise umspielt wurde, die den Aufenthalt auf dem Berg etwas erträglicher machte. Auch sonst war zum Zeitpunkt unseres Besuchs nicht allzu viel los, so dass wir die vielfältigen Installationen, deren Besuch übrigens kostenfrei ist, ganz in Ruhe erkunden konnten. Das ist recht nett, aber an sich vermutlich eher kein Highlight. Selbiges stellt eher eine Teilnahme an den sehr bekannten Vorführungen im Observatorium dar, die mit 7$ pro Person zu dem fair bepreist sind. Leider war unser Timing nicht ideal, so dass wir rund 2h von der Ankunft bis zum Start unseres Happenings überbrücken mussten. Die Show selbst war dabei wirklich toll, insbesondere da es sich überraschenderweise um eine Live Performance handelte. Dies bedeutet, dass die zuvor vorbereitete Bild- und Soundshow während ihrer Laufzeit von einer Moderatorin begleitet und erklärt wurde. Das mag jetzt etwas dröge klingen, war in der Praxis aber sehr authentisch und stimmig – insgesamt kann man eine Teilnahme nur empfehlen. Auch sonst kann man im Griffith Park relativ entspannt auch größere Zeitspannen überbrücken; gegen Abend kommen beispielsweise ganze Heerscharen um den Sonnenuntergang über der Metropolregion zu beobachten. Außerdem hat man ab 19:00 Uhr die Gelegenheit einen Blick durch die Teleskope des Observatoriums zu werfen – ebenfalls kostenlos.

Einzig negativ war der Verkehr auf dem Rückweg, der uns ziemlich viel Zeit und Nerven gekostet hat. Dieser gehört zu LA aber mindestens ebenso dazu wie das Show-Business und will entweder ertragen oder geschickt umgangen werden (dafür muss man aber zeitlich schon ziemlich flexibel sein).

Wie man sicherlich an der schieren Länge dieses Beitrags schon merkt, geht ein sehr interessanter und ereignisreicher Aufenthalt in Los Angeles zu Ende. Obgleich ich vor den drei Tagen hier Angst hatte wir haben eher zu viel Zeit für die Metropole eingeplant, bin ich jetzt umso positiver überrascht. LA bietet unglaubliche viele Facetten, wahnsinnig viele Highlights und sehenswerte Attraktionen für jeden Geschmack. Insbesondere für Menschen mit Interesse an Filmen und Serien sowie allem was dazu gehört, bietet Los Angeles sehr spannende Hotspots. Wir haben hier jedenfalls Eindrücke gewonnen, die unsere Erwartungen weit überstiegen haben. Morgen früh geht es dann weiter nach San Diego – es bleibt spannend.

Kalifornien Tag 2: Erkundung von LA

Die erste Nacht in einem fremden Bett ist ja oft ein wenig gewöhnungsbedürftig – bei 36°C Lufttemperatur auch noch gegen 22:00 Uhr und einem permanent laufenden Standlüfter wird dieses Gefühl eher noch intensiviert. Auch das die auf dem Grundstück lebende Katze (mit Glocke) nachts mehrmals an unserem offenen, zweiflügligen Portal vom Schlafzimmer zum Pool vorbeischlich, war durchaus etwas spannend 😉 Aber nach mehr als 24h ohne Schlaf sind dem Körper scheinbar alle Störfaktoren egal oder sie treten zumindest in den Hintergrund, so dass wir mit Ausnahme kleinerer Unterbrechungen fast 9h durchgeschlafen haben.

Die Idylle unseres Frühstücks wurde von der Erkenntnis unterbrochen, dass wir bei Google nicht die Stauprognose von unserer Unterkunft zum TCL Theatre (gedacht 10 – 15 Minuten), sondern die Gegenrichtung (daher real 30 – 45 Minuten) eruiert hatten, so dass es plötzlich höchste Zeit zum Aufbruch war. Rein in den Mustang, schnell über ein paar Querstraßen und schwupp, schon standen wir im erwarteten Stau auf dem Freeway. Zum Glück ist dieser relativ entspannt, da die automobile Masse sich einfach nur langsam vorwärts bewegt und aggressive Spurwechsel eher selten zu beobachten sind. Also nur warten, aber sonst eher unproblematisch. Leider „verpassten“ wir die Einfahrt zum geplanten Parkhaus (genauer gesagt konnten wir keine zeitgerechte Einigung darüber erzielen, ob die zur Verfügung stehende Einfahrt auch die richtige sei), so dass wir auf Plan B ausweichen mussten. So lernten wir ein für uns neues Kuriosum kennen: Überlange Parkplätze, bei denen zwei Fahrzeuge in Reihe geparkt werden. Der Fahrer des vorderen Wagens, welcher das hintere Auto quasi blockiert, muss dabei seine Schlüssel an einer Art Rezeption abgeben, welche etwaige Konflikte bedarfsweise durch eigenständiges Umparken auflöst. Für uns Europäer vor dem Hintergrund typischer Haftungsfragen etc. eine ziemlich abwegige Idee.

Da Plan B so gut funktioniert hat, fanden wir uns pünktlich am Hollywood Boulevard ein, spazierten am legendären Chinese Thearte vorbei und holten unsere Tickets für die vorab gebuchte sechs Stunden lange Tour durch LA ab. Da wir uns nicht sicher waren, wie gut wir die Anreise und den Jetlag verkraften würden, dachten wir ein paar Stunden im Bus sitzen, unterbrochen von mehreren Pausen zur Erkundung einzelner Highlights, sei eine gute Idee. Da laut Aussage unseres Fahrers heute der heißeste Tag des Jahres werden sollte, erschien der geplante Tagesablauf sogar noch besser gewählt. Ohne Vorgreifen zu wollen, lässt sich festhalten, dass trotz minimaler Besatzung pro Bus (12 Personen) die Klimaanlage desselben bei 107 Grad Fahrenheit (knapp 42°C) Außentemperatur auch nur eingeschränkt im Stande ist Wunder zu vollbringen.

Bevor unsere Tour startete, hatten wir durch eine kurzfristige Terminverschiebung rund 1h Zeit, so dass wir uns die Gegend einige Blocks rauf und runter um das Theatre etwas näher anschauten. Zum Glück kann man sich die Zeit hier sehr gut vertreiben, gibt es doch über rund 1 Meile verteilt den berühmten Walk of Fame mit den in den Boden eingelassenen Sternen zu sehen. Wie wir später erfuhren, muss eine 12 köpfige Jury der Hollywood Chamber of Commerce über die Zuteilung eines Sterns entscheiden, dessen zukünftiger Besitzer dann noch 30.000$ für etwaige Aufwendungen bezahlen muss. Dafür erhält man dann eine augenscheinlich ziemlich haltbare Bodenplatte mit goldenen Akzenten und dem eigenen Namen – ziemlich cool. Ein Stern auf den Walk of Fame kann man für Aktivitäten aus fünf verschiedenen Kategorien erhalten, so dass eine Person theoretisch auch mehrere Sterne haben kann (Walt Disney haben wir zum Beispiel 2x gefunden). Ansonsten dachte ich aber immer, dass die Sterne „individueller“ sind – dem ist nicht so. Die wirklich eigenständige Note eines Stars findet sich in den signierten Betonplatten direkt vor dem Theatre, wo neben Hand- und Fußabdrücken (bzw. viel mehr Schuhabdrücken) auch diverse, handgeschriebene Weisheiten und Floskeln zu finden sind. Sogar R2D2 und C3PO aus Star Wars haben hier ihre unverwechselbaren Spuren hinterlassen. Später erfuhren wir während unserer Tour, dass im Rahmen der Oscar-Verleihung (bzw. der Vergabe der Academy Awards) 12 Millionen Dollar allein für diese eine Nacht ausgegeben werden, um den Boulevard optisch und sicherheitstechnisch adäquat herzurichten. Beeindruckend.

Gegen 09:35 Uhr begann dann unsere fast 80 Meilen lange Tour durch LA, die von unserem Fahrer Randy interessant und gut verständlich kommentiert wurde. Randy machte uns auf die diverse Gebäude aufmerksam, welche in bekannten Filmen genutzt wurden – z.B. das Appartment (bzw. Hotel) in dem Julia Roberts in „Pretty Woman“ wohnt und aus welchem sie über eine Feuerleiter von Richard Gere erretet wurde – die Leiter ist wirklich da und das Hotel zudem äußerst preiswert. Auch kannte sich unser Guide hervorragend mit den diversen Residenzen der lokalen Celebrities sowie der ihnen gehörenden Objekte aus, so dass man an der ein oder anderen Ecke schon sehr interessante Einblicke bekam. Das von Bernie Ecclestone als Hochzeitsgeschenk für seine Tochter erworbene Anwesen zum Beispiel trotz in seiner Größe und Opulenz jeglicher Beschreibung. Andere bekannte Highlights, wie z.B. das Playboy Mansion verstecken sich hinter einem massiven Tor, durch welches sich keine bzw. nur wenige Einblicke gewinnen lassen. Leider gilt diese Aussage für nahezu alle Objekten in den Nobelorten Bel Air, Beverly Hills bzw. zu einem gewissen Grad Hollywood. Dass die Gegend etwas vornehmer wird, merkt man neben den vielen Toren (die vermutlich den Zugang zu den allermeisten attraktiven Anwesen schon frühzeitig und gänzlich blockieren) daran, dass es keine Fußwege gibt. Mit dem Auto vorbei fahren ist daher (wo es denn überhaupt möglich ist) erlaubt, aber zu Fuß eine Erkundungstour starten ist nicht erwünscht. In jedem Fall sind die wohlhabenden Gemeinden um LA ein hervorragender Ort um das zu sehen, was mit normalsterblichen Mitteln einfach unerreichbar ist. Auffallend ist übrigens auch die Frequenz an Rolls Royce Limousinen, die ihre Besitzer standesgemäß in den noblen „Hideout“ bringen.

Von Bevery Hills aus ging es (rein geographisch betrachtet) wieder hinab ins beschauliche Santa Monica, genauer gesagt an die Santa Monica Pier. Vereinfacht gesagt handelt es sich bei selbiger um eine hölzerne Seebrücke, die aber gigantische Dimensionen hat und sogar einen kleinen Vergnügungspark inkl. Achterbahn und Riesenrad beherbergt. Wie wir schnell feststellten, ist dies eine richtig nette Ecke der Metropolregion und auch die immensen Temperaturen lassen sich direkt am Meer bzw. über selbigem wesentlich besser aushalten. Auf unserer 30 Minuten langen Erkundungstour zu Fuß versuchten wir so viele Eindrücke wie möglich zu gewinnen und ließen es uns nicht nehmen für nur 3,50$ pro Stück ein „full organic“ Wassereis Geschmacksrichtung Erdbeere quasi zu verschlingen – sehr angenehm. Auffallend ist – wie scheinbar in ganz LA – der krasse Kontrast zwischen arm und reicht auf engstem Raum. Direkt auf dem Rasen vor hochpreisigen Eigenstumswohnungen schlafen Obdachlose .. mitten in der Sonne, völlig ungeschützt und sogar in ziemlich großer Anzahl. Ein in dieser Form ziemlich irritierender Anblick. (Anmerkung für Computerspieler: Die Pier entspricht dermaßen genau der Abbildung in GTA V, dass es einem fast die Sprache verschlägt. Sogar Dani war beeindruckt!)

Von Santa Monica (sehr hübsch) ging es weiter nach Venice Beach (weniger hübsch). Venice ist grundsätzlich so wie am Vortag schon beschrieben (tagsüber hübsch, nachts gefährlich), nur noch krasser als gedacht. Randy berichtete uns von eskalierender Bandengewalt und Schießereien – für uns Europäer ziemlich unvorstellbar und sicherlich für die ganze Gegend ein belastender Umstand. Ferner scheint Venice laut Randy die verrücktesten Typen aus aller Welt anzuziehen, was die Lebensqualität in diesem Gebiet vermutlich nicht eben steigert.

Nach der Durchfahrt dieses ambivalenten Gebiets ging es wieder steil bergauf – zum über der Stadt thronenden Griffith Observatory. Der Blick von selbigem auf das Hollywood-Sign und über die 17 Millionen Einwohner beherbergende Region insgesamt ist absolut beeindruckend und zugleich irritierend. Man sieht jede Menge Villen, pulsierende Verkehrsadern, gigantische Gebäudekomplexe und dazwischen karge Hänge, sandige Pfade und eine ziemlich stark vertrocknete Vegetation. Ausblick und Anblick bilden einen faszinierenden Mix, dem man sich vermutlich lange hingeben könnte, wenn man den ca. 40°C ohne jeglichen Schatten besser hätte trotzen können. Ganz schön heftig, aber auch sehr lohnenswert. Insbesondere die Vorstellungen in der Sternwarte sollen qualitativ überzeugen können – mal schauen, ob wir das noch ausprobieren können.

Nach dem vergleichsweise kurzen Halt über den Dächern von LA ging es – mittlerweile war fast 14:00 Uhr – endlich zum Lunch am Farmers Market. Selbiger soll über 100 Möglichkeiten der Nahrungsaufnahme bieten und an die beste Mall der Region angrenzen (so Randy). Tatsächlich fühlten wir uns stark an den großen Basar in Istanbul in amerikanischer Machart erinnert. Schmale Gassen, wenig Durchlüftung, viele kleine Buden .. zumindest an diesem Tag nicht ideal. Wir entschieden uns für ein paar klimatisierte Plätze in einem pseudo-deutschen (bayrischen) Biergarten. Die Qualität der Speisen war überragend, der Preis in Ordnung, der Service für amerikanische Verhältnisse schlecht und die Musik gänzlich ungewohnt – es lief Antenne Bayern im Livestream. Dennoch war die Mahlzeit lange überfällig und half ideal dabei wieder ein wenig abzukühlen.

Eine Stunde später steuerte unser Bus auf die letzte Station des Tages zu – den berühmten Rodeo Drive. Selbiger hält aus meiner Sicht exakt alles ein, was er verspricht. Sehr viele hochklassige Läden (jeweils deutlich größer als in anderen Einkaufsstraßen dieser Art die ich kenne), immens viele hübsche Menschen, relativ viele teure Autos. Leider haben wir weder einen Star, noch ein richtiges automobiles Highlight gesehen – Porsche 911 und Bentley reißen ja mittlerweile niemanden mehr vom Hocker 😉 Insgesamt hat uns diese Gegend wirklich gut gefallen .. Spazieren gehen, ein überteuertes Eis essen und People Watching betreiben – am Rodeo Drive kann man es mit ein wenig Freizeit sicher richtig gut gehen lassen.

Gegen 16:00 Uhr waren wir dann wieder am Auto, um 20$ Parkgebühren ärmer und nun wieder auf eigene Faust unterwegs. Während der Tour hatten wir uns die Namen einiger netter Ecken notiert, so dass wir nun mittels OpenStreetMap-Material auf unserem Garmin Oregon in Kombination mit unserem Garmin Nüvi nochmals einige Luxusecken ansteuerten. Dabei lenkten wir den Mustang bevorzugt über relativ kleine, kurvige Straßen quer durch die Hollywood-Hills, in denen auch erstaunlich viele „normale“ Häuser stehen. Wirklich exklusiv wird es hier wohl nur in den Stichstraßen, die man in der Regel nicht oder nur zu einem sehr kleinen Teil befahren kann. Trotzdem ist es sehr spannend sich diesen Aspekt von Hollywood auf diese Weise zu erschließen – zudem ist der Fahrtwind im Cabrio in Kombination mit der Klima wesentlich entspannter als ein Spaziergang. Auf diese Weise legten wir rund 60km zurück, schossen das ein oder andere spannende Foto und trotzen der Hitze. Am Ende noch ein kurzer Zwischenstopp im Ralph’s um für das Abendessen einzukaufen (Schwarzbrot oder was auch immer genau das dunkle Weißbrot darstellen soll für 4,99$) und schon war Tag 2 in Kalifornien so gut wie beendet. Den Ausklang dieses ereignisreichen Teils unserer Rundtour stellte eine exzessive Nutzung des hauseigenen Pools dar. Dieser ist mit ca. 25°C sehr angenehm temperiert, außergewöhnlich sauber und vor allem riesig. Ich bin kein Experte für das Schätzen von Dimensionen, aber ich würde auf ungefähr 20x7m tippen – ziemlich beeindruckend. Die Unterwasserbeleuchtung sorgt insbesondere bei Dunkelheit für eine stimmige Atmosphäre, denn Sternegucken in LA, während man auf dem Rücken durch den Pool schwimmt, ist schon wirklich cool.

Morgen werden wir dann die Warner Bros. Studiotour besuchen und uns danach vermutlich eine kühle Mall suchen. Gerüchteweise soll es erst am Wochenende milder werden – nach den kühlen Azoren und dem Kälteeinbruch in Florida haben wir jetzt also das krasse Gegenteil erwischt. Abwechslung schadet bekanntlich nicht 😉

Florida Tag 14 – One giant leap

Der Start in den vierzehnten Tag unseres Urlaubs im Sunshine State verlief unauffällig: Während wir uns mit einem durchschnittlichen Hotelfrühstück stärkten, erklärten die Moderatoren der im TV laufenden Morgenshow die außergewöhnliche und sehr unfreundliche Wetterlage. Nachdem wir jetzt gelernt haben, dass der Dienstag Morgen der kälteste seit 1973 zu diesem Zeitpunkt (also Mitte November) war, wissen wir nun, dass wir vielleicht einfach etwas Pech hatten (und ich dachte, dass hätten wir auf den Azoren schon zur Genüge aufgebraucht). Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen müssen wir quasi froh sein, wenn unser Rückflug am Freitag (Zwischenstopp in Charlston) problemlos und ohne Schneechaos verläuft .. Drücken wir die Daumen.

Mit Hinblick auf die unwirtlichen Bedingungen setzten wir die Beobachtung des Sonnenaufgangs am Strand aus und fuhren direkt zum KSC, dem Kennedy Space Center. Selbiges öffnete zum Zeitpunkt unseres Besuchs um 09:00 Uhr (dies variiert denke ich je nach Saison), offiziell waren die Parkplätze (10$ pro Tag) ab 08:30 Uhr zugänglich. Da wir etwas früh dran waren, tankten wir noch schnell, was mir die Gelegenheit gibt mich kurz über dieses Thema zu beschweren: Dank der verbesserten Betrugsvorsorge muss man beim Tanken via Kreditkarte stets die Postleitzahl des Kreditkarteninhabers eingeben .. für ausländische Kreditkarten funktioniert dies naturgemäß nicht. Also jedes Mal reinrennen, erklären, die Säule freischalten, tanken .. habe ich mir im Vorfeld einfacher vorgestellt (und ich hab keine Ahnung, wie man außerhalb der Öffnungszeiten bezahlen soll). Da wir uns mittlerweile den 4000km Gesamtstrecke nähern und der Mustang so ca. 9l/100km verbraucht, haben wir aber genügend Gelegenheit gehabt den Prozess hinreichend zu üben..

In jedem Fall war zum Zeitpunkt unserer Ankunft weder ein Parkhäuschen, noch ein Kassenplatz geöffnet, so dass wir in erster Reihe parken und die Öffnung des Geländes abwarten konnten. Nach und nach versammelten sich mehr und mehr „Early Birds“, so dass wir kurz vor 09:00 Uhr die vierte Gruppe in der Schlange waren. Just in dem Moment, in dem wir begannen unsere Wünsche vorzutragen, begann die Einspielung der Nationalhymne über alle Lautsprecher. Ja, da guckt man als unerfahrener Europäer schon mal doof, wenn plötzlich jede Kommunikation unterbrochen wird und alle Einheimischen die Hand aufs Herz drücken. Einige Augenblicke später war dir Zeremonie vorbei und die erstaunlich unfreundliche Nasa-Mitarbeiterin am Schalter setzte den Dialog mit uns fort („It’s so cold today – I should have stayed at home“). Keine rund 150$ später hielten wir zwei Eintrittskarte und zwei Voucher für die KSC Close-Up Explorers Tour in unseren Händen und begaben uns gen Eingang. Hier erfolgte ein kurzer Sicherheitscheck inklusive Metalldetektor, man darf aber grundsätzlich alle „üblichen“ Gegenstände, inkl. Rucksäcken, mit auf das Gelände nehmen. Direkt nach dem wir den Visitor Complex betreten hatten, begaben wir uns zum „Atlantis“-Bereich, der sich thematisch mit den Shuttle-Missionen beschäftigt und die relativ bekannte Attraktion „Shuttle Launch Experience“ beherbergt. Doch der Reihe nach..

Ähnlich wie in gut organisierten Vergnügungsparks nutzt die NASA zunächst sehr geschickte Methoden zur Gruppierung und Separierung von Besucherströmen. So läuft man erst mal eine relativ lang angelegte, kreisförmige Rampe hinauf, an deren Ende man auf den Einlass zum nächsten Raum warten muss. In diesem wird dann auf einer recht großen Leinwand und ein gut gemachter Film (mit Schauspielern und so) zur Geschichte des Shuttle-Programms gezeigt – kurzweilig, stimmig und informativ. Nachdem dieser Abschnitt beendet wurde, geht es weiter in einen zweiten, kathedralen-artigen Raum mit einer mehrfach gewölbten Decke, die – ebenso wie die Wände – von mehreren Beamern mit einer nahtlosen, sehr großen Darstellung angestrahlt wird. Nach einer kurzen Wartezeit beginnt hier eine Projektion, die bild- und tontechnisch hervorragend umgesetzt ist und den Start eines Atlantis-Shuttles zeigt. Dabei nimmt man zunächst virtuell die Position eines Beobachters im Wald ein, dessen Blick dann sehr schnell unmittelbar auf die Startplattform gezoomed wird. Bei diesem fühlt man sich dann mittendrin, statt nur dabei .. der Raum wird hell, der Boden bebt, der entstehende Dampf dringt von der vorderen Leinwand auf die seitlichen Projektionsflächen .. wirklich klasse gemacht. In den kommenden Minuten werden der Verlauf und die Erfolge des Shuttle-Programms gezeigt und man beginnt sich intensiv zu fragen, ob man jenes Shuttle auf dem Ausstellungsgelände noch zu sehen bekommt. Kurz vor Schluss erzählt die Stimme des Erzählers dann mit markigen Worten wie viele Jahre das Programm lief (26), wie viele Millionen Meilen das Shuttle zurückgelegt hat, wie viele Missionen es gab … bei den Worten „Welcome home“ öffnet sich dann der Vorhang und man blickt direkt auf die originale Atlantis-Fähre, die leicht angeschrägt von der Decke hängt. Das Gefühl dabei ist schwierig zu beschreiben, aber die Präsentation ist auf jeden Fall mitreisend und extrem gut gemacht – ein Highlight!

Der dann zugängliche Präsentationsraum ist auch generell gesprochen hervorragend gemacht. Man kann u.a. durch eine Raumstation krabbeln, sich an verschiedenen Simulatoren versuchen, eine Ausstiegsrutsche testen, in einem Cockpit Platz nehmen und natürlich die Atlantis von aus nahezu allen Blickwinkeln betrachten. Obgleich die Zeit für einen eintägigen Besuch im KSC generell recht knapp ist, sollte man sich unserer Meinung nach für diesen Abschnitt die nötige Ruhe nehmen .. viel besser wird es im gesamten Space Center definitiv nicht mehr. Um den Immersionslevel hoch zu halten, kann man direkt vom Shuttle aus zur Shuttle Launch Experience starten. Auch hier kommt das Prinzip der mehrphasigen Unterhalt zum Einsatz. Als geschlossene Gruppe betritt man zunächst einen Empfangsraum, in dem einem ein ehemaliger NASA Mission Commander einige Dinge über den Start einer Rakete, den Ablauf, die Kräfte, die verschiedenen Phasen und so weiter erzählt. Erneut werden hier alle Register der modernen Optionen für Themenparks gezogen – das Licht ist sehr dynamisch, wummernde Bässe machen das Geschehen erlebbar und angestrahlter Dampf intensiviert die Erfahrung. Nach die ersten Erklärung, die uns sehr gut gefallen hat, geht es weiter in eine Art Lobby, in der man sich für den Zutritt zum Shuttle Launch Exerpience Simulator anstellt. Es gibt 5 oder 6 Simulatoren und in jeden Passen ca. 30 Leute, so dass die Wartezeiten eigentlich recht gering sein sollten (bei uns war – bedingt durch die Nebensaison – so gut wie nichts los). Erneut erfolgt eine Videoeinweisung, bevor man dann endlich Platz nehmen darf. Schnell noch anschnallen, Sicherheitscheck durch das Personal (Row 1 ok, Row 2 ok, Row 3 ok ..), bevor es dann zu einer weiteren Wartezeit kommt (ich denke das soll die Spannung erhöhen). Dann klappt die gesamte Kabine 90°C nach hinten und es wird die Startprozedur eines Shuttles simuliert. Erneut wummert und kracht es munter und es werden eifrig Vibrationseffekte und adaptive Rückenpolster in den Sitzen eingesetzt. Dabei erzählt der Mission Commander was aktuell passiert. Das Ganze ist leider recht schnell vorbei, fühlt sich aber erstaunlich glaubwürdig an (durch das viele Ruckeln bewegt sich die Gesichtshaut tatsächlich so, wie man das bei starker Beschleunigung – z.B. aus einer Achterbahn – kennt). Angeblich wurde die SLE über 10 Jahre entwickelt und ist laut mehreren beteiligten Astronauten der realistischste Simulator seiner Art .. sollte man also definitiv mitnehmen (man möge bitte trotzdem bedenken, dass es die Shuttle Launch Experience schon seit mehr 5 Jahren gibt .. technisch also definitiv nicht auf dem allerneuesten Stand).

Nach der „Shuttle-Show“ und der Launch Experience ist man jedenfalls ziemlich begeistert und durchaus versucht im direkt angegliederten Geschenkeshop eifrig zuzugreifen – die Qualität der feilgebotenen Waren ist aber durchaus höher als das, was man an dieser Stelle aus diversen Parks gewohnt ist. Auch zwischendurch geschossene Fotos kann man erwerben – 10$ pro Bild aus der SLE und 35$ für eine Mappe mit zwei Fotos vor dem Atlantis-Shuttle .. sportlich. Unglücklicherweise – das muss ich ehrlich so schreiben – ging es unserer Meinung nach danach etwas bergab. Die sonstigen Ausstellungen auf dem Hauptgelände wirken doch durchaus etwas in Würde gealtert (bei den hiesigen Renovierungsshows würde man „dated“ sagen) und nicht dem Stand der Technik entsprechend. Man glaubt einfach von einem Aha-Erlebnis zum nächsten schlendern und können .. was leider auf nahezu keinen Bereich im Visitor Complex zutrifft. Auch die verschiedenen Verköstigungsmöglichkeiten sind eher ernüchternd .. eine typische Mensa sieht in aller Regel wesentlich attraktiver aus. Hätte ich so nicht vermutet..

Um 13:30 Uhr begann dann unsere – im Gegensatz zu den Standard-Touren – kostenpflichtige Close-Up Explorer Tour. Hierbei wird man mit einem separaten Guide und ca. 40 anderen Personen in einem Bus über das Gelände hin zu verschiedenen Highlights gefahren. Unterwegs erfolgen Erklärungen des Guides und das Gefährt stoppt an verschiedenen Stellen um den neugierigen Gästen die Möglichkeit zu geben Fotos zu machen. Um auch an dieser Stelle gewohnt ehrlich zu sein, waren wir auch hiervon nicht 100%ig überzeugt. Frühere Touren ermöglichten zum Beispiel den unmittelbaren Zutritt in einen Startbereich für Weltraumfahrzeuge (in das „Pad“), so dass man direkt dort stehen kann, wo der Schub der Triebwerke auf den Boden trifft. Auch ein Besuch des Vehicle Assembly Buildings, in dem die Raketen vereinfacht gesagt zusammen gebaut werden (eines der volumentechnisch größten Gebäude der Welt, welches 52 Stockwerke hoch ist, aber nur aus einem Stockwerk besteht), war wohl früher ebenso möglich wie ein Besuch des Bereichs, in dem die Module der ISS vorbereitet wurden. Heute fährt man mit dem Bus „nur“ über das Gelände und kann aus vergleichsweise großer Distanz Fotos schießen .. das ist etwas schade und entspricht erneut nicht den Erwartungshaltungen den man von ähnlichen „Hinter den Kulissen“-Touren in anderen Museen / Ausstellungen so kennt. Trotzdem waren die verschiedenen Lokationen natürlich äußerst beeindruckend anzusehen und ich möchte die Teilnahme an der Tour nicht missen. Insbesondere das bereits angesprochene Vehicle Assembly Building, das Launchpad 39B und der Platform-Mover (ein gigantisches Fahrzeug um zusammengebaute Raketen zu transportieren) waren überaus imposant.

Die Tour endet nach rund 2h am Saturn V-Center und es bahnt sich erneut eine der einmaligen Erfahrungen an .. man hat nämlich keine Ahnung, was jetzt passiert. In mittlerweile gewohnter Manier wartet man auf den Einlass in einen Raum, wodurch man (mal wieder) zu einer neuen Gruppe zusammengefasst wird. In diesem Raum wird einem dann auf drei großen Bildschirmen die Historie der verschiedenen Missionen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gezeigt, ebenso erfolgt ein kurzer Abriss über die Historie der NASA (Sputnik, Kennedy, Herausforderung an die Nation etc.). Ein Fokuspunkt liegt dabei auf dem eigentlichen Startvorgang, den ein ehemaliger Mitarbeiter des Fire Rooms erklärt, von dem aus die Mondmissionen gesteuert wurden. Danach öffnen sich die Türen und man betritt – zu meiner großen Überraschung – einen Nachbau der originalen Kommandozentrale. Nachbau nur deshalb, weil das eigentliche Gebäude in der Zwischenzeit verfallen ist (die Koordination der Missionen erfolgt ja bekanntlich mittlerweile von Houston aus), die originalen Konsolen wurden aber ab- und in diesem Raum aufgebaut. Auch die gesamte Einrichtung des Raums – inklusive der „gläsernen“ Rückwand wurde entsprechend rekonstruiert, was man aber erst später merkt. In den folgenden Minuten wird man rund fünf Minuten lang Zeuge des Startvorgangs, wobei die diversen Anzeigen über und in den Konsolen (soweit für den Laien erkennbar) mit realen Informationen beschickt und mit historischem Bildmaterial kombiniert werden. Wenn die Rakete dann abhebt, man den Lärm hört, durch das Pseudo-Glas der nachempfundenen Rückseite des Raums das rote Leuchten der Triebwerke flackert und alles wackelt, fühlt sich das schon ganz schön beeindruckend an. Selten war Geschichte derart greifbar.

Im nächsten Raum wartet dann – für mich wieder recht überraschend – eine Saturn V-Rakete, die der Länge nach unter der Decke hängt. Sie wohnt dabei in einem äußerst geräumigen Hangar (bestimmt mehr als 100m lang), der verschiedene Ausstellungen in den Seitenräumen und diverse Exponate unter der Rakete bietet. Auch hier kann man locker eine Stunde verbringen (einfach nur weil die gesamte Szene so toll wirkt) .. wenn das Center nicht schließt. Außerdem bietet sich im Saturn V-Komplex unserer Meinung nach die beste Gelegenheit etwas im KSC zu essen – hell, freundlich, geräumig .. wenngleich die Kantine noch eher als das Gebäude schließt.

So verließen wir das Kenny Space Center gegen 17:00 Uhr mit einigen neuen, extrem beeindruckenden Erfahrungen, aber auch etwas gemischten Gefühlen. Ein Besuch in diesem fast schon legendären Museum ist ein Muss und wird für jeden tolle Erlebnisse bereithalten. Insbesondere der Shuttle Atlantis-Bereich, der Saturn V-Komplex und die Dimensionen des Vehicle Assembly Buildigs sind einfach gigantisch. An einigen anderen Stellen wird man möglicherweise enttäuscht, denn einige Bereiche wirken einfach veraltet bzw. bleiben hinter den Erwartungen und Möglichkeiten zurück. An dieser Stelle sei zudem angemerkt, dass uns die Servicequalität an vielen Stellen als überraschend schlecht im Gedächtnis geblieben ist .. ziemlich untypisch für die Vereinigten Staaten.

So endet mein Bericht aus einem Zimmer mit dem Namen „Asian Spa Suite“ in Saint Augustine (rund 1,5h nördlich von Cape Canaveral). Dieses ist zwar klein, aber extrem fein, denn die Raumaufteilung besteht aus ca. 50% Wohnen und 50% Wellness-Bereich (große Dusche, künstlicher Kamin, Wanne mir Whirlpool). Morgen werden wir die historische Stadt (immerhin die Älteste von Siedlern gebaute Stadt Amerikas) erkunden und danach unsere letzte Station auf Amelia Island ansteuern.

Florida Tag 12 – Die Prüfung

Gemäß des allseits beliebten Sandwich-Prinzips soll man eine weniger gute Nachricht bzw. Sache ja immer gemeinsam mit zwei guten Aspekten präsentieren, wobei die tollen Dinge die Einleitung und den Schluss bilden. Es gibt Tage, an denen weiß ich schon beim Schreiben der ersten Zeile: Dieses Mal wird das nicht klappen. Aber damit der Beitrag zumindest freundlich beginnt, werde ich mit einer positiven Erfahrung anfangen – der Nacht und dem Frühstück im Residence Inn in Miramar Beach.

Ich kann mich nicht erinnern, wann wir in Florida einmal derart komfortabel, ruhig und erholsam genächtigt haben .. ganz großes Kino. Auch das Frühstück setzt diesen positiven Eindruck fort, weiß es doch durch eine vergleichsweise große Auswahl, einen schönen Rahmen (in der Lobby des Hotels .. war aber einladender als es klingt) und ein geringes Geräuschniveau zu überzeugen. Noch attraktiver wäre es vermutlich gewesen die Speisen mit auf das Zimmer zu nehmen, wo es statt „Multi Purpose Spoons“ aus Plastik „richtiges“ Besteck und Keramik-Geschirr gegeben hätte. Aber auch so war die morgendliche Stärkung wie gesagt sehr angenehm und wurde zudem noch von einem leicht tropischen, in der Intensität variierenden Regenschauer begleitet. Damit dieser sogar noch romantischer wirkte, mischte sich ab und an ein sattes Donnergrollen zwischen das friedliche Rauschen des flüssigen Sonnenscheins, der in kräftigen Brisen mal mehr, mal weniger stark gegen die Fensterschreiben gedrückt wurde. Ich hoffe das Bild ist jetzt soweit stimmig und ihr könnt euch unseren Start in den zwölften Tag unserer Reise durch den Sunshine State einigermaßen lebhaft vorstellen. Motiviert von so guten Vorzeichen entschlossen wir uns zunächst noch ein wenig HGTV (Hausrenovierungsshows 24/7, 365 Tage im Jahr) auf dem qualitativ sehr überzeugenden HDTV zu schauen, bevor gegen 09:30 Uhr langsam Bedingungen eintraten, die es erlaubten an ein Verlassen der sicheren Unterkunft zu denken.

Mutig verstauten wir also unser Gepäck und fuhren Richtung Miramar Beach Strand (manchmal ist es gar nicht so einfach mit den Ortsbezeichnungen hier). Unmittelbar vor den riesigen, leeren Hotels in erster Reihe fanden wir einen perfekt gelegenen Parkplatz, von dem aus wir in weniger als 50 Schritten auf dem Strand standen. Interessantes Detail: Von fast allen größeren Hotels gehen Brücken über die Straße, so dass man sicher und ungestört von den kreuzenden Autos in den Wasserspaß starten kann – nicht schlecht. Der Strand selbst bot ein ziemlich faszinierendes Bild, wenn man auf entfesselte Naturgewalten steht: Die Wellen rasten auf den relativ flachen, aber enorm breiten Küstenabschnitt, brachen sich dabei an der Flachwasserzone und wirbelten eine Gischt auf, die vom landabwärtsgerichteten Wind sofort in die entgegengesetzte Richtung wieder zurückgeweht wurde (mit anderen Worten: Wasser jagd auf den Strand, Gischt entsteht, Wind bläst Gischt wieder auf das Meer .. sieht man so nicht allzu häufig). Der Strand wurde durch die wild bewegten Wassermassen immer wieder überspült, wodurch sich stellenweise ein Bild ergab, dass vom Fließbild her durchaus an die Priele im Watt erinnert 😉 Der Sand wirkte dabei übrigens noch immer sehr fein und vor allem (im Vergleich zur Luft) sehr warm. Nur die schneeweiße Farbe kam nicht 100%ig ideal zur Geltung 😉 Tapfer trotzten wir den recht feindlichen Bedingungen und kämpften uns etwas mehr als halbe Stunde gegen den Sturm, um dann so langsam wieder Richtung Auto zu wenden. Unterwegs trafen wir mindestens drei weitere Personen und konnten das ein oder andere Sanierungsobjekt in erster Reihe zum Meer begutachten .. und dem nächsten, langsam näher kommenden Gewitter lauschen. Der Spaziergang war also eher „sportlich“ und nur bedingt szenisch. Die gute Nachricht: Entgegen der ursprünglichen Wetterprognose war es mit 16°C immer noch recht warm, der Regen hatte bereits gegen 11:00 Uhr aufgehört und es gab noch Chancen auf einen schönen Nachmittag.

Als nächste Station statteten wir dem Silver Sands Premium Outlet einen Besuch ab .. wenn man schon mal in der Nähe ist und sich das Wetter nur zu 90% von seiner guten Seite zeigt, kann man ja mal schauen, was die lokalen Shops so hergeben. In diesem Zusammenhang wurden wir mehrfach sehr positiv überrascht – insbesondere Produkte von Merrell und Asics werden teilweise zu sehr attraktiven Konditionen feilgeboten („Kauf 1 Teil, nimm das zweite gratis mit“ ist bei Ascis Laufkleidung schon ziemlich interessant). Auch das Nike Outlet bietet eine große Auswahl zu recht guten Preisen .. vorbei schauen kann man ja mal 😉 Vom Einkaufserlebnis erschöpft steuerten wir gegen 13:00 Uhr die „Pancakery“ an, ein auf (große Überraschung) Pancakes spezialisiertes Restaurant. Dani entschied sich eine Kombination aus Buttermilch-Pfannkuchen, frischen Blaubeeren, frischen Erdbeeren und Erdbeerkompott. Ich wählte ebenfalls Buttermilch-Pfannkuchen, selektierte jedoch Choclat Chips als Füllung, frische Erdbeeren als Topping und eine Kugel Vanilleeis als Ergänzung. Wow .. das Ergebnis war in beiden Fällen äußerst lecker und sehr sättigend. Leider sogar so sättigend, dass ich ca. 1/3 meiner Portion (natürlich weder das Eis, noch die Erdbeeren) zurücklassen musste .. mehr wäre wirklich nicht schön gewesen.

Danach steuerten wir das Destins Commons an – eine weitere Sammlung von Geschäften unterschiedlichster Natur. Hier ging es vorrangig darum einen kleinen Rückschlag zu verarbeiten, der darin bestand, dass Dani ein paar Ohrringe in unserem Alptraum-Hotel in Crystal River vergessen hatte.. eine freundliche Beratung und einige Dollar später war das Malheur behoben. In der Zwischenzeit hatte sich das Wetter weiterentwickelt, was zu zwei Effekten führte: Zum einen schien nun endlich die Sonne und sorgte für einen vollmilchblauen Himmel (gut), zum anderen hatte es sich in Folge des morgendlichen Sturms leider recht stark auf 12°C abgekühlt (schlecht). Nach wie vor wehte dabei eine frische Brise, so dass die Bedingungen in etwa jenen unseres Sylt Urlaubs im November 2013 entsprachen. Zweckoptimistisch fuhren wir trotzdem an den Strand von Grayton Beach (ein State Park .. 5$ Eintritt pro Vehikel) und fanden nach langer Suche einen freien Parkplatz neben dem einzigen anderen Auto. Unglücklicherweise waren sowohl der Eisstand, als auch die Toiletten wegen „Winterization“ (stand wirklich auf dem Schild) geschlossen, so dass unser Besuch etwas weniger komfortabel als erhofft ausfiel. Leider bemerkten wir das größere Problem erst beim Betreten des Strands, welcher sich hinter den Dünen versteckt: 12°C, starker Wind, aufgepeitschstes Meer .. die Bedingungen zum Spazierengehen waren nicht unbedingt ideal. Wir stapften trotzdem ein paar Meter durch den recht kühlen Sand und mussten ein wenig enttäuscht feststellen, dass das Erscheinungsbild weitestgehend dem von Miramar Beach entsprach. Während also der Strand von Pensacola wesentlich weniger fein und weiß war, konnten wir zwischen Destin, Miramar und Grayton praktisch keinen Unterschied ausmachen, was ein wenig von der von den Reiseführern geweckten Erwartungshaltung abweicht. Bitte nicht falsch verstehen: Im Sommer, bei >25°C, weniger Sturm, einem ruhigeren Meer und etwas mehr Besuchern sind alle genannten Strände bestimmt sehr schön und zum Baden toll geeinigt .. zum Zeitpunkt unseres Besuchs ergab sich jedoch kein wirklicher Mehrwert (da auch keine wirkliche Unterscheidbarkeit gegeben war) durch die Besichtigung der unterschiedlichen Lokationen. Auch der kurze Tripp nach Seaside (hier wurden angeblich große Teile des Films „Die Truman Show“ gedreht) war eher farblos: Verfrühte Weihnachtsdeko, leere Stadt, breiter, kalter Strand.

Ich könnte an dieser Stelle noch kurz auf den fast schon traumatischen Besuch der Panama City Mall eingehen, bei der wir im weiteren Verlauf unserer Fahrt in Richtung Port Saint Joe Station machten, aber jede Erinnerung an dieses Ereignis wäre verschwendete Zeit. Kurzzusammenfassung: Muss wirklich nicht sein; absolut gar nicht. Etwas netter war (wie mittlerweile gewohnt) das Abendessen bei Applebees: Salat, ein paar Pommes, endlos viel Pepsi, dazu eine nette Atmosphäre und rasche Bewirtung .. so kann man sich unterwegs wirklich nett ernähren (lassen).

Leider finde ich aktuell – wie eingangs anmoderiert – kein positives Erlebnis um unseren Tag zu schließen .. daher werde ich quasi als Notfallmaßnahme etwas Erheiterndes berichten: Nach dem durchwachsenen Tag erreichten wir ein wenig erschöpft und bereits recht spät (wir hatten vor rund 30km wieder die Zeitzone gewechselt) unsere Unterkunft in Port Saint Joe. Bewertung bei Google >4, Kommentare bei Tripadvisor eigentlich unauffällig und ziemlich positiv. Wir bezogen das erste Zimmer: Auf den ersten Blick etwas klein, aber sonst in Ordnung .. Problem: Direkt vor der Tür stand der Eisspender und dessen Kühlaggregat erreichte locker die Lärmstufe eines Notstromgenerators .. keine Option. Wir bezogen das zweite Zimmer: Auf den ersten Blick ganz in Ordnung, aber die Fenster ließen sich nicht völlig schließen und direkt vor selbigen befanden sich die Aggregate der Klimaanlagen. Also besorgte Dani einen Schlüssel, um die Betätigungen der Fenster bewegen zu können, mit der Hoffnung den Lärm auszusperren. Das klappte zwar im „Hauptraum“, im Bad blieb das Fenster bedingt durch einen Defekt aber stets mindestens 5cm offen .. irgendwie blöd, wenn es nachts bis zu 3°C kalt werden sollen. Wir bezogen das dritte Zimmer: Die Fenster ließen sich schließen, das Bad hatte erst gar keins .. schien in Ordnung zu sein. Wir schleppten all unser Gepäck in das Zimmer und stellten dann fest, dass permanent klappernde Geräusche zu vernehmen waren .. die Klimaaggregate verursachten wohl Schwingungen, die übertragen wurden. Nach dem Hinweis an der Rezeption, dass sich das zu einer tollen Geschichte für Tripadvisor entwickelt, bezogen wir das vierte Zimmer (jetzt gab es sogar ein Upgrade!). Wir hatten nun zwei Klimaanlagen, zwei Fernseher, immer noch ein fensterloses Bad und … einen Getränkeautomat vor der Tür, dessen Kühlaggregat ebenfalls deutlich wahrnehmbar zu Werke geht. Man bot uns Ohrstöpsel an und verwies darauf, dass das Hotel „historisch“ sei und deshalb mit diesen Einschränkungen zu rechnen ist. Man tat das sehr nett. Wir wollten nicht nochmal umziehen. Wir werden eine Nacht überstehen.

Morgen steht primär die Fahrt nach Ocala an, die rund fünf Stunden dauern sollte und auf der wir hoffentlich den ein oder anderen interessanten Zwischenstopp einlegen werden. Leider werden die Temperaturen bis zu unserer Abreise die 20°C wohl nicht mehr überschreiten, weshalb damit zu rechnen ist, dass wir uns bei der Rückkehr nach Deutschland zumindest keine unverschämte Ganzkörperbräune vorwerfen lassen müssen. Sollte es morgen keinen Blogbeitrag geben, so bitte ich darum nicht in Panik zu verfallen .. vielleicht gibt es einfach nichts zu erzählen 😉

Florida Tag 11 – Der Panhandle

Manchmal (ich denke sogar eigentlich sehr oft) hat die Stimmung, in der man sich beim Schreiben solcher Beiträge befindet, einen großen Einfluss auf die Darstellung und Bewertung des Erlebten. Schöne Dinge werden in der Retrospektive (und seien die Erinnerungen auch noch so jung) schöner und weniger tolle Erlebnisse erscheinen bereits mit wenigen Stunden zeitlichem Abstand nicht mehr ganz so suboptimal. Ich schicke diese Erklärungen vorweg, da ich momentan eindeutig in der Stimmung „glücklich“ bin. Warum dem so ist, wird sich (hoffentlich) dem roten Faden folgend später ergeben.

Doch fangen wir wie immer am Morgen an: Nach einer erholsamen, aber etwas irritierenden Nacht (die zusätzliche Stunde Zeitverschiebung ist doch etwas ungewohnt) starteten wir mit einem typischen, amerikanischen Hotelfrühstück in den Tag. Dies bedeutet, dass wir auf Papptellern und mit Plastikbesteck bewaffnet über Waffeln, Joghurt, Cornflakes, Eier und Speck etc. herfallen durften – allerdings in eher „einfacher“ Bistro-Atmosphäre . Frisch gestärkt wuchteten wir unser Gepäck ein weiteres Mal ins Auto (mittlerweile haben wir im Umziehen ja enorm viel Erfahrung) und steuerten in Richtung Strand. Rückblickend der größte Fehler des Tages. Da laut Wetterbericht der Morgen deutlich schöner als der Rest des Tages sein sollte, verwarfen wir unsere eigentliche Planung und besuchten zuerst Pensacola Beach. Die Fahrt dorthin dauerte ca. 20 Minuten und führte über eine Brücke, auf der man die Maut in Höhe von 1$ tatsächlich noch Bar am Schalter entrichten darf (Maut gibt es hier wirklich überall .. aber die Mietwagen sind mit einem sog. „SunPass“-System ausgestattet, so dass die Gebühren im Nachhinein ganz einfach und schmerzlos mittels der bei der Autovermietung hinterlegten Kreditkarte abgerechnet werden).

Um Pensacola Beach zu erklären, möchte ich mich einer nicht perfekten, aber ziemlich passenden Analogie bedienen: Stell dir vor du möchtest auf Mallorca eine gute Zeit verbringen (inkl. Party in der Schinkenstraße), steigst vorfreudig in den Flieger, malst dir vorher aus wie toll die Strände sein werden, wie gut die Stimmung, wie glücklich die anderen Menschen .. kommst dann an und stellst fest: Komisch, im Februar ist am Ballermann gar nichts los. Alle Parkplätze sind leer, es gibt keine Rettungsschwimmer am Strand, die großen Hotels wirken verlassen, die Bars und Cafes sind geschlossen und die einzigen die mit dir am Strand sind, sind ein paar andere Verrückte, die auf Einsamkeit und Wind stehen. So in etwa fühlt man sich, wenn man Mitte November, an einem frühen Sonntagmorgen am Strand von Pensacola ankommt und überrascht feststellt „In der Saison ist es bestimmt cool hier .. wann geht die doch gleich wieder los?“. Die Antwort auf eben jene Frage liefern die Schilder, die darüber informieren, wann das Strand-Shuttle („Trolley“) wieder fährt: Im Mai 2015. Mit anderen Worten waren wir mehr oder weniger schockiert von der Szenerie, die völlig verlassen, grau, ungastlich wirkte und so gar nicht dem entsprach, womit wir gerechnet hatten. Auch die angeblich so weißen Strände waren zwar sehr breit und relativ fein, aber bei Weitem nicht so strahlend und schneeweiß, wie wir uns das im Voraus vorgestellt hatten. Tapfer stapften wir also am einsamen Strand und gegen den Wind durch den Morgen und wurden offen gesagt ein wenig frustriert. Irgendwann kehrten wir um, reflektierten auf dem Rückweg zum Auto sachlich und partnerschaftlich den Hergang, der zu dieser Mini-Katastrophe geführt hatte („Schatz, in den sechs Stunden Fahrt hier her hätten wir es auch nach Miami geschafft!“) und verzweifelten ob der nicht vorhandenen Optionen. Egal welchen kühnen Plan wir zu entwickeln versuchten, es wäre einfach nicht sinnvoll und vermutlich auch gar nicht durchführbar gewesen (die etwaigen Mehrkosten gar nicht betrachtet). Also fügten wir uns in unser Schicksal und kehrten zunächst zum eigentlich avisierten Tagesablauf zurück: Einem Besuch im National Naval Aviation Museum. Nach einer relativ entspannten Fahrt von ca. 35 Minuten erreichten wir das Areal, auf welchem sich selbiges befindet, und mussten dem Guard an der Schranke zunächst Identität und Intention nachweisen – da merkt man schon, dass das Museum einen eher offiziellen Charakter hat.

Nachdem die Schranke passiert war, ging es zunächst auf einem sehr großzügig dimensionierten Golfplatz vorbei, bevor sich weitere 3km später die Silhouette eines Jets zeigte. Rasch war das Auto auf dem riesigen Parkplatz abgestellt und nach einer kurzen Reorganisation (Rucksäcke, Taschen etc. sind im Museum nicht gestattet) betraten wir das Hauptgebäude. Hier wird einem bereits nach wenigen Augenblicken die Ernsthaftigkeit der Sache bewusst: Der Info-Counter war in massivem, dunklen Holz gehalten, dahinter standen drei Herren gehobenen Alters im Anzug und mit Krawatte, die Revers mit goldenen Miniaturflugzeugen besetzt und die Hände vornehm gefaltet. Das National Naval Aviation Museum ist eine kostenlose Ausstellung der amerikanischen Navy, welches qualitativ extrem hochwertig umgesetzt wurde und überraschend groß ist – aber keine Flugzeugsammlung mit der Leichtigkeit eines Technikmuseums in Speyer etc. Dies wird einem zusätzlich vergegenwärtigt, wenn man in der Ausstellung von Veteranen angesprochen wird und von diesen Erklärungen erhält – beeindruckend. Dani fand die Atmosphäre etwas zu drückend, ich kam aus dem Staunen hinsichtlich der Umsetzung, der Exponate und der Authentizität nicht heraus – allein dieses Museum lässt einen Besuch in Pensacola zur Empfehlung werden. Neben sehr vielen Flugzeugen unterschiedlichster Baujahre gab es auch Exponate aus dem Bereich der Weltraumtechnik, verschiedene Hubschrauber (unter anderem den Marine One, also einen Hubschrauber des Typs, den der Präsident verwendet), Fahrzeuge und Szenerien zu erkunden. So waren beispielsweise einige Quartiere eines Flugzeugträgers, ein kleiner Teil eines Versorgungslagers aus dem Vietnamkrieg sowie verschiedene Modelle zu den Innenansichten und Arbeitsweisen in den Flugzeugen zu sehen (u.a. Querschnittsmodelle).

An vielen Stellen wird mit modernen Multimediainstallationen gearbeitet, um z.B. die Funktionsweise einer Turbine oder die Zusammenarbeit auf einem Flugzeugträger zu zeigen. Ferner kann man erstaunlich viele Exponate berühren bzw. betreten, so dass wir (obwohl wir schon einige Museen dieser Art besucht hatten) das erste Mal gemeinsam in meinem authentischen Cockpit sitzen durften – eine tolle Erfahrung. Auch die schieren Dimensionen der Museumshallen und die sehr hohe Qualität der gezeigten Stücke (eigentlich hat man bei jedem Flugzeug das Gefühl, es könnte sofort abheben), tragen positiv zum Gesamteindruck bei. An dieser Stelle sei angemerkt, dass es (normalerweise, zum Zeitpunkt unseres Besuchs bedingt durch einen technischen Defekt) Touren über das Vorfeld, geführte Touren durch das Museum und dienstags sogar Demonstrationsflüge der Kunstflugstaffel gibt – das alles kostenfrei. Einzig für das IMAX 3D-Kino und die 4D-Bewegungssimulatoren hätte man Tickets lösen müssen – wir haben verzichtet. Wie gesagt, dieses Museum ist ein ganz toller Tipp und eine mindestens 3h dauernde Beschäftigung. Danach kann man z.B. den in der Nähe befindlichen Leuchtturm erkunden, um die Erfahrung abzurunden (hier sind Eintrittsgelder zu zahlen).

Danach ging es für uns weiter an der Emerald Coast, der Elfenbeinküste, gen Süden. Unser nächstes Hotel lag nur ca. 100km entfernt, so dass wir Zeit für verschiedene Zwischenstopps hatten. Einen solchen legten wir relativ spontan am Gulfarium ein – einer Art Sea World mit Fokus auf die im und am Meer lebenden Tiere der Golfküste Nordamerikas. Neben diversen kleinen Aquarien und einem überraschend kleinen Seewassertank (220.000l Wasser sind weniger, als man vermuten würde), gab es diverse Außenanlagen mit Rochen, Riesenschildkröten (Land und Wasser), Haien, Alligatoren, Seelöwen, Ottern, Vögeln und Muscheln sowie Krebsen zu sehen. Das Herzstück der Anlage bildet ein großes Bassin mit ca. 6m Tiefe und ungefähr 20m Durchmesser, in dem fünf Delfine leben. Diese kann man zwei Mal am Tag in einer „Show“ bewundern – für deutsche Verhältnisse mittlerweile ein Relikt. Wir haben uns eine dieser Shows angesehen, die zwar durchaus nett war, jedoch übertrieben inszeniert und relativ unverständlich erklärt wurde. Auch die teilweise beengten Bassins der anderen Meeresbewohner (hier seien vor allem die Haie genannt) verbesserten den Gesamteindruck nicht unbedingt. Insgesamt haben wir im Gulfarium ca. 2h verbracht, dafür in etwa 42$ ausgegeben und einige nette Eindrücke gesammelt. Wer bereits einen vollen Terminplan hat, muss hier unserer Meinung nach aber nicht unbedingt stoppen.

Auf dem Weg in Richtung Hotel legten wir nochmals eine kleine Zwischenstation an einem namenlosen Strand direkt am Highway an, der den üblichen Vorstellungen des Miracle Strips bereits deutlich näher kam – sehr breit, sehr weiß, sehr fein. Wenn der Wind weniger, das Meer ruhiger und die Luft wärmer ist, kann ich mir sehr gut vorstellen, dass man hier eine tolle Zeit verbringen kann. Noch besser wurde es wenige Kilometer später, als wir endlich in Destin ankamen. Destin scheint das designierte Tourismuszentrum (vielleicht auch eher Party-Zentrum) der Emerald Coast zu sein, denn hier ist einfach mal alles neu, alles spektakulär und alles einladend. Man kann direkt am Harborwalk Village genannten Bereich (gratis) parken und von dort an die Erkundung starten. Wer sich bereits beim Namen an den Historic Harbor District von Key West erinnert fühlt, wird nicht enttäuscht. Über mehrere lange Stege und Straßen geht es durch das Viertel, welches teilweise ähnliche Attraktionen wie im tiefen Süden bietet (Powerboot-Touren, Angeltouren, Parasailing, JetSki-Fahrten, Schnorcheltripps etc.), aber zusätzlich einige einmalige Highlighs aufweist. Hierzu zählen z.B. Kletterwand (inkl. LED-Beleuchtung), Seilrutsche, Bungeejumping-Turm und gigantische LED-Wand – wie man sieht, ist hier also richtig was los. Zwar hatten wir während unseres Besuchs etwas Pech mit dem Wetter (wenig Sonne, viele Wolken, starker Wind .. und wie gesagt Nebensaison), doch konnte man bereits bei diesen suboptimalen Bedingungen ein Gefühl dafür kriegen, was hier sonst los sein muss. Wenn es im Süden richtig warm und überfüllt ist (also im Sommer) ist Destin sicherlich eine richtige coole Gegend um Spaß zu haben, actionreiche Events zu erleben und den wirklich schneeweißen Sand zu genießen. Letzteren haben wir uns auf der Landzunge gegenüber des Hafens etwas näher angeschaut, wobei erneut die vielfältigen und kostenlosen Parkmöglichkeiten positiv auffallen. Dabei konnten wir erfolgreich verifizieren, dass das Adjektiv „schneeweiß“ in der Tat nicht übertrieben ist.

Die letzte Station des Tages stellte erneut eine sehr positive Überraschung dar und ist der Grund, warum ich mich derzeit so glücklich fühle. Das Residence Inn (by Marriott) in Miramar Beach ist ein absolutes und dabei ziemlich kostenattraktives Highlight (es ist so toll, dass ich schon wieder Namen nenne). Tolles Gebäude, beeindruckende Lobby und vor allem qualitativ extrem hochwertige Zimmer wissen zu überzeugen. Während unseres gesamten Urlaubs hatten wir nicht einmal ein so luftiges Studio, mit einer derart neuen und sauberen Küche, ein so bequemes Bett und eine so gelungene Wohlfühlatmosphäre. Alles sieht so aus und fühlt sich so an, als ob das Hotel erst letzte Woche eröffnet wurde .. nach den teilweise etwas ernüchternden Erfahrungen der letzten Nächte stellt das Residence Inn ein Refugium der Erholung dar, welches man am liebsten gar nicht mehr verlassen möchte. Neugierigen sei übrigens gesagt, dass das Ressort auch Annehmlichkeiten wie einen Fitnessbereich, einen Indoor- und Outdoorpool sowie einen Whirlpool bietet). Das Personal ist sehr freundlich und die Lage super. Mit dem letzten Punkt möchte ich zum Grand Boulevard überleiten, der im Prinzip neben dem Hotel beginnt und ein Vorzeigeviertel von Miramar darstellt. Alles ist neu, sauber, hübsch, aufeinander abgestimmt und wirkt extrem einladend. Im gesamten (sehr gut beleuchteten) Viertel wurden beispielsweise großzügig Bose-Lautsprecher verbaut, aus denen leise eine einheitliche Beschallung ertönt – wo hat man so etwas schon? Ferner gibt es einen dedizierten Guide, in dem man neben einem Grundriss des Viertels auf einen Blick die verschiedenen Karten der lokalen Restaurants, Bezahlmöglichkeiten und Geschäfte findet .. für amerikanische Verhältnisse zwar nicht unüblich, aber definitiv qualitativ überdurchschnittlich. Wer unter einem „* Inn“-Hotel einen grauen Block in irgendeinem dunklen, lauten Gewerbegebiet vermutet (sowas ist uns natürlich noch nie passiert 😉 ) wird hier jedenfalls aus dem Staunen nicht herauskommen.

Unsere abendliche Futterbesorgung im hiesigen Publix (10 Minuten zu Fuß vom Hotel) lässt mich auf den letzten Aspekt kommen, auf dem ich in diesem Artikel eingehen möchte: Der Servicementalität hier in den Staaten. Jeder Angestellte in jedem Supermarkt in dem wir bisher waren, grüßt zum Beispiel freundlich, geht proaktiv aus dem Weg oder entschuldigt sich, falls er doch mal passieren muss. Man wird überall freundlich empfangen und findet jederzeit schnell und kompetent Hilfe, wenn Fragen zu Produkten auftreten. Den Gipfel des Aha-Erlebnisses hat man dann an der Kasse, wenn jeder Kassiererin eine dedizierte Servicekraft zur Seite steht, die beim Ausladen des Einkaufskorbs hilft, die bezahlten Waren in Tüten verpackt und diese auch wieder in den Wagen lädt. Das alles geschieht (zumindest hier) mit einer selbstverständlichen Freundlichkeit und wirkt weder erzwungen, noch unangenehm. Einkaufen macht hier wirklich Spaß und stellt (für mich ganz persönlich) einen sehr krassen Kontrast zur deutschen Servicementalität dar, bei der ich manchmal das Gefühl habe, mich bei der Bedienung im Supermarkt entschuldigen zu müssen, wenn ich die Dreistigkeit besitze 21:00 Uhr abends etwas zu Essen kaufen zu wollen.. Das die genannten Servicekräfte i.d.R. kein Trinkgeld erwarten (was teilweise auch durch entsprechende Schilder an der Kleidung kenntlich gemacht wird) sei nur ergänzend erwähnt.

So geht unser elfter Tag in Florida so langsam zu Ende .. morgen erwartet uns voraussichtlich leider ein weiterer Regentag (laut Vorhersage zumindest bis zum Mittag), verbunden mit einem Temperatursturz von 23°C auf 10°C. Wir werden das Beste daraus machen, die lokalen Shoppingcenter besuchen, eventuell eine Runde Minigolf spielen und (hoffentlich) den „legendären“ Grayton Beach erkunden. Abends steht dann die rund 2h dauernde Fahrt nach Port St. Joe, weiter im Osten gelegen, an.

Florida Tag 10 – Bei den Seekühen

Bevor ich damit beginne von unserem zehnten Tag im Sunshine State zu berichten, muss ich quasi eine Errata für Tag 9 veröffentlichen: Das Hotel war eine Katastrophe. Lieber würde ich in künftigen Urlauben ein Handgepäckstück zu Hause lassen, kein einziges Dessert bestellen, stets auf Softdrinks verzichten oder im Notfall sogar um eine Nacht verkürzen, als nochmal in so einer Absteige schlafen zu müssen. Wie kommt es zu diesem krassen Sinneswandel? Keine Ahnung .. irgendwie sah alles noch ganz nett aus, als wir ankamen. Spätestens nach der Rückkehr von unserem abendlichen Einkauf und vermutlich mit Hilfe der mit der Nahrung einhergehenden Stärkung wurden die eklatanten Mängel immer sichtbarer: Mangelhafte hygienische Zustände, unangenehmer (modriger) Geruch, hoher Lärmpegel. Während unseres gesamten Urlaubs habe ich bisher nicht ein einziges Mal so schlecht geschlafen und wenn man sich in die verschiedenen Problemstellen tiefer reingedacht hätte, wäre man wahrscheinlich schreiend weggelaufen. Merke: Es gibt eine qualitative Untergrenze für Unterbringungen und selbst die Argumentation „Wir wollen dort doch nur ein paar Stunden schlafen“ ist nicht immer hilfreich .. nicht mal im Streitgespräch mit sich selbst.

Nachdem dieses unangenehme Kapitel hiermit abschließend behandelt wurde, möchte ich dazu übergehen von unserer „Schwimm mit den Manatees“-Tour zu berichten. Selbige begann ziemlich früh an einem kalten, ca. 10°C frischen Morgen (für diese Region übrigens laut Aussage der Anwohner überdurchschnittlich kalt) an einem Seitenarm der Kings Bay. Hier hat der von uns gewählte Anbieter „Crystal River Watersports“ seine Basis. Den Beginn unseres Abenteuers markierte die Übergabe der Ausrüstung – im Preis inbegriffen waren Flossen, Schnorchelequipment (hier hatten wir ja eigenes Material dabei), eine „Schwimmweste“ als Auftriebshilfe (so ein fortgeschrittenes Modell zum selber aufpusten, wie im Flugzeug) und – ganz wichtig – ein dicker Ganzkörperneoprenanzug. Nachdem wir per Unterschrift so ziemlich alle etwaigen rechtlichen Maßnahmen gegen den Anbieter ausgeschlossen und die Ausrüstung anprobiert hatten (kneift ganz schön..), wurden uns zunächst von einem sehr freundlichen Herren an Hand einer Plüschseekuh die Grundsätze erklärt: Immer das Tier den ersten Schritt gehen lassen, nur mit einer Hand berühren, langsame Bewegungen, nur an der Stirn, dem Rücken und dem Bauch berühren. Verstanden. Danach mussten wir ein ca. 10 Minütiges Video schauen, dass die eben erklärten Grundsätze nochmals eindrucksvoll in Bild und Ton wiederholte und konkretisierte .. und die mögliche Maximalstrafe bei Verstößen  (100.000$) benannte. Nach Abschluss dieser Einführung war es soweit: Wir lernten unseren Captain kennen (Captain Jim) und begaben uns gemeinsam auf das Boot. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war klar, dass wir nur zu zweit auf der Tour sein würden .. toll! Jim ist ein Pensionär, der recht kommunikativ und als Tauchlehrer / Aufpasser / Begleiter / Bootsführer perfekt geeignet ist. Er hat viele interessante Dinge erzählt, auf angenehme Weise die Regeln erklärt (ja, nochmal und schon wieder) und später im Wasser auf sehr sympatische Art auf deren Einhaltung geachtet. Er wirkte dabei aber eher wie ein erfahrener Kumpel und nicht wie ein Army-Ausbilder, wie dies einige andere Captains tun, die wir an diesem Tag erlebt haben.

Voller Neugier warteten wir also darauf wie Captain Jim unseren Flachkieler durch die Kanäle in Richtung der Quellen in der Kings Bay steuerte. Links und rechts des Flusses häuften sich nach und nach die unterschiedlichsten Häuser (alte wie neue, große wie kleine) und bei sich langsam lichtenden Dunst unmittelbar über dem Wasser wurde es langsam wärmer. Als wir während der Fahrt dann auch noch einen Delfin sahen, waren wir endgültig wach (Jim war natürlich so nett das Boot zu wenden, so dass wir den Säuger besser beobachten konnten). Unser Ziel erreichten wir nach ca. 30 Minütiger Fahrt und meine ersten Eindrücke kann ich leider nur unzureichend wiedergeben. Da wäre zum einen der Erstkontakt mit den Manatees – wir hatten zuvor noch nie welche „in Echt“ gesehen. Die Seehkühe sind wesentlich größer als man sich das vorstellen würde – die meisten von ihnen sind über 2m lang und bewegen sich mit Hilfe einer massiven Schwanzflosse vorwärts, die allein über 50cm im Durchmesser misst. Der Körperdurchmesser der vegan lebenden Meeresbewohner bewegt sich vermutlich im Bereich von rund 1m (ich zitiere an dieser Stelle nicht Wiki, sondern gebe einfach meine individuellen Schätzungen wieder) – da schwimmen also richtig große Brocken im Wasser. Diese haben aber etwas sehr Friedliches und Niedliches an sich, so dass man am liebsten sofort Kontakt herstellen möchte – hierzu später mehr.

Der zweite, ebenso überraschende Eindruck nach unserer Ankunft im Zielgebiet, war für mich dessen Art und Umgebung. Naiv stellt man sich vor, dass man mit kleinen Booten eine relativ lange Zeit durch schmale Kanäle fährt, um dann in einem abgeschiedenen, ruhigen Gebiet endlich Seekühe zu sehen. Die Praxis sieht eher so aus, dass sich die Manatees in der Winterzeit in die von warmen Quellen erhitzten Kanäle der Kings Bay zurückziehen, die ganz regulär bevölkert sind. Dort stehen also wie bereits beschrieben Häuser unterschiedlichster Art und Güte (also auch richtige Villen), die unmittelbar am Wasser gebaut sind und größtenteils über eigene Stege und Boote verfügen – und eben dort schwimmen die Manatees .. und auch die vielen „Schaulustigen“. Man muss sich das also wirklich so vorstellen, dass dort eine amerikanische Familie an ihrem eigenen Steg frühstückt, im Wasser direkt daneben mehrere Seekühe schwimmen, welche von zwei bis 200 Schnorchlern umgeben werden. Ja, wie uns erklärt wurde, bevölkern zur Hochsaison zwischen Weihnachten und Neujahr tatsächlich bis zu 15 Boote mit jeweils bis zu 15 Personen an Bord die üblichen Rendevouz-Punkte .. eine verrückte Vorstellung, oder?

Damit alles mit rechten Dingen zugeht, gibt es neben den bereits genannten Regeln auch jede Menge Aufpasser. Da wäre ein bewaffneter Law Enforcement Officer an Land und während unseres Aufenthalts zwischen zwei und fünf freiwilligern Helfern auf und unter Wasser. Man hat also ständig Personen in Kajaks, auf Paddelboards oder auch mit Schnorcheln und Flossen im Wasser patrouillierend um sich, die darauf achten, das sich auch wirklich alle zu jeder Zeit richtig verhalten. Das klingt jetzt vielleicht etwas krasser als es sich in der Praxis darstellt, da man insbesondere in einer kleinen Gruppe (wie wir sie waren) eigentlich nur positives Feedback bekommt („So ist es gut“, „Ich glaube dich stupst gleich einer an .. sie mögen gelb“, „Da kommt ein Großer auf dich zu“). Sobald mehr Touristen das Zielgebiet erreichen – das haben wir auch erlebt, als plötzlich ca. 20 Taucher wie eine Entenfamilie auftauchten – wird man schon etwas vorsichtiger und mahnt proaktiver. Wesentlich sind in diesem Zusammenhang zwei Dinge: Erstens haben die Manatees durch Bojen und Seile markierte Rückzugsgebiete („Sanctuaries“, Heiligtümer) in die man auf gar keinen Fall einschwimmen darf. Zweitens dürfen die Manatees alles und haben auch immer Vorfahrt. Das wird zum Beispiel dann spannend, wenn man einer Seekuh auf dem Weg aus oder in das Quellgebiet begegnet – hier muss man als Schnorchler sofort an den Rand ausweichen und warten.

Ich fürchte, dass sich meine Ausführungen bisher ein wenig „steif“ anhören. Dies kommt möglicher Weise daher, dass ich noch nicht genügend auf das Wesen der Manatees eingegangen bin. Diese sind nämlich sehr friedfertig und verbringen den ganzen Tag mit Fressen (ca. 200kg Seegrass am Tag), Schlafen und Schmusen. Dani hatte das große Glück, dass sich ein Manatee wenige Minuten nach unserem Eintauchen ins Wasser in sie verliebte und ausgiebig den Schmusen-Part praktizierte. Auslöser war wohl das Halteband ihrer Auftriebsweste, welches die Seekuh interessant und vielleicht auch lecker fand. Nach einem kurzen Beschnuppern wurde Dani sofort mit den Flossen umklammert und fortan ausgiebig betastet und angeknabbert. Wie sich später herausstellen sollte, war diese Begebenheit wohl tatsächlich relativ außergewöhnlich und sehr niedlich anzusehen. Meine Weste war scheinbar weniger attraktiv, weshalb ich mich mit sachten Streichelbewegungen von der Seite begnügen musste 😉 An dieser Stelle sei angemerkt, dass die Manatees im Salz- und Süßwasser leben können und „unser“ Exemplar von der Zeit im Golf von Mexiko noch recht algenbehaftet war .. er fühlte sich also ein wenig glitschig an. Nach einigen Minuten beschloss Captain Jim (der vorbildlicher Weise mit uns im Wasser war und zudem mit seiner GoPro Hero 3 Black Edition Fotos machte), dass es Zeit wäre der Seekuh Ruhe zu lassen und weiter zu schwimmen. Sachte nahm er dem schwimmenden Sympathieträger sein Leckerli weg und wir schwammen mit Hilfe der Flossen zügig durch einen Engpass in das Quellgebiet ein.

Für uns als Tauch- bzw. Schnorchelanfänger war das eine tolle Erfahrung: Das Wasser war glasklar, es gab sehr viele Fische zu sehen und je näher man den Quellen kam, desto wärmer wurde das uns umgebende Wasser (Austrittstemperatur konstant 22°C). Am Boden der kraterartigen Quellen, die sich ca. 6m unter uns befanden, konnte man an Hand des Bewuchses förmlich sehen, wie das Wasser ausströmte .. toll! Auch direkt im Quellgebiet schliefen mehrere Seekühe, was man daran erkennen konnte, dass sie mit dem Gesicht nach unten gewendet am Boden lagen. Nach einigen Minuten und interessanten Erklärungen von Captain Jim schwammen wir zurück zum Kanal, wo unser Boot nach wie vor vor Anker lag und herrenlos wartete. Unser Captain ließ uns nun allein im Wasser, wo wir ca. 45 Minuten lang Zeit hatten, die verbleibenden Tiere in Ruhe zu beobachten. Leider hatten sich alle Manatees in die Sperrzone zurückgezogen und verließen diese nur zwei Mal kurz, um uns zu begutachten. Scheinbar waren wir aber nicht mehr interessant genug, so dass eine Wiederholung von Danis tollem Erlebnis leider auf unsere nächste Tour verlagert werden muss. Ein wenig durchgefroren klettern wir also gegen 10:15 Uhr wieder auf unser Exklusiv-Boot, um die Rückfahrt in Richtung Hafen anzutreten. Unterwegs lernte ich, dass unser Captain ein früherer Computer-Designer bei IBM war und bei der Entwicklung des IBM/XT maßgeblich mitgewirkt hat .. eine ziemlich interessante Geschichte. Außerdem wurden wir kurz vor dem Anlegen noch Zeuge, wie zwei Manatees sich um die Erhaltung der Population kümmerten .. wir bekamen also ziemlich viel geboten 😉 Insgesamt war die knapp 3h lange Tour ein extrem empfehlenswertes und sehr individuelles Erlebnis, dass ich nur empfehlen kann. Auch die Entscheidung für Crystal River Watersports als Anbieter war sehr gut. So hebt sich dieses Unternehmen von der Konkurrenz zum Beispiel dadurch ab, dass nur maximal sechs Personen pro Boot transportiert werden (dadurch kann man natürlich viel direkter mit dem Captain interagieren), aufblasbare Schwimmwesten anstelle von billigen Poolnudeln verwendet werden und man Bilder der Tour im Nachgang gratis über Facebook erhält – andere Firmen wollen hier 20$ für Aufnahmen der Tour. Ich möchte wirklich keine Werbung machen (weshalb ich in diesem Blog i.d.R. auf konkrete Nennungen von Namen und Adressen verzichte) und wir haben auch keinerlei Preisnachlass für diese Aussagen bekommen, aber diese Tour kann ich wirklich als Tipp reinen Gewissens und uneingeschränkt weiterempfehlen! Auch die Manatee-Kuscheltiere im Shop sind übrigens extrem niedlich und fair bepreist, so dass wir nicht widerstehen konnten 😉

Nachdem die Tour beendet und wir umgezogen waren (trotz warmem Quellwasser und Neoprenanzügen wird es doch irgendwann frisch), knurrte uns der Magen – das Schnorcheln ist doch recht anstrengend. So statteten wir dem lokalen Applebees einen kurzen Besuch ab, bevor wir die nächste Stunde darauf verwendeten die Region um Crystal River etwas weiter zu erkunden. Was soll ich sagen .. an dieser Stelle hätte ich mir das erste Mal eine Abweichung von unserer Tourplanung gewünscht. Crystal River ist ebenso wie Homosassa ziemlich hübsch und die vielen kleinen Seitenarme der Flüsse laden dazu ein, die Kings Bay näher zu erkunden. Entweder auf einem schönen Trail oder besser noch mit einem Kajak hätte man hier sicherlich viele tolle Eindrücke bei schönstem Wetter gewinnen können, doch darauf waren wir einfach nicht vorbereitet und zumindest für die zweite Option terminlich auch nicht flexibel genug. Als Kajak-Region für Einsteiger (wie uns) ist Crystal River aus meiner Sicht aber eine absolut tolle Empfehlung. So mussten wir uns damit begnügen hier und dort mal anzuhalten und ein paar Eindrücke zu sammeln, bevor die rund 600km lange Fahrt nach Pensacola begann.Diese verlief dann endlich einmal so, wie man sich die Überbrückung von größeren Distanzen via Auto in Amerika vorstellt: Man rechnet nicht in Kilometern oder Meilen, sondern in Stunden. Auf Straßen, die in Fußballfelder-breiten Schneisen durch die Landschaft verlaufen, geht es mit gemächlichem, aber konstanten Tempo voran. Die Fahrt von Crystal River über Tallahassee nach Pensacola – bei der man im Übrigen sogar die Zeitzone wechselt – verläuft daher nach dem Schema „200km gerade aus, einmal abbiegen, 300km gerade aus, zweite Straße rechts, Ankunft im Hotel“. Der aufmerksame Leser wird feststellen, dass der Kontrast zur Region um Miami kaum größer sein könnte 😉 Unterwegs, auf den letzten 75km, haben wir beim „Wer bin ich?“-Spielen (hilft immer) übrigens gelernt, dass der Nikolaus und der Weihnachtsmann zwei unterschiedliche „Personen“ sind .. behauptet jedenfalls Dani.

Im Rahmen des fast schon obligatorischen Besuchs beim hiesigen Publix (Supermarkt .. mittlerweile bestimmt die fünfte Niederlassung dieser Kette, die wir kennen lernen) durften wir erneut Zeuge der unterschiedlichen Regionen Floridas werden. Miami ist jung und hipp, die Westküste eher etwas gesetzter und Pensacola eine Studentenstadt .. ich bin gespannt, was wir hier morgen erleben werden. Geplant ist ein Besuch der angeblich extrem weißen Strände des Miracle Strips und des National Naval Aviation Museums 🙂

Florida Tag 9 – Mehr Muscheln, mehr Natur, mehr Wind

Die gute Nachricht zuerst: Unser Jubiläumsabendessen bei der Island Cow auf Sanibel war großartig 😉 Leider haben wir es erst gegen 20:30 Uhr geschafft vor Ort zu sein, was für die Verhältnisse der Insel schon ein wenig spät ist. So kam es, dass noch während unseres Hauptgangs (es waren auch noch vier weitere Tische besetzt) die ersten Stühle hochgestellt wurden und sich das Personal voneinander verabschiedete .. trotz der extrem freundlichen Bedienung und der liebevollen Innenausstattung des Restaurants keine 100%ig perfekten Bedingungen. Aber so das ist Leben auf der Muschelinsel scheinbar .. es geht außergewöhnlich früh los und endet auch ein wenig zeitiger als anderen Orts. Das das Durchschnittsalter signifikant höher als in Miami ist (gefühlt mindestens um den Faktor 2) sei nur als Ergänzung am Rande erwähnt und scheint – soweit bisher erkundet – für die gesamte Westküste Floridas zu gelten.

Für den Abschiedsmorgen auf Sanibel passten wir uns also den lokalen Gepflogenheiten an und standen pünktlich zum Sonnenaufgang voll ausgerüstet am Strand – es gab (so hofften wir) viel zu entdecken. Leider verbarg ein recht dichter Morgendunst über dem Meer die perfekte Sicht auf die Sonne und scheinbar bedingt durch eine etwas veränderte Strömung verirrten sich auch weniger interessante Muscheln als am Vortag in unser Jagdgebiet. Wir unternahmen trotzdem einen recht ausgedehnten, schönen Spaziergang, an dessen Ende wir endlich den obligatorischen Florida 2014-Schriftzug in den Sand legten. Wie man später auf den Fotos sehen wird, war die Aufgabenverteilung übrigens absolut klar. Kleines Detail am Rande: Obwohl wir eigentlich nichts anderes getan haben, als aus den unzähligen Muscheln am Strand einen ca. 1m breiten Schriftzug zu legen (was rund 45 Minuten gedauert hat), wurden wir von mindestens drei Spaziergängern darauf angesprochen, wie „awesome“ unser Werk doch sei .. die Mentalität hier ist schon durchaus interessant 😉

Irgendwann war unser Werk getan und wir kehrten mit hungrigem Magen in das Hotel zurück. Auch hier gilt wieder der ungewöhnliche Zeitplan – um 08:15 Uhr war nicht mehr allzu viel vom Büffet vorhanden 😉 Als dann um 08:30 Uhr unmittelbar unter unserem Fenster mit lauten Mäharbeiten begonnen wurde, war endgültig klar, dass der Tag jetzt offiziell begonnen hatte. So luden wir also unser Hab und Gut in den Mustang und sagten Sanibel Lebewohl – unsere Weiterfahrt in Richtung Norden begann.

Als erste Station steuerten wir das Six Miles Cypress Slough Preserve – ein Naturschutzgebiet ziemlich eingebettet im Stadtgebiet von Fort Myers liegend – an. Bei der Planung unserer Fort Myers-Erkundung mussten wir nämlich etwas ernüchtert feststellen, dass in der „Metropole“ nicht allzu viele Highlights auf uns zu warten schienen. So entschlossen wir uns kurzer Hand für einen Besuch der Top 1 Attraktion laut Trip Advisor und wurden (ich muss zugeben etwas überraschend) nicht enttäuscht. Auf einem 1,2 Meilen langen Rundweg, komplett bestehend aus perfekt instandgehaltenen Holzplanken, ging es durch ein sumpfartiges Gebiet. Je nach Regenmenge verändert sich dabei die Höhe des den Boden bedeckenden Wassers, so dass sich wichtige Effekte für die dort lebenden Arten ergeben. Im gesamten Park (der Eintritt ist übrigens gratis, es gibt einen kostenlosen „Explorers Companion“ und das Parken ist mit 3$ für 3h sehr günstig) wird übrigens um Stille und langsame Bewegungen gebeten, so dass man sich bei der Erkundung des Parks ein wenig wie Indiana Jones fühlt. Dies ist ein wenig irritierend, da in wenigen hundert Metern Entfernung eine mehrspurige Straße verläuft, deren Verkehr entsprechend laute Geräusche emittiert. Scheinbar haben sich die Tiere aber an diese Umgebung recht gut gewöhnt. So hatten wir das Glück neben diversen Vögeln (Flora und Fauna sind einfach nicht meine Stärke..), Fischen und mehreren Eichhörnchen (Gray Squirell) auch einen Alligator nebst Nachwuchs zu entdecken. Einzig die am Parkeingang angekündigten Otter und Waschbären blieben uns leider verborgen. Nach rund 2h und mit vielen neuen Fotos auf der Speicherkarte verließen wir den Park wieder und setzten unsere Fahrt in Richtung Crystal River fort – das nächste Zwischenziel bestand dabei im rund 150km entfernt liegenden Anna Maria Island.

Anna Maria Island soll laut den diversen Reiseführern ein Stück „vergessenes Amerika“ sein – eine paradiesische Insel, die vom Tourismus noch nicht völlig vereinnahmt wurde.  Vor Ort angekommen (ich erspare mir jetzt einfach mal meinen Unmut darüber zu verbreiten, dass der Verkehr erneut sehr zähflüssig war und ich unterwegs den Begriff „Staumerika“ ersann), bestätigte sich dieser Eindruck grundsätzlich. Die Häuschen sind im Schnitt etwas kleiner, die Grundstücke größer, die Geschäfte bodenständiger .. die Anzahl der Parkplätze mit öffentlichem Strandzugang ist aber – große Überraschung – nicht gerade berauschend. Dank guter Recherche vorab und etwas Glück konnten wir trotzdem recht schnell einen kostenlosen Stellplatz ergattern, und begaben uns sogleich zum Strand. Ein Schockmoment: 20°C, starker Wind, hohe Wellen .. trotz strahlend blauem Himmel begannen uns schon nach wenigen Minuten die Ohren zu schmerzen. Ansich im November sicherlich nichts völlig Unerwartetes, aber nach einer Woche perfektem T-Shirt bzw. Strandbekleidungswetter bei meist deutlich über 25°C, erfordert eine solche Begebenheit schon eine gewisse Umstellung. Ich vermag gar nicht daran zu denken, dass wir übermorgen in Pensacola Maximaltemperaturen von 11°C zu erwarten haben … und gemäß aktueller Wettervorhersage leider auch einen weiteren Regentag am Montag.

Wie dem auch sei … der Strand von Anna Maria Island war in jedem Fall trotz suboptimaler Bedingungen beeindruckend. Er war sehr breit, sehr weiß und die zu- und ablaufenden Wassermassen zeichneten ein sehr interessantes und szenisches Bild. Unter anderen Umständen bin ich mir sicher, dass man in Anna Maria Island sicher den ein oder anderen Tag entspannt verbringen kann .. ein Zentrum des interkulturellen Austauschs wie Miami Beach ist es natürlich trotzdem nicht 😉 Nach rund 1h am Strand statteten wir auf der Rückfahrt auch noch dem Hafen einen Besuch ab .. hier gibt es bereits um 14:00 Uhr Live Musik in mehreren Bars (sogar richtig gute), leider ist ansonsten nicht allzu viel los. Anschließend legten wir noch einen Zwischenstopp in einem Applebee’s ein, da das reichhaltige Hotel-Frühstück aufgebraucht war. Dieses Mittagessen blieb mir definitiv als eines der Besseren in Erinnerung: Schöne Innenausstattung, nette Bedienung, schneller Service .. leider war die Karte ziemlich chaotisch. Dafür haben wir nach einiger Konfusion eine schöne Menüoption für zwei gefunden (2 Salate plus 2 Hauptspeisen), wodurch wir inklusive endloser Cola bzw. Pepsi-Versorgung bei weniger als 24$ (plus Tip) landeten .. meiner Meinung nach für das Gebotene mehr als fair. Danach begann die relativ langweilige, rund 200km lange Etappe von Anna Maria Island nach Crystal River, die uns größtenteils auf mautpflichtigen Schnellstraßen durch die Metropolregion um Tampa führte. Da wir die Strecke bereits nach Sonnenuntergang absolvierten, gibt es hier leider wenig zu erzählen. In jedem Fall erreichten wir gegen 19:45 Uhr unsere preisgünstigste Unterkunft des gesamten Trips. Nur 35€ kostet das Doppelzimmer im Motel, welches wir deshalb auswählten, weil es in Sichtweite des Startpunkts unserer „Schnorchle mit den Manatees“-Tour liegt. Da die Tour bereits um 07:00 Uhr beginnt, fanden wir den Gedanken ganz nett, keine Anreisezeit mehr planen zu müssen. Das Zimmer und die gesamte Ausstattung liegen übrigens deutlich über dem, was man für den Preis zunächst erwarten würde. Einzig das romantische Rauschen der auf dem nahegelegenen Highway vorbeifahrenden Autos und LKWs sowie der enorm langsame Internetzugang sind zwei kleine Mankos 😉 Für eine Nacht aber sicherlich zu verschmerzen..

Ein weiterer (winziger) Nachteil dieser ländlichen Region ist die lokale Versorgung mit Supermärkten .. für den Einkauf unserer abendlichen Fruchtschale und diverser Frühstückszutaten mussten wir ganze 13km pro Strecke fahren – absolut betrachtet natürlich unproblematisch, aber relativ betrachtet sind wir von den letzten Tagen (hier mussten wir nie weiter als 2km fahren bzw. konnten meistens sogar laufen) halt doch etwas verwöhnt.

So schließe ich diesen Beitrag mit knurrendem Magen und großen Erwartungen für unsere Erlebnistour morgen. Nach selbiger steht übrigens die längste Fahretappe am Stück an: Von Crystal River aus geht es primär über Interstates in das rund 5h entfernt gelegene Pensacola am wesentlichen Ende des sog. Panhandle.

Florida Tag 7 – Die Glades, Naples, Sanibel Island

Der Start in den siebenten Tag unserer Florida-Erlebnistour fühlte sich ein bisschen wie das Erwachen eines Truckers an: Draußen war es noch dunkel, das dominierende Geräusch war jenes, dass in der Nähe vorbeirauschende Autos erzeugen (wenn man richtig müde ist, klingt das fast wie Meeresrauschen) und unser Fortbewegungsmittel parkte quasi keine 5m Luftlinie vom Bett. Bevor wir in Richtung Everglades aufbrachen, stoppten wir noch kurz im großzügigen Frühstücksraum gegenüber der Rezeption. Hier warteten neben Saft, verschiedenen Arten von Cornflakes und eigenartigen Brötchen-Immitaten auch eine Waffel- sowie Pancake-Maschine auf uns .. lecker!

Leider konnten wir das köstliche Mahl in bester, stilechter Atmosphäre (Trucker und so) nicht gebührend zelebrieren, da wir einen sportlichen Zeitplan bezüglich der in den Everglades geplanten Aktivitäten hatten. Pünktlich um 06:45 Uhr bogen wir also wieder auf den Highway ein und setzten bei kühlen 16°C Kurs in Richtung Westen. Unerwarteter Weise verliefen die ersten 30 Kilometer unserer Fahrt erschreckend langsam, da wir uns von Ampel zu Ampel quälten und so kostbare Minuten auf die von Google Maps bzw. unserem Navi prognostizierte Ankunftszeit verloren. Während der Verkehr allmählich weniger wurde, wurde auch die Landschaft weitläufiger. Riesige Tomaten-, Avocado-, Erdbeer,- und verschiedenste Palmenplantagen säumten den Weg über geschätzt mehr als 10 Kilometer. Zu unserer großen Freunde standen auch zwei kleine Kuhherden, inklusive Kälbchen, Spalier. Irgendwann bogen wir auf den Federal Highway 41, dem wir dann nur noch für rund 90 Kilometer in die Sumpfgebiete folgen mussten. Bei legalen 45, später 55 und abschließend sogar 60 Meilen pro Stunde kamen wir gut voran (man gewöhnt sich irgendwann an die Entschleunigung) und nach einiger Zeit begannen gehäuft auftretende „Airboat Tour“-Schilder unseren Weg zu säumen – anscheinend waren wir goldrichtig. So gelang es uns bei schönster Morgensonne um 08:45 Uhr unser Ziel zu erreichen: Den Startpunkt unserer „Mangrove Wilderness Tour“. Es handelt sich dabei um eine touristisch eher weniger bekannte Bootsfahrt, bei der es mit Flachkielern rund 2h in die Everglades, bis hinein in die Mangroven-Tunnel, geht. Da die Boote entsprechend klein sein müssen, haben jeweils nur sechs Personen Platz, wodurch eine gewisse Planungsunsicherheit besteht. Glücklicherweise reisen wir ja aber in der Nebensaison und sind nur zu zweit, so dass wir sofort zwei Plätze für die 09:00 Uhr Tour – wie erhofft – bekamen.

Die Tour selbst zählt wieder zu der Kategorie „Absolutes Highlight, das sich schwer in Worte verpacken lässt“. Grundsätzlich muss man das sich das Ganze so vorstellen: Man sitzt zusammen mit ein paar anderen Touristen in einem kleinen Boot, dass von einem 115 PS starken Außenborder angetrieben (das Wasser ist meist nur zwischen 10 und 100cm tief) und einem erfahrenen Guide gesteuert wird. Los geht es dabei von einem Fluss aus, der mit rund 20 Meilen pro Stunde fließt – es ist also von Anfang an spannend. Die ersten Minuten der Fahrt verlaufen noch eher unspektakulär – ein paar Pfosten die Untiefen angeben hier und da, ein paar Vögel, lauter kleinere Inseln und ein Captain, der ein paar Erklärungen gibt und nach und nach ein wenig beschleunigt. Richtig spannend wird es dann nach 30 Minuten, wenn der Steuermann das kleine Boot in einen Mangroven-Tunnel steuert, der nur wenig breiter als das Gefährt selbst und auch nicht allzu tief ist. Fortan müssen die Tourteilnehmer aufmerksam und beweglich sein, wenn sie nicht von Ästen, Farnen oder gar Spinnennetzen erwischt werden wollen. Der Skipper macht seinen Job dabei ganz hervorragend und kann das Boot bedarfsweise sehr genau auf der Stelle halten – wer das schon mal selbst versucht hat, wird sofort Respekt empfinden. Neben vielen Vögeln bekamen wir so neben vielen Vögeln auch vier Aligatoren und vor allem unzählige Spinnen zu sehen. Allein das Gefühl der Enge, der „Dunkelheit“, der Unberührtheit dieses halb grünen, halb braunen Tunnels ist äußerst beeindruckend. Ganz zu Beginn unserer Planung hatte ich ja mal die Idee mit einem Kajak auf eigene Faust oder von einem Scout begleitet in die Mangroven-Wälder zu paddeln .. das wäre vermutlich eine ziemliche Katastrophe geworden. So konnten wir die beeindruckende Natur der Glades ganz nah erleben, wurden dabei aber durch unseren freundlichen und sympathischen Captain auf ein sehr angenehmes Level „abgegrenzt“. Wie man hoffentlich merkt, kann ich die Tour nur uneingeschränkt empfehlen, wenngleich eine gewisse Planung hinsichtlich der begrenzten Kapazitäten sicherlich hilfreich ist. Kostenpunkt: Rund 40$ pro Person plus Trinkgeld bzw. Tip.

Nach der Tour wollten wir eigentlich auf zwei kurzen Trails durch die Everglades wandern. Da wir die Einstiegspunkte der Pfade spontan nicht auf der Karte entdecken konnten, steuerten wir einfach das nur 3km entfernt liegende Visistors Center an. Dort wurde schnell klar, dass uns ein kleiner Fauxpas passierte, denn die geplanten Trails lagen rund 100km in die Richtung, aus der wir kamen. Glücklicherweise konnte uns die freundliche Dame mehrere andere Pfade empfehlen, von dem uns dann auch einer zusagte (teilweise 8 Meilen unbefestigte Wege fahren klang dann doch nicht so nach einer idealen Strecke für unseren Mustang). So erreichten wir den Fakahatchee-Trail bereits wenige Minuten später und begaben uns auf die rund 1000m lange Strecke (einfacher Weg) über Holzstege in den Sumpf. Nun ja, wie soll ich sagen .. es war nicht die bisher imposanteste Erfahrung unseres Urlaubs. Vermutlich lag es an einer Kombination aus der ungünstigen Uhrzeit (mittags), den hohen Temperaturen (>31°C) und der hohen Luftfeuchtigkeit, dass wir außer ein paar Vögeln, vier Schildkröten und einem Alligator nicht allzu viele Tiere zu sehen bekamen. Außerdem setzten uns die Umweltbedingungen ausnahmsweise unerwartet stark zu, so dass es uns beiden nicht allzu toll ging.

So verließen wir die Glades ein wenig schneller als gedacht und erreichten gegen 13:00 Uhr die schöne Stadt Naples an der Westküste Floridas. Naples gilt wie Palm Beach als wohlhabende Gemeinde für die finanziell bessergestellte Gesellschaft und das merkt man schon, wenn man sich auf dem Highway auch nur nähert. Die Grünstreifen werden plötzlich gepflegter, die Vorgärten ordentlicher, die Autos hochwertiger. Je mehr man sich dann dem Stadtzentrum, Downtown, nähert, desto mehr intensiviert sich dieser Eindruck. Im Gegensatz zu Palm Beach wirkt Naples aber auf eine gewisse Weise wesentlich ursprünglicher, zugänglicher und realer. Die Häuser bzw. Anwesen sind zwar ebenfalls sehr üppig und besonders detailverliebt gestaltet, sie wirken aber landestypisch und vor allem bewohnt. Während in Palm Beach viele der Residenzen sehr stark abgeschottet sind und stilistisch offensichtlich massiv von anderen Epochen und Ländern inspiriert wurden, wirkt Naples wie ein Ort, in dem die Menschen tatsächlich auch ganzjährig leben und wohnen. Kurz gesagt: Palm Beach = Protz & Prunk, der (gefühlt) zum Großteil nur wenige Tage im Jahr bewohnt wird und teilweise wie ein Freizeitpark wirkt, Naples = Gediegene Atmosphäre mit Nutzwert. Die Aston Martins, Rolls Royce, Porsche und Jaguare gibt es natürlich hier wie dort, doch in Naples sind die subjektiv betrachtet etwas weniger. Dafür gibt es in der Westküsten-Stadt jede Menge Parkplätze für relativ geringe Gebühren (die meisten leider nur mit einer zeitlich befristeten Parkuhr) und sogar einige komplett kostenfreie Optionen (wie hatten das Glück eine solche, äußerst zentral gelegene, zu finden). Nachdem wir den Mustang also abgestellt hatten, begaben wir uns zuerst (wie kann es anders sein) an den Strand. Dieser ist sagen wir mal durchschnittlich: Nicht allzu breit, sauber, kurze Flachwasserzone, erschreckend kaltes Wasser (20,5°C sind doch nicht ganz so angenehm, wie die Fluten rund um die Keys). Dafür gibt es eine sehr schöne Pier, die man sogar – große Überraschung – gratis betreten darf. Andernorts werden für solche „Sehenswürdigkeiten“ schon mal 2-3$ pro Person verlangt. Nach dem Besuch am Strand begaben wir uns auf einen ausladenden Spaziergang durch die ersten zwei Straßen von der Seeseite aus gesehen und bewunderten die bereits oben beschriebenen Anwesen. Insgesamt ein toller Ort, der zwar etwas Avantgardistisches hat, dabei aber sehr zugänglich und sympatisch wirkt. Für einen Zwischenstopp kann ich auch Naples uneingeschränkt empfehlen .. für einen längeren Aufenthalt müsste man wohl schon etwas mehr auf die Suche nach interessanten Aktivitäten gehen.

Gegen 15:30 Uhr brachen wir in Richtung unseres letzten Tagesziels auf: Sanibel Island, eine Insel südlich von Fort Myers. Für die rund 60km wählten wir die malerische Route über Fort Myers Beach, welche uns größtenteils direkt am Wasser entlang führen sollte. Das tat sie auch und auch die gebotenen Panoramen waren wirklich toll, was leider nicht darüber hinwegtäuschen konnte, dass wir kurz vor der Rückkehr auf die Hauptstrecke rund 20 Minuten in einer schier endlosen Blechkolonne standen – Ursache nicht abschließend geklärt. Trotzdem überquerten wir gegen 16:30 Uhr für nur 6$ Maut die Brücke nach Sanibel Island, wo wir die letzten 10 Kilometer bis zu unserer Unterkunft zurücklegten. Rein preislich betrachtet war diese (also die Unterkunft) die zweit teuerste nach Key West und nach dem Motel letzte Nacht hatten wir große Erwartungen. Wenn eine Einleitung schon so beginnt, kann man sich den Rest meistens denken: Die Zimmer waren sehr stark abgewohnt, die im Internet zuvor bestaunten Fotos irgendwie nur begrenzt zutreffend und der Gesamteindruck löste zunächst keine Begeisterungsstürme aus. Zwar konnte Dani mit Hinweis auf die omnipräsenten Abwohnspuren ein Upgrade erreichen, doch gab es auch hier vorsichtig gesagt noch Luft nach oben. Da unsere Residenz aber sehr gut gelegen war (erste Reihe am Strand) und wir keine Lust auf kurzfristige Neuplanungen hatten, entschlossen wir uns zu bleiben.

Damit kommen wir nach den Everglades und Naples zum dritten Highlight dieses Tages unserer Florida-Reise: Dem unglaublich Muschel-intensiven Strand von Sanibel – keine 100m von unserem Bett entfernt. Im Ernst, wer mal Fotos von diesem Ort gesehen hat und auf den massiven Einsatz des Kopierstempels in Photoshop getippt hat (wie wir zum Beispiel) wird begeistert sein. Muschel reiht sich hier an Muschel, Art an Art .. die Häufung, Vielfalt und Sauberkeit der kalkhaltigen Meeresbewohner suchen wirklich ihres Gleichen. Auf jedem einzelnen Meter finden sich genügend interessante Exponate, um quasi dauerhaft in der Hocke zu bleiben und eine kniehohe Glasröhre für derartige Andenken könnte man vermutlich in weniger als 10 Minuten mit wirklich sehenswerten Fundstücken füllen. Wenn ich diese Zeilen nochmal lese, klingt das, was wir hier gesehen haben so trivial: Einfach unglaublich viele, saubere, unterschiedliche Muscheln auf ganz wenig Raum .. allerdings über viele hundert Meter / Kilometer .. muss man gesehen haben – offensichtlich trägt Sanibel seinen Titel als muschelreichster Ort der USA (strömungsbedingt) nicht zu Unrecht. Ein weiteres Highlight dieses tollen Städtchens ist der wirklich äußerst faszinierende Sonnenuntergang. Sicherlich haben die meisten schon mal die Sonne über dem spiegelglatten Horizont des Meeres untergehen sehen (das gibt es hier auch .. und es ist toll .. aber nicht einmalig), aber die Lichtspiele, die danach entstehen, sind absolut bemerkenswert. Noch 20 Minuten nach Untergang der Sonne brennt der Himmel in einer Mischung aus orange, blau und lila – unvergesslich.

Als letzte Station unseres ereignisreichen Tages möchte ich von unserem Besuch im hiesigen Supermarkt berichten. Da es bereits gestern 2x „Kauffutter“ gab und für morgen der gleiche Plan vorgesehen ist, hatten wir heute mal wieder Lust auf etwas „zu Hause“ Bereitetes. Ich gebe es zu: In meinem Fall ganz einfaches Schwarzbrot mit Tomaten. An dieser Stelle greife ich etwas vor und sage, dass ich für diese Mahlzeit in Deutschland etwa 2,60€ für das Brot, 1,30€ für Brunch und 1,50€ für die erforderlichen Tomaten kalkulieren würde. Hier auf Sanibel sieht die Realität eher so aus: 5,99$ für ein „Handwerkerbrot“ (alles andere sah völlig inkompatibel aus), 2,50$ für einen Aufstrich und rund 3$ für zwei riesige Tomaten. Ein paar Beilagen gewünscht? Eine kleine Obstschale für 6,50$ vielleicht .. oder für den großen Hunger eine mittlere Schale für 14,50$? Oder vielleicht eine Melone für 6$? Eventuell auch Schmelzkäse für 4$ (die günstigste Option, versteht sich .. und alle Angaben ohne Steuern) .. hier muss man auf nichts verzichten. Was ich damit sagen will: Ein typisches Essen auswärts (nehmen wir unser Essen bei Denny’s gestern: Ein Schoko-Milchshake, ein Banane-Erdbeer-Smoothie, zwei Pancakes mit Chocolate Chips und Peanut Butter Soße, sowie Hähnchenbrust mit Gemüse und Kartoffeln im Tiegel) ist finanziell nicht wirklich teurer (im konkreten Fall: 25$ inkl. Steuern und Trinkgeld). Ja, es gibt sicherlich preisattraktivere Orte als das Leben auf Sanibal Island.

So schließe ich den heutigen Bericht, während die hoteleigene Waschmaschine den ersten Gang Urlaubskleidung wieder aufbereitet. Der Waschraum ist eine Story für sich und erinnert an eine Filetier-Station beim Hochseeangeln .. später gibt es an dieser Stelle bestimmt auch mal Fotos davon 😉 Der morgige Tag steht ganz im Zeichen der Erkundung von Sanibel: Vom Muschelnsammeln, über einen Besuch der Marina, des Leuchtturms und des Wildlife Refugiums bis hin zum feierlichem Abendessen bei der „Island Cow“ (13.11.14 = 13.11.13 + 1 Jahr für die Neugierigen).

Florida Tag 5 – Ausflug ins Paradies (?)

Den Bericht zu unserem fünften Tag in Florida muss ich der Vollständigkeit halber mit einer interessanten, nächtlichen Begebenheit beginnen: Einem tropischen (mehr oder weniger) Gewitter. Selbiges passierte uns nämlich in relativ geringer Entfernung, als ich gegen 02:00 Uhr nachts wach wurde. Es manifestierte sich dabei in einem nahezu permanenten, tiefen (extrem basslastigen) Grollen, dass durchaus zu beeindrucken wusste. Begleitet wurde dieses Treiben von einem intensiven Regenschauer, der das heimische „Hör mal, wie schön der Regen auf dem Flachdach prasselt“ sehr sehr minimalistisch wirken ließ. Wären wir nicht im Urlaub gewesen und hätte es nicht schon fast einen Tag durchgeregnet, man hätte durchaus beeindruckt sein können.

Zum Glück hatte sich das Wetter ein wenig verbessert, als wir gegen 06:30 Uhr am frühen Morgen die rund 200 Meilen (und prognostiziert 3:46h lange) Fahrt in Richtung Key West antraten.  Zwar zeigte sich der Himmel immer noch sehr bedeckt, doch zumindest der Niederschlag konnte sich zeitweise zu mehreren Pausen hinreißen lassen. Glücklicherweise beschränkte sich der Stau auf unserer Fahrt auch ausschließlich auf den Gegenverkehr, so dass die Anreise in das Aussteigerparadies (Reiseführer Wording) angenehm und zügig von statten ging. Rund 100km vor dem Ziel konnten wir auch endlich das Dach öffnen, da der Himmel zunehmend freundlicher und die Temperatur langsam angenehmer wurde (23°C). Als wir die südlichste Stadt Kontinentalamerikas gegen 10:45 Uhr erreichten, war die Welt endlich wieder so, wie sie sein sollte: 28°C, blauer Himmel, sanfte Briese, fast schon karibische Verhältnisse (Entfernung zu Kuba: 90 Meilen Luftlinie). Im Rahmen der Anreise zu unserer Unterkunft umrundeten wir die Insel zunächst auf dem äußeren Ring, bevor wir die letzten Meter auf der legendären Duval Street zurücklegten. Dabei wurden ganz schnell zwei Dinge deutlich: Erstens ist Key West wirklich extrem touristisch erschlossen und zweitens ist Platz Mangelware. Nahezu jede Stellfläche ist entweder kostenpflichtig oder in privater Hand und überall warnen „Towing Zone“-Schilder vor den drohenden Konsequenzen in Form von kostenpflichtigen Abschleppvorgängen.

Nach dem recht kurzen, aber wenig herzlichen Check-In-Vorgang begaben wir uns direkt im Anschluss auf eine „ausgedehnte“ Erkundung der Insel. Als erstes folgten wir ein kurzes Stück der Duval Street, bis diese uns direkt zum südlichsten Punkt Kontinentalamerikas führte. Hier warteten wir bereits um 11:15 Uhr morgens ein paar Minuten brav in der Schlange, bevor wir uns (bzw. ich Dani) mit dieser fast schon obligatorischen „Sehenswürdigkeit“ fotografieren durfte. Wer sich fragt, warum es hier Warteschlangen gibt: Offensichtlich legen die meisten Besucher immensen Wert auf Abbildungen in die unterschiedlichsten Varianten. Allein, zu zweit, zu dritt, zu viert, von links, von rechts, ernsthaft, spaßig .. und natürlich immer von einem fremden angefertigt, auf Qualität geprüft und ggf. in mehreren Wiederholungen durchgespielt. Da kann man schon ein wenig Geduld aufbringen müssen.. Anschließend ging es für uns mehr oder weniger direkt am Strand entlang über mehrere Stege, bis wir den Higgs Beach erreichten – einen schönen Strand mit Restaurant, großem Steg und künstlich angelegter Schnorchelstrecke .. leider war wieder niemand Schnorcheln.

Danach ging es irgendwie bergab, warum kann ich gar nicht so genau sagen. Wir verloren uns ein gefühlt endlos langen Straßen, die weder besonders malerisch, noch außergewöhnlich sehenswert waren („jetzt nur noch 2km gerade aus und dann links, Schatz“). Die einzige Erkenntnis die wir gewinnen konnten, war jene, dass der „Vorzeigebereich“ von Key West wirklich relativ klein ist und es außerhalb davon recht rapide bergab geht. Irgendwann hatten wir die langen Teerwege, viel befahrenen Straßen, heruntergekommnenen Hinterhöfe und einsamen Stege (A fishing trip anyone?) hinter uns gelassen und kamen endlich am Historic Seaport District an. Hier hellte sich unsere Stimmung massiv auf, denn plötzlich war alles wieder so, wie es im Urlaub sein soll: Tolle maritime Stimmung, malerische Steganlagen, schicke Yachten, attraktive Restaurants. Letzteres suchten wir ganz besonders, denn so langsam knurrten unsere Mägen unüberhörbar. Eine extrem leckere Stärkung erhielten wir letztendlich in der Half Shell Raw Bar, einer überdimensionalen Standhütte mit unzähligen Nummernschildern an der Wand, freundlichem Personal und nettem Ambiente, welche direkt am bzw. auf dem Wasser gebaut ist. So konnten wir bei tollster Sicht zwei Salate und eine Portion Pommes genießen, um anschließend dem Harbor Walk durch die enorm ausgedehnte Marina zu folgen.

Wie bereits beschrieben, ist Key West wirklich extrem auf den Tourismus ausgerichtet, so dass einen der Pfad durch den Hafen an allen erdenklichen Attraktionen an und auf dem Wasser vorbei führt. Von Parasailing, über Jetski-Touren, Glasboot-Touren, Schnorcheltouren über Charter-Segeltripps bishin zu den bekannten Sonnenuntergangsfahrten ist wirklich alles geboten. Erfreulicherweise sind die Crews nicht allzu aufdringlich, so dass man sich alles ganz in Ruhe und neugierig anschauen an .. toll! Da sich der Harbor Walk alle paar Meter um eine neue Ecke windet, lässt sich die Distanz nicht so genau einschätzen, aber der Spaziergang durch den Hafen ist definitiv sehr empfehlenswert. Nach einer Weile erreichten wir dann auch den legendären Mallory Square, an dem allabendlich die „Sunset Celebration“ stattfinden soll. Am frühen Nachmittag lag hier zunächst noch ein großes Kreuzfahrtschiff, so dass an einen Blick auf die untergehende Sonne nicht zu denken gewesen wäre. Wir nutzten die Zeit trotzdem um uns alles in Ruhe anzuschauen, die tolle Vegetation zu bewundern und langsam den Rückweg in Richtung Hotel anzutreten. Dort angekommen gönnten wir uns nur einen kurzen Zwischenstopp, bevor das abendliche Unterhaltungsprogramm begann.

Es ging also über die Duval-Street (im Prinzip eine Partymeile mit jeder Menge Kneipen, die der Schinkenstraße auf Mallorca nicht allzu unähnlich ist) erneut zum Mallory Square, wo bereits eine recht große Menschenansammlung auf die letzten Sonnenstrahlen des Tages wartete. Noch bevor sich Dani vollständig über die von ihr vermissten Straßenkünstler beschweren konnte (wir hatten da so eine tolle Dokumentation über einen Künstler gesehen, der Katzen durch einen brennenden Reifen springen lässt), stand eben jener vor uns. Die von ihm dargebotene Show war qualitativ wirklich sehr überzeugend und ich hätte vorher nicht geglaubt, dass man Katzen so gut dressieren kann. So gut unterhalten (und gestärkt von zwei Mojitos für nur 9,50$/Stück) vergingen die letzten 45 Minuten bis zum Sonnenuntergang wie im Flug und bevor wir uns versahen, näherte sich die rote Kugel verdächtig schnell dem Horizont. Leider hatten wir zum „kritischen Zeitpunkt“ doch ein paar zu viele Wolken, so dass es zwar spektakuläre Farben zu sehen gab, der oftmals gelobte, „einmalige tropische Sonnenuntergang“ aber ausblieb. Geklatscht hat auch niemand. Dafür gingen die Shows nach Einbruch der Dunkelheit sehr gut organisiert weiter: Dem Catman folgte ein Artist auf einem sehr hohen Einrad, der mit brennenden Kegeln jonglierte; anschließend begeisterte uns ein Feuerschlucker, der auch Talent als Entfesselungskünstler zu demonstrieren wusste. Als nächster „Act“ sollte irgendetwas Artistisches folgen, dies entfiel aber scheinbar aus Mangel an Beteiligung seitens der Zuschauer.

So spazierten wir langsam wieder in Richtung Innenstadt (der Wind war recht stark und doch ein wenig kühl), wo wir uns letztendlich im Hard Rock Cafe Key West zu einem Abendessen, begleitet von Cocktails niederließen. Dies war mein erster Besuch in einer Niederlassung dieser Kette und der Gesamteindruck hätte nicht besser sein können. Neben einer (in Amerika üblichen) sehr schnellen und freundlichen Bedienung wusste sowohl die Qualität der Speisen, als auch jene der Cocktails zu überzeugen. Sowohl mein Caesars Salad, als auch die Pommes waren definitiv die besten, die ich jemals gegessen habe. Auch die Preise sind unterm Strich fair (in unserem Fall 45$ inkl. Tip für zwei Hauptspeisen und zwei Cocktails). Leider hat mein Magen kapituliert, bevor ich auch nur an die Bestellung eines Desserts hätte denken können. Das Hard Rock Cafe ist also eine ganz klare Empfehlung, die mit hoher Qualität, szenischer Innenausstattung und cooler Musik definitiv zu begeistern weiß.

Nach der abendlichen Stärkung kehrten wir uns in unser Hotel zurück, um anschließend mit etwas wärmerer Kleidung direkt nochmal ins „Nachtleben“ (um 20:00 Uhr ist es im November nun mal mehr als dunkel) einzutauchen. Die Bars und Restaurants in der Duval Street waren dabei nach wie vor sehr gut gefüllt und wussten größtenteils durch Live Musik sehr zu begeistern. Trotzdem bin ich mir sicher, dass hier zur Hauptsaison nochmals deutlich mehr los ist .. die Frage ist nur, in wie fern sich das uneingeschränkt positiv auswirkt 😉

Was bleibt ist offen gesagt ein recht ambivalenter Eindruck vom südlichsten Zipfel Kontinentalamerikas: Die Flora ist sicherlich ein Highlight, gleiches gilt für den sehr liebevoll angelegten und extrem großen Hafenbereich. Die Duval Street und die darum gruppierte Innenstadt verheißen Party pur in den unterschiedlichsten Ausrichtungen, was je nach Stimmungslage gefallen kann, aber nicht muss. Die abendliche Zelebrierung des Sonnenuntergangs mag etwas übertrieben wirken, ist aber eine regionale Tradition und insbesondere durch die sehr gut organisierten und qualitativ sehr überzeugenden Straßenkünstler ebenfalls sehr interessant zu sehen. Alle anderen Gebiete von Key West haben uns weniger gut gefallen und auch das teilweise sehr offensiv vermarktete Party-Image der südlichsten Stadt ist im besten Fall polarisierend (allein die überall verfügbaren T-Shirts mit den teilweise sehr eindeutigen, teilweise auch sehr niveaulosen Sprüchen zeichnen ein recht deutliches Bild). Nichts gegen das Feiern und gute Stimmung, aber das gefühlt erzwungene „Hier ist der coolste Ort, hier schießen wir uns alle ab, Alkohol von früh bis spät“ drängen Key West teilweise ein Image auf, mit dem sich vielleicht nicht jeder Gast vollständig identifizieren kann. Für einen Junggesellenabschied gibt es aber (außer vielleicht in Miami Beach) vermutlich keinen besseren Ort 😉 Klarer Minuspunkt an dieser Stelle für den Südzipfel: Während in Miami die meisten Menschen trainiert, gebräunt, schlank und sendungsbewusst sind, ist das Bild in Key West doch wesentlich trauriger. Scheinbar zu viel Fast Food, zu viel Affinität für Tabak, zu wenig Begeisterung für ein wenig Gesundheit lassen den Gesamteindruck der touristischen Besucherscharen (zumindest während unseres Besuchs) doch etwas weniger gepflegt wirken.

Morgen dann mehr von unserer Rückfahrt in Richtung Festland und unserem Abend in Florida City.