New England States Tag 13: Regen

Um keine falschen Hoffnungen aufkommen zu lassen, möchte ich die treuen Leser unseres täglichen Berichts bereits im Vorfeld darum bitten die mentale Enttäuschungsbereitschaft hochzufahren: die folgenden Zeilen werden kein Highlight. Der Grund dafür ist eigentlich ganz einfach: da wir heute außer rund 12h Regen (von 8 bis 8) nicht allzu viel erlebt haben, gibt es auch nicht allzu viel zu erzählen.

Alles begann schon während des Auszugs aus unserer vorletzten Unterkunft in Boston. Noch während wir unsere Habe ein vorletztes Mal verstaut haben (mittlerweile haben wir Übung, es war der Auszug aus unserer achten Unterkunft in diesem Urlaub, jeder kennt seine Aufgaben und jedes Teil hat seinen Platz in den Koffern – wir sind also sozusagen sehr effizient geworden), begann die Wetterprognose einzutreten: ein romantischer Landregen, mit wenig Wind und langen Fäden setzte ein. So fiel die Verabschiedung mit unseren Gastgebern etwas kürzer als erwartet aus und kurze Zeit später fuhren wir auf den Highway. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch guter Dinge, dass der Regen zumindest gegen Nachmittag nachlassen würde, so dass wir statt der zwei ursprünglich geplanten (in leicht konträren Richtungen gelegenen) Einkaufszentren nur eines ansteuerten: die Wrentham Village Premium Outlets.

Diese werden, wie die meisten großen Malls und Outlets in den USA, von der Simon Property Group betrieben, so dass man hinsichtlich der Auswahl der Shops und des Aufbaus der Anlage spätestens beim zweiten Trip in die Vereinigten Staaten vertrautes Terrain betritt. Insgesamt hat das Shopping-Erlebnis ein gemischtes Bild hinterlassen. Die Auswahl bei Nike war z.B. deutlich größer und besser als in anderen Outlets, auch das Angebot und die Preise in eher teureren Läden wie Coach und Kate Spade waren super. Sonst zuverlässige Quellen guter Deals wie Ascis waren bestenfalls durchwachsen und viele weitere von uns besuchte Shops, wie z.B. Merrell und Uggs, waren eher eine Enttäuschung (reale Straßenpreise in einem Outlet mit eingeschränkter Beratung zu zahlen, finde ich eher daneben). Wirklich bemerkenswert war das Burberry Outlet, da ich gar nicht wusste, dass es auch derartige Läden der ja grundsätzlich sehr hochpreisigen Marke gibt. Das einzige Objekt, welches uns gefallen hätte, lag trotzdem außerhalb des akzeptablen Preisbereichs (selbst mit einer gewissen Leidensbereitschaft). Besonders enttäuschend fand ich den Food Court bzw. die Auswahl an Restaurants – für amerikanische Verhältnisse kann man hier bestenfalls knapp über McDonalds-Niveau speisen, maximal auf „Dennys“-Level. Auch hier denke ich sehr gern an unseren perfekten und extrem eindrucksvollen Shopping-Trip nach „Fashion Island“ in Newport Beach zurück (2017 …).

Vom Outlet Center aus starteten wir auf die rund 1,5h dauernde Fahrt nach Cape Cod – bei Dauerregen. Unterwegs fiel auf, wie gut das Straßennetz auch in diesen eher entlegenen Winkel ausgebaut ist, geht es doch größtenteils über vierspurige Straßen. Laut Schilderung diverser Vermieter hier in der Gegend soll der Verkehr aber insbesondere zur Urlaubssaison eine Katastrophe sein – ähnlich wie in den Hamptons. Wir kamen problemlos durch und fanden unser Ferienhaus – unsere Unterkunft für die letzten drei Nächte in den Neu England-Staaten – auch auf Anhieb. Es ist das letzte Haus am Ende einer Straße, deren letzte 200m ungepflastert sind und auf deren letzten 30m sich nach dem Regen ein romantischer Teich gebildet hat. Eilig brachten wir unsere Gepäck nach Drinnen (den Schlüssel konnten wir einem vorher vereinbarten Versteck entnehmen) und begannen sogleich mit der Erkundung unseres Domizils.

Dabei muss man sich doch immer wieder über die klaffende Lücke zwischen Objektbeschreibung und Realität wundern, wobei die fast immer stark übertriebenen Bewertungen der meist amerikanischen Besucher in den gängigen Reiseportalen nicht eben weiterhelfen. Da man ja immer mit etwas Positivem beginnen soll: grundsätzlich ist das Haus schön, ziemlich modern, recht luftig, hat drei Schlafzimmer (dafür nur ein Badezimmer?) und ist ruhig gelegen. Weniger angenehm sind so kleine Details wie Fenster im Erdgeschoss die sich nicht mehr verriegeln lassen (zum Glück haben wir ja kaum Wertgegenstände dabei), ein falsches Passwort des Gäste-WLANs als im Handbuch zum Haus angegeben (offensichtlich konnte ich das Problem lösen), sehr wenig Toilettenpapier, fast gar keine Basisausstattung und diverse kleinere Mängel bei der Sauberkeit. Wirklich ärgerlich finde ich dann dreiste Falschaussagen (Airbnb: 3,5 Minuten zum Traumstrand; Realität: mindestens 5 Minuten zu einer Bucht voller Seegrass und geborstenen Muscheln, eingekesselt von Privatstränden), verbunden mit frechen Forderungen (bei Auszug alle Betten abgezogen, alle Handtücher in der Maschine und alle Böden gewischt – wofür zahlen wir doch gleich eine Reinigungsgebühr?). Aber gut, solche Dinge passieren und man muss halt daraus lernen.

Vom benachbarten Traumstand in Laufentfernung fuhren wir gegen 18:00 Uhr noch schnell zum West Dennis Beach, um wenigstens etwas Auslauf zu kriegen. Auch hier das Gute zuerst: der Stand ist ewig lang und man kann in beide Richtungen bis zum Horizont spazieren. Weniger erfreulich: überall Seegrass, überall scharfkantige Muscheln und fast überall tote Pfeilschwanzkrebse. Schieben wir es einfach auf ein Unwetter, dass bestimmt vor Kurzem über die sonst recht malerische Region gefegt ist.

Da wir bis zur angestrebten Beitragslänge noch ein paar Wörter Raum haben, erlaube ich neugierigen, potentiellen USA-Touristen noch kurz von unserem abendlichen Einkauf für die nächsten drei Tage zu berichten – denn wenn man sich für ein Ferienhaus entscheidet, plant man möglicherweise ja auch die ein oder andere Mahlzeit im trauten Heim einzunehmen. Das funktioniert auch ganz super, man sollte nur das aus Deutschland gewohnte Preisgefüge einfach mit dem Faktor zwei multiplizieren, dann gibt es an der Kasse auch keine unerfreulichen Überraschungen 😉 Ganz im Ernst, für einen kleinen Einkauf bestehend aus etwas Obst, Orangensaft, Toilettenpapier (preisoptimierte Wahl), ganz wenig Schokolade, Muffins für’s Frühstück, Joghurt, Brot, Tomaten, Eis und etwas Kleinkram ist man ganz schnell 70$ los. Man bemerke: kein Alkohol, keine sonstigen Getränke, keine Hygiene-Artikel – nichts von dem, was einen Einkauf sonst teuer macht. Signifikantes Einsparpotential gibt es durch die Kundenkarten der verschiedenen Märkte, die jedoch separat beantragt werden müssen und selbstverständlich nur an Kunden mit einer Adresse in den Vereinigten Staaten ausgegeben werden. Mittels dieser kann man z.B. den Preis zum Überleben absolut essentieller Kleinigkeiten (hier: Ben & Jerrys Eiscreme) von 4,99$ pro Packung auf 5$ für zwei (!) Becher drücken.

Glücklicherweise soll das Wetter morgen spätestens gegen Mittag aufklaren, so dass wir auf eine ausgedehnte Inselerkundung starten können. Auf unserem vorläufigen Plan für die nächsten Tage stehen neben ausgedehnten Strandspaziergängen potentielle Highlights wie eine Whale Watching Tour, eine Tour auf Stand Up Paddle-Boards und eine Besichtigung von Province Town (soll ein bisschen wie Key West sein). Ich bin daher vorsichtig optimistisch in den nächsten Tagen Beiträge mit mehr erheiternden Inhalten bieten zu können und hoffe der Bereicht des heutigen, umweltbedingt etwas suboptimalen Tages, war dennoch einigermaßen interessant.

Florida Tag 4: Regen

Eigentlich (ein schönes Wort) stand für unseren vierten Tag in Florida ein Besuch im Venedig der Vereinigten Staaten an, in Fort Lauderdale. Fort Lauderdale liegt nur rund 10km südlich von unserer Unterkunft und sollte daher schnell und unkompliziert zu erreichen sein. Vorab hatten wir uns im Internet ein schönes Parkhaus ausgesucht, welches in Kombination mit einer Wasser Taxi Tour auch nur 5$/Tag kosten sollte.

Grau ist alle Theorie .. leider ebenso wie der Himmel an diesem Morgen. Bereits bei der Fahrt nach Fort Lauderdale gerieten wir in leichte Komplikationen, fand doch eine Laufsportveranstaltung unmittelbar auf der von uns avisierten Strecke statt. Kein Problem, vorbei an unzähligen Barrieren und im Schritttempo fahrend von Polizei-Motorrädern begleitet, kann man den Blick auf den Sonnenaufgang am Meer sowieso viel besser genießen. Auch im Zielort angekommen stellten sich uns immer wieder bunt blinkende Einsatzfahrzeuge in den Weg und blockierten den Pfad zum vorab geplanten Stellplatz. Es kam wie es kommen musste: die Laufveranstaltung erstreckte sich bis in die Innenstadt, wir entschieden uns für einen anderen Großraumparkplatz und zahlten brav für die zulässige Maximaldauer: 15$ für 6h – möge ein toller Tag kommen. Auf dem Weg Richtung Riverwalk wurden wir dann, während wir das Party-Viertel durchquerten (dieses roch übrigens auch morgens um 08:00 Uhr noch wie ein Automat zur Rückgabe von Recycling-Bierflaschen), von der Realität  eingeholt .. der Himmel war „irgendwie“ ganz schön dunkel. Da wir generell etwas früh dran waren, brachte uns dies in eine unglückliche Lage, da das Wassertaxi erst ab 10:00 Uhr verkehrt und auch sonst kaum ein Geschäft um diese Zeit schon geöffnet hat. Dafür geizte die Stadt nicht mit Livebands und DJs, die den Athleten zu zusätzlicher Motivation verhelfen sollten.

Alles schön gedacht, bis sich gegen 08:30 Uhr der Himmel öffnete und Fort Lauderdale mit einem erst sanften, dann zunehmend intensiven Regenschauer überzog. Wir fanden Unterschlupf in einem öffentlichen Pavillon direkt am Riverwalk mit toller Sicht auf Yachten, das wenige maritime Treiben und die umliegenden Häuser. Die Innenstadt wirkte bereits aus dieser, doch sehr limitierten Perspektive sehr interessant und wir wollten die Hoffnung nicht aufgeben, das amerikanische Venedig doch noch mittels einer Hop-on-Hop-off-Tour kennenzulernen. Da das Warten nach einer ziemlich langen Weile eher eintönig (und uns nicht eben wärmer) wurde, entschlossen wir uns trotz Regen zu einem ausgedehnten Spaziergang. Keine gute Idee. Keine 45 Minuten später saßen wir klatschnass und ein wenig frierend in unserem Mustang, warfen das bereits zu 1/6 genutzte Parkticket zur Seite und fuhren zurück ins Hotel. Dort angekommen prüften wir nochmals die Wetteraussichten und mussten frustriert feststellen: Das wird heut nix mehr. Wirklich schade, denn Fort Lauderdale war sehr vielversprechend, aber weder Erkundung noch Fotos machen bei solchen Bedingungen wirklich Spaß.

Was tut man also, wenn es Küste auf und Küste ab regnet und sich dies kurzfristig auch nicht ändern soll? Genau, man fährt einfach nochmal Shoppen. Da wir die Sawgrass Mills Mall (übrigens die siebentgrößte in Amerika) bereits kannten, steuerten wir die dieses Mal die drittgrößte Mall des Landes in Aventura an – fast gleiche Distanz und nochmal rund 25.000m² Fläche (in Summe 250.000m², über 300 Geschäfte, 8.900 Parkplätze).

Die Aventura Mall dürfte der ideale Konsumtempel für deutsche Touristen sein: Vertrautes Erscheinungsbild, hochwertiger Auftritt, Flyer mit dem Grundrissplan, relativ kurze Wege durch den mehrgeschossigen Aufbau und bekannte Marken. Alles was auch in Deutschland „wertig“ ist, findet sich auch in diesem gigantischen Einkaufszentrum .. von Hugo Boss, über Scotch & Soda, Calvin Klein, Hilfiger, Lacoste, Ecco und Geox bis hin zu La Martina (und noch vielen anderen) ist alles vertreten. Der Lärmpegel ist etwas geringer als in Sawgrass Mills und die Beleuchtung besser .. man fühlt sich in Aventura sehr schnell wohl. Natürlich gibt es auch einen Victorias Secret Store .. sogar den zweitgrößten der USA. Der Besuch in selbigem war übrigens wesentlich enttäuschender als der gestrige: Sterileres Umfeld, weniger freundliche Mitarbeiter, kaum vorhandene Abläufe .. einfach ein bisschen mehr wie eine 0815-Unterwäscheabteilung in einem der gefühlt ständig insolventen Warenhäusern, als ein Shoppingerlebnis der anderen Art wie im Laden in Sawgrass Mills. Fündig wurden wir trotzdem 😉

Auch sonst half der Besuch in Aventura nicht gerade dabei das eigene Gewissen zu beruhigen. Insbesondere das außergewöhnlich umfangreiche Sortiment des La Martina Stores (nochmals wesentlich größer als die Auslage des Geschäfts auf Sylt), verbunden mit durchaus attraktiven Preisen (ca. 1/3 attraktiver als in Deutschland) waren doch schon sehr verlockend. Auch im Puma-Store (teilweise 50% der uns vertrauten Konditionen) sowie bei Abercrombie & Fitch lassen sich recht verlockende Deals machen. Als recht unattraktiv haben sich die Preise bei Hugo Boss, Geox und Ecco bestätigt – hier spart man in der Tat so gut wie gar nichts bzw. muss vor dem Hintergrund des Zolls sogar noch mit Mehrkosten rechnen.

Wer mit offenen Augen durch die Mall geht, wird sich übrigens relativ schnell die Frage stellen, ob es eventuell enorme Rabatte bei Louis Vuitton gibt – irgendein Accessoire dieser Modekette scheint wirklich jede Amerikanerin zu besitzen. Da der LV-Shop in Aventura riesig und vergleichsweise „aufgeschlossen“ ist (jener in Frankfurt wirkt doch ein wenig elitärer) können wir an dieser Stelle übrigens berichten: Geschenkt gibt es die Waren auch dort nicht 😉 Preisvorteile sind aber definitiv vorhanden, die konkrete Höhe erschließt sich mir aus Mangel an belastbaren Vergleichen aktuell nicht vollumfänglich .. ich würde aber von ca. 30% ausgehen.

Ansonsten gilt auch in Aventura das, was überall gilt: Die Menschen sind attraktiv, gut gekleidet, im Schnitt ziemlich modebewusst und im neutralen Umgang miteinander sehr freundlich. Diese Freundlichkeit kann auch schonmal etwas anstrengend werden, wenn die Angestellten in einem der größeren Läden im Abstand von wenigen Augenblicken wiederholt fragen, ob man denn eine Frage hat, alles gut sei und sie vielleicht schon mal eine Umkleidekabine vorbereiten dürfen. In einem Store ist es uns tatsächlich passiert, dass nacheinander 5 von 6 Mitarbeitern (ich wundere mich immer noch, warum nicht auch die Kassiererin ihren Posten aufgegeben hat) um unsere Aufmerksamkeit gebuhlt haben. Auffällig ist dabei übrigens auch die Hartnäckigkeit – beim Hinweis auf das Nichtgefallen einer Farbe, oder eine nicht passende Größe oder irgendeinen anderen Missstand werden sofort mehr oder weniger naheliegende Lösungsvorschläge unterbreitet.

Wer – so wie wir – an einem Regentag in der Gegend um Fort Lauderdale festsitzt und dem gemeinsamen Einkaufen nicht völlig abgeneigt ist, dem wird sicher nicht langweilig. In Aventura kann man relativ locker 4h zubringen, und auch in Sawgrass Mills (selbiges soll übrigens eher Outlet-Charakter haben und verfügt über einige Stores, die es so in Aventura nicht gibt) dürfte man nicht schneller durch sein. Die Nahrungsversorgung ist in beiden Malls durch unzählige „Fast Food Stände“ abgedeckt, obgleich das Ambiente eher zweckdienlich ist. Enorm reichhaltig und gleichzeitig sehr preisoptimiert sind z.B. drei Pancakes inkl. Sirup und Butter für 3,99$ in Aventura. Dazu noch eine Packung frisches Obst für 4,20$ und der Magen ist auf einigermaßen gesunde Art gerettet.

In Summe entsprach Tag 4 also leider unserer Planung, fand aber dennoch eine recht kurzweilige Überbrückung. Morgen verlassen wir dann nach vier Nächten unser temporäres Heim in Lauderdale by the Sea, um die Fahrt in den Sonnenuntergang, nach Key West anzutreten. Ich bin mehr als gespannt, was uns dort erwarten wird .. dem Vernehmen nach zumindest deutlich mehr als Sonne als der Tag heute zu bieten hatte 😉

Reisetagebuch 2012 Tag 1: Ich will wieder an die Nordsee..

Irgendwie ist das Thema Sommerurlaub bei uns bereits traditionell ein eher schwieriges. Zum Ende eines jeden Urlaubs nehmen wir uns vor das nächste mal „vieeeeeeeel mehr im Voraus“ zu planen und uns irgendeinen schone lange gehegten Reisewunsch zu erfüllen.

Dieses Jahr sah es sogar fast so aus, als ob uns das gelingen würde. Pläne wurden geschmiedet, Flüge verglichen, Reiserouten geplant, Mietwagen gesucht. Doch dann kam privat das ein oder andere „Projekt“ dazwischen und als diese soweit abgearbeitet waren, machte uns dann plötzlich der Job einen Strich durch die Rechnung. Vor Ende November gab es keine Chance mehr als eine Woche am Stück gemeinsam frei zu bekommen. Da ich so lange nicht mehr durchgehalten hätte (immerhin hatte ich dieses Jahr schon vier freie Tage) und die Bedingungen für eine nationale Reise (zumindest dieses Jahr) nicht mehr wirklich besser werden würden, entschieden wir uns mit rund drei Wochen Vorlaufzeit für 4 Tage Sylt + 3 Tage Warnemünde.

Und da sind wir nun: Beim Reisetagebuch 2012, Tag 1, der Anreise und Ankunft in Westerland nebst erster Eindrücke. Wie bei jedem Urlaubstripp kam vor der Erholung natürlich etwas Stress in Form des obligatorischen Großeinkaufs (am Donnerstag) sowie des möglichst effizienten Packens (am Freitag). Nach rund 3h Arbeit dachten wir Freitagabend auch noch auf einem guten Weg zu sein und das Schlimmste hinter uns zu haben. Um unser Ziel noch vor Sonnenuntergang zu erreichen, stellen wir den Wecker also frohen Mutes auf 06:45 Uhr und gingen beruhigt schlafen.

Das passt schon – das Auto hat ja gleich zwei Kofferräume!

Am ersten Urlaubstag erlebten wir dann unerfreulicherweise nach weniger als 20 Minuten den ersten Rückschlag: Obgleich wir das Auto schon teilweise beladen hatten, fügte sich die geplante Zusammenstellung an Koffern und Boxen für den vorderen Kofferraum des Boxsters nicht so zusammen, wie wir es gehofft hatten. Es gab ad-hoc nur drei Optionen: Ladung reduzieren (irgendwie konnte aber nix mehr da bleiben), die vordere Klappe ca. 5 cm offen lassen und mit Tape fixieren (nicht verkehrssicher und erst gar nicht stilecht) oder Umladen von stabilen und schönen Boxen in wenig ansehnliche Tüten. Keine 15 Minuten später und damit immer noch voll im Zeitplan, verließen wir die heimische Garage mit einem absolut randvoll gepackten Boxster. Sowohl der vordere als auch der hintere Kofferraum waren bis Oberkante Unterkiefer gefüllt und auch hinter den Sitzen waren die letzten Liter Stauraum beladen. Unser Anblick bewies: Man KANN mit dem Boxster zu zweit gut in den Urlaub fahren, MUSS man aber nicht. Nunja, in zwei Wochen sollten diese Sorgen der Vergangenheit angehören 😉

Gegen 07:30 Uhr schlugen wir also mit noch etwas kleinen Augen aber frohen Mutes beim Bäcker (gefrühstückt wurde während der Fahrt)  bzw. bei der Sparkasse (Ferienwohnung gab es nicht umsonst) auf. Wenige Minuten später fanden wir uns gemeinsam mit relativ wenigen Autos auf der A5 gen Norden wieder und näherten uns sogleich Meter um Meter dem 708km entfernten Ziel.

Man wächst an seinen Herausforderungen 😉

Bereits nach rund 40km – ich hatte mich gerade an das etwas andere Fahrgefühl des vollgeladenen Wagens gewöhnt – geriet unsere Reise das erste Mal ins Stocken. Ein ML hatte sich überlegt Feuer zu fangen, und im Rahmen der Bekämpfung dieser Störung beschlossen Feuerwehr und Polizei die Autobahn auf einen Fahrstreifen zu verengen – nicht lustig. Zum Glück verloren wir so nur rund 15 Minuten und spätestens nach diesem Zwischenfall galt das Zitat des Piloten aus „Pilots Eye – Düsseldorf – Male“ der da sagte: „Ab jetzt zieht sich’s“.

Um diese doch eher träge Transitphase zu verkürzen, brachte ich das PCM dazu „Blackout“ von Marc Elsberg wiederzugeben. Dabei handelt es sich um eines der interessantesten Hörbücher, dass ich bisher gehört habe (Hintergrund: IT-Angriff auf die Stromversorgungsinfrastruktur, soweit ich das beurteilen kann relativ realitätsnah, sehr spannend, absolute Empfehlung).

Studium der letzten Details noch während der Reise

Spätestens 30km vor Hamburg fing die Strecke an zäh zu werden und meine Lust zum Autofahren neigte sich bedächtig dem Ende. Im Elbtunnel stockte es wie immer, die Verkehrsdichte war hoch, die Durchschnittsgeschwindigkeit sank, die Stimmung tat es ihr gleich. Trotzdem erreichten wir irgendwann die letzte Ausfahrt der A7 vor der Bundesgrenze, welcher wir in Richtung Niebüll folgten. Spätestens hier war ich vom Tourismus in Schlewsig Holstein etwas enttäuscht. Die letzten ca. 50km bis zur Verladung auf den Autozug müssen auf einer einspurigen Bundesstraße zurückgelegt werden, welche dank mehrerer Ampeln und abknickender Vorfahrten dem touristischen Verkehrsaufkommen natürlich in keinster Weise gewachsen ist. Auch an der DB-Station konnte ich meine Begeisterung nicht so recht wiederfinden, herrschte doch allgemeiner Informationsmangel. Eine Tafel welche die aktuelle Wartezeit angibt fehlt ebenso wie (zumindest stellenweise) eine vernünftige Spurführung. So steht man also in langen Schlangen, starrt auf große rote Ampeln, beobachtet die anderen Autofahrer beim Kampf mit den Ticketautomaten und fragt sich, ob die Einordnung in Zone A oder Zone E jetzt irgendwie etwas Schlimmes zu sagen hat. Nebenbei kann man sich Gedanken darüber machen, ob es noch irgendwo eine Toilette gibt und wie man zu dieser Vordringen soll, ohne dem Nachbarn ein Autogramm der eigenen Tür zu geben. Kurzum: Ich fand die Situation schon zu zweit stressig; wie man diese mit Kindern meistern soll, ist mir ein Rätsel. Erfreulicherweise dauerte das gesamte Prozedere bei uns nur rund 40 Minuten, so dass wir uns (leider im Untergeschoss) und bei leicht einsetzendem Nieselregen ruckelnd und zuckelnd in Richtung Hindenburgdamm auf den Weg machten (Ticketkosten für Hin- und Zurück zusammen übrigens 86€).

Auffahrt auf den Autozug (perfektes Timing zum Drücken des Auslösers)

Ab hier wurde die Stimmung besser: Durch minimal geöffnete Fenster drang der Geruch des Meeres an unsere Nase, und während riesige Schaf- und Rinderherden an uns vorbei zogen, wurde das Land immer weniger und zunehmend mehr Meer umgab uns. Nach ca. 30 Minuten erreichten wir dann auch schon Westerland, wo wir in etwa genauso unspektakulär und fast schon unmerklich den Autozug verließen, wie wir ihn in Niebüll enterten. Die letzten 1,5km auf dem Weg zu unserer Ferienwohnung waren dann schnell zurückgelegt, so dass wir unser Urlaubsdomizil für die nächsten vier Tage rund 8h nach Aufbruch in Friedrichsdorf in Augenschein nehmen konnten.

Rechts das Mutterschiff, links unser Domizil

Die aus dem Vergleich vieler Angebote als „Sieger“ hervorgegangene Ferienwohnung bestand in einem separaten Gebäude (am besten vergleichbar mit einem ausgebauten zwei-etagigen Bootsschuppen, ob gleich Dani der Meinung ist, da es sich um einen Neubau handelt) in der Nähe eines typischen Sylter Einfamilienhauses. Relativ zentral in Westerland gelegen, gingen wir von kurzen Strecken zu allen relevanten Orten (und damit natürlich auch zum Strand aus) und freuten uns auf einen modernen Standard. Tatsächlich befand sich das Objekt tatsächlich erst seit kurzem im Angebot und begeisterte uns mit einem absolut erstklassigen Zustand. Vor allem die vielen kleinen Details wie z.B. die Türknäufe in Form von Muscheln und das Sylt-Logo auf dem Stöpsel des Waschbeckens sorgten für das ein oder andere Lächeln – so fühlt man sich wohl. Auch sonst gab es in Form der separaten Schlafetage nebst Dachfenstern (tolles Prasseln bei Regen!), Einbauschränken, einem modernen Bad sowie einem eigenen Strandkorb mit Sichtschutz viele schöne Ausstattungsmerkmale zu finden. Entsprechend schnell waren auch die Formalitäten erledigt und der Schlüssel nebst Kurkarten übergeben.

Allgemeine Eindrücke des stimmigen Innenraums

Unmittelbar nach dem Auspacken eilten wir dann schnellen Schrittes in Richtung Promenade und Strand .. das frühe Aufstehen musste sich schließlich amortisieren – und außerdem knurrte uns beiden gehörig der Magen. Nach rund 800m befanden wir uns dann auch schon in Mitten der Westerländer Einkaufsmeile, die uns zurückblickend nicht so wirklich begeisterte. Zwar gibt es hier auffallend viele hochwertige Boutiquen (vorrangig für Bekleidung), die auch teilweise in schönen Gebäuden untergebracht sind, doch diese bestimmen (zumindest unserer subjektiven Wahrnehmung nach) nicht unbedingt das Bild der Promenade. An relativ zentralen Stellen finden sich vereinzelt recht angestaubt wirkende Geschäfte, die den eigentlich hochwertigen Eindruck einfach trüben.

Neutraler Eindruck der Westerländer Promenade – möge man sich selbst eine Meinung bilden

Wie dem auch sei .. zügig näherten wir uns dem entfernten Rauschen und nach einer kurzen Kontrolle der Kurkarten standen wir dann bereits mitten im Wind, aber mit tollem Blick auf das Meer.

Das erste Strandfeeling 2012

Da sich das Wetter hielt und das Gewusel nicht zu groß war, bogen wir spontan nach rechts ab und begaben uns vorbei an der Konzertmuschel in Richtung Norden. Vereinzelte Kite-Surfer fegten über die Wellen und während wir uns so langsam von der langen Fahrt erholten, kamen die ersten Begehrlichkeiten auf. Dani kämpfte mit dem Wind in den Haaren und mein Bauch meldete sich mit zunehmender Vehemenz und erinnerte an fehlenden Nachschub. So drehten wir nach ca. 2km wieder um und steuerten erneut die Promenade an. Zwar war eine erste Suche nach einer Mütze erfolglos, dafür verlief unser Erstkontakt mit der Lokalgröße „Gosch“ bzw. seinen Restaurants sehr positiv. Nach wenigen Minuten hielten wir eine stärkende Mahlzeit in den Händen, nach deren Genuss wir erneut in Richtung Strand aufbrachen.

Abendstimmung mit Blick auf das Hotel Miramar

Während die Sonne sich langsam aber unaufhaltsam auf den Horizont zu bewegte und sich das Meer Meter um Meter dem Niedrigwasserstand näherte, flanierten wir – ganz ungewohnt – auf einer Art gut ausgebautem Steg in Richtung Süden. Bei diesem Spaziergang kamen wir dann auch so langsam zur Ruhe und beschlossen erneut die Ferienwohnung anzusteuern. Noch unterwegs fiel uns dabei ein sonst so selbstverständliches Detail auf: Man sah weit und breit keine Schiffe, einen Hafen hat Westerland naheliegender Weise ebenfalls nicht zu bieten. Kein Problem, die folgenden Tage sollten uns ja noch ausreichend Gelegenheit geben die anderen „Ecken“ Sylts zu erkunden.

Sonnenuntergang am Strand von Westerland

Nach ca. 12.000 Schritten ging dieser Tag zur Neige, und wir fielen ziemlich müde in die etwas unvertrauten Betten. Leider verbrannte sich Dani kurz vorher an der Unterbaubeleuchtung (Halogen) der Küche, was eine schmerzliche Brandblase am Finger hinterließ 🙁

Weitere Foto finden sich wie immer in der Galerie: Klick.