Florida Tag 4: Regen

Eigentlich (ein schönes Wort) stand für unseren vierten Tag in Florida ein Besuch im Venedig der Vereinigten Staaten an, in Fort Lauderdale. Fort Lauderdale liegt nur rund 10km südlich von unserer Unterkunft und sollte daher schnell und unkompliziert zu erreichen sein. Vorab hatten wir uns im Internet ein schönes Parkhaus ausgesucht, welches in Kombination mit einer Wasser Taxi Tour auch nur 5$/Tag kosten sollte.

Grau ist alle Theorie .. leider ebenso wie der Himmel an diesem Morgen. Bereits bei der Fahrt nach Fort Lauderdale gerieten wir in leichte Komplikationen, fand doch eine Laufsportveranstaltung unmittelbar auf der von uns avisierten Strecke statt. Kein Problem, vorbei an unzähligen Barrieren und im Schritttempo fahrend von Polizei-Motorrädern begleitet, kann man den Blick auf den Sonnenaufgang am Meer sowieso viel besser genießen. Auch im Zielort angekommen stellten sich uns immer wieder bunt blinkende Einsatzfahrzeuge in den Weg und blockierten den Pfad zum vorab geplanten Stellplatz. Es kam wie es kommen musste: die Laufveranstaltung erstreckte sich bis in die Innenstadt, wir entschieden uns für einen anderen Großraumparkplatz und zahlten brav für die zulässige Maximaldauer: 15$ für 6h – möge ein toller Tag kommen. Auf dem Weg Richtung Riverwalk wurden wir dann, während wir das Party-Viertel durchquerten (dieses roch übrigens auch morgens um 08:00 Uhr noch wie ein Automat zur Rückgabe von Recycling-Bierflaschen), von der Realität  eingeholt .. der Himmel war „irgendwie“ ganz schön dunkel. Da wir generell etwas früh dran waren, brachte uns dies in eine unglückliche Lage, da das Wassertaxi erst ab 10:00 Uhr verkehrt und auch sonst kaum ein Geschäft um diese Zeit schon geöffnet hat. Dafür geizte die Stadt nicht mit Livebands und DJs, die den Athleten zu zusätzlicher Motivation verhelfen sollten.

Alles schön gedacht, bis sich gegen 08:30 Uhr der Himmel öffnete und Fort Lauderdale mit einem erst sanften, dann zunehmend intensiven Regenschauer überzog. Wir fanden Unterschlupf in einem öffentlichen Pavillon direkt am Riverwalk mit toller Sicht auf Yachten, das wenige maritime Treiben und die umliegenden Häuser. Die Innenstadt wirkte bereits aus dieser, doch sehr limitierten Perspektive sehr interessant und wir wollten die Hoffnung nicht aufgeben, das amerikanische Venedig doch noch mittels einer Hop-on-Hop-off-Tour kennenzulernen. Da das Warten nach einer ziemlich langen Weile eher eintönig (und uns nicht eben wärmer) wurde, entschlossen wir uns trotz Regen zu einem ausgedehnten Spaziergang. Keine gute Idee. Keine 45 Minuten später saßen wir klatschnass und ein wenig frierend in unserem Mustang, warfen das bereits zu 1/6 genutzte Parkticket zur Seite und fuhren zurück ins Hotel. Dort angekommen prüften wir nochmals die Wetteraussichten und mussten frustriert feststellen: Das wird heut nix mehr. Wirklich schade, denn Fort Lauderdale war sehr vielversprechend, aber weder Erkundung noch Fotos machen bei solchen Bedingungen wirklich Spaß.

Was tut man also, wenn es Küste auf und Küste ab regnet und sich dies kurzfristig auch nicht ändern soll? Genau, man fährt einfach nochmal Shoppen. Da wir die Sawgrass Mills Mall (übrigens die siebentgrößte in Amerika) bereits kannten, steuerten wir die dieses Mal die drittgrößte Mall des Landes in Aventura an – fast gleiche Distanz und nochmal rund 25.000m² Fläche (in Summe 250.000m², über 300 Geschäfte, 8.900 Parkplätze).

Die Aventura Mall dürfte der ideale Konsumtempel für deutsche Touristen sein: Vertrautes Erscheinungsbild, hochwertiger Auftritt, Flyer mit dem Grundrissplan, relativ kurze Wege durch den mehrgeschossigen Aufbau und bekannte Marken. Alles was auch in Deutschland „wertig“ ist, findet sich auch in diesem gigantischen Einkaufszentrum .. von Hugo Boss, über Scotch & Soda, Calvin Klein, Hilfiger, Lacoste, Ecco und Geox bis hin zu La Martina (und noch vielen anderen) ist alles vertreten. Der Lärmpegel ist etwas geringer als in Sawgrass Mills und die Beleuchtung besser .. man fühlt sich in Aventura sehr schnell wohl. Natürlich gibt es auch einen Victorias Secret Store .. sogar den zweitgrößten der USA. Der Besuch in selbigem war übrigens wesentlich enttäuschender als der gestrige: Sterileres Umfeld, weniger freundliche Mitarbeiter, kaum vorhandene Abläufe .. einfach ein bisschen mehr wie eine 0815-Unterwäscheabteilung in einem der gefühlt ständig insolventen Warenhäusern, als ein Shoppingerlebnis der anderen Art wie im Laden in Sawgrass Mills. Fündig wurden wir trotzdem 😉

Auch sonst half der Besuch in Aventura nicht gerade dabei das eigene Gewissen zu beruhigen. Insbesondere das außergewöhnlich umfangreiche Sortiment des La Martina Stores (nochmals wesentlich größer als die Auslage des Geschäfts auf Sylt), verbunden mit durchaus attraktiven Preisen (ca. 1/3 attraktiver als in Deutschland) waren doch schon sehr verlockend. Auch im Puma-Store (teilweise 50% der uns vertrauten Konditionen) sowie bei Abercrombie & Fitch lassen sich recht verlockende Deals machen. Als recht unattraktiv haben sich die Preise bei Hugo Boss, Geox und Ecco bestätigt – hier spart man in der Tat so gut wie gar nichts bzw. muss vor dem Hintergrund des Zolls sogar noch mit Mehrkosten rechnen.

Wer mit offenen Augen durch die Mall geht, wird sich übrigens relativ schnell die Frage stellen, ob es eventuell enorme Rabatte bei Louis Vuitton gibt – irgendein Accessoire dieser Modekette scheint wirklich jede Amerikanerin zu besitzen. Da der LV-Shop in Aventura riesig und vergleichsweise „aufgeschlossen“ ist (jener in Frankfurt wirkt doch ein wenig elitärer) können wir an dieser Stelle übrigens berichten: Geschenkt gibt es die Waren auch dort nicht 😉 Preisvorteile sind aber definitiv vorhanden, die konkrete Höhe erschließt sich mir aus Mangel an belastbaren Vergleichen aktuell nicht vollumfänglich .. ich würde aber von ca. 30% ausgehen.

Ansonsten gilt auch in Aventura das, was überall gilt: Die Menschen sind attraktiv, gut gekleidet, im Schnitt ziemlich modebewusst und im neutralen Umgang miteinander sehr freundlich. Diese Freundlichkeit kann auch schonmal etwas anstrengend werden, wenn die Angestellten in einem der größeren Läden im Abstand von wenigen Augenblicken wiederholt fragen, ob man denn eine Frage hat, alles gut sei und sie vielleicht schon mal eine Umkleidekabine vorbereiten dürfen. In einem Store ist es uns tatsächlich passiert, dass nacheinander 5 von 6 Mitarbeitern (ich wundere mich immer noch, warum nicht auch die Kassiererin ihren Posten aufgegeben hat) um unsere Aufmerksamkeit gebuhlt haben. Auffällig ist dabei übrigens auch die Hartnäckigkeit – beim Hinweis auf das Nichtgefallen einer Farbe, oder eine nicht passende Größe oder irgendeinen anderen Missstand werden sofort mehr oder weniger naheliegende Lösungsvorschläge unterbreitet.

Wer – so wie wir – an einem Regentag in der Gegend um Fort Lauderdale festsitzt und dem gemeinsamen Einkaufen nicht völlig abgeneigt ist, dem wird sicher nicht langweilig. In Aventura kann man relativ locker 4h zubringen, und auch in Sawgrass Mills (selbiges soll übrigens eher Outlet-Charakter haben und verfügt über einige Stores, die es so in Aventura nicht gibt) dürfte man nicht schneller durch sein. Die Nahrungsversorgung ist in beiden Malls durch unzählige „Fast Food Stände“ abgedeckt, obgleich das Ambiente eher zweckdienlich ist. Enorm reichhaltig und gleichzeitig sehr preisoptimiert sind z.B. drei Pancakes inkl. Sirup und Butter für 3,99$ in Aventura. Dazu noch eine Packung frisches Obst für 4,20$ und der Magen ist auf einigermaßen gesunde Art gerettet.

In Summe entsprach Tag 4 also leider unserer Planung, fand aber dennoch eine recht kurzweilige Überbrückung. Morgen verlassen wir dann nach vier Nächten unser temporäres Heim in Lauderdale by the Sea, um die Fahrt in den Sonnenuntergang, nach Key West anzutreten. Ich bin mehr als gespannt, was uns dort erwarten wird .. dem Vernehmen nach zumindest deutlich mehr als Sonne als der Tag heute zu bieten hatte 😉

Miami Beach – Die perfekte Strandoase? Tag 2

Miami – das ist ein Eigenname, mit dem viele Menschen sicherlich tolle Begriffe wie Sonne, Strand und schöne Menschen verbinden .. einige vielleicht auch coole Typen, schnelle Autos und ein wenig Verbrechen – Miami Vice sei Dank. Welche geistigen Assoziationen hat man dann zu „Miami Beach“? Vermutlich die gleichen, nur vielleicht noch etwas mehr auf den Schön-Wetter-Aspekt fokussiert .. dem Begriff „Beach“, sei Dank.

Bevor ich dazu übergehe von unserem „Beach“-Erlebnis zu berichten, zunächst ein bisschen Geplänkel vorab: Jetlag, was ist das? Zwar bin ich gestern Abend nur Sekunden nach dem ich den letzten Artikel gespeicherte hatte in einen unglaublich tiefen Schlaf gefallen (mein Akku war wohl in der Tat tiefenentladen), doch zum Glück wurde ich auch erst um 06:00 Uhr heute morgen (dem Wecker sei Dank) wach. Kein Gewälze, kein Nachtwandeln .. einfach nur ein früher Start in den Tag, um den ersten Sonnenaufgang in Florida mitzuerleben.

Also gingen wir erneut zum Strand und wurden sehr positiv überrascht: Bereits zu so früher Stunde war erstaunlich viel los, frequentierten Jogger und Angler den Strand, kreuzten Rennradfahrer unseren Weg auf den wenigen Schritten bis zum Meer. Auch das Wetter ist bereits am frühen Morgen enorm angenehm: Ca. 26°C, wenig Wind, mittlere Luftfeuchtigkeit .. man fühlt sich einfach wohl und es ist auch – entgegen der naheliegenden Vermutungen – weder schwül noch stickig. Es herrschten also perfekte Bedingungen um den Sonnenaufgang zu erleben und dieser bot dann auch ein sehr lohnenswertes Bild. Begleitet von den neugierigen Blicken von Yoga-Sportlern, untermalt vom leisen Rauschen der Wellen und ganz gemächlich schiebt sich der glutrote Feuerball über den Horizont und tränkt den Himmel nacheinander in gelb, rot und schließend strahlend blau. 06:40 Uhr, der zweite Tag unserer Florida-Reise ist erwacht.

Nach einer kurzen Stärkung in unserer Unterkunft setzten wir dann auch schon Kurs in Richtung Miami .. die knapp 30 Minuten Stau gestern sollten sich „eigentlich“ nicht wiederholen. Leider meldete Google erneut diverse Störungen auf der Strecke, so dass wir uns für eine Route abseits des Highways in unmittelbarer Nähe zur Küstenlinie entschieden. Es gab tolle Eindrücke, beeindruckende Gebäude und hervorragende Sichtachsen zu bewundern .. und jede Menge Autos. Denn es machte zwar Spaß mit dem Mustang durch die Häuserschluchten zu blubbern (so eine anachronistische Kiste .. noch nie haben sich >300 PS so träge angefühlt .. vor allem die Automatik fühlt sich an wie aus einer Zeit, als Carl Benz noch am ersten Verbrennungsmotor rumbastelte), doch leider standen wir mehr, als das wir fuhren. Keine 2h (für 45km!!) später erreichten wir übrigens unser Parkhaus in Miami Beach, dass – wie vieles andere hier auch – nicht den Stereotypen über Amerika entspricht: Es war zwar angemessen dimensioniert, aber keinesfalls so großzügig, dass man mit dem Ponycar auch mit geschlossenen Augen die Auf- und Abfahrten passieren könnte.

Wie dem auch sei .. es war kurz nach 09:00 Uhr, als unser Abenteuer Miami Beach so richtig begann. Bereits der erste Kontakt mit dem Lummus Park ist relativ beeindruckend, ist das europäische Auge diese Vielanzahl an Palmen vor schönen Wegen, attraktiven Menschen und blauem Himmel einfach nicht gewohnt. So erkundeten wir also nach und nach das Art Deco-Viertel und lernten dabei – quasi im Vorbeigehen – die unterschiedlichsten Ecken von „SoBe“ kennen. Am beeindruckendsten waren für mich drei „Hotspots“. Zum einen – natürlich – der legendäre Ocean Drive. Restaurant reiht sich hier an Restaurant (wobei man hier eigentlich nach Hotel mit Restaurant, Club, Diner etc. differenzieren müsste) und jedes davon wirbt mit hübschem Personal und cooler Musik. Ein ganz klein wenig fühlt man sich an den Ballermann auf Mallorca erinnert, allerdings ist die Qualität der gesamten Umgebung in Miami doch „etwas“ höher und auch die Menge an Musclecars erreicht ein unbekanntes Niveau. An jeder Ecke sieht man Mustangs, Camaros, manchmal auch Corvettes .. und natürlich den ein oder anderen europäischen Leckerbissen. Jaguar F-Type, Ferrari 458, ziemlich viele Porsche 911 (meist natürlich 991) und sogar ein Porsche 918 Spyder rollen über die Straßen der Strandpromenade und wollen bewundert werden. Der Ocean Drive macht einfach Spaß und ein Tag hier kann nur einen Vorgeschmack darauf bieten, was am Abend hier abgehen muss (die gewaltigen Fishbowl Cocktailgläser sind schon beeindruckend).

Die Superlative der Straße am Meer werden für mich nur noch von den gewaltigen Immobilien und schwimmenden Schätzen an bzw. in der Marina übertroffen. Hier fühlt man sich wirklich im Zentrum der finanziell Bessergestellten angekommen: Riesige Wohntürme mit Valetparking, mehrgeschossige Yachten, Rolls Royce die auf ihren Besitzer warten .. das Leben kann schon ganz schön schön sein. Auch wenn man hier nur „passiv“ bewundern darf, bietet die Marina doch sehr viele schöne Aspekte. Ein Spaziergang in Richtung Beach Walk sei empfohlen und ist garantiert für ein paar tolle Sichtachsen auf Miami Downtown und vorbeifahrende Schiffe gut .. für Freunde des martimen Flairs ein absolutes Highlight, welches nebenbei gesagt wesentlich entspannter als der Ocean Drive ist.

Mein dritter Favorit unserer Miami Beach Tour ist definitiv der Beach Walk – eine ca. 1,5km lange, gepflasterte Promenade zwischen Strand und Ocean Drive.  Hier trifft man auf all die Dinge, die man aus den Reiseführern kennt: Sehr schöne Menschen, sportliche Menschen, Aussteiger, Sonnenbadende, Touristen. Unterwegs kommt man dabei auch an diversen Luxushotels vorbei, die bereits nachmittags mit Live-Musik beginnen .. hier kann man es sich richtig gut gehen lassen. Natürlich ist auch der in direkter Nachbarschaft befindliche Strand eine uneingeschränkte Empfehlung wert: Breit, sauber, in eine flache, warme, kiesfreie Flachwasserzone übergehend .. Baden mit Blick auf die Hochhäuser am Strand kann schon Spaß machen! Das man dabei keine Gebühren für den Strandzugang zahlen muss (hallo, Kurtaxe in Deutschland) und trotzdem bewacht wird, sei ebenfalls positiv erwähnt. Leider mussten wir bei unserem zweiten Ausflug ins kühle Nass relativ überraschend doch drei recht große Quallen entdecken .. nach unseren ersten Erfahrungen dachten wir eigentlich, diese gäbe es in Miami – warum auch immer – gar nicht.

Dem ein oder anderen ist sicherlich schon aufgefallen, dass ich die schönen Menschen bereits mehrfach erwähnt habe. Es ist aber einfach so: Überall sieht man Bikini-Schönheiten, Jogger(innen), Inline-Skater(innen), Fahrradfahrer, Kraftsportler(innen) bzw. allgemein trainierende Menschen – das macht einfach Spaß und beeindruckt durchaus. Eine Überalterung der Bevölkerung kann man in Miami Beach ebenso wenig entdecken wie das Vorurteile gegenüber Amerikanern, dass diese größtenteils zu fettleibig seien. Ganz im Gegenteil .. am Strand von SoBe fühlt man sich eher selbst als Verlierer im Kampf gegen den Inneren Schweinehund.

An dieser Stelle noch ein kleiner Tipp für alle Eisliebhaber: Die 4D Gelato Eisdielen sind wirklich enorm zu empfehlen. Zwar sind die Preise durchaus avantgardistisch (~6$ für 2 Kugeln Eis), doch die Qualität ist definitiv erhaben! Insgesamt ist Eis essen hier weniger eine Art der Hungerbekämpfung, als viel mehr Genuss .. da lassen sich die anderen Kunden auch schon mal Testlöffel von 5 Sorten geben, bevor sie sich auf die zwei gewünschten Flavors festlegen 😉

Da auch die Rückfahrt von Miami erneut ein einziger großer Stau, unterbrochen von mehreren kurzen, chaotischen Abschnitten war, muss ich auf ein weiteres Vorurteil eingehen, welches mir jeder Reiseführer bestätigt hat: Die Amerikaner fahren gelassen, wechseln selten die Spur und sind sehr defensiv. Spätestens wenn man in 10 Minuten mindestens 12 Mal geschnitten wurde und teilweise auf drei Spuren gleichzeitig überholt wurde, kann man seine Verwunderung über diesen Aspekt nicht unterdrücken. Im Ernst, Geschwindigkeitslimits scheinen eher Richtwerte zu sein, Blinker nur zur Deko und Lückenspringen lässt lange Fahrten weniger langweilig wirken. Eine zügige Durchquerung des Frankfurter Stadtgebiets dürfte sogar an einem Samstag schneller und stressfreier sein, als morgens oder abends nach Miami oder aus Miami heraus zu fahren. Ich bin wirklich gespannt, ob es uns hier in anderen Ecken von Florida signifikant anders ergehen wird.

So geht der zweite Tag in Florida nach knapp 35.000 Schritten und mit sehr vielen neuen Eindrücken im Kopf zu Ende .. mal schauen, was uns morgen so erwarten wird. Leider soll die Niederschlagswahrscheinlichkeit für morgen und übermorgen recht hoch sein.

I’m (soon) in Miami, bi…

Es ist soweit: Nach Jahren der Entbehrung, der Fokussierung auf Vergängliches (Autos), der Limitierung auf Reiseziele in geringer Distanz, der Selbstaufopferung in Form von Reisezielen mit geringer Attraktivität (den Azoren) und des allgemeinen Zweifelns ist es soweit: Unser erster USA-Urlaub steht an.

Hier werden hoffentlich in naher Zukunft (es geht schließlich schon am Donnerstag los) ganz viele Berichte über noch mehr tolle Erlebnisse stehen, doch für den Anfang muss es eine kartografische Darstellung unserer Reiseplanung tun (bei Bedarf einfach mit den Buttons oben links rein- und raus-zoomen bzw. mit den Pfeilen links und rechts die Stationen wechseln):

    LocationArrivalDeparture
    1Miami, USA6. November 20146. November 2014
    2Lauderdale-by-the-Sea, USA6. November 201410. November 2014
    3Key West, USA10. November 201411. November 2014
    4Florida Stadt, USA11. November 201412. November 2014
    5Sanibel, USA12. November 201414. November 2014
    6Crystal River, USA14. November 201415. November 2014
    7Pensacola, USA15. November 201416. November 2014
    8Miramar Beach, USA16. November 201417. November 2014
    9Port St. Joe, USA17. November 201418. November 2014
    10Ocala, USA18. November 201419. November 2014
    11St. Augustine, USA19. November 201420. November 2014
    12Nassau County, USA20. November 201421. November 2014

    An dieser Stelle zunächst einige Worte zur Routenwahl bzw. zu unserer Planung insgesamt: „Eigentlich“ wollten wir ja schon ganz lange mal eine größere Tour unternehmen und „eigentlich“ wäre Kalifornien dafür auch ein tolles Ziel. Uneigentlich war der September aber terminlich dieses Jahr eher schwierig für uns uns jetzt – im „kalten November“ – ist das Wetter an der Westküste für uns einfach nicht mehr reizvoll genug .. ein kalter Urlaub dieses Jahr genügt. Daher entschieden wir uns nach langer Diskussion „Sylt vs. Madeira vs. Teneriffa vs. Florida zum ersten Hochzeitstag“ für die letzt genannte Option. Auch bezüglich der Reisedauer waren wir uns wie immer nicht sofort einig, so dass wir die verschiedensten Szenarien durchkalkulierten. Durch eine glückliche Fügung, welche sich aus Rahmenparametern wie Flugoptionen und -kosten, Unterkünften und Mietwagenkonditionen ergaben, entschieden wir uns für die Variante „16 Tage“.

    Das Tolle dabei ist: Wir fliegen hier am Donnerstag Morgen in Frankfurt um 07:00 Uhr ab, machen einen kurzen Zwischenstopp in Berlin (~1:30h) und starten danach non-stop nach Miami durch, wo wir ca. 14:00 Uhr Ortszeit landen werden. Beim Rückflug geht es von Jacksonville aus (hierzu später mehr) über einen Hub in den USA zurück nach Frankfurt – Abflug ca. 17:00 Uhr Ortszeit, Ankunft in good old Germany am Samstag Morgen um 11:00 Uhr. So wird zwar der Start in den Urlaub recht „spontan“ (Meetings bis Mittwoch Abend), dafür haben wir nach der Rückkehr zumindest 1,5 Tage zur Akklimatisierung. Um die Abreisezeit nicht allzu unchristlich zu gestalten, greifen wir auf einen Shuttle-Service zurück (Oberursel – Flughafen für 29€ pro Strecke; eine Anreise mit der Bahn würde 9€ pro Person und Strecke kosten und wäre wesentlich zeitintensiver und unbequemer).

    Wie bereits unsere Ankunft- und Abflugdestination (und die Karte oben) verraten, haben wir uns für eine „größere Tour“ quer durch Florida entschieden. Der Fokus soll hierbei klar auf Natur, Meer und Strand liegen, d.h. die obligatorischen Touristenmagnete rund um Orlando lassen wir aus. Dafür haben wir uns ein wenig mehr Zeit für die Metropolregion Miami genommen, in der wir gleich zu Beginn vier Nächte verbringen werden (genauer gesagt einige Meilen nördlich in Lauderdale by the Sea .. so direkt nach dem Flug ist es sicher nett, nicht jede Nacht umziehen zu müssen). Hier werden wir uns Palm Beach, Fort Lauderdale und Miami (vor allem Miami Beach *hrhr*) anschauen, bevor es anschließend auf die lange Fahrt gen Süden, in Richtung Key West geht. Im „Aussteigerparadies“ (Zitat unserer mannigfaltigen Reiseführer) selbst verbringen wir nur eine (vergleichsweise kostenintensive) Nacht, um den einmaligen Sonnenuntergang gebührend genießen zu können. Am nächsten Tag wird es erneut gen Norden gehen, mit dem Plan unterwegs ein wenig Zeit zum Baden und Schnorcheln zu haben.

    Nach einem weiteren Zwischenstopp in Florida City geht es anschließend gen Westen, wobei wir relativ zu Beginn dieser Etappe eine Sumpffahrt durch die Everglades unternehmen und mehrere kleinere Trails besuchen werden. Anschließend werden wir weiter in Richtung Fort Myers fahren, nicht ohne unterwegs dem Luxusort Naples und seinen prunkvollen Villen einen Besuch abgestattet zu haben. Es folgen zwei Nächte in Sanibel, wo wir hoffentlich genügend Zeit und beste Bedingungen haben werden, um unseren ersten Hochzeitstag gebührend (und romantisch) am muschelreichsten Strand der USA zu zelebrieren.

    Die ebenfalls recht dicht besiedelte Region um Tampa meiden wir dann ebenfalls und übernachten erst wieder in Crystal River, wo direkt am frühen Morgen eine Tour zum Schwimmen mit den Manatees auf uns warten wird. Nach diesem (hoffentlich beeindruckenden) Spaß geht es über Highways nach Nordosten, in Richtung des bisher angeblich weniger erschlossenen Panhandles. Unsere längste Tagestour (knapp 600km) wird uns nach Pensacola führen, wo wir eine weitere Unterkunft beziehen werden.

    Am nächsten Tag steht dann nach einem Besuch des lokalen Navy-Museums die Fahrt am Miracle Strip entlang in Richtung Osten an, wo wir hoffentlich jede Menge Zeit haben werden um uns an den angeblich gleißend weißen Stränden zu erholen. Unterwegs übernachten wir in der Nähe von Destin, bevor es am nächsten Tag weiter gen Osten geht, wo wir in Port St. Joe einen nächsten Zwischenstopp einlegen werden. Anschließend führt unsere Route über Tallahassee nach Ocala, wo wir ebenfalls übernachten und hoffentlich eine beeindruckende Kanufahrt unternehmen werden.

    Zu diesem Zeitpunkt, nach knapp zwei Wochen in Florida, wird dann leider das Ende unserer Reise in Sicht geraten. Unsere letzten Zwischenstationen werden St. Augustine, Amelia Island und Jacksonville sein,  wo wir dann auch – wie bereits beschrieben – Abschied von unserem Mustang (die Hoffnung stirbt zuletzt) nehmen werden müssen.

    Wie man der Tabelle und der obigen Beschreibung entnehmen kann, liegen vor uns 16 Tage und rund 1800 Meilen / 3000km im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, im Sunshine State Florida; welcher sich hoffentlich von seiner besten Seite zeigen wird. Damit wir die Zeit uneingeschränkt genießen können, ist der Ford Mustang bereits gebucht (hoffentlich), die Schnorchel liegen bereit und sogar neue Neoprenschuhe befinden bereits im ebenfalls neu angeschafften Koffer. Zu den vielen, kurzfristigen Akquisitionen gehört auch eine „Edelkompaktkamera“ vom Typ Sony RX-100 die uns hoffentlich immer dann begleiten und hochqualitative Bilder machen wird, wenn die DSLR mal nicht am Gürtel hängen sollte.

    Ansonsten haben wir unser gutes Windows Phone reaktiviert, damit es gemeinsam mit einer Cellion-SIM dafür sorgen kann, dass wir auch in den Vereinigten Staaten zumindest auf ein Mindestmaß an mobiler Kommunikation zurückgreifen können.

    Wie ihr seht, sind wir bestens gerüstet. Mit neuester Technik, guter Laune, viel Vorfreude, noch mehr Optimismus verbringen wir die letzten Tage vor dem Flug (2 Tage und der Rest von heute) und warten schon jetzt gespannt auf unser bereits reserviertes Taxi. Miami, wir kommen!

    Reisetagebuch 2012 Tag 7 – Abschied

    Unser letzter (ganzer) Tag in Warnemünde erinnerte uns ein wenig an das deutlich kühlere Sylt: Schon beim Aufstehen war das Blau des Himmels von Wolken bedeckt, obgleich die Sonne kurz vor einem Durchbruch zu stehen schien. So machten wir uns auf den Weg zum Bäcker und genossen dabei ausgiebig die kühle, aber trotzdem recht freundliche Morgenluft. Wie so oft konnten wir einen tollen Frühstücksplatz erhaschen und mit toller Aussicht ganz entspannt unsere Franz-Brötchen genießen.

    Danach wollten wir eigentlich – ganz sportlich und um unsere gestressten Füße etwas zu schonen – eine Fahrradtour entlang der Küste unternehmen. Da wir in der Vergangenheit ja bereits (suboptimale) Erfahrungen mit Pedelecs gemacht hatten, dachten wir uns, die langen, ebenen und weitestgehend hindernisfreien Wege an der Ostsee wären hierfür ideal geeignet. Scheinbar waren wir jedoch die einzigen, die in Warnemünde auf diese wahnwitzige Idee kamen. Zwar gibt es quasi überall Fahrräder zur Vermietung (inkl. eines Services, der die Bikes sogar auf Anruf nahezu überall hin liefert), doch ein Rad mit elektrischem Hilfsmotor war quasi nicht aufzutreiben. Ein einziger Laden schien Pedelecs zu haben, doch diese waren scheinbar aus der aller ersten Produktgeneration und wirkten ebenso alt wie wenig vertrauenserweckend. Das wir in fast allen Geschäften auf unserer Suche auch noch mit einem absolut Minimum an Freundlichkeit bedient wurden (Vorsicht: Kunde droht mit Auftrag) trug nicht eben zur Verbesserung der Stimmung bei.

    Also entschlossen wir uns auf bewährte Tugenden zurückzugreifen und zogen die für den Nachmittag geplante Hafenrundfahrt einfach vor. Zwar bestand der einzige sportliche Effekt hierbei (wie sich später herausstellen sollte) aus dem Zittern im kalten Wind, doch immerhin wurde unser Frust sofort durch spannende und neue Eindrücke überlagert. So enterten wir einige Minuten später einen Platz mit bester Sicht an Board der blauen Flotte und freuten uns auf die Tour mit dem modern wirkenden Schiff. Unsere Vorschusslorbeeren sollten sich nicht als übereilig vergeben herausstellen, denn sowohl die Kommentare, als auch die angenehme Art des Skippers waren sehr angenehm. Wir schaukelten also gemächlich in Richtung Rostocker Stadthafen, lernten dabei allerlei Neues über die Stadt und frischten bereits Gehörtes auf. Definitiv neu war für uns die Geschichte des gesunkenen Kutters, der nun mehr seit geraumer Zeit geborgen, aber dafür hoch verschuldet (und beschädigt) am Ufer der Warnow auf seine Anschlussverwendung wartet. Einige Zeit später erreichten wir Rostock, wo die meisten unserer Mitfahrer für eine Besichtigung der Stadt ausstiegen – wir schlossen uns diesem Massenphänomen ausnahmsweise nicht an, sondern warteten darauf, dass uns die wenigen Sonnenstrahlen wieder aufwärmten.

    Vor dem Auslaufen sah noch alles ganz prima aus ;-)
    Vor dem Auslaufen sah noch alles ganz prima aus 😉
    Unterwegs auf der Warnow - mit sichtbarer Kälte
    Unterwegs auf der Warnow – mit sichtbarer Kälte

    So vergingen rund 20 Minuten, bevor wir bei etwas weniger Wind (sehr angenehm) und weitestgehend identischen Kommentaren (die Sache mit der Rundfahrt inklusive Zwischenstopp hat also nicht nur Vorteile) erneut in Richtung Ostsee bzw. Warnemünde tuckerten. Dort trafen wir gegen 14:00 Uhr ein und steuerten sofort die Ferienwohnung an. Alles Kuscheln auf dem frischen Bootsdeck hatte nichts geholfen, so dass wir uns kurzer Hand zu einem wärmenden Bad hinreißen ließen – schließlich wollten wir nicht den restlichen Tag mit Bibbern verbringen 😉

    Als wir uns also von diesem rein körperlich nicht optimalen Erlebnis erholt hatten, wollten wir eine weitere Erfahrung des Vorjahres wiederholen und steuerten zielsicher den Pier 7 von Karl an. Leider wurden wir hier ein wenig enttäuscht (oder unsere Erinnerungen waren einfach unrealistisch positiv), denn zum einen war es bei Karl recht kühl (schon wieder) und zum anderen gab es weniger Auswahl bei den Kuchen, die uns auch nicht ganz so gut schmeckten wie 2011. Nun ja, immerhin die frischen Erdbeeren, welche wir zum Abschied mitnahmen, waren wie gewohnt absolut excellent 🙂

    Eindruck vom Pier 7 - leider etwas dunkel
    Eindruck vom Pier 7 – leider etwas dunkel

    Da sich das Wetter mittlerweile etwas freundlicher zeigte und wir bedingt durch die verschiedenen „Ausfälle“ bis dahin ja eher wenig sportlich aktiv waren, entschlossen wir uns anschließend zu einem ausgedehnten Strandspaziergang inklusive Wassertreten (und mehrerer Telefonkonferenzen zur Deeskalation eines Kundenprojekts) – so ein wenig Meer jeden Tag wäre schon etwas Tolles. Anschließend gönnten wir uns weiteres Eis beim dänischen Fachmann, wobei ich Dani mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln zu schützen versuchte .. dieses mal hat es auch geklappt.

    Dani trägt die Verantwortung ;-)
    Dani trägt die Verantwortung 😉

    Gegen Abend wurde die Stimmung dann abermals besser: Endlich hatte die Stromdampfer Lounge geöffnet und wie schon im Vorjahr genossen wir dort bei heißen Getränken und ruhiger Musik einen phänomenalen Blick auf den Warnemünder Hafen kurz vor Sonnenuntergang. Dank Heizstrahler, weniger Gäste und einer sehr freundlichen Bedienung fühlten wir uns rundum wohl, so dass der Lounge-Besuch sogar noch positiver als zunächst vermutet verlief. Diese Location kann für einen entspannten Abend mit wirklich schöner Rundumsicht nur uneingeschränkt empfohlen werden!

    Blick von der Stromdampfer Lounge - im Beitrag von 2011 gibt es da noch beeindruckendere Impressionen
    Blick von der Stromdampfer Lounge – im Beitrag von 2011 gibt es da noch beeindruckendere Impressionen

    Unsere Abendplanung war nun jedoch noch nicht beendet, da wir (wie anno 2007 – lang, lang ist’s her) beim Griechen im Teepott essen wollten. Auch dies eine ganz klare Empfehlung – schönes Ambiente inklusive passender Einrichtung und angenehmer Beleuchtung, sowie modernem Mobiliar und seinem sehr sauberen Gesamteindruck treffen hier auf zuvorkommendes und freundliches Personal, dass zudem noch durch einen sehr schnellen Service glänzt. Für ein leckeres Abendessen im Urlaub kann man hier also jederzeit guten Gewissens einen Tisch reservieren!

    Hellas im Teepott - sehr empfehlenswert!
    Hellas im Teepott – sehr empfehlenswert!

    Anschließend begaben wir uns ein weiteres Mal auf einen kurzen Spaziergang durch die Nacht bis zum Neptun Hotel, wobei die Promenade an diesem Abend merklich voller als unter der Woche war – der wochenendliche Trubel kehrte langsam nach Warnemünde zurück.

    Ein unverwechselbarer Anblick - der Abschied fällt schwer
    Ein unverwechselbarer Anblick – der Abschied fällt schwer

    So ging dieser Tag – und damit auch der Urlaub (dieses Jahr gibt es keinen Bericht vom Abreisetag) – mit vielen tollen neuen und alten Eindrücken zu Ende. Dank Danis perfekter Planung erlebten wir eine sehr schöne Woche im für uns neuen Sylt und dem schon sehr vertrauten Warnemünde (willkommen zu Haus). Beide Ferienziele könnten unterschiedlicher kaum sein, und sind doch unbedingt einen Besuch wert. Rückblickend würden wir aber empfehlen den hohen Norden spätestens Anfang September unsicher zu machen, oder zumindest auf einen goldenen Spätsommer zu hoffen. Während in Warnemünde nur unter der Woche recht wenig los war und auch verschiedene Locations schon nicht mehr geöffnet hatten, zeigte sich Sylt doch schon sehr von seiner ruhigen Seite.

    Good Bye, Warnemünde
    Good Bye, Warnemünde

    Nach fast einem Jahr Bearbeitungszeit geht dieser Reisebericht nun also doch noch zu Ende (wer hätte es geglaubt) – mal schauen, ob wir das dieses Jahr besser hinbekommen 🙂

    Weitere Eindrücke der letzten beiden Tage finden sich wie immer der Galerie: Hier  und dort.

    Reisetagebuch 2012 Tag 2: Der Sylter Norden

    Die erste Nacht auf Sylt verlief deutlich unruhiger als erwartet – irgendwie waren wir das getrennte Schlafen in (eifrig durch die Gegend rutschenden) zwei vergleichsweise kleinen Betten nicht gewohnt. Der anschließende Start in den ersten richtigen Urlaubstag erfolgte daher nicht ganz so gut gelaunt wie erwartet, was nicht zuletzt an einer gewissen Unentschlossenheit hinsichtlich des Themas „morgendliche Nahrungsaufnahme“ lag.

    Normalerweise präferieren wir es am Wochenende uns ganz besonders im Urlaub frische Brötchen von oder idealerweise sogar beim Bäcker zu essen. Dies hat z.B. während unseres Urlaub 2011 in Warnemünde auch so gut funktioniert, dass wir ein Scheitern dieses Vorhabens erst gar nicht in Erwägung zogen. In Westerland kam es anders. Mit Hinblick auf die Tatsache, dass der nächste Bäcker über 1km entfernt lag und dieser Umweg so gar nicht in unsere Tagesplanung passte, griffen wir kurzer Hand doch zu den Aufbackbrötchen. Kurz vor unserem Aufbruch gegen 09:30 Uhr berichtete das Radio dann ganz motivierend von 4-6h Sonnenscheindauer an diesem lieblichen Sonntag, während mein iPhone (WeatherPro) nur von knickrigen 0,2h Sonne zu wissen glaubte.

    Wie dem auch sei, rein in die warmen Klamotten, raus ins Auto, dieses in gefühlten zwanzig Zügen aus der Parklücke manövriert (schade, dass die Nachbarin ihren Fiesta mit einem Hummer verwechselte und der Meinung war, 1,5 Stellflächen okkupieren zu müssen) und ab gen List. Bereits nach den ersten Metern öffneten wir guter Dinge das Dach, blinzelten uns doch überraschend einige Sonnenstrahlen entgegen. Auf dem Weg nach Norden wirkte die nördlichste Insel Deutschlands dann sogar noch verschlafener als Warnemünde zur gleichen Zeit. Kaum ein Auto kreuzte unseren Weg, das fast schon legendäre Kampen schien noch im Tiefschlaf zu liegen und der Parkplatz im Zielgebiet (Naturerlebniszentrum) war völlig leergefegt.

    Unterwegs auf unbekannten Pfaden
    Unterwegs auf unbekannten Pfaden

    Trotzdem machte die verträumte Gemeinde im hohen Norden einen sehr malerischen und freundlichen Eindruck auf uns. So erkundeten wir den Hafen, die lokalen Premiumgeschäfte und sogleich den Strand. An diesem gingen wir rund 3km gen Süden, vorbei an alten Kapitänshäusern mit Meerblick und dem Premium-Ressort Arosa. Nachdem uns der Wind kräftig durchgepustet hatte (und wir beim Ausflug auf eine Landzunge beinahe nasse Füße bekommen hatten), entschlossen wir uns auf dem Rückweg einen Pfad etwas mehr im Landesinneren zu suchen. Bei diesem Unterfangen verliefen wir uns so gleich in einer kleinen Siedlung, die aus einer überschaubaren Anzahl regionaltypischer Häuser bestand und äußerst beschaulich wirkte. Grundstück, reiht sich an Grundstück, überall finden sich verspielte Details und alles wirkte unglaublich sauber und aufgeräumt – wirklich sehr schön anzusehen und wie aus einer anderen Zeit.

    Verträumter Blick in Richtung Lister Hafen
    Verträumter Blick in Richtung Lister Hafen

    Da wir uns für diesen Tag noch viel vorgenommen hatten (das Wetter sollte tendenziell eher noch schlechter werden), entschlossen wir uns den Exkurs durch den Lister Speckgürtel langsam zu beenden und kehrten – zunächst nochmals kurz über den Strand, dann entlang der Hauptstraße – gen Hafen zurück. Dort angekommen waren wir ob des nun völlig gefüllten Parkplatzes sehr überrascht und entschlossen uns spontan zu einer kurzen Stärkung bei Gosch (wo auch sonst ;-)) Zuvor ergatterten wir schnell noch ein paar Karten für die Fangfahrt ins Wattenmeer, die quasi ebenfalls schon seit Wochen fest auf dem Programmplan stand. Bei Gosch war es im Übrigen erneut wie fast überall in Sylt: Nordisch freundlich 😉 Nach der dringend erforderlichen Nahrungsaufnahme ging es dann auch schon in Richtung Kutter, der (leider) ebenfalls bereits sehr gut gefüllt war. Kurz haderten wir etwas mit einem passenden Sitzplatz, bevor wir uns letztendlich backbord achtern etwas ab vom Schuss niederließen. Die Stimmung war trotzdem gut, als sich das urige Gefährt bei leichtem Wellengang langsam aber stetig aus der Hafenausfahrt bugsierte. Der Decksmann erzählte auf angenehm lockere und humoristische Weise ein paar Dinge zum Kutter, dem Fischen und dem Watt, während wir uns den Wind um die Nase wehen ließen.

    Unterwegs lockerte sich die Sitzordnung erfreulicherweise etwas auf, so dass wir beim Auslegen des Fangkorbes am Heck quasi aus nächster Nähe zuschauen konnten. Bereits nach wenigen Minuten wurde das Netz aus nur 3-4m Tiefe wieder nach oben gewuchtet und sein Inhalte – bestehend aus einer Vielzahl von Seesternen, Seeigeln, Krabben und Schwertmuscheln; garniert von einer großen Qualle – zu Anschauungszwecken in eine Kiste überführt.

    Auf hoher See
    Auf hoher See

    Der restliche Teil der Fahrt bestand dann abwechselnd aus den Erklärungen des Decksmann zu den einzelnen Bestandteilen der „Beute“ (inklusive optionaler „HandsOn“-Erfahrung), der Sichtung von Seehunden irgendwo ganz weit am Horizont und einer Besichtigung des sogenannten Ellenbogens von der Seeseite aus. Insgesamt war die Kuttertour absolut empfehlenswert und sehr kurzweilig, so dass sie leider viel zu schnell schon wieder vorbei war.

    Wieder an Land angekommen bestiegen wir so gleich unser etwas schnelleres Fortbewegungsmittel und steuerten selbiges in Richtung Sylter Ellenbogen. Bei diesem handelt es sich um den nördlichsten Teil der Insel, welcher gegen eine Gebühr von 5€ auch befahren werden darf. Neben zwei Leuchtürmen, mehreren Parkplätzen und einer wahnsinnig hohen Dichte an (Kite)Surfern gibt es hier auch (wie überraschend) den nördlichsten Punkt Deutschlands zu bewundern. Da wir dieses beschauliche Flecken Land nun schon einmal unter die Räder genommen hatten, ließen wir es uns natürlich auch nicht nehmen, alle touristischen Highlights zu besichtigen. Insbesondere die extrem hohe Anzahl an Surfern war äußerst beeindruckend – man fragt sich hier wirklich, wie sich Kollisionen bei so vielen Brettern und Schnüren auf engstem Raum zuverlässig vermeiden lassen 😉 Nach einer Stippvisite an beiden Leuchttürmen schnallten „wir“ dann hoch motiviert unseren Trinkrucksack (liebevoll „Kaupe“ genannt) um und machten uns zur Ostumrundung des Ellenbogens auf.

    So viel Schnüre und kein Knoten - bemerkenswert
    So viel Schnüre und kein Knoten – bemerkenswert

    Unerfreulicherweise schien die Sylter Natur diese Idee nicht ganz so toll zu finden, da uns neben einer steifen Brise auch vermehrt Regentropfen (horizontal) entgegen kamen – nun, dass ist nun mal Nordsee-Urlaub im September 😉 Wir ließen uns die Stimmung davon natürlich nicht kaputt machen und stapften im losen Sand Meter für Meter in Richtung Festland – das reichhaltige Mittagessen musste auch wieder umgesetzt werden. Um ganz ehrlich zu sein, zog sich unsere Wanderung doch deutlich länger als zunächst vermutet in die Länge, so dass wir uns leider nicht mehr zu einem ca. 600m langen Umweg zu einem der nördlichsten Geocaches Deutschlands durchringen konnten .. nunja, es müssen halt immernoch Pläne offen bleiben. Irgendwann erreichten wir nach ca. 6km – relativ erschöpft und ziemlich durchnässt – erneut das Auto. Selbiges steuerte ich gegen 15:30 Uhr Augenblicke später über die schmale Straße, vorbei an freilaufenden und hochgradig ignoranten Zuchtschafen, langsam wieder in Richtung Süden.

    Meeresstimmung
    Meeresstimmung (und ich)

    Auf dem Rückweg fuhren wir dann noch einen kurzen Umweg um die berüchtigte Whisky Meile in Kampen (Strönwai) zumindest gesehen zu haben. Ergebnis: Unspektakulär, überhaupt gar keine automobile Rarität .. offensichtlich ist die Nachsaison zum Carspotting nicht geeignet.

    Eine quasi legendäre Straße - irgendwann werden wir nochmal zurückkehren, wenn mehr los ist
    Eine quasi legendäre Straße – irgendwann werden wir nochmal zurückkehren, wenn mehr los ist

    So steuerten wir den Boxster flinken Fußes zurück in Richtung Ferienwohnung, nicht jedoch ohne unterwegs bei einem Supermarkt Halt zu machen (jüngste Studien haben ergeben, dass das Zähneputzen mit Seife keine wirkliche Option ist und herkömmliche Zahnpasta daher zukünftig dringend im Reisegepäck zu berücksichtigen ist).

    Dani sucht (und findet) neue Freunde
    Dani sucht (und findet) neue Freunde

    Mit bereits 21000 Schritten unter den Sohlen freuten sich unsere Füße über eine kurze Pause und während ich Notizen für den Blog schrieb, verabschiedete sich Dani kaum merklich aber dafür umso zügiger ins Traumland. Die Pause musste eine kurze bleiben, denn schließlich sind wir ja nicht zum Schlafen rund 700km gen Norden gereist 😉 Gegen 18:00 Uhr rafften wir uns daher – zum Leidwesen unseres Bewegungsapparats – erneut auf: Der Kurzbesuch in Kampen hatte doch Lust auf mehr gemacht.

    Ganz offensichtlich haben wir Spuren hinterlassen ;-)
    Ganz offensichtlich haben wir Spuren hinterlassen 😉

    Dort angekommen (die Fahrt dauert ja nur ca. 10 Minuten) erwarteten uns jede Menge freier Parkplätze und eine tolle Abendstimmung. Zügig stellten wir den Porsche ab und begaben uns gen Westen und damit direkt an den Strand. Unterwegs bewunderten wir die äußerst gepflegten und zugleich vom Design her absolut stimmigen Nobelunterkünfte, bevor wir im Wettlauf den höchsten Berg der Insel – Uwe Düne genannt – erklommen. Ein paar anstrengende Schritte später erwartete uns in der luftigen Höhe von 52,5m über dem Meeresspiegel eine tolle Aussicht auf Kampen, das Sylter Umland und natürlich die aufgewühlte Nordsee. Letztere rollte unter dem Druck einer relativ steifen Briese kraftvoll und Woge um Woge auf den Strand, der sich (bei Ebbe .. wie zu diesem Zeitpunkt) über sicherlich 100m Breite erstreckt. Dieser Anblick lockte uns so sehr, dass wir einfach darauf zu gingen. Auf dem Weg gen Wasser passierten wir unweigerlich das ebenfalls recht bekannte Rote Kliff, dessen Name auf eine deutlich wahrnehmbare Färbung im Sonnenuntergang zurückgeht. Während wir unsere Körper kräftig gegen den Wind neigten, kämpften wir uns oben auf dem Kliff entlang ein paar hundert Meter gen Süden. Bei der nächstbesten bzw. erstbesten Treppe begaben wir uns dann endlich hinab in Richtung Strand, der bereits von einigen anderen Urlaubern bevölkert wurde.

    Auf dem Weg von Uwe Düne zum Meer
    Auf dem Weg von Uwe Düne zum Meer

    Wie sich in den nächsten Tagen herausstellte, betraten wir an dieser Stelle das für uns schönste Fleckchen Sylt. Bei Niedrigwasser, mit dem Wind im Rücken und der Sonne, die im Augenwinkel langsam gen Horizont sinkt und dabei das Rote Kliff auch wirklich rot scheinen lässt, kommt Urlaubsstimmung auf. Insbesondere der Anblick des herrlich breiten, absolut sauberen Strandes bildet einen beeindruckenden Kontrast zu der aufgewühlten See, die sich wieder und wieder in den Uferanlagen bricht und Sylt dabei nebenbei gesagt jedes Jahr um ein paar Zentimeter wertvoller Landmasse bringt. Getragen vom Wind und bei angenehmen 17°C spazierten wir gedankenversunken in Richtung Norden und erreichten relativ schnell das Strandrestaurant La Grande Plage (an dieser Stelle sei nochmals betont, wie hervorragend sich der noch feuchte Sand läuft. Ein Traum zum Joggen, hätte man denn Gelegenheit dazu). Von dort aus ging es durch die Dünen und am sich in Restauration befindlichen Leuchtfeuer vorbei erneut in Richtung Auto. Unterwegs kamen wir am etwas mysteriös wirkenden Haus Kliffende vorbei (hohe Hecken, große Kameras, äußerst stabil wirkendes Tor), während die Sonne bereits fast völlig verschwunden war. Unvergessen bleibt mir übrigens auch die kleine Strichliste an einem Kurkartenkontrollhäuschen in Strandnähe, dass die täglich abnehmende Zahl von Besuchern erfasste.

    Dani am "großen Strand"
    Dani am „großen Strand“

    Wieder in Kampen angekommen betrieben wir noch etwas Window Shopping, bewunderten die hiesigen Immobilienpreise und trauerten um die nicht vorhandenen Luxuskarossen. Anstelle der auf so vielen Fotos scheinbar omnipräsenten Kunstwerke aus Maranello stand vor dem Gogärtchen nur ein uralter Citroen – schade eigentlich 😉

    Gegen 22:00 Uhr erreichten wir nach einer schönen nächtlichen Rückfahrt mit geöffnetem Verdeck mit vielen neuen Erinnerungen im Kopf erneut die Ferienwohnung – ein toller zweiter Tag auf Sylt ging zu Ende.

    Weitere Impressionen gibt’s drüben in der Galerie: Klick.