Kalifornien Tag 4: Alles klebt / San Diego Teil 1

Vorab: Ich muss daran arbeiten, die Beiträge wieder etwas kompakter zu gestalten. So eine Kurzgeschichte wie jene vom Tag 3 mit über 2.200 Wörtern tippt sich nämlich nicht eben nebenbei runter, was die verfügbare Freizeit am Abend zwischen Abendbrot und „Jetzt aber dringend schlafen“ nahezu vollständig ausfüllt. In Florida war das etwas entspannter, da es fast 2h früher dunkel wurde – hier in Kalifornien ist die Sonne erst gegen 19:15 Uhr vollständig hinterm Horizont verschwunden.

Der vierte Tag unserer Reise begann mit dem Abschied von Los Angeles – einer Stadt, die uns sehr positiv überrascht hat. Dennoch bekamen wir beim Versuch der Weiterreise gen Süden die volle Breitseite des hiesigen Verkehrs ab – einer der größten Kritikpunkte an der Movie-Metropole. Es geht nur schleppend vorwärts und jedes Mal, wenn man glaubt einen Knotenpunkt passiert zu haben, stockt der Verkehr nach wenigen Kilometern erneut. Man muss daher entweder mit diesem Umstand leben, oder geschickt drum herum planen. Dies verlangt jedoch ein Maß an Flexibilität, dass teilweise nicht erreicht werden kann (heute hätte wir laut Google Stauprognose z.B. vor 5:45 Uhr oder nach 10:00 Uhr fahren müssen – im Prinzip kaum darstellbar).

Mit viieeel Geduld, bereits gut durchgekocht (30°C noch vor 10:00 Uhr) und ein wenig angenervt erreichten wir nach einem kurzen Zwischenstopp (viel Wärme = viel Wasserbedarf = viele biologische Grundbedürfnisse) gegen 11:30 Uhr La Jolla Beach bzw. den Ellen Browning Scripps Park. Dani berichtete mir im Vorfeld, dass wir dort „maximal 10 Minuten“ brauchen werden, da man sehr schnell dorthin gelangen könne und quasi direkt am Park parkt. Ich stellte mich also auf keinen kurzen Halt ein, wie wir ihn in Florida mehrfach hatten: Parken, ein paar Meter gehen, ein paar Fotos, weiter. Eigenartigerweise (…) hatten ziemlich viele Menschen ein scheinbar gesteigertes Interesse daran den Park „mal eben kurz“ zu besichtigen. Vier Runden um den Block und eine sagen wir lebendige Diskussion später hatten wir tatsächlich einen Stellplatz für unser wildes Stahlpferd gefunden. Vorteil: Die Region ist wirklich toll. Steilküste, steinerne Plateaus, Seelöwen, Pelikane, große Rollwellen, Taucher, Paddler, Schnorchler, Surfer .. alle Aspekte einer lebendigen Badeslandschaft sind erfüllt oder deutlich übererfüllt. Nachteil: Trotz „nur“ 28°C verbindet sich die Kleidung aufs Innigste mit dem Körper – hoher Luftfeuchtigkeit sei Dank.

Wir unternahmen trotzdem einen relativ ausgedehnten Spaziergang an der Küstenlinie entlang, gingen mit den Seelöwen (im vertretbaren Abstand) auf Tuchfühlung, bestaunten die Künste der Surfer und versuchten den stellenweise bissigen Geruch (entweder vom Seetang oder den Meeresbewohnern) zu ignorieren – manchmal gar nicht so einfach. Nach ca. 1h setzten wir unser Fahrzeug ca. 1km weiter in Richtung Süden um und brachen zu einem weiteren Spaziergang an die sog. „Tide Pools“ auf. Hierbei handelt es sich um einen recht flachen Küstenabschnitt aus Sandstein, in dem sich wasserstandsabhängig mal kleine, mal große Bassins bilden in welchen sich einiges Getier tümmelt. Im Prinzip ein bisschen wie eine Mischung aus Wattenmeer und Teufelsmauer (das hilft natürlich nur jenen, die letztgenanntes Naturphänomen kennen). Durch die aufbrandenden Wellen gibt es hier ständig etwas zu sehen und auch zu hören, so dass man allein an diesen Pools vermutlich locker einen Tag verbringen könnte.

Wir fuhren trotzdem weiter, denn unser Tagesprogramm umfasste noch ziemlich viele Punkte. Die Anreise zum nächsten Stopp – den Sunset Cliffs – gestaltete sich so, wie man sich Kalifornien vorstellt. Breite Straßen, warmer Wind, jede Menge Surfer am Straßenrand und Surfboard-bepackte SUVs im Verkehr, coole Musik im Radio, offener „Sportwagen“ (sagen wir einfach Cruiser mit Kultstatus) unterm Hintern – kurzum: Perfekt. Zu vergleichen maximal mit der Anreise morgens um 07:00 im Mustang Cabrio nach Miami Beach – ebenfalls bei entspannten 25°C und mehr. An den Cliffs angekommen betritt man die Domäne der Surfer. Die Straße direkt am Kamm wird von unzähligen Fahrzeugen besiedelt, die meist nur einem Zweck dienen; dem, ein Board zu transportieren. Dieses wird dann über steile Treppen gen Wasser transportiert, wo es eingesetzt und einige hundert Meter ins freie Meer gebracht wird. Dort geht dann der Spaß los – und die hiesigen Cracks haben uns dabei glauben gemacht, dass der Ritt auf der Welle überdurchschnittlich einfach sei. Doch auch wenn der Wind erfrischend und die Villen in erster Reihe beeindruckend waren, nahm der Wunsch nach einer Dusche doch immer mehr zu.

Auf dem weiteren Weg in Richtung San Diego galt es jedoch erstmal den knurrenden Magen zu beruhigen. Entgegen der sonst von uns präferierten Lokale besuchten wir hierzu ein Denny’s (im Prinzip eine Art besseres Schnellrestaurant, aber mit Bedienung am Tisch), welches uns sehr positiv überraschte. Sicherlich ist die Ausstattung und Anmutung nicht mit einer Cheesecake Factory, einem Applebee’s oder einem Chilli’s vergleichbar, aber bei rund 1/3 niedrigeren Preisen bekommt man trotzdem annehmbare Qualität geboten. Ab und an sicher eine gute Option.

Als nächste Station steuerten wir das Cabrillo National Monument – eine Art Park auf einer Halbinsel im Stadtgebiet von San Diego, welche zum Großteil zum Militär gehört – an. Hier erstanden wir kurzerhand den Annual Pass für die Nationalparks (80$ für freie Einfahrt in nahezu alle Parks für 1 Jahr) und legten anschließend die letzten Meter in Richtung Aussichtsterrasse per pedes zurück. Was man dann zu sehen bekommt, ist schon ziemlich beeindruckend. Vor einem liegt eine riesige Stadt (1,3 Millionen Einwohner) in einer Bucht, in selbiger liegen extrem viele Boote, darunter das ein oder andere Exemplar der amerikanischen Marine, vor Anker. Außerdem kann man den Flugzeugträger Midway im Hafen erkennen und am Horizont zeichnet sich bereits Tijuana in Mexiko ab (die Grenze ist so nah, dass das Mobiltelefon sogar schon in mexikanische Netze roamed). Diese an sich schon äußerst spannende Szenerie wird durch ein Gewusel an kleinen und größeren Booten, Patrouille fliegenden Hubschrauber & Flugzeugen und großen Containerschiffen am Horizont weiter aufgewertet – wirklich malerisch.

Nachdem wir die Aussicht vom Visitor Center und später vom Leuchtturm aus ausgiebig genossen hatten, stoppten wir auch kurz noch bei den Tide Pools im Park. Leider herrschte zum Zeitpunkt unseres Besuchs schon Hochwasser, so dass es hier nicht wirklich viel zu sehen gab. Da uns unsere Kraft ein wenig zu verlassen drohte, strichen wir kurzer Hand den geplanten Abstecher ins Gaslamp Quarter und steuerten direkt unser Hotel auf der Coronado-Halbinsel an. Diese ist – ähnlich zu Sanibel Island – der Stadt etwas vorgelagert, kann aber mautfrei über eine vielspurige, optisch beeindruckende Brücke  erreicht werden. Wir erledigten noch kurz einige Besorgungen in einem lokalen Supermarkt (man kann nie genug Wasser haben) und zogen anschließend in unser beschauliches, klimatisiertes (!!) Hotelzimmer 300m entfernt vom Strand ein.

Eine kurze Pause später unternahmen wir einen ersten Spaziergang durch den Ort mit grober Hauptrichtung Strand und waren sehr positiv überrascht. Alles ist super, es gibt die unterschiedlichsten Geschäfte und Restaurants und es ist angenehm viel los, ohne dass sich das erstickende Gefühl großer Menschenansammlungen wie in LA einstellt. Der Strand selbst ist perfekt – anders kann man es nicht sagen. Sehr breit, sehr lang, sehr fein und unvorstellbar sauber. Außerdem tummeln sich auch während und nach Sonnenuntergang allerlei Menschen direkt am Wasser, ohne jedoch, dass man dabei Angst haben müsste. Gefühlt ist die Dichte an Militärangehörigen und ihren Familien & Freunden hier so hoch, dass man sich keine Gedanken um etwaige Gefahren machen muss. Coronado (mit dem legendären Coronado Hotel, welches übrigens nicht zu übersehen und sehr imposant ist) scheint – so zumindest unsere Eindrücke bisher – ein perfekter Ort für einen entspannten Badeurlaub zu sein. Es ist ruhig, es ist sicher, es ist abwechlungsreich, es ist sauber (derart sauber, dass man an der Promenade über weite Strecken barfuß gehen kann, ohne auch nur in einen Stein zu treten), es gibt viel zu sehen und es ist wesentlich leiser und entspannter als z.B. LA oder Miami. Wie sagte Dani so passend: „Wie Key West für Erwachsene“. Abends einen Cocktail in der Beachbar des Hotel Coronado bei Live-Musik .. da kann das Leben schon Spaß machen.

San Diego scheint wirklich cool und extrem vielfältig zu sein. Ob dem auch wirklich so ist, werden wir morgen weiter ergründen. Auf dem Plan stehen neben einem Besuch der Midway die Erkundung des maritimen Museums, die Teilnahme an einer Hafenrundfahrt und – falls wir es zeitlich unterkriegen – der nachgeholte Spaziergang durch das Gaslamp Quarter. Auch ein Strandspaziergang im Sonnenuntergang müssen wir noch irgendwie unterbekommen, bevor es am Sonntag Morgen in Richtung des Landesinneren, nach Vegas, geht.

Viva Las Vegas

Ein kleiner Teaser zur Eröffnung..
Ein kleiner Teaser zur Eröffnung..

Las Vegas zählt sicherlich zu jenen Orten auf der Welt, zu denen fast jeder Mensch eine Vielzahl von Assoziationen hat. Durch Kinofilme, Erzählungen sowie in diversen Songs wird das Bild „Stadt der Sünde“ auf unterschiedlichste Art gezeichnet und verbreitet .. und so beginnt man sich zu fragen: Was ist eigentlich dran? Durch eine ausgesprochen positive Begebenheit in Form einer Dienstreise mit Unterhaltungsanteil kann ich an dieser Stelle glücklicherweise berichten: Eine ganze Menge!

Doch der Reihe nach .. das neue Jahr war erst 10 Tage alt, als das erste Abenteuer 2015 begann – mein Kurztrip nach Las Vegas. Von Frankfurt aus sollte es via Direktflug mit Condor in rund 12h in die Wüsten-Metropole gehen, in der ich zusammen mit zwei Kollegen vier Tage verbringen durfte. Die Vorzeichen standen dabei recht gut, durften wir uns doch im ziemlich bekannten Caesars Palace einquartieren (als ich die Buchungsbestätigung erhalten habe, habe ich erstmal Google Maps aufgerufen um zu schauen, wo das Hotel überhaupt liegt..), während die von uns besuchte Veranstaltung – also das eigentliche Hauptziel unserer Reise – im Venetian stattfinden würde. Leider brachte ich aus dem Weihnachtsurlaub eine ziemlich lästige Erkältung mit, weshalb bis ganz kurz vor Abflug nicht klar war, ob ich denn überhaupt die lange Reise antreten konnte. Aber dann war es plötzlich Sonntag Morgen, der TTRS schlummerte neben einem Ferrari 458 im Business Parking Bereich des Frankfurter Flughafens und ich fand mich nach einer ziemlich langen Wartezeit an den zwei Security-Schaltern am Gate in Richtung Westküste wieder. Die letzten Minuten vor Beginn des Boardings vergingen rasch und schneller als erwartet fanden wir uns auf unseren „Premium-Sitzplätzen“ in der letzten Reihe des Fliegers wieder (und nein, die Business Klasse ist bei Condor nicht ganz hinten, sondern wie in jedem Flugzeug ganz vorn ;-)). In weiser Voraussicht hatte mein Kollege die Sitzplatzreservierungen so gewählt, dass „der Flügel unsere Sicht auf gar keinen Fall stören würde“. Stimmt, tat er nicht. Dafür war lange Zeit nicht so ganz klar, ob wir in einem U-Boot, oder doch einem Airbus saßen. Dieser Eindruck wurde beim Start nicht eben besser, da der Übergang von Rollen zu Fliegen bedingt durch die starken Winde hinsichtlich der „Holprigkeits-Levels“ recht fließend war .. es ging also lustig los 😉

Wie bei jedem „Langstreckenflug“ begann nun der langweilige Teil und mit Hinblick auf Reiserichtung und Zeitverschiebung galt es wach zu bleiben. Eifrig genoss ich also das In-Seat Entertainment-Programm (doof, dass ich die meisten Inhalte davon keine acht Wochen zuvor während unserer Florida-Reise bereits geschaut hatte) und hoffte, dass die 12h Reisezeit schnell vergehen würden. Das klappte generell auch ziemlich gut, mit der kleinen Ausnahme, dass ein Teilnehmer eines Junggesellenabschieds ca. sechs Reihen vor uns seinen Mageninhalt großflächig über die gesamte Reihe verteilte und den Rest mittels eines kleinen Becherchens, dass er während des Vorgangs der reversiblen Nahrungsaufnahme als Auffangbehälter nutzte, auch noch auf dem Gang in Richtung Waschraum verstreute. Nicht schön. In Folge dessen roch es eine ganze Weile lang nach unglaublich süßlichem Parfüm und die Gäste der nun nicht mehr benutzbaren Plätze standen den restlichen Flug über rum .. auch irgendwie doof. Irgendwann setzten wir dann aber doch zur Landung an und wurden *Trommelwirbel* mit Regen empfangen. Im Ernst .. grauer Himmel und schönster Nieselregen, der die Bedingungen beim Abflug fast noch unterbot. In Kombination mit der dichten Wolkendecke blieb uns also zumindest ein beeindruckender Anflug über den Strip erspart, den wir bedingt durch unsere außergewöhnlich guten Sitzplätze sowieso nur sehr eingeschränkt hätten genießen können 😉 Also raus aus dem Flieger, einmal kurz durch den McCarran Airport spaziert und eine kurze Wartezeit an der Immigration später (selbige war übrigens sehr viel freundlicher als in Florida) befanden wir uns auf amerikanischem Boden. Hat sich gut angefühlt 🙂

Las Vegas, 14:00 Uhr, der Himmel grau, das Haar sitzt
Las Vegas, 14:00 Uhr, der Himmel grau, das Haar sitzt

Am Taxistand des Flughafens dann das mehr oder weniger bekannte Bild: Vergleichsweise alte Autos, graue Parkhäuser, dunkler Himmel .. aber irgendwo am Horizont ein paar blinkende Fassaden. Als die Fahrt begann, stellte sich augenblicklich ein Gefühl ein, das sinnbildlich für die gesamte Reise nach Las Vegas gelten kann: Reizüberflutung. Nicht nur, dass man sich im Taxi kaum vor Flyern retten konnte, unter dem Dachhimmel des über 250.000 Meilen alten Fahrzeugs war ein Monitor montiert, auf dem – wahlweise auf Chinesisch oder Englisch – für lokale Restaurants und Special Offers in den hiesigen Ressorts geworben wurde; schrill, bunt und natürlich in einer Endlosschleife. Durch den zähen Verkehr hindurch näherten wir uns jedoch stetig den immer größer werdenden „Wahrzeichen“ der Stadt an. Das allgemeine vertraute Bild von Hotels bzw. Casinos wie dem MGM Grand, dem Luxor und später auch dem Paris, Planet Hollywood, Bellagio und natürlich dem Caesars Palace wurde immer größer und plötzlich waren wir mitten drin. Wer noch nie in Las Vegas war,  wird vermutlich – genau wie wir – enorm überrascht von den nahezu unvorstellbaren Dimensionen des Strips sein. Insbesondere die bekanntesten Hotels sind einfach so riesig, dass man spontan nicht glauben will, dass all diese verteilten Gebäude und Ableger dazu gehören. Ein Hochhaus steht hier neben dem anderen, alle individuell in der Gestaltung, überall prangen riesige Videowände und von jeder Seite aus hört man irgendwo laute Musik, werbetreibende Promotor oder hupende Autos. Wahnsinn. Es begann bereits langsam zu Dämmern, als wir endlich vor dem Caesars ausstiegen und wenige Meter später, bei der Ankunft in der Lobby, ein weiteres Mal sprachlos waren. Ich weiß, dass es plump (vielleicht sogar kitschig klingt), aber der Eingangsbereich des Ressorts war einfach so viel größer, pompöser, detaillverliebter und beeindruckender, als ich mir das jemals hätte vorstellen können. Beeindruckend war dann übrigens auch die Zeit, die der Concierge benötigte, um uns drei einzuchecken, mit einem Zimmer Upgrade zu versorgen und drei Räume zu finden, die möglichst nah beieinander lagen. Glücklicherweise hatte er irgendwann Erfolg und überreichte uns mit einem breiten Grinsen die Key Cards zu unseren Zimmern, gefolgt von einer abermals überraschend komplizierten Erklärung, wie wir denn nun zum Forum Tower gelangen würden.

Eingangsbereich des Caesars - bedarf keiner weiteren Worte
Eingangsbereich des Caesars – bedarf keiner weiteren Worte

Der geneigte Leser ahnt es bereits: Es war ein weiteres Mal Zeit für ein „Wow, SO habe ich mir das nie vorgestellt“-Erlebnis. Um zu unseren Unterkünften zu gelangen, mussten wir nämlich einen recht großen Teil des Komplexes durchqueren und passierten so bereits viele der Pokertische, Craps-Tische, Roulette-Stationen und Spielautomaten, bevor wir an mehreren Restaurants und Shops vorbeischlenderten, um dann endlich an einer Batterie von Aufzügen anzukommen. Der gesamte von uns bis dahin durchquerte Bereich wirkte dabei sehr edel, sauber und pompös, wandelte man doch über Teppich, an Säulen und jeder Menge Marmor vorbei. Rasch brachte uns einer der Aufzüge in den 21. Stock, wo unsere Premium-Zimmer auf uns warteten. Wir hatten (mittlerweile) große Erwartungen, die nicht enttäuscht wurden: Direkt vom Bett aus konnte man auf den Strip schauen, der bereits in allen erdenklichen Farben blinkte und blitzte. An den bodentiefen Fenstern stehend, fühlte man sich dem Abgrund in Form des Parkplatzes sehr nah und immer mal wieder vergegenwärtigte eine anbrandende Windböe, in welch exponierter Lage bzw. Höhe man sich befand. Auch sonst ließ das Zimmer keine Wünsche offen, war es doch relativ modern eingerichtet, groß, sauber, angenehm klimatisiert und grenzte an ein Bad, welches nicht nur eine überdimensionale Dusche sondern (natürlich) auch einen sehr großen Whirlpool bot. Ja, Vegas ist schon ganz schön cool 😉

Man hat schon schlechter residiert .. hinter diesen Vorhängen wartet der tolle Ausblick
Man hat schon schlechter residiert .. hinter diesen Vorhängen wartet der tolle Ausblick

Auch (oder gerade) wenn der Tag schon recht lang war, wurde es nun jedoch Zeit für etwas Bewegung und vor allem eine vernünftige Nahrungsaufnahme – die Verpflegung im Flugzeug war (wie nicht anders zu erwarten) eher minimalistisch. In frischen Klamotten trafen wir uns also am Fahrstuhl, fuhren erneut in das relativ verwirrend angelegte Erdgeschoss und bahnten uns unseren Weg in Richtung Ausgang. Dort angekommen, benötigten wir erneut einen kurzen Moment um all die Eindrücke zu verarbeiten, denn der überdachte Ankunftsbereich des Ressorts mit den zahlreich wartenden Stretch-Limousinen ist ebenfalls nicht gerade alltäglich. Mittlerweile hatte der Strip bereits jene Farben angenommen, die man meist mit dem Wort „Las Vegas“ assoziiert: Dunkler Himmel und sonst alle Variationen die der Regenbogen hergibt – Hauptsache hell und nicht zu übersehen. Über diverse (abgeschaltete) Rolltreppen steuerten wir langsam in Richtung Hard Rock Cafe, welches rund eine Meile südlich am South Las Vegas Boulevard („Strip“ klingt cooler, oder?) auf uns wartete. Es war ein toller Spaziergang, obgleich die lokale Infrastruktur auf Regen offensichtlich nicht so gut reagiert, selbst wenn dieser schon wieder seit geraumer Zeit aufgehört hat. Bei ca. 15°C nutzten wir die Gelegenheit weitere Eindrücke von Vegas zu sammeln und erhaschten bereits einen ersten Blick auf die berühmten Fontänen vor dem Bellagio – ein absolutes Highlight -, das neue City Center und das Paris mit seinem unmöglich zu übersehenden Ballon und der Eifelturm-Replik im etwas verkleinerten Format. Dabei ist es gar nicht so einfach stets auf dem richtigen Pfad zu bleiben, geht es doch fortwährend über Rolltreppen nach oben und unten, um die großen, teilweise 12 spurigen Kreuzungen zu überqueren.

In Las Vegas ist alles etwas größer
In Las Vegas ist alles etwas größer

Nachdem wir mehrere, riesige Videowände und einen gigantischen Harley Davidson Händler passiert hatten, war es dann soweit – Ankunft im Hard Rock Cafe. Hier erlebten wir ein weiteres Mal typisch amerikanischen Service: Eine Mitarbeiterin hieß uns willkommen und fragte nach den Präferenzen hinsichtlich des Sitzplatzes, eine weitere Dame führte uns zu einer Fotowand und bot uns an Erinnerungsbilder zu schießen und schon die dritte Ansprechpartnerin des Tages brachte uns zu unseren Plätzen, wo der vierte Mitarbeiter sich uns vorstellte und die Bestellung aufnahm. Ja, so fühlen sich viele Menschen gebraucht 😉 Das Essen und die Atmosphäre im HRC waren wie gewohnt absolut exzellent – insbesondere nach dem langen Flug tat eine warme, vollwertige Mahlzeit doch sehr gut. Spätestens während des Rückwegs zum Hotel übermannte uns die Müdigkeit zusehends, so dass wir das Wasserspiel vor dem Bellagio nur bedingt genießen konnten. Wieder im Caesars angekommen verabschiedeten wir uns voneinander und ich versuchte die letzten Minuten vor dem dringend benötigten Schlaf mit einem Bad im Whirlpool nochmals so lang wie möglich auszudehnen – der ausbleibende Jetlag würde es mir danken. Als ich jedoch feststellen musste, dass ich für den Versuch eine einzige Seite c’t zu lesen fünf Anläufe brauchte, wurde es endgültig Zeit zu schlafen – gegen 20:00 Uhr Ortszeit begann der Strip so richtig zu pulsieren, während mein erster Tag in Las Vegas ging zu Ende.

Da will man eigentlich gar nicht schlafen, oder?
Da will man eigentlich gar nicht schlafen, oder?

Der nächste Morgen begann nach einer ziemlich erholsamen Nacht (glücklicherweise gelang es mir bis 05:00 Uhr durchzuschlafen) und einem grandiosen Ausblick aus dem Hotelzimmer (ich glaube, den werde ich so schnell nicht vergessen) erneut mit der Herausforderung „Nahrungssuche“. Frühstück zu kriegen ist in Las Vegas nämlich gar nicht so einfach wie man meinen würde – zumindest nicht, wenn man die horrenden Kosten für den Zimmerservice meiden möchte (Croissant: 14$; Schale mit Früchten: 22$, Servicegebühr 6$ usw.).

Der Blick aus dem Fenster
Der Blick aus dem Fenster

Zum Glück mussten wir einfach nur dem Strom der Menschen durch die Lobby folgen, um zur (scheinbar einzigen) validen Nahrungsquelle zu gelangen .. einer Art Take Away Restaurant (eher eine Take Away Theke) die von Crepes über Eis bishin zu Burgern nahezu alles anbot bzw. frisch zubereitete. Für nur ca. 15$ gab es eine heiße Schokolade und einen (ziemlichen kleinen) Crepes – nicht billig, aber durchaus lecker. Weniger stilecht waren die Plastikstühle, auf denen wir unsere Mahlzeit zu uns nahmen .. ich bin mir sicher, dass diese gestern noch Tüten im Supermarkt waren 😉

Unechtes aber stilechtes Besteck
Unechtes aber stilechtes Besteck

Nach dem erfolgreichen Start in den Tag wurde es Zeit die Registrierung für unsere Veranstaltung abzuschließen, weshalb wir uns bei schönster Morgensonne in Richtung des Venetians begaben. Las Vegas bei Tag ist noch einmal etwas ganz anderes als Las Vegas bei Nacht (zugegeben: etwas weniger imposant, aber dennoch sehenswert) und bietet – unabhängig von der Tageszeit – sehr viele optische und akustische Reize. überall Musik, an jeder Ecke verkleidete Menschen (Transformers lagen zur Zeit unserer Reise scheinbar schwer im Trend) und alle paar Meter Werber, die Flyer bzw. Visitenkarten abzugeben hatten (primär zur Vermittlung von Kontakten für einsame Menschen). Schon eine ziemliche Flut von Impressionen, wenn es noch nicht mal 10 Uhr morgens ist.. Trotzdem kamen wir unserem Ziel, welches vom Hotelzimmer aus betrachtet wesentlich näher wirkte – stetig näher und standen nach einigen Minute vor dem Venetian – einem riesigen, über 7000 Zimmer großen Ressort mit sehr großem Casino-Bereich und einer unglaublich pompösen Szenerie. Wie wir in den nächsten Tagen bei mehreren Besuchen feststellen konnten, ist das Venetian mit seinen Kanälen, den singenden Gondolirie und der Interpretation des Markusplatzes wirklich extrem beeindruckend.

Jede Ecke, jedes noch so kleine Detail wirkt hochwertig, verspielt, gepflegt .. in Summe einfach überzeugend. Das Venetian vermittelt das Flair eines (kleinen) perfekten Venedigs mindestens so gut, wie das Caesars den Eindruck eines römischen Palastes imitiert. Wie wir im Laufe unseres Aufenthalts weiterhin feststellen konnten, verfügt das Venetian neben einem sehr ansprechenden, großen Casino-Bereich auch über unvorstellbar geräumige Optionen um Veranstaltungen auszurichten. Ernsthaft, allein der Ballsaal, in welchem die Mahlzeiten während des Events gereicht wurden, war unbeschreiblich groß. Die Dimensionen sind vielleicht noch am besten mit denen einer (einigermaßen) hübschen Messehalle vergleichbar – absolut beeindruckend. Die Hauptveranstaltung selbst fand ebenfalls in einem Messehalle-ähnlichen „Raum“ statt – bestuhlt für über 4000 Personen und mit nicht weniger als (glaub ich) fünf Leinwänden ausgestattet. Oft fühlte ich mich eher an ein Konzert, als an einen Kongress erinnert. Während unserer Woche in Las Vegas habe ich mich übrigens einmal derart im Inneren des Venetian verlaufen, dass ich einfach immer den Schildern in Richtung Ausgang folgen und mich dann von dort neu orientieren musste .. zum Glück hat diese Notfallübung gut funktioniert und ich konnte meine Kollegen in nur 30 Minuten wiederfinden.

Ein schöner Ort zum Verlaufen
Ein schöner Ort zum Verlaufen

Fast unmittelbar gegenüber des Venetian Resort Hotels befindet sich der Eingang zu dem „The Forum Shops at Caesars“ – einer Shopping-Mall, die nach einigen hundert Metern in den Casino- und Hotelbereich übergeht. Was hier so banal klingt, ist ein unglaublich großer Komplex, der es einem im Prinzip erlaubt, mehrere hundert Meter am Strip entlang überdacht zurückzulegen – vom Venetian, über die Shops, das Caesars, bis ins Bellagio. Die Shops selbst sind natürlich – wie fast alles in Las Vegas – sehr pompös angelegt. Das geht bei den üppigen Dimensionen los, zieht sich über die berühmten, runden Rolltreppen und mündet in einer Vielzahl hochpreisiger Shops, die sich sehr edel und auserlesen präsentieren. Ernsthaft, ich denke die preiswerteste Option Kleidung im Caesars zu kaufen dürfte H&M sein – danach folgt vermutlich eine lange Weile nichts und dann nach Guess & co die üblichen Luxusmarken ala Louis Vuitton. Überhaupt gibt es in Las Vegas gefühlt alle 500m einen LV-Shop – die vielen, noch verpackten Taschen des beliebten Herstellers, die beim Rückflug im Flieger zu bewundern waren, lassen allerdings darauf schließen, dass durchaus genügend ernsthafte Interessenten zugegen sind 😉 Natürlich wird auch das Einkaufen im Caesars als Erlebnis zelebriert, was sich zum Beispiel in einem großen Aquarium, einer beeindruckenden Licht / Feuershow zum Thema Atlantis und einer abermals extrem gepflegt wirkenden Szenerie manifestiert. Ernsthaft, an der Interpretation des Trevi-Brunnens zu stehen, bei leicht schummriger Beleuchtung und unter einem vom (nicht realen) Sonnenuntergang lila gefärbtem Himmel, der sich in dem perfekt schwarz glänzenden Marmorboden reflektiert, fühlt sich in der Tat nach der idealen Vorstellung eines Frühlingsabends in Italien an. Überhaupt wirken viele der Orte in Las Vegas wie aus einem (wirklich sehr sehr guten) Themenpark und weniger wie aus der realen Welt.

Abendstimmung (nachmittags) im Caesars

Etwas realer, aber immer noch sehr außergewöhnlich fühlt sich ein Besuch im berühmten Bellagio an. Während das Venetian und das Caesars bereits sehr edel wirken, befindet sich das Bellagio nochmals auf einem etwas höheren Level (wobei ich mich hier auf die öffentlichen Bereiche und nicht die Zimmer beziehe). Der Casino-Bereich ist so riesig, dass man an jeder Kreuzung denkt „Was? Hier geht es auch noch weiter?“. Alles wirkt sehr sauber, sehr aufgeräumt und einladend – eben so, wie man sich das vor einem Besuch auch vorstellen würde. Die Lobby ist ebenfalls sehr pompös und eines der beliebtesten Fotomotive – ebenso wie der chinesische Garten, der sich direkt anschließt. Während unseres Besuchs wurde hier – sehr zur Atmosphäre passende – Live-Musik gespielt. Wäre der Bereich nicht so überlaufen, könnte der chinesische Garten womöglich sogar ein Ort der Ruhe sein. So bleiben die Gondoliere im Venetian als beeindruckendere Klangerfahrung im Gedächtnis. Das absolute Highlight des Bellagios ist sicherlich das Wasserspiel vor dem Ressort, welches (Achtung, die folgenden Angaben sind nur Vermutungen) in den Abendstunden alle 15 Minuten und ab glaube ich 15:30 Uhr alle 30 Minuten stattfindet. Mir gefielen die vielen unterschiedlichen Variationen und Kombinationen aus Musik, Höhe, Intensität und Form der Wasserstrahlen so sehr, dass ich wahrscheinlich auch einen ganzen Tag oder besser eine ganze Nacht hier hätte verbringen können. Vor dem Bellagio stehend, mit Blick auf die Fontänen, das Caesars und den Reflektionen des Eifelturms im Wasser ist schon etwas ganz Besonderes eine eine sicher nicht alltägliche Erfahrung.

Abendstimmung - allerdings eine sehr Spezielle
Abendstimmung – allerdings eine sehr Spezielle
Eine der Hauptattraktionen in Aktion
Eine der Hauptattraktionen in Aktion

Insgesamt gibt es meiner Meinung nach viele dieser „Wow – so hätte ich mir das nie vorgestellt“-Eindrücke in Las Vegas zu entdecken. Alles was man hierzu tun muss, ist den Strip rauf und runter zu laufen, die verschiedenen Ressort-Lobbys zu besuchen und dieses gigantische Spektakel auf sich einwirken zu lassen. Vom Klang der gemieteten Harleys und Ferraris auf der Straße über die omnipräsente Ansprache der Promotor – die Stadt in der Wüste ist einfach immer laut und zu jedem Zeitpunkt unglaublich intensiv. Um den Spaß vollkommen auskosten zu können, muss man sich jedoch dreier Dinge bewusst sein:

  1. Las Vegas ist einfach sehr teuer. Das ist so und das sollte man von Vornherein in Kauf nehmen. Obgleich auch die hübscheren Hotels vergleichsweise preiswert sind, geht die Erfüllung von Grundbedürfnissen wie Essen und Trinken sehr ins Geld. Ein Gutes Steak bei Ruth Chris? 60$ plus Steuern und Trinkgeld sind da keine Seltenheit. Drei große Bier? Schnell sind 48 Dollar plus Steuern und Trinkgeld in Flüssigkeit verwandelt. Man kann in Las Vegas sehr viel Spaß haben, sehr gut Essen und viele tolle Eindrücke sammeln, aber auch ohne Geld in den Casinos (oder Shops) zu lassen, sollte man für diese tolle Erfahrung einfach ein gewisses Maß an Ausgaben als „unvermeidbar“ betrachten.Nebenbei gesagt: Neben dem Caesar Salad im Hard Rock Cafe waren allein die Quad-Fries in Guy Fieri’s Vegas Kitchen + Bar ein Grund nochmal wiederzukommen.
  2. Las Vegas ist – wie schon gesagt – sehr laut. Nach vier Tagen in der Wüstenstadt hatte ich vor allem einen Wunsch: Ruhe. Sobald man das Hotelzimmer verlässt, ist man in Las Vegas im Zentrum eines Vergnügungsparks. Überall sind sehr viele Menschen, überall sind laute Geräusche (Werbung, Automaten, Chip-Stapel, Autos), überall blinkt es und sobald man die Hotels verlässt, wird man ständig von Promotern angequatscht. Das kann sehr anstrengend sein.Auch in den Casinos spazieren zu gehen (oder gar zu spielen) ist nicht eben erholsam, sind die Automaten – wie bereits beschrieben – doch sehr laut und ist die Luft manchmal sehr schlecht. Die Tatsache, dass man in den meisten Bereichen der Casinos noch Rauchen darf, war zumindest für mich enorm überraschend.
  3. Las Vegas ist nicht groß. Es gibt den Strip und dieser ist für sich genommen auch extrem beeindruckend und bietet Sehenswürdigkeiten, die einen mehrere Tage lang beschäftigen können, aber dann fällt die Attraktivitätskurve doch sehr steil ab. Wer mal aus der Stadt rausgefahren ist, vorbei an den kleinen Hochzeitskapellen, der wird diesen Eindruck sicherlich bestätigen können. Zusammenfassend gibt es also einen spannenden Kern, ein meiner Meinung nach recht unattraktives Gebiet um diesen Kern und dann jede Menge Wüste. An dieser Stell sei übrigens angemerkt, dass ich mir die Wedding Chapels niemals so vorgestellt hätte. Der Standort und die Gestaltung derselben erinnern mich an ein relativ unattraktives Gewerbegebiet in Deutschland – und wer würde dort schon heiraten wollen.
Die besagten Quadfries .. ein Traum
Die besagten Quadfries .. ein Traum

Ferner sei angemerkt, dass das Bild über einen derart surrealen Ort wie Las Vegas sicherlich immer im Kopf des Lesenden / des Neugierigen entsteht. Nach den ersten Tagen in Nevada war ich der festen Überzeugung, dass die meisten Filme, die an diesem Ort spielen, massiv geschönt oder zumindest stark „optimiert“ sind. Nach meiner Rückkehr haben wir dann zuerst „21“ und kürzlich auch nochmals Ocean’s Eleven gesehen (übrigens spielt auch eine der Eröffnungsszenen von Iron Man in Las Vegas, genauer gesagt im Caesars Palace) und ich war absolut überrascht: Die Stadt sieht so aus, wie ich sie erlebt habe, das Casinos sind authentisch und sogar der Lärmpegel ist weitestgehend real. Auch Aussehen und Kleidung der meisten Casino-Besucher, ebenso wie Erscheinung und Frequenz der asiatischen Highroller habe ich genau so (oder ähnlich) erlebt .. einzig die rauchgeschwängerte Luft geben die Filme so natürlich nicht wieder. Insgesamt war ich aber sehr positiv angetan: Eigentlich ist Las Vegas ziemlich genau so, wie es im Film gezeigt wird .. man kann es nur scheinbar nicht glauben und macht sich sein eigenes Bild.

Abschiedsstimmung am Bellagio
Abschiedsstimmung am Bellagio

Abschließend noch ein paar Gedanken zum Thema Glücksspiel: Es ist enorm beeindruckend zu sehen, mit welcher Frequenz und offensichtlichen Leichtigkeit in den Casinos im Sekundentakt Geld den Besitzer wechselt. Tausende Dollar werden binnen weniger Sekunden gesetzt, verdoppelt, verloren, von Bargeld in Chips bzw. andersherum verwandelt. Die Faszination der sich permanent vergrößernden bzw. verkleinernden Chip-Stapel, die Eleganz und Sicherheit mit der die Croupiers die Plastikwährung auszählen, bewegen und nahezu artistisch handhaben, die Professionalität und Aufmerksamkeit der Pit Bosse im Hintergrund, der scheinbar lockere Umgang der Gäste untereinander und mit den Casino-Mitarbeitern .. das alles trägt zu einem meiner Meinung nach ziemlich einmaligen Erlebnis bei. Einsam bleibt in Las Vegas vermutlich niemand allzu lange .. reich allerdings – bei unvorsichtigem Handeln – auch nicht. In Summe habe ich jedenfalls (mit Ausnahme eines Poker-Turnier Gewinners) kaum jemanden gesehen, der die Casinos reicher verlassen hat, als er sie zuvor betreten hatte.

Eine grüne Oase mitten in der Wüste
Eine grüne Oase mitten in der Wüste

In Summe war der Kurztrip nach Las Vegas jede Minute, jeden Dollar und jede Anstrengung wert. Zwei 12 Stunden Flüge in bisher unbekannter Enge (zum Glück bin ich ja recht kompakt), mehrere Nächte mit sehr wenig Schlaf und Reizüberflutung in jeder Minute außerhalb des Hotelzimmers – die Wüstenstadt bietet einfach derart viele, surreale Eindrücke, dass man vermutlich einfach dort gewesen sein muss, um das hier Beschriebene glauben zu können. Die Intensität mit der die Stadt der Sünde den Besucher permanent überwältigt, führt zu bleibenden Erinnerungen, die eine Reise dorthin unbedingt zur Empfehlung machen.

Prädikat: Besonders empfehlenswert
Prädikat: Besonders empfehlenswert

Weitere Eindrücke wie so oft in der Gallery: Klick.

Florida Tag 16 – Amelia Island, Homecoming

Wie vermutlich jeder letzte Morgen eines Urlaubs war auch der Start in unseren sechzehnten und damit letzten (halben) Tag in Florida ein wenig traurig. Trotz der recht frischen Temperaturen von ca. 7°C konnten wir uns dennoch dazu motivieren noch vor Sonnenaufgang an den Strand zu fahren, um ein letztes Mal mitzuerleben, wie der Tag an der Ostküste Amerikas erwacht. Anders als in Sanibel oder Lauderdale-by-Sea waren wir auf Amelia Island jedoch – mit Ausnahme eines Pickup-Fahrers, der sein Fahrzeug jedoch nicht verließ – ziemlich einsam. Um uns warm zu halten, spazierten wir ein paar Minuten in Richtung Nordspitze der Insel, wobei uns das Laufen durch die flach verlaufende Küstenlinie und den daher recht harten Sand sehr leicht fiel. Nachdem die Sonne einigen Augenblicke später – kurz vor 07:00 Uhr – über den Horizont gekrabbelt kam, konnten wir erstmals auch vom Strand aus zwei Delfine bei der morgendlichen Nahrungssuche beobachten .. eine nette Zugabe zu den bereits generell sehr beeindruckenden, vergangenen 16 Tagen.

Um uns wieder aufzuwärmen und für den Tag zu stärken, taten wir es den im Wasser lebenden Säugern gleich und kehrten für einen letzten Checkouts ins Hotel zurück. Das Frühstück hier verlief ebenso wie die Abreise problemlos .. mittlerweile hat man sich an die Abläufe in den Vereinigten Staaten ja hinreichend gut gewöhnt und auch der starke „Südstaaten-Einschlag“ (Georgia ist ja wirklich nur einen Steinwurf entfernt, und vom Strand aus bereits zu sehen) trägt einen weiteren Teil zum Wohlfühlklima bei. Als „Miniattraktion“ für den Vormittag entschieden wir uns für einen Besuch des Ford Clinch State Parks im Norden der Insel, welcher keine 10 Minuten Fahrtstrecke von deren Zentrum entfernt liegt. Nach Entrichtung der obligatorischen Eintrittsgebühr (in diesem Fall 6$ pro Fahrzeug) und einem netten Gespräch mit der Rangerin steuerten wir zunächst den Fishing Pier an – einen hölzernen Steg (vornehmer formuliert: „Seebrücke“) der wirklich ungewöhnlich weit ins Meer hineinragt. Wer schon mal die Erfahrung machen durfte, dass in Florida für so ziemlich jede Pier eine Eintrittsgebühr verlangt wird, wird zu der Erkenntnis gelangen, dass allein mit dieser „Attraktion“ die Parkgebühren bereits abgegolten sind. Während wir uns von frischen Brise auf dem Steg so langsam wecken ließen, sprach uns einer der bereits deutlich muntereren Fischer an: „Ahrjuupfromsenorz?“. Kurzzeitige, totale Verwirrung, gefolgt mit der Bitte um Hilfe „Pardon me?“. Der freundliche Fischer entgegnet „Ahrjuupfromsenorz?“. Nachdem auch diese (offensichtlich) sehr kumpelhafte Unterstützung eher ergebnisneutral bleibt, müssen wir erneut kapitulieren: „Excuse me?“. Jetzt .. mit ganz viel  gutem Willen gelingt der Einstieg ins Gespräch: „Are you up … from … the … north?“ – aha, der gute Mann möchte also wissen, ob wir aus irgendeinem nördlicheren Bundesstaat kommen. Vielleicht sehen wir mit unseren drei Lagen Kleidung so aus, als seien wir das kalte Wetter gewohnt. Nachdem wir erklären, dass wir „Actually from far more away .. from Germany“ – also von viel weiter weg kommen, hatten wir eine neue Freundschaft geschlossen. Der nette Herr war nämlich zwei Einsätze lang in Heidelberg stationiert, vermisst Deutschland sehr und kann sich lebendig an „Wiener Schnitzel“ (das mochte er) und Sauerkraut (das mochte er nicht) erinnern. Zum Abschluss sagt er freundlich „Auf Wiedersehen“ und bittet uns darum, wenn wir zurück sind, ein Schnitzel zu essen und an ihn zu denken. Okay .. warum erzähle ich diese kleine Anekdote? Ganz einfach: Während wir mit unserem Englisch zu 99% überhaupt keine Probleme hatten und man auch ziemlich entspannt Fernsehserien hier sehen und verstehen kann, wird dieses Unterfangen mit Annäherung an die Südstaaten zunehmend schwieriger. Der hier teilweise gesprochene Dialekt geht doch über das hinaus, womit man als Fremdsprachler auf Anhieb klarkommt 😉

Nach dieser netten Erfahrung (kommunikativ sind hier generell fast alle Menschen, denen man begegnet, sogar jene an der Airport-Security) begaben wir uns zum Fort Clinch selbst, wobei wir auf eine Besichtigung desselben verzichteten und uns mit einer Umrundung (inkl. Strandzugang) begnügten. Hierzu gibt es wenig zu sagen .. es war einfach ein netter Spaziergang, das Fort ist nicht spektakulär, aber auch nicht langweilig und der Strand – wie fast überall in Florida – breit, aber nicht überdurchschnittlich fein.

Als nächste Station wollten wir eigentlich Minigolf spielen, sind mit diesem Vorhaben aber leider gescheitert. Geöffnet Freitag – Sonntag von 15:00 bis 21:00 Uhr .. das müssen wir wohl auf den nächsten Urlaub verschieben. So fuhren wir zurück zum Hauptstrand und unternahmen einen letzten, ausgedehnten Spaziergang. Das Tolle hierbei war, dass mittlerweile Niedrigwasser eingetreten und der Strand daher wirklich, wirklich breit war. Von der Wasserkante (die Wellen brandeten an diesem Tag nur sehr seicht an die Küste) bis zu denen Dünen erstreckte sich eine Fläche von ca. 75m Breite, die zum Schlendern geradezu einlud und durch den harten Sand ein angenehmes Fortkommen ermöglichte. Leider war die breite, leicht feuchte Oberfläche ziemlich leergespült, so wir keine weiteren Meeresschätze mehr bergen konnten. Dies war andererseits aber auch gut so, denn leider gab es in unserem letzten Hotel keine Waage und der Vergleich „Fühlt sich der Koffer noch so an wie vor 2 Wochen .. ein bisschen schwerer .. zu schwer?“ ist doch eine recht schwammige Grundlage um etwaige Umräumaktionen am Flughafen zu vermeiden. Zwar sollten wir grundsätzlich nicht wirklich viel zusätzliches Gepäck gewonnen haben, jedoch fühlten sich die in Sanibel gesammelten Muscheln doch recht schwer und und führten – wie an anderer Stelle ja bereits berichtet – scheinbar schon bei dem ein oder anderen Urlauber zu einer Aufpreiszahlung wegen Übergepäcks. So verbrachten wir die letzten Minuten vor der Fahrt in Richtung Flughafen auf einer kleinen Bank in der Nähe des Strandes, genossen das Rascheln der Palmen, das Rauschen des Meeres und die mit 22°C warmen Strahlen der Sonne vor einem vollmilchblauen Himmel, wohlwissend, dass wir keine 24h später wieder in Frankfurt sein würden – vermutlich bei Nebel, 5°C und bestem Novemberwetter.

Gegen 13:00 traten wir dann – mit geöffnetem Verdeck – die nur rund 30km lange Fahrt zum Flughafen von Jacksonville an. An diesem Punkt war ich froh, dass unsere Reise ein One-Way-Trip war und nicht dort endete, wo sie begann, denn der Flughafen von Jacksonville ist doch wesentlich ruhiger gelegen und leichter zu erreichen als jener von Miami. Kurz vor dem Ziel tankten wir den Mustang ein letztes Mal voll (bei ~30 Euro pro Tankfüllung macht das sogar noch Spaß .. der Durchschnittsverbrauch des 3,7l-Triebwerks lag bei 9l) und entledigten uns nicht benötigter Vorräte. Mit anderen Worten: Ca. 7 Wasserflaschen und einige Gramm (gefühlt Kilo) Sand blieben an der Tankstelle. Nettes Detail: Auch 3km vom Flughafen entfernt kostet die Gallone nur 20 Cent mehr, als bei der günstigsten Tankstelle, die ich unterwegs gesehen habe (87 Oktan Regular .. die Praxis hat gezeigt, dass der Mustang mehr eh nicht zu würdigen wusste). Vor Ort angekommen geht dann alles ganz schnell und unkompliziert: Den Ausschilderung zur Mietwagenrückgabe folgen, in eine Art Haltespur einordnen, dort stoppen, warten bis der Checker Fahrzeug-ID, Meilenstand und Tankinhalt geprüft hat .. und dann einfach aussteigen und das gesamte Gepäck mitnehmen. Das dauerte keine zwei Minuten, so dass wir recht schnell am Check-In standen. Hier lief alles etwas anders, als gewohnt, da es eine wilde Mischung als Self-Service Check-In, Personal und individueller Betreuung gab .. so richtig habe ich das Konzept bis heute nicht verstanden. Das Wichtigste war aber das alles gut geklappt hat, wir freundlich behandelten wurden und man für den Flug von Charlotte nach Frankfurt noch zwei Plätze nebeneinander für uns finden konnte .. Online gab es lediglich die Option hintereinander zu sitzen. Da wir so pünktlich waren, wurde uns gleich noch eine früherer Flugplan (15:30 statt 17:30 Uhr) angeboten – wir willigten ein, denn eigentlich sollte es ja egal sein, ob wir nun in Jacksonville oder Charlotte auf den Flug nach Europa warten sollten. Zurückblickend betrachtet war diese Entscheidung sehr wichtig und auch richtig, denn der für 15:30 geplante Flieger hob (um an dieser Stelle etwas abzukürzen) „schon“ gegen 18:40 Uhr ab. Er war voll ausgebucht, kam bereits mit über 1h Verspätung in Jacksonville an, musste repariert werden (obwohl es danach in den Toiletten trotzdem nur Sprühnebel und kein fließendes Wasser gab) und war danach rappelvoll. Die Stimmung am Gate war quasi am Gefrierpunkt, denn so ziemlich niemand hat seine Endstation in Charlotte, alle scheinen den Flughafen in North Carolina nur als Drehscheibe für Anschlussflüge zu nutzen und entsprechend groß sind die Auswirkungen derart krasser Verzögerungen. Während es uns – durch die glückliche Fügung der früheren Flugvariante – gelang den Jet nach Frankfurt so noch zu schaffen (wir mussten auch nur quer durch das Terminal sprinten .. zum Glück gemeinsam mit ganz vielen anderen), wären wir mit dem 17:30 Uhr Flug ziemlich sicher gestrandet. Die letzten 5000km auf dem Weg nach Hause verliefen dann leider weniger toll, als der Flug in die Staaten: Während unsere Anreise von Air Berlin durchgeführt wurde, waren wir nun Gäste von US Airways. Der Flugzeugtyp (A330) war zwar prinzipiell identisch, aber wesentlich älter, die Sitze unbequemer, das In-Flight-Entertainment älter, das Essen minimalistischer. Dafür waren wir enorm pünktlich und die Flugzeit von Charlotte nach Frankfurt betrug nur etwas weniger als 8h – nett. Einzig der Versuch an Bord zu schlafen war eher weniger erfolgreich .. irgendein Körperteil tut einfach immer weh und verhindert jegliche Erholung. In Frankfurt angekommen, verlief alles so, wie man sich das wünscht: Schnelle Einreise dank automatisierter Passkontrolle, relativ fixe Gepäckausgabe, perfekt getimter (das schreibt man laut Duden wirklich so!) Taxi-Service – klasse. Um kurz vor 12:00 Uhr Ortszeit erreichten wir etwas erschöpft und mit leerem Magen (dieser signalisierte: Es ist jetzt 06:00 Uhr .. Frühstück, bitte!) unsere recht kalte Wohnung. 16 Tage Abenteuer gehen zu ende.

Es waren 16 tolle Tage, an denen fast jeder ein neues Highlight bereithielt. Wir haben in dieser Zeit 2497 Meilen / rund 4019 km zurückgelegt und von der Ostküste, über den Süden, die Westküste und den Panhandle bis zum nordöstlichen Zipfel Floridas sehr viel gesehen. Wir durften luxuriöse Villen, paradiesische Strände, teure Autos, volle Highways, pulsierende Städte, imposante Yachten, wilde Tiere, ursprüngliche Natur und tolle Wetterbedingungen genießen und sehr viele neue Eindrücke sammeln. Auf unseren Speicherkarten warten über 4000 Bilder darauf gesichtet, bewertet, aussortiert und nachbearbeitet zu werden .. hier liegt also noch ziemlich viel Arbeit vor uns. Aus einer so großen Erfahrung lernt man natürlich auch ziemlich viel .. zum Beispiel darüber, wie anstrengend es sein kann in 16 Tagen 11 mal das Hotel zu wechseln, wie überraschend kalt es auch in Florida werden kann (wobei wir überraschenderweise weniger Regentage hatten, als die zu erwarten gewesen wäre .. dafür hatten wir in den letzten 5 Tagen leider unterdurchschnittliche Temperaturen) und wie viele Vorurteile es gibt, die zumindest in diesem schönen Teil der USA mitunter etwas unpassend wirken. Obgleich mir die vergangenen fast 2,5 Wochen in der Erinnerung sehr lang vorkommen (wir haben einfach so viel gesehen und erlebt), ist diese Zeit doch viel zu kurz und kann nur ein Einstieg in den wunderschönen Sunshine State bieten. So viele Attraktionen mussten wir passieren und hätte jemand am Ende gesagt „Hättet ihr nicht Lust noch eine Woche Strandurlaub dranzuhängen .. einfach ein bisschen erholen und die Seele baumeln lassen?“, wir hätten sofort den Rückflug verschoben.

Für mich ganz persönlich stellt die südliche Region der Ostküste das absolute Highlight dar. Von Palm Beach über Fort Lauderdale durch Miami auf die Keys zu fahren, dabei mit einem US-Ponycar wie dem Mustang – natürlich als Cabrio – unterwegs zu sein und die oftmals über 25°C warme Luft zu genießen, ist einfach unbeschreiblich. Schon ganz früh morgens, um 07:00 Uhr im T-Shirt und mit Sonnenbrille Richtung Strand zu blubbern macht Spaß, lässt den Stress abfallen und führt manchmal zu der Überlegung, wie toll es wäre solche Optionen immer zu haben. Insbesondere Miami Beach bietet dabei auf relativ engem Raum eine unglaublich kompakte Mischung aus traumhaften Stränden, einer tollen maritimen Luxus-Atmosphäre und pulsierendem Leben. Für mich genau die richtige Mixtur aus Strandleben, Luxus und dem Wunsch das Leben zu feiern .. falls sich jemals die Möglichkeit ergibt – und das muss sie einfach – dann möchte ich definitiv für zwei bis drei Nächte (ich denke danach wird es einem zu laut und zu schrill) an den legendären Ocean Drive zurückkehren – mit Mustang oder Camaro, versteht sich. Zur Erholung kann es danach gern weiter gen Süden auf die Keys gehen, wobei ich in Key West erneut nur eine Nacht verbringen würde und mich danach an einen der eher ruhigeren Strände der anderen Inseln begeben würde. Danis Highlight war ebenfalls Miami, dicht gefolgt vom Muschelparadies Sanibel. Auch dieses Fleckchen Land ist wirklich toll und einzigartig – aber eben wesentlich ruhiger und damit ganz anders als die Ostküste.

Was bleibt sind für mich folgende Erkenntnisse:

  1. Eine Kombination aus vorgeplanter Route und kurzfristiger Planung ist machbar und empfehlenswert. Wir hatten die gesamte Reise im Voraus gebucht und daher wenige Wahlmöglichkeiten, was manchmal etwas hinderlich sein kann. Wenn man sich alle paar Tage die Zeit nimmt um die kommenden Schritte zu besprechen und die Buchungen in einem Hotel oder Restaurant mit WLAN vorzunehmen, kann man auch unterwegs alles sehr gut organisieren (so man die möglichen Optionen im Vorfeld schon sondiert hat). Dabei sollte man darauf achten, sich nicht zu überfordern. Alle paar Tage mal mehrere Nächte im gleichen Hotel zu verbringen, kann sehr dabei helfen, wieder Kraft zu tanken
  2. Es gibt qualitative Untergrenzen für Hotels. Unsere Schwelle für „Hauptsache man hat einen Raum zum schlafen“ sind höher, als manche Lokation sie erfüllen konnte und wenn man das erste Mal so richtig daneben lag, schafft das Unsicherheiten für den weiteren Trip. Hier muss man also sehr akribisch recherchieren (haben wir getan) und trotzdem etwas Glück haben. Meine Präferenz sind aktuell Ketten (Hamptons Inn, Residence Inn etc.), da es hier zumindest gewisse Qualitätsversprechen und -standards gibt – die konkrete Umsetzung kann natürlich trotzdem von Haus zu Haus variieren
  3. Man kann auch in ~10 Tagen einen tollen, unvergesslichen Trip durch Florida unternehmen, ohne das Gefühl zu haben ständig gehetzt zu sein. Palm Beach, Fort Lauderdale, Miami, Key West, Everglades City, Sanibel, Crystal River (Schwimmen mit den Manatees, nur im Winter) und optional Orlando (Kennedy Space Center, Themenparks etc.) bieten viel und liegen fahrtechnisch nicht allzu weit voneinander entfernt. Ein eventueller Ausflug in den Panhandle (Pensacola) will dagegen sehr gut überlegt sein. Hier unbedingt auf die Jahreszeit und die Klimatabellen achten und sich genau überlegen, was man von den Tagen in dieser Region erwartet
  4. Die Kosten für einen solchen Trip sind im Prinzip sehr gut kalkulierbar. Im Gesamtschnitt und bezogen auf unsere individuellen Präferenzen kostet eine Hotelnacht i.d.R. um die 85€, das Auto schlägt mit rund 30€ am Tag zu Buche, jeweils 550km Fahrtstrecke kosten ca. 30€ (und wir hatten kein Vernunftsauto), die Verpflegung ist in unserem Fall mit ca. 50€ / Tag realistisch, wobei es relativ wenig Einfluss hat, ob man nun zwei Mal am Tag ins Restaurant geht oder ein Mal auf Eigenversorgung (Supermarkt) setzt. Auch die Preisintensität der von uns präferierten Restaurants ist relativ identisch, so dass es tendenziell unerheblich ist, ob man nun in einem Chillis oder Applebees landet, mal einen Hooters versucht oder sich das Hard Rock Cafe gönnt. Additiv sind Kosten für etwaige Erlebnisausflüge (State Parks, Bootsfahrten, Museen etc.), für die man am Tag locker 200€ ausgeben kann .. oder eben auch nichts. Hier empfiehlt sich entweder genügend „Spielmasse“ oder sorgfältige Recherche vorab. Außer den State Parks muss man aber einfach beachten, dass fast jedes Museum ca. 20$ Eintritt pro Person verlangt und das Gebotene doch stark variiert

Somit geht die Reiseberichterstattung unserer Tour durch den Sunshine State zu Ende. Es war eine tolle Zeit, ich bin froh jeden Abend die 60 – 90 Minuten für die Blogbeiträge gefunden zu haben und ich hoffe diese sind vom Informationsgehalt, dem Detailgrad und der Qualität annehmbar (manchmal ist es nach einem langen Tag und auf der kleinen Notebooktastatur doch etwas schwieriger als gewohnt, den sonst angestrebten Standard zu erreichen). In den nächsten Tagen und Wochen werden alle Artikel in gewohnter Manier noch mit Fotos ergänzt werden .. aber jetzt brauchen wir erstmal Urlaub vom Urlaub. An dieser Stelle ganz herzlichen Dank für’s Mitlesen – bei Fragen zu den einzelnen Stationen oder Events könnt ihr mich gern über die Kommentarfunktion, das Kontaktformular oder via E-Mail erreichen.

Florida Tag 13 – Setzen Sie einen neuen Kurs!

Während ich diese Zeilen schreibe, ist wieder ein eher glücklicher Moment .. warum, dass wird sich in den nächsten Absätzen klären. Bevor wir aber zum Guten kommen, muss ich erst noch kurz auf das weniger Tolle eingehen: Unserer letzten Nacht im historischen Hotel in Port Saint Joe. Diese fühlte sich ein wenig wie eine Economy-Kabine (oder was auch immer die günstigste Kabinenkategorie auf einer Kreuzfahrt ist) auf einem großen Ozeanriesen an .. so, als ob das das mächtige, drehmomentenstarke Dieselaggregat seine gewaltigen Schwingungen hör- und fühlbar direkt vom Maschinenraum an unser Bett übertrug. Von Zeit zu Zeit schien der Captain dabei unterschiedliche Fahrtstufen anzuordnen, was den Motor dazu veranlasste mal etwas stärker, mal etwas weniger intensiv vor sich hinzubrummen (zu klappern?). Wenn wir irgendwo in der Karibik unterwegs gewesen wären und gewusst hätten, dass am nächsten morgen ein unvergesslicher Strand, Traumwetter und 30°C auf uns warten würden, wäre die Situation vielleicht sogar noch erträglich gewesen. So war unsere Unterkunft jedoch trotz vier Mal getauschtem Zimmer und Upgrade auf eine Suite (mit nur einem Fenster?) eher unterdurchschnittlich und keine Oase der Erholung. Dieser Eindruck besserte sich weder beim Frühstück, noch bei der falschen Rechnung, noch bei der eher dürftigen Erklärung des Personals, dass leider der Hersteller der Klimaaggregate und der Hersteller der Fenster insolvent gegangen sind und deshalb nicht mehr alle Schäden behoben werden können.

Ein noch größeres Problem aber war das Wetter. Zwar konnten wir uns über strahlenden Sonnenschein freuen, der auch den gesamten Tag über Bestand haben sollte, doch gab es gleichzeitig eine Warnung wegen Kälte und Sturm (Ursache ist irgendeine seltene Entwicklung des Wetters, welches natürlich völlig unüblich für diese Zeit und Region ist). Windgeschwindigkeiten von über 30km/h und 2°C Lufttemperatur sind eine ganz schön unwirtliche Kombination und lassen diverse Outdoor-Aktivitäten ohne entsprechende Vorbereitung (aus unerfindlichen Gründen hatten wir weder Winterjacken, noch Handschuhe, noch Mützen dabei) schwierig bis unmöglich werden. Für den Folgetag waren an unserem Zielort zeitweise -4°C angesagt, was wir mit Hinblick auf den fehlenden Eiskratzer im Mustang schon begann Sorgen zu machen 😉 Winterreifen hat das Auto überraschenderweise auch nicht.. Aaaalso führten wir ein schwieriges, langes Gespräch. So richtig glücklich waren wir mit dem Verlauf unserer Reise seit dem Verlassen von Crystal River nicht (obwohl Destin und Miramar Beach wirklich hübsch waren) und die Planung für Ocala (Kajak-Tour) sah nicht gut aus. Nach kurzer Diskussion und Prüfung der Wetteraussichten für die nächsten Tage (Kälte und Sonne im „Norden“, Wolken und 23°C in der Region um Miami) trafen wir eine Entscheidung: Wir ließen unser bereits bezahltes, nicht stornierbares Hotel in Ocala sausen und buchten eine nette Unterkunft in Port Canaveral – Kennedy Space Center, wir kommen! Das KSC ist sowieso zu einigen Teilen indoor und 17°C klingen definitiv besser als -4°C. Der einzige Haken: Vor uns lag eine rund 650km lange Fahrt. Man muss sich – da es durchaus amüsant ist – einfach mal eine Analogie vor Augen führen: Man stelle sich vor, man wacht morgens in Berlin auf und stellt plötzlich fest „Den Reichstag finde ich vielleicht doch nicht spannend“. Der fiktive Gesprächspartner könnte dann spontan antworten: „Hmm .. geht mir auch so .. aber ich habe gehört das Mercedes Museum in Stuttgart soll cool sein.“.  Antwort: „Ja, stimmt .. also heute wird das etwas knapp, aber ich buche uns einfach ein Hotel und dann können wir uns das morgen anschauen!“. Tja .. und so begann unsere Reise von Port Saint Joe über Tallahassee, Lake City und Ocala nach Port Canaveral – wenigstens schien die Sonne 😉

Bereits wenige Kilometer nach Port St. Joe machten wir Station am Cape San Blas, einer überraschend großen Landzuge südlich unseres Ausgangspunktes. Die Welt ist hier ruhig, es gibt viele Parkplätze, ein paar Bestandsimmobilien, ein paar hübsche neue Residenzen und einen ziemlich schönen Strand. An diesem fanden wir die bisher größten, intakten Muscheln .. während uns bereits nach wenigen Minuten an der frischen Luft die Finger anfingen zu schmerzen. Ein Hoch auf die über 5000km entfernt liegenden Spyder Handschuhe (ein solches Outlet gab es hier leider nirgends). Trotzdem konnten wir ein paar schöne Muscheln sammeln, ein paar Minuten Sonne tanken und einen weiteren Zielort auf unserer ToDo-Liste abhaken 😉 Danach fuhren wir rund 100km auf „Scenic Roads“, Straßen mit schöner Aussicht, an der Küste entlang, bevor wir über eine weitere szenische Route durch den Apalachicola National Forest nach Tallahassee, der Hauptstadt des Bundesstaates fuhren. Es gab also ziemlich viel schöne und beeindruckende Natur aus dem Auto zu sehen (zuerst eine fast schon Wattenmeer-artige Landschaft, danach recht herbstlich wirkende Wälder, die in einem tollen Licht erstrahlten), während wir uns fortwährend dem Tagesziel, Port Canaveral, näherten. Die nächste „Drive-In Zwischenstation“ bestand in einigen „Canopy Roads“ in Tallahassee, wobei es sich um ausgewiesene Straßenzüge handelt, welche ganz oder teilweise von Bäumen überdeckt werden, von denen häufig spanisches Moos hängt. Das sieht ziemlich ungewöhnlich und recht hübsch aus und wäre mit geöffnetem Verdeck bestimmt noch schöner gewesen .. aber dieses Opfer konnte leider nicht gebracht werden. Weiter ging es nach einer kurzen Zwischenstation in Lake City (basierend auf unserm kurzen Eindruck eine recht gesichtslose Stadt mit einem erstaunlich schlechten Applebees) nach Ocala. Hier gibt es mehrere, recht bekannte Quellen, in denen man Baden und von wo aus man diverse Kajak-Strecken befahren kann. Leider saß uns bei dieser vorletzten Station des Tages die Zeit massiv im Nacken, da einige State Parks bereits um 17:00 Uhr schließen und man zudem nach Sonnenuntergang wenig Spaß im Wald hat (der bei den aktuellen Bedingungen sowieso schon recht besucherfrei ist). Nun kann man ja unglücklicherweise nicht einfach wie in Deutschland etwas zügiger fahren, sondern muss auf den langgezogenen Interstates und Highways verzweifelt zu sehen, wie die Zeit bei meist weniger als 120km/h verrinnt. Um den Beitrag an dieser Stelle nicht unnötig in die Länge zu ziehen: Wir haben es – begleitet von den letzten Sonnenstrahlen – geschafft um ca. 16:15 Uhr an den Juniper Springs anzukommen (die Silver Springs haben wir aus Zeitmangel ohne Besuch passiert, zu den Alexander Springs hätten wir es erst im Dunkeln geschafft). Rasch waren die 10,60$ Eintritt entrichtet und nach einer kurzen Erklärung der freundlichen Rangerin standen wir auch bereits an der Quelle. Diese Bestand aus einem rundlichen Becken von ca. 30m Durchmesser, welches über eine Wassermühle ablief. Das Wasser war absolut klar und der Boden zu ca. 70% mit Wasserpflanzen (Flora und Fauna und so..) bedeckt. Die restlichen 30% des Süßwassergewässers bestanden aus Felsen und hellem Sand, vor dem man eine Unmenge kleiner Fische erkennen konnte.

Jetzt kommt der heroische Teil: Bei 12°C Außentemperatur und seeeeehr tiefstehender Sonne verschwanden wir rasch in die Umkleidekabine, kehrten flinken Fußes an den Pont zurück und stiegen mutig in die Fluten. Bei ca. 22°C Wassertemperatur ist dies nur im ersten Moment unangenehm und es dauert einige Minuten, bis man anfängt zu frieren. Rasch war das Schnorchel-Equipment angelegt und wir begannen mit der Begutachtung des Gewässers. Eine tolle Erfahrung! Zwar wären die Eindrücke mit mehr Sonne noch schöner gewesen, doch so waren wir ganz allein und wenn ab und an ein kleiner Teil des Gewässerbodens von der Abendsonne erleuchtet wurde, ergaben sich sehr schöne Farben. Es gelang uns die Fische als gewöhnliche Guppys zu identifizieren, die enorm neugierig waren und am liebsten noch in die Taucherbrille reingeschwommen wären 😉 Nach rund 20 Minuten flüchteten wir zurück in die völlig leere Umkleidekabine, brachten die überschüssigen Sachen zurück ins Auto und begaben uns zum Aufwärmen auf den nahegelegenen Trail. Ein wenig nervös machten uns die vielen „Achtung Bären“ und „Achtung Alligatoren“-Schilder, aber das ist halt Natur. Wesentlich nervöser machte uns die überraschende Entdeckung einer wirklich großen Bananenspinne in der Wassermühle am See (während ich versuchte den Sonnenuntergang durch das Fenster zu fotografieren .. das „braune Etwas“ im Vordergrund bemerkte ich etwas spät und sehr kurzfristig) – wer sich über die Ernsthaftigkeit der von diesem Tier ausgehenden Bedrohung informieren möchte, dem sei Wikipedia angeraten (hier für den Link zum Artikel klicken). Die gute Nachricht: Endlich gelang es mir ein qualitativ überzeugendes Foto der Spinne zu machen, was mir während der Mangroven-Tour nicht geglückt ist. Die schlechte Nachricht: Die Banenspinne ist eine von drei Spinnenarten weltweit deren Biss auch für einen gesunden Erwachsenen lebensbedrohend sein kann .. autsch. Sensibilisiert durch diese Erfahrung waren wir bei der Erkundung des rund 800m langen Trails „etwas“ vorsichtiger, wobei sich unsere Zuversicht durch die zunehmende Dunkelheit nicht gerade erhöhte. Nun ja .. letztendlich war das Quellengebiet am Kopf des Pfades wirklich schön anzusehen, wir erreichten das Auto ohne Zwischenfälle und sind um eine spannende Erfahrung reicher.

Gegen 19:30 Uhr kamen wir dann endlich in Port Canaveral an – eine lange Reise ging zu Ende. Das von uns gewählte Hotel zeigte sich qualitativ überraschend positiv, obgleich das auf 60 Grad Fahrenheit heruntergekühlte Zimmer ein „wenig“ unangenehm war (ich habe eine tolle Eselsbrücke gelernt: Man tausche die Ziffern „1“ und „6“ bei den Temperaturangaben, um Grad Celsius und Grad Fahrenheit umzurechnen .. der Raum war daher kälter als 16°C und damit nicht allzu einladend). Da die Steuerung der Klimaanlage eher stur war bzw. gar nicht reagierte, war ein deeskalierender Eingriff des Haustechnikers erforderlich, was zum Glück erfreulich schnell ging. Auf der abendlichen Fahrt in den Publix konnten wir dann noch ein Kreuzfahrtschiff der Norwegian Cruise Line bewundern, was hier zur Zeit vor Anker liegt.

So geht ein wirklich intensiver dreizehnter Tag zu Ende: Viel Fahren, viel Natur, spannende neue Eindrücke (vor allem Baden in der Quelle und Entdeckung der Spinne) und tolle Aussichten für Morgen. Nach einer kurzen Phase der Frustration ob des Wetters und unserer von diesem doch recht stark tangierten Routenplanung stehen jetzt –  nach der angepassten Planung – wieder alle Zeichen auf „Highlight“. Ich bin gespannt, was ich morgen Abend aus Saint Augustine vom „KSC“ berichten darf.

Florida Tag 12 – Die Prüfung

Gemäß des allseits beliebten Sandwich-Prinzips soll man eine weniger gute Nachricht bzw. Sache ja immer gemeinsam mit zwei guten Aspekten präsentieren, wobei die tollen Dinge die Einleitung und den Schluss bilden. Es gibt Tage, an denen weiß ich schon beim Schreiben der ersten Zeile: Dieses Mal wird das nicht klappen. Aber damit der Beitrag zumindest freundlich beginnt, werde ich mit einer positiven Erfahrung anfangen – der Nacht und dem Frühstück im Residence Inn in Miramar Beach.

Ich kann mich nicht erinnern, wann wir in Florida einmal derart komfortabel, ruhig und erholsam genächtigt haben .. ganz großes Kino. Auch das Frühstück setzt diesen positiven Eindruck fort, weiß es doch durch eine vergleichsweise große Auswahl, einen schönen Rahmen (in der Lobby des Hotels .. war aber einladender als es klingt) und ein geringes Geräuschniveau zu überzeugen. Noch attraktiver wäre es vermutlich gewesen die Speisen mit auf das Zimmer zu nehmen, wo es statt „Multi Purpose Spoons“ aus Plastik „richtiges“ Besteck und Keramik-Geschirr gegeben hätte. Aber auch so war die morgendliche Stärkung wie gesagt sehr angenehm und wurde zudem noch von einem leicht tropischen, in der Intensität variierenden Regenschauer begleitet. Damit dieser sogar noch romantischer wirkte, mischte sich ab und an ein sattes Donnergrollen zwischen das friedliche Rauschen des flüssigen Sonnenscheins, der in kräftigen Brisen mal mehr, mal weniger stark gegen die Fensterschreiben gedrückt wurde. Ich hoffe das Bild ist jetzt soweit stimmig und ihr könnt euch unseren Start in den zwölften Tag unserer Reise durch den Sunshine State einigermaßen lebhaft vorstellen. Motiviert von so guten Vorzeichen entschlossen wir uns zunächst noch ein wenig HGTV (Hausrenovierungsshows 24/7, 365 Tage im Jahr) auf dem qualitativ sehr überzeugenden HDTV zu schauen, bevor gegen 09:30 Uhr langsam Bedingungen eintraten, die es erlaubten an ein Verlassen der sicheren Unterkunft zu denken.

Mutig verstauten wir also unser Gepäck und fuhren Richtung Miramar Beach Strand (manchmal ist es gar nicht so einfach mit den Ortsbezeichnungen hier). Unmittelbar vor den riesigen, leeren Hotels in erster Reihe fanden wir einen perfekt gelegenen Parkplatz, von dem aus wir in weniger als 50 Schritten auf dem Strand standen. Interessantes Detail: Von fast allen größeren Hotels gehen Brücken über die Straße, so dass man sicher und ungestört von den kreuzenden Autos in den Wasserspaß starten kann – nicht schlecht. Der Strand selbst bot ein ziemlich faszinierendes Bild, wenn man auf entfesselte Naturgewalten steht: Die Wellen rasten auf den relativ flachen, aber enorm breiten Küstenabschnitt, brachen sich dabei an der Flachwasserzone und wirbelten eine Gischt auf, die vom landabwärtsgerichteten Wind sofort in die entgegengesetzte Richtung wieder zurückgeweht wurde (mit anderen Worten: Wasser jagd auf den Strand, Gischt entsteht, Wind bläst Gischt wieder auf das Meer .. sieht man so nicht allzu häufig). Der Strand wurde durch die wild bewegten Wassermassen immer wieder überspült, wodurch sich stellenweise ein Bild ergab, dass vom Fließbild her durchaus an die Priele im Watt erinnert 😉 Der Sand wirkte dabei übrigens noch immer sehr fein und vor allem (im Vergleich zur Luft) sehr warm. Nur die schneeweiße Farbe kam nicht 100%ig ideal zur Geltung 😉 Tapfer trotzten wir den recht feindlichen Bedingungen und kämpften uns etwas mehr als halbe Stunde gegen den Sturm, um dann so langsam wieder Richtung Auto zu wenden. Unterwegs trafen wir mindestens drei weitere Personen und konnten das ein oder andere Sanierungsobjekt in erster Reihe zum Meer begutachten .. und dem nächsten, langsam näher kommenden Gewitter lauschen. Der Spaziergang war also eher „sportlich“ und nur bedingt szenisch. Die gute Nachricht: Entgegen der ursprünglichen Wetterprognose war es mit 16°C immer noch recht warm, der Regen hatte bereits gegen 11:00 Uhr aufgehört und es gab noch Chancen auf einen schönen Nachmittag.

Als nächste Station statteten wir dem Silver Sands Premium Outlet einen Besuch ab .. wenn man schon mal in der Nähe ist und sich das Wetter nur zu 90% von seiner guten Seite zeigt, kann man ja mal schauen, was die lokalen Shops so hergeben. In diesem Zusammenhang wurden wir mehrfach sehr positiv überrascht – insbesondere Produkte von Merrell und Asics werden teilweise zu sehr attraktiven Konditionen feilgeboten („Kauf 1 Teil, nimm das zweite gratis mit“ ist bei Ascis Laufkleidung schon ziemlich interessant). Auch das Nike Outlet bietet eine große Auswahl zu recht guten Preisen .. vorbei schauen kann man ja mal 😉 Vom Einkaufserlebnis erschöpft steuerten wir gegen 13:00 Uhr die „Pancakery“ an, ein auf (große Überraschung) Pancakes spezialisiertes Restaurant. Dani entschied sich eine Kombination aus Buttermilch-Pfannkuchen, frischen Blaubeeren, frischen Erdbeeren und Erdbeerkompott. Ich wählte ebenfalls Buttermilch-Pfannkuchen, selektierte jedoch Choclat Chips als Füllung, frische Erdbeeren als Topping und eine Kugel Vanilleeis als Ergänzung. Wow .. das Ergebnis war in beiden Fällen äußerst lecker und sehr sättigend. Leider sogar so sättigend, dass ich ca. 1/3 meiner Portion (natürlich weder das Eis, noch die Erdbeeren) zurücklassen musste .. mehr wäre wirklich nicht schön gewesen.

Danach steuerten wir das Destins Commons an – eine weitere Sammlung von Geschäften unterschiedlichster Natur. Hier ging es vorrangig darum einen kleinen Rückschlag zu verarbeiten, der darin bestand, dass Dani ein paar Ohrringe in unserem Alptraum-Hotel in Crystal River vergessen hatte.. eine freundliche Beratung und einige Dollar später war das Malheur behoben. In der Zwischenzeit hatte sich das Wetter weiterentwickelt, was zu zwei Effekten führte: Zum einen schien nun endlich die Sonne und sorgte für einen vollmilchblauen Himmel (gut), zum anderen hatte es sich in Folge des morgendlichen Sturms leider recht stark auf 12°C abgekühlt (schlecht). Nach wie vor wehte dabei eine frische Brise, so dass die Bedingungen in etwa jenen unseres Sylt Urlaubs im November 2013 entsprachen. Zweckoptimistisch fuhren wir trotzdem an den Strand von Grayton Beach (ein State Park .. 5$ Eintritt pro Vehikel) und fanden nach langer Suche einen freien Parkplatz neben dem einzigen anderen Auto. Unglücklicherweise waren sowohl der Eisstand, als auch die Toiletten wegen „Winterization“ (stand wirklich auf dem Schild) geschlossen, so dass unser Besuch etwas weniger komfortabel als erhofft ausfiel. Leider bemerkten wir das größere Problem erst beim Betreten des Strands, welcher sich hinter den Dünen versteckt: 12°C, starker Wind, aufgepeitschstes Meer .. die Bedingungen zum Spazierengehen waren nicht unbedingt ideal. Wir stapften trotzdem ein paar Meter durch den recht kühlen Sand und mussten ein wenig enttäuscht feststellen, dass das Erscheinungsbild weitestgehend dem von Miramar Beach entsprach. Während also der Strand von Pensacola wesentlich weniger fein und weiß war, konnten wir zwischen Destin, Miramar und Grayton praktisch keinen Unterschied ausmachen, was ein wenig von der von den Reiseführern geweckten Erwartungshaltung abweicht. Bitte nicht falsch verstehen: Im Sommer, bei >25°C, weniger Sturm, einem ruhigeren Meer und etwas mehr Besuchern sind alle genannten Strände bestimmt sehr schön und zum Baden toll geeinigt .. zum Zeitpunkt unseres Besuchs ergab sich jedoch kein wirklicher Mehrwert (da auch keine wirkliche Unterscheidbarkeit gegeben war) durch die Besichtigung der unterschiedlichen Lokationen. Auch der kurze Tripp nach Seaside (hier wurden angeblich große Teile des Films „Die Truman Show“ gedreht) war eher farblos: Verfrühte Weihnachtsdeko, leere Stadt, breiter, kalter Strand.

Ich könnte an dieser Stelle noch kurz auf den fast schon traumatischen Besuch der Panama City Mall eingehen, bei der wir im weiteren Verlauf unserer Fahrt in Richtung Port Saint Joe Station machten, aber jede Erinnerung an dieses Ereignis wäre verschwendete Zeit. Kurzzusammenfassung: Muss wirklich nicht sein; absolut gar nicht. Etwas netter war (wie mittlerweile gewohnt) das Abendessen bei Applebees: Salat, ein paar Pommes, endlos viel Pepsi, dazu eine nette Atmosphäre und rasche Bewirtung .. so kann man sich unterwegs wirklich nett ernähren (lassen).

Leider finde ich aktuell – wie eingangs anmoderiert – kein positives Erlebnis um unseren Tag zu schließen .. daher werde ich quasi als Notfallmaßnahme etwas Erheiterndes berichten: Nach dem durchwachsenen Tag erreichten wir ein wenig erschöpft und bereits recht spät (wir hatten vor rund 30km wieder die Zeitzone gewechselt) unsere Unterkunft in Port Saint Joe. Bewertung bei Google >4, Kommentare bei Tripadvisor eigentlich unauffällig und ziemlich positiv. Wir bezogen das erste Zimmer: Auf den ersten Blick etwas klein, aber sonst in Ordnung .. Problem: Direkt vor der Tür stand der Eisspender und dessen Kühlaggregat erreichte locker die Lärmstufe eines Notstromgenerators .. keine Option. Wir bezogen das zweite Zimmer: Auf den ersten Blick ganz in Ordnung, aber die Fenster ließen sich nicht völlig schließen und direkt vor selbigen befanden sich die Aggregate der Klimaanlagen. Also besorgte Dani einen Schlüssel, um die Betätigungen der Fenster bewegen zu können, mit der Hoffnung den Lärm auszusperren. Das klappte zwar im „Hauptraum“, im Bad blieb das Fenster bedingt durch einen Defekt aber stets mindestens 5cm offen .. irgendwie blöd, wenn es nachts bis zu 3°C kalt werden sollen. Wir bezogen das dritte Zimmer: Die Fenster ließen sich schließen, das Bad hatte erst gar keins .. schien in Ordnung zu sein. Wir schleppten all unser Gepäck in das Zimmer und stellten dann fest, dass permanent klappernde Geräusche zu vernehmen waren .. die Klimaaggregate verursachten wohl Schwingungen, die übertragen wurden. Nach dem Hinweis an der Rezeption, dass sich das zu einer tollen Geschichte für Tripadvisor entwickelt, bezogen wir das vierte Zimmer (jetzt gab es sogar ein Upgrade!). Wir hatten nun zwei Klimaanlagen, zwei Fernseher, immer noch ein fensterloses Bad und … einen Getränkeautomat vor der Tür, dessen Kühlaggregat ebenfalls deutlich wahrnehmbar zu Werke geht. Man bot uns Ohrstöpsel an und verwies darauf, dass das Hotel „historisch“ sei und deshalb mit diesen Einschränkungen zu rechnen ist. Man tat das sehr nett. Wir wollten nicht nochmal umziehen. Wir werden eine Nacht überstehen.

Morgen steht primär die Fahrt nach Ocala an, die rund fünf Stunden dauern sollte und auf der wir hoffentlich den ein oder anderen interessanten Zwischenstopp einlegen werden. Leider werden die Temperaturen bis zu unserer Abreise die 20°C wohl nicht mehr überschreiten, weshalb damit zu rechnen ist, dass wir uns bei der Rückkehr nach Deutschland zumindest keine unverschämte Ganzkörperbräune vorwerfen lassen müssen. Sollte es morgen keinen Blogbeitrag geben, so bitte ich darum nicht in Panik zu verfallen .. vielleicht gibt es einfach nichts zu erzählen 😉

Florida Tag 11 – Der Panhandle

Manchmal (ich denke sogar eigentlich sehr oft) hat die Stimmung, in der man sich beim Schreiben solcher Beiträge befindet, einen großen Einfluss auf die Darstellung und Bewertung des Erlebten. Schöne Dinge werden in der Retrospektive (und seien die Erinnerungen auch noch so jung) schöner und weniger tolle Erlebnisse erscheinen bereits mit wenigen Stunden zeitlichem Abstand nicht mehr ganz so suboptimal. Ich schicke diese Erklärungen vorweg, da ich momentan eindeutig in der Stimmung „glücklich“ bin. Warum dem so ist, wird sich (hoffentlich) dem roten Faden folgend später ergeben.

Doch fangen wir wie immer am Morgen an: Nach einer erholsamen, aber etwas irritierenden Nacht (die zusätzliche Stunde Zeitverschiebung ist doch etwas ungewohnt) starteten wir mit einem typischen, amerikanischen Hotelfrühstück in den Tag. Dies bedeutet, dass wir auf Papptellern und mit Plastikbesteck bewaffnet über Waffeln, Joghurt, Cornflakes, Eier und Speck etc. herfallen durften – allerdings in eher „einfacher“ Bistro-Atmosphäre . Frisch gestärkt wuchteten wir unser Gepäck ein weiteres Mal ins Auto (mittlerweile haben wir im Umziehen ja enorm viel Erfahrung) und steuerten in Richtung Strand. Rückblickend der größte Fehler des Tages. Da laut Wetterbericht der Morgen deutlich schöner als der Rest des Tages sein sollte, verwarfen wir unsere eigentliche Planung und besuchten zuerst Pensacola Beach. Die Fahrt dorthin dauerte ca. 20 Minuten und führte über eine Brücke, auf der man die Maut in Höhe von 1$ tatsächlich noch Bar am Schalter entrichten darf (Maut gibt es hier wirklich überall .. aber die Mietwagen sind mit einem sog. „SunPass“-System ausgestattet, so dass die Gebühren im Nachhinein ganz einfach und schmerzlos mittels der bei der Autovermietung hinterlegten Kreditkarte abgerechnet werden).

Um Pensacola Beach zu erklären, möchte ich mich einer nicht perfekten, aber ziemlich passenden Analogie bedienen: Stell dir vor du möchtest auf Mallorca eine gute Zeit verbringen (inkl. Party in der Schinkenstraße), steigst vorfreudig in den Flieger, malst dir vorher aus wie toll die Strände sein werden, wie gut die Stimmung, wie glücklich die anderen Menschen .. kommst dann an und stellst fest: Komisch, im Februar ist am Ballermann gar nichts los. Alle Parkplätze sind leer, es gibt keine Rettungsschwimmer am Strand, die großen Hotels wirken verlassen, die Bars und Cafes sind geschlossen und die einzigen die mit dir am Strand sind, sind ein paar andere Verrückte, die auf Einsamkeit und Wind stehen. So in etwa fühlt man sich, wenn man Mitte November, an einem frühen Sonntagmorgen am Strand von Pensacola ankommt und überrascht feststellt „In der Saison ist es bestimmt cool hier .. wann geht die doch gleich wieder los?“. Die Antwort auf eben jene Frage liefern die Schilder, die darüber informieren, wann das Strand-Shuttle („Trolley“) wieder fährt: Im Mai 2015. Mit anderen Worten waren wir mehr oder weniger schockiert von der Szenerie, die völlig verlassen, grau, ungastlich wirkte und so gar nicht dem entsprach, womit wir gerechnet hatten. Auch die angeblich so weißen Strände waren zwar sehr breit und relativ fein, aber bei Weitem nicht so strahlend und schneeweiß, wie wir uns das im Voraus vorgestellt hatten. Tapfer stapften wir also am einsamen Strand und gegen den Wind durch den Morgen und wurden offen gesagt ein wenig frustriert. Irgendwann kehrten wir um, reflektierten auf dem Rückweg zum Auto sachlich und partnerschaftlich den Hergang, der zu dieser Mini-Katastrophe geführt hatte („Schatz, in den sechs Stunden Fahrt hier her hätten wir es auch nach Miami geschafft!“) und verzweifelten ob der nicht vorhandenen Optionen. Egal welchen kühnen Plan wir zu entwickeln versuchten, es wäre einfach nicht sinnvoll und vermutlich auch gar nicht durchführbar gewesen (die etwaigen Mehrkosten gar nicht betrachtet). Also fügten wir uns in unser Schicksal und kehrten zunächst zum eigentlich avisierten Tagesablauf zurück: Einem Besuch im National Naval Aviation Museum. Nach einer relativ entspannten Fahrt von ca. 35 Minuten erreichten wir das Areal, auf welchem sich selbiges befindet, und mussten dem Guard an der Schranke zunächst Identität und Intention nachweisen – da merkt man schon, dass das Museum einen eher offiziellen Charakter hat.

Nachdem die Schranke passiert war, ging es zunächst auf einem sehr großzügig dimensionierten Golfplatz vorbei, bevor sich weitere 3km später die Silhouette eines Jets zeigte. Rasch war das Auto auf dem riesigen Parkplatz abgestellt und nach einer kurzen Reorganisation (Rucksäcke, Taschen etc. sind im Museum nicht gestattet) betraten wir das Hauptgebäude. Hier wird einem bereits nach wenigen Augenblicken die Ernsthaftigkeit der Sache bewusst: Der Info-Counter war in massivem, dunklen Holz gehalten, dahinter standen drei Herren gehobenen Alters im Anzug und mit Krawatte, die Revers mit goldenen Miniaturflugzeugen besetzt und die Hände vornehm gefaltet. Das National Naval Aviation Museum ist eine kostenlose Ausstellung der amerikanischen Navy, welches qualitativ extrem hochwertig umgesetzt wurde und überraschend groß ist – aber keine Flugzeugsammlung mit der Leichtigkeit eines Technikmuseums in Speyer etc. Dies wird einem zusätzlich vergegenwärtigt, wenn man in der Ausstellung von Veteranen angesprochen wird und von diesen Erklärungen erhält – beeindruckend. Dani fand die Atmosphäre etwas zu drückend, ich kam aus dem Staunen hinsichtlich der Umsetzung, der Exponate und der Authentizität nicht heraus – allein dieses Museum lässt einen Besuch in Pensacola zur Empfehlung werden. Neben sehr vielen Flugzeugen unterschiedlichster Baujahre gab es auch Exponate aus dem Bereich der Weltraumtechnik, verschiedene Hubschrauber (unter anderem den Marine One, also einen Hubschrauber des Typs, den der Präsident verwendet), Fahrzeuge und Szenerien zu erkunden. So waren beispielsweise einige Quartiere eines Flugzeugträgers, ein kleiner Teil eines Versorgungslagers aus dem Vietnamkrieg sowie verschiedene Modelle zu den Innenansichten und Arbeitsweisen in den Flugzeugen zu sehen (u.a. Querschnittsmodelle).

An vielen Stellen wird mit modernen Multimediainstallationen gearbeitet, um z.B. die Funktionsweise einer Turbine oder die Zusammenarbeit auf einem Flugzeugträger zu zeigen. Ferner kann man erstaunlich viele Exponate berühren bzw. betreten, so dass wir (obwohl wir schon einige Museen dieser Art besucht hatten) das erste Mal gemeinsam in meinem authentischen Cockpit sitzen durften – eine tolle Erfahrung. Auch die schieren Dimensionen der Museumshallen und die sehr hohe Qualität der gezeigten Stücke (eigentlich hat man bei jedem Flugzeug das Gefühl, es könnte sofort abheben), tragen positiv zum Gesamteindruck bei. An dieser Stelle sei angemerkt, dass es (normalerweise, zum Zeitpunkt unseres Besuchs bedingt durch einen technischen Defekt) Touren über das Vorfeld, geführte Touren durch das Museum und dienstags sogar Demonstrationsflüge der Kunstflugstaffel gibt – das alles kostenfrei. Einzig für das IMAX 3D-Kino und die 4D-Bewegungssimulatoren hätte man Tickets lösen müssen – wir haben verzichtet. Wie gesagt, dieses Museum ist ein ganz toller Tipp und eine mindestens 3h dauernde Beschäftigung. Danach kann man z.B. den in der Nähe befindlichen Leuchtturm erkunden, um die Erfahrung abzurunden (hier sind Eintrittsgelder zu zahlen).

Danach ging es für uns weiter an der Emerald Coast, der Elfenbeinküste, gen Süden. Unser nächstes Hotel lag nur ca. 100km entfernt, so dass wir Zeit für verschiedene Zwischenstopps hatten. Einen solchen legten wir relativ spontan am Gulfarium ein – einer Art Sea World mit Fokus auf die im und am Meer lebenden Tiere der Golfküste Nordamerikas. Neben diversen kleinen Aquarien und einem überraschend kleinen Seewassertank (220.000l Wasser sind weniger, als man vermuten würde), gab es diverse Außenanlagen mit Rochen, Riesenschildkröten (Land und Wasser), Haien, Alligatoren, Seelöwen, Ottern, Vögeln und Muscheln sowie Krebsen zu sehen. Das Herzstück der Anlage bildet ein großes Bassin mit ca. 6m Tiefe und ungefähr 20m Durchmesser, in dem fünf Delfine leben. Diese kann man zwei Mal am Tag in einer „Show“ bewundern – für deutsche Verhältnisse mittlerweile ein Relikt. Wir haben uns eine dieser Shows angesehen, die zwar durchaus nett war, jedoch übertrieben inszeniert und relativ unverständlich erklärt wurde. Auch die teilweise beengten Bassins der anderen Meeresbewohner (hier seien vor allem die Haie genannt) verbesserten den Gesamteindruck nicht unbedingt. Insgesamt haben wir im Gulfarium ca. 2h verbracht, dafür in etwa 42$ ausgegeben und einige nette Eindrücke gesammelt. Wer bereits einen vollen Terminplan hat, muss hier unserer Meinung nach aber nicht unbedingt stoppen.

Auf dem Weg in Richtung Hotel legten wir nochmals eine kleine Zwischenstation an einem namenlosen Strand direkt am Highway an, der den üblichen Vorstellungen des Miracle Strips bereits deutlich näher kam – sehr breit, sehr weiß, sehr fein. Wenn der Wind weniger, das Meer ruhiger und die Luft wärmer ist, kann ich mir sehr gut vorstellen, dass man hier eine tolle Zeit verbringen kann. Noch besser wurde es wenige Kilometer später, als wir endlich in Destin ankamen. Destin scheint das designierte Tourismuszentrum (vielleicht auch eher Party-Zentrum) der Emerald Coast zu sein, denn hier ist einfach mal alles neu, alles spektakulär und alles einladend. Man kann direkt am Harborwalk Village genannten Bereich (gratis) parken und von dort an die Erkundung starten. Wer sich bereits beim Namen an den Historic Harbor District von Key West erinnert fühlt, wird nicht enttäuscht. Über mehrere lange Stege und Straßen geht es durch das Viertel, welches teilweise ähnliche Attraktionen wie im tiefen Süden bietet (Powerboot-Touren, Angeltouren, Parasailing, JetSki-Fahrten, Schnorcheltripps etc.), aber zusätzlich einige einmalige Highlighs aufweist. Hierzu zählen z.B. Kletterwand (inkl. LED-Beleuchtung), Seilrutsche, Bungeejumping-Turm und gigantische LED-Wand – wie man sieht, ist hier also richtig was los. Zwar hatten wir während unseres Besuchs etwas Pech mit dem Wetter (wenig Sonne, viele Wolken, starker Wind .. und wie gesagt Nebensaison), doch konnte man bereits bei diesen suboptimalen Bedingungen ein Gefühl dafür kriegen, was hier sonst los sein muss. Wenn es im Süden richtig warm und überfüllt ist (also im Sommer) ist Destin sicherlich eine richtige coole Gegend um Spaß zu haben, actionreiche Events zu erleben und den wirklich schneeweißen Sand zu genießen. Letzteren haben wir uns auf der Landzunge gegenüber des Hafens etwas näher angeschaut, wobei erneut die vielfältigen und kostenlosen Parkmöglichkeiten positiv auffallen. Dabei konnten wir erfolgreich verifizieren, dass das Adjektiv „schneeweiß“ in der Tat nicht übertrieben ist.

Die letzte Station des Tages stellte erneut eine sehr positive Überraschung dar und ist der Grund, warum ich mich derzeit so glücklich fühle. Das Residence Inn (by Marriott) in Miramar Beach ist ein absolutes und dabei ziemlich kostenattraktives Highlight (es ist so toll, dass ich schon wieder Namen nenne). Tolles Gebäude, beeindruckende Lobby und vor allem qualitativ extrem hochwertige Zimmer wissen zu überzeugen. Während unseres gesamten Urlaubs hatten wir nicht einmal ein so luftiges Studio, mit einer derart neuen und sauberen Küche, ein so bequemes Bett und eine so gelungene Wohlfühlatmosphäre. Alles sieht so aus und fühlt sich so an, als ob das Hotel erst letzte Woche eröffnet wurde .. nach den teilweise etwas ernüchternden Erfahrungen der letzten Nächte stellt das Residence Inn ein Refugium der Erholung dar, welches man am liebsten gar nicht mehr verlassen möchte. Neugierigen sei übrigens gesagt, dass das Ressort auch Annehmlichkeiten wie einen Fitnessbereich, einen Indoor- und Outdoorpool sowie einen Whirlpool bietet). Das Personal ist sehr freundlich und die Lage super. Mit dem letzten Punkt möchte ich zum Grand Boulevard überleiten, der im Prinzip neben dem Hotel beginnt und ein Vorzeigeviertel von Miramar darstellt. Alles ist neu, sauber, hübsch, aufeinander abgestimmt und wirkt extrem einladend. Im gesamten (sehr gut beleuchteten) Viertel wurden beispielsweise großzügig Bose-Lautsprecher verbaut, aus denen leise eine einheitliche Beschallung ertönt – wo hat man so etwas schon? Ferner gibt es einen dedizierten Guide, in dem man neben einem Grundriss des Viertels auf einen Blick die verschiedenen Karten der lokalen Restaurants, Bezahlmöglichkeiten und Geschäfte findet .. für amerikanische Verhältnisse zwar nicht unüblich, aber definitiv qualitativ überdurchschnittlich. Wer unter einem „* Inn“-Hotel einen grauen Block in irgendeinem dunklen, lauten Gewerbegebiet vermutet (sowas ist uns natürlich noch nie passiert 😉 ) wird hier jedenfalls aus dem Staunen nicht herauskommen.

Unsere abendliche Futterbesorgung im hiesigen Publix (10 Minuten zu Fuß vom Hotel) lässt mich auf den letzten Aspekt kommen, auf dem ich in diesem Artikel eingehen möchte: Der Servicementalität hier in den Staaten. Jeder Angestellte in jedem Supermarkt in dem wir bisher waren, grüßt zum Beispiel freundlich, geht proaktiv aus dem Weg oder entschuldigt sich, falls er doch mal passieren muss. Man wird überall freundlich empfangen und findet jederzeit schnell und kompetent Hilfe, wenn Fragen zu Produkten auftreten. Den Gipfel des Aha-Erlebnisses hat man dann an der Kasse, wenn jeder Kassiererin eine dedizierte Servicekraft zur Seite steht, die beim Ausladen des Einkaufskorbs hilft, die bezahlten Waren in Tüten verpackt und diese auch wieder in den Wagen lädt. Das alles geschieht (zumindest hier) mit einer selbstverständlichen Freundlichkeit und wirkt weder erzwungen, noch unangenehm. Einkaufen macht hier wirklich Spaß und stellt (für mich ganz persönlich) einen sehr krassen Kontrast zur deutschen Servicementalität dar, bei der ich manchmal das Gefühl habe, mich bei der Bedienung im Supermarkt entschuldigen zu müssen, wenn ich die Dreistigkeit besitze 21:00 Uhr abends etwas zu Essen kaufen zu wollen.. Das die genannten Servicekräfte i.d.R. kein Trinkgeld erwarten (was teilweise auch durch entsprechende Schilder an der Kleidung kenntlich gemacht wird) sei nur ergänzend erwähnt.

So geht unser elfter Tag in Florida so langsam zu Ende .. morgen erwartet uns voraussichtlich leider ein weiterer Regentag (laut Vorhersage zumindest bis zum Mittag), verbunden mit einem Temperatursturz von 23°C auf 10°C. Wir werden das Beste daraus machen, die lokalen Shoppingcenter besuchen, eventuell eine Runde Minigolf spielen und (hoffentlich) den „legendären“ Grayton Beach erkunden. Abends steht dann die rund 2h dauernde Fahrt nach Port St. Joe, weiter im Osten gelegen, an.

Florida Tag 10 – Bei den Seekühen

Bevor ich damit beginne von unserem zehnten Tag im Sunshine State zu berichten, muss ich quasi eine Errata für Tag 9 veröffentlichen: Das Hotel war eine Katastrophe. Lieber würde ich in künftigen Urlauben ein Handgepäckstück zu Hause lassen, kein einziges Dessert bestellen, stets auf Softdrinks verzichten oder im Notfall sogar um eine Nacht verkürzen, als nochmal in so einer Absteige schlafen zu müssen. Wie kommt es zu diesem krassen Sinneswandel? Keine Ahnung .. irgendwie sah alles noch ganz nett aus, als wir ankamen. Spätestens nach der Rückkehr von unserem abendlichen Einkauf und vermutlich mit Hilfe der mit der Nahrung einhergehenden Stärkung wurden die eklatanten Mängel immer sichtbarer: Mangelhafte hygienische Zustände, unangenehmer (modriger) Geruch, hoher Lärmpegel. Während unseres gesamten Urlaubs habe ich bisher nicht ein einziges Mal so schlecht geschlafen und wenn man sich in die verschiedenen Problemstellen tiefer reingedacht hätte, wäre man wahrscheinlich schreiend weggelaufen. Merke: Es gibt eine qualitative Untergrenze für Unterbringungen und selbst die Argumentation „Wir wollen dort doch nur ein paar Stunden schlafen“ ist nicht immer hilfreich .. nicht mal im Streitgespräch mit sich selbst.

Nachdem dieses unangenehme Kapitel hiermit abschließend behandelt wurde, möchte ich dazu übergehen von unserer „Schwimm mit den Manatees“-Tour zu berichten. Selbige begann ziemlich früh an einem kalten, ca. 10°C frischen Morgen (für diese Region übrigens laut Aussage der Anwohner überdurchschnittlich kalt) an einem Seitenarm der Kings Bay. Hier hat der von uns gewählte Anbieter „Crystal River Watersports“ seine Basis. Den Beginn unseres Abenteuers markierte die Übergabe der Ausrüstung – im Preis inbegriffen waren Flossen, Schnorchelequipment (hier hatten wir ja eigenes Material dabei), eine „Schwimmweste“ als Auftriebshilfe (so ein fortgeschrittenes Modell zum selber aufpusten, wie im Flugzeug) und – ganz wichtig – ein dicker Ganzkörperneoprenanzug. Nachdem wir per Unterschrift so ziemlich alle etwaigen rechtlichen Maßnahmen gegen den Anbieter ausgeschlossen und die Ausrüstung anprobiert hatten (kneift ganz schön..), wurden uns zunächst von einem sehr freundlichen Herren an Hand einer Plüschseekuh die Grundsätze erklärt: Immer das Tier den ersten Schritt gehen lassen, nur mit einer Hand berühren, langsame Bewegungen, nur an der Stirn, dem Rücken und dem Bauch berühren. Verstanden. Danach mussten wir ein ca. 10 Minütiges Video schauen, dass die eben erklärten Grundsätze nochmals eindrucksvoll in Bild und Ton wiederholte und konkretisierte .. und die mögliche Maximalstrafe bei Verstößen  (100.000$) benannte. Nach Abschluss dieser Einführung war es soweit: Wir lernten unseren Captain kennen (Captain Jim) und begaben uns gemeinsam auf das Boot. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war klar, dass wir nur zu zweit auf der Tour sein würden .. toll! Jim ist ein Pensionär, der recht kommunikativ und als Tauchlehrer / Aufpasser / Begleiter / Bootsführer perfekt geeignet ist. Er hat viele interessante Dinge erzählt, auf angenehme Weise die Regeln erklärt (ja, nochmal und schon wieder) und später im Wasser auf sehr sympatische Art auf deren Einhaltung geachtet. Er wirkte dabei aber eher wie ein erfahrener Kumpel und nicht wie ein Army-Ausbilder, wie dies einige andere Captains tun, die wir an diesem Tag erlebt haben.

Voller Neugier warteten wir also darauf wie Captain Jim unseren Flachkieler durch die Kanäle in Richtung der Quellen in der Kings Bay steuerte. Links und rechts des Flusses häuften sich nach und nach die unterschiedlichsten Häuser (alte wie neue, große wie kleine) und bei sich langsam lichtenden Dunst unmittelbar über dem Wasser wurde es langsam wärmer. Als wir während der Fahrt dann auch noch einen Delfin sahen, waren wir endgültig wach (Jim war natürlich so nett das Boot zu wenden, so dass wir den Säuger besser beobachten konnten). Unser Ziel erreichten wir nach ca. 30 Minütiger Fahrt und meine ersten Eindrücke kann ich leider nur unzureichend wiedergeben. Da wäre zum einen der Erstkontakt mit den Manatees – wir hatten zuvor noch nie welche „in Echt“ gesehen. Die Seehkühe sind wesentlich größer als man sich das vorstellen würde – die meisten von ihnen sind über 2m lang und bewegen sich mit Hilfe einer massiven Schwanzflosse vorwärts, die allein über 50cm im Durchmesser misst. Der Körperdurchmesser der vegan lebenden Meeresbewohner bewegt sich vermutlich im Bereich von rund 1m (ich zitiere an dieser Stelle nicht Wiki, sondern gebe einfach meine individuellen Schätzungen wieder) – da schwimmen also richtig große Brocken im Wasser. Diese haben aber etwas sehr Friedliches und Niedliches an sich, so dass man am liebsten sofort Kontakt herstellen möchte – hierzu später mehr.

Der zweite, ebenso überraschende Eindruck nach unserer Ankunft im Zielgebiet, war für mich dessen Art und Umgebung. Naiv stellt man sich vor, dass man mit kleinen Booten eine relativ lange Zeit durch schmale Kanäle fährt, um dann in einem abgeschiedenen, ruhigen Gebiet endlich Seekühe zu sehen. Die Praxis sieht eher so aus, dass sich die Manatees in der Winterzeit in die von warmen Quellen erhitzten Kanäle der Kings Bay zurückziehen, die ganz regulär bevölkert sind. Dort stehen also wie bereits beschrieben Häuser unterschiedlichster Art und Güte (also auch richtige Villen), die unmittelbar am Wasser gebaut sind und größtenteils über eigene Stege und Boote verfügen – und eben dort schwimmen die Manatees .. und auch die vielen „Schaulustigen“. Man muss sich das also wirklich so vorstellen, dass dort eine amerikanische Familie an ihrem eigenen Steg frühstückt, im Wasser direkt daneben mehrere Seekühe schwimmen, welche von zwei bis 200 Schnorchlern umgeben werden. Ja, wie uns erklärt wurde, bevölkern zur Hochsaison zwischen Weihnachten und Neujahr tatsächlich bis zu 15 Boote mit jeweils bis zu 15 Personen an Bord die üblichen Rendevouz-Punkte .. eine verrückte Vorstellung, oder?

Damit alles mit rechten Dingen zugeht, gibt es neben den bereits genannten Regeln auch jede Menge Aufpasser. Da wäre ein bewaffneter Law Enforcement Officer an Land und während unseres Aufenthalts zwischen zwei und fünf freiwilligern Helfern auf und unter Wasser. Man hat also ständig Personen in Kajaks, auf Paddelboards oder auch mit Schnorcheln und Flossen im Wasser patrouillierend um sich, die darauf achten, das sich auch wirklich alle zu jeder Zeit richtig verhalten. Das klingt jetzt vielleicht etwas krasser als es sich in der Praxis darstellt, da man insbesondere in einer kleinen Gruppe (wie wir sie waren) eigentlich nur positives Feedback bekommt („So ist es gut“, „Ich glaube dich stupst gleich einer an .. sie mögen gelb“, „Da kommt ein Großer auf dich zu“). Sobald mehr Touristen das Zielgebiet erreichen – das haben wir auch erlebt, als plötzlich ca. 20 Taucher wie eine Entenfamilie auftauchten – wird man schon etwas vorsichtiger und mahnt proaktiver. Wesentlich sind in diesem Zusammenhang zwei Dinge: Erstens haben die Manatees durch Bojen und Seile markierte Rückzugsgebiete („Sanctuaries“, Heiligtümer) in die man auf gar keinen Fall einschwimmen darf. Zweitens dürfen die Manatees alles und haben auch immer Vorfahrt. Das wird zum Beispiel dann spannend, wenn man einer Seekuh auf dem Weg aus oder in das Quellgebiet begegnet – hier muss man als Schnorchler sofort an den Rand ausweichen und warten.

Ich fürchte, dass sich meine Ausführungen bisher ein wenig „steif“ anhören. Dies kommt möglicher Weise daher, dass ich noch nicht genügend auf das Wesen der Manatees eingegangen bin. Diese sind nämlich sehr friedfertig und verbringen den ganzen Tag mit Fressen (ca. 200kg Seegrass am Tag), Schlafen und Schmusen. Dani hatte das große Glück, dass sich ein Manatee wenige Minuten nach unserem Eintauchen ins Wasser in sie verliebte und ausgiebig den Schmusen-Part praktizierte. Auslöser war wohl das Halteband ihrer Auftriebsweste, welches die Seekuh interessant und vielleicht auch lecker fand. Nach einem kurzen Beschnuppern wurde Dani sofort mit den Flossen umklammert und fortan ausgiebig betastet und angeknabbert. Wie sich später herausstellen sollte, war diese Begebenheit wohl tatsächlich relativ außergewöhnlich und sehr niedlich anzusehen. Meine Weste war scheinbar weniger attraktiv, weshalb ich mich mit sachten Streichelbewegungen von der Seite begnügen musste 😉 An dieser Stelle sei angemerkt, dass die Manatees im Salz- und Süßwasser leben können und „unser“ Exemplar von der Zeit im Golf von Mexiko noch recht algenbehaftet war .. er fühlte sich also ein wenig glitschig an. Nach einigen Minuten beschloss Captain Jim (der vorbildlicher Weise mit uns im Wasser war und zudem mit seiner GoPro Hero 3 Black Edition Fotos machte), dass es Zeit wäre der Seekuh Ruhe zu lassen und weiter zu schwimmen. Sachte nahm er dem schwimmenden Sympathieträger sein Leckerli weg und wir schwammen mit Hilfe der Flossen zügig durch einen Engpass in das Quellgebiet ein.

Für uns als Tauch- bzw. Schnorchelanfänger war das eine tolle Erfahrung: Das Wasser war glasklar, es gab sehr viele Fische zu sehen und je näher man den Quellen kam, desto wärmer wurde das uns umgebende Wasser (Austrittstemperatur konstant 22°C). Am Boden der kraterartigen Quellen, die sich ca. 6m unter uns befanden, konnte man an Hand des Bewuchses förmlich sehen, wie das Wasser ausströmte .. toll! Auch direkt im Quellgebiet schliefen mehrere Seekühe, was man daran erkennen konnte, dass sie mit dem Gesicht nach unten gewendet am Boden lagen. Nach einigen Minuten und interessanten Erklärungen von Captain Jim schwammen wir zurück zum Kanal, wo unser Boot nach wie vor vor Anker lag und herrenlos wartete. Unser Captain ließ uns nun allein im Wasser, wo wir ca. 45 Minuten lang Zeit hatten, die verbleibenden Tiere in Ruhe zu beobachten. Leider hatten sich alle Manatees in die Sperrzone zurückgezogen und verließen diese nur zwei Mal kurz, um uns zu begutachten. Scheinbar waren wir aber nicht mehr interessant genug, so dass eine Wiederholung von Danis tollem Erlebnis leider auf unsere nächste Tour verlagert werden muss. Ein wenig durchgefroren klettern wir also gegen 10:15 Uhr wieder auf unser Exklusiv-Boot, um die Rückfahrt in Richtung Hafen anzutreten. Unterwegs lernte ich, dass unser Captain ein früherer Computer-Designer bei IBM war und bei der Entwicklung des IBM/XT maßgeblich mitgewirkt hat .. eine ziemlich interessante Geschichte. Außerdem wurden wir kurz vor dem Anlegen noch Zeuge, wie zwei Manatees sich um die Erhaltung der Population kümmerten .. wir bekamen also ziemlich viel geboten 😉 Insgesamt war die knapp 3h lange Tour ein extrem empfehlenswertes und sehr individuelles Erlebnis, dass ich nur empfehlen kann. Auch die Entscheidung für Crystal River Watersports als Anbieter war sehr gut. So hebt sich dieses Unternehmen von der Konkurrenz zum Beispiel dadurch ab, dass nur maximal sechs Personen pro Boot transportiert werden (dadurch kann man natürlich viel direkter mit dem Captain interagieren), aufblasbare Schwimmwesten anstelle von billigen Poolnudeln verwendet werden und man Bilder der Tour im Nachgang gratis über Facebook erhält – andere Firmen wollen hier 20$ für Aufnahmen der Tour. Ich möchte wirklich keine Werbung machen (weshalb ich in diesem Blog i.d.R. auf konkrete Nennungen von Namen und Adressen verzichte) und wir haben auch keinerlei Preisnachlass für diese Aussagen bekommen, aber diese Tour kann ich wirklich als Tipp reinen Gewissens und uneingeschränkt weiterempfehlen! Auch die Manatee-Kuscheltiere im Shop sind übrigens extrem niedlich und fair bepreist, so dass wir nicht widerstehen konnten 😉

Nachdem die Tour beendet und wir umgezogen waren (trotz warmem Quellwasser und Neoprenanzügen wird es doch irgendwann frisch), knurrte uns der Magen – das Schnorcheln ist doch recht anstrengend. So statteten wir dem lokalen Applebees einen kurzen Besuch ab, bevor wir die nächste Stunde darauf verwendeten die Region um Crystal River etwas weiter zu erkunden. Was soll ich sagen .. an dieser Stelle hätte ich mir das erste Mal eine Abweichung von unserer Tourplanung gewünscht. Crystal River ist ebenso wie Homosassa ziemlich hübsch und die vielen kleinen Seitenarme der Flüsse laden dazu ein, die Kings Bay näher zu erkunden. Entweder auf einem schönen Trail oder besser noch mit einem Kajak hätte man hier sicherlich viele tolle Eindrücke bei schönstem Wetter gewinnen können, doch darauf waren wir einfach nicht vorbereitet und zumindest für die zweite Option terminlich auch nicht flexibel genug. Als Kajak-Region für Einsteiger (wie uns) ist Crystal River aus meiner Sicht aber eine absolut tolle Empfehlung. So mussten wir uns damit begnügen hier und dort mal anzuhalten und ein paar Eindrücke zu sammeln, bevor die rund 600km lange Fahrt nach Pensacola begann.Diese verlief dann endlich einmal so, wie man sich die Überbrückung von größeren Distanzen via Auto in Amerika vorstellt: Man rechnet nicht in Kilometern oder Meilen, sondern in Stunden. Auf Straßen, die in Fußballfelder-breiten Schneisen durch die Landschaft verlaufen, geht es mit gemächlichem, aber konstanten Tempo voran. Die Fahrt von Crystal River über Tallahassee nach Pensacola – bei der man im Übrigen sogar die Zeitzone wechselt – verläuft daher nach dem Schema „200km gerade aus, einmal abbiegen, 300km gerade aus, zweite Straße rechts, Ankunft im Hotel“. Der aufmerksame Leser wird feststellen, dass der Kontrast zur Region um Miami kaum größer sein könnte 😉 Unterwegs, auf den letzten 75km, haben wir beim „Wer bin ich?“-Spielen (hilft immer) übrigens gelernt, dass der Nikolaus und der Weihnachtsmann zwei unterschiedliche „Personen“ sind .. behauptet jedenfalls Dani.

Im Rahmen des fast schon obligatorischen Besuchs beim hiesigen Publix (Supermarkt .. mittlerweile bestimmt die fünfte Niederlassung dieser Kette, die wir kennen lernen) durften wir erneut Zeuge der unterschiedlichen Regionen Floridas werden. Miami ist jung und hipp, die Westküste eher etwas gesetzter und Pensacola eine Studentenstadt .. ich bin gespannt, was wir hier morgen erleben werden. Geplant ist ein Besuch der angeblich extrem weißen Strände des Miracle Strips und des National Naval Aviation Museums 🙂

Florida Tag 9 – Mehr Muscheln, mehr Natur, mehr Wind

Die gute Nachricht zuerst: Unser Jubiläumsabendessen bei der Island Cow auf Sanibel war großartig 😉 Leider haben wir es erst gegen 20:30 Uhr geschafft vor Ort zu sein, was für die Verhältnisse der Insel schon ein wenig spät ist. So kam es, dass noch während unseres Hauptgangs (es waren auch noch vier weitere Tische besetzt) die ersten Stühle hochgestellt wurden und sich das Personal voneinander verabschiedete .. trotz der extrem freundlichen Bedienung und der liebevollen Innenausstattung des Restaurants keine 100%ig perfekten Bedingungen. Aber so das ist Leben auf der Muschelinsel scheinbar .. es geht außergewöhnlich früh los und endet auch ein wenig zeitiger als anderen Orts. Das das Durchschnittsalter signifikant höher als in Miami ist (gefühlt mindestens um den Faktor 2) sei nur als Ergänzung am Rande erwähnt und scheint – soweit bisher erkundet – für die gesamte Westküste Floridas zu gelten.

Für den Abschiedsmorgen auf Sanibel passten wir uns also den lokalen Gepflogenheiten an und standen pünktlich zum Sonnenaufgang voll ausgerüstet am Strand – es gab (so hofften wir) viel zu entdecken. Leider verbarg ein recht dichter Morgendunst über dem Meer die perfekte Sicht auf die Sonne und scheinbar bedingt durch eine etwas veränderte Strömung verirrten sich auch weniger interessante Muscheln als am Vortag in unser Jagdgebiet. Wir unternahmen trotzdem einen recht ausgedehnten, schönen Spaziergang, an dessen Ende wir endlich den obligatorischen Florida 2014-Schriftzug in den Sand legten. Wie man später auf den Fotos sehen wird, war die Aufgabenverteilung übrigens absolut klar. Kleines Detail am Rande: Obwohl wir eigentlich nichts anderes getan haben, als aus den unzähligen Muscheln am Strand einen ca. 1m breiten Schriftzug zu legen (was rund 45 Minuten gedauert hat), wurden wir von mindestens drei Spaziergängern darauf angesprochen, wie „awesome“ unser Werk doch sei .. die Mentalität hier ist schon durchaus interessant 😉

Irgendwann war unser Werk getan und wir kehrten mit hungrigem Magen in das Hotel zurück. Auch hier gilt wieder der ungewöhnliche Zeitplan – um 08:15 Uhr war nicht mehr allzu viel vom Büffet vorhanden 😉 Als dann um 08:30 Uhr unmittelbar unter unserem Fenster mit lauten Mäharbeiten begonnen wurde, war endgültig klar, dass der Tag jetzt offiziell begonnen hatte. So luden wir also unser Hab und Gut in den Mustang und sagten Sanibel Lebewohl – unsere Weiterfahrt in Richtung Norden begann.

Als erste Station steuerten wir das Six Miles Cypress Slough Preserve – ein Naturschutzgebiet ziemlich eingebettet im Stadtgebiet von Fort Myers liegend – an. Bei der Planung unserer Fort Myers-Erkundung mussten wir nämlich etwas ernüchtert feststellen, dass in der „Metropole“ nicht allzu viele Highlights auf uns zu warten schienen. So entschlossen wir uns kurzer Hand für einen Besuch der Top 1 Attraktion laut Trip Advisor und wurden (ich muss zugeben etwas überraschend) nicht enttäuscht. Auf einem 1,2 Meilen langen Rundweg, komplett bestehend aus perfekt instandgehaltenen Holzplanken, ging es durch ein sumpfartiges Gebiet. Je nach Regenmenge verändert sich dabei die Höhe des den Boden bedeckenden Wassers, so dass sich wichtige Effekte für die dort lebenden Arten ergeben. Im gesamten Park (der Eintritt ist übrigens gratis, es gibt einen kostenlosen „Explorers Companion“ und das Parken ist mit 3$ für 3h sehr günstig) wird übrigens um Stille und langsame Bewegungen gebeten, so dass man sich bei der Erkundung des Parks ein wenig wie Indiana Jones fühlt. Dies ist ein wenig irritierend, da in wenigen hundert Metern Entfernung eine mehrspurige Straße verläuft, deren Verkehr entsprechend laute Geräusche emittiert. Scheinbar haben sich die Tiere aber an diese Umgebung recht gut gewöhnt. So hatten wir das Glück neben diversen Vögeln (Flora und Fauna sind einfach nicht meine Stärke..), Fischen und mehreren Eichhörnchen (Gray Squirell) auch einen Alligator nebst Nachwuchs zu entdecken. Einzig die am Parkeingang angekündigten Otter und Waschbären blieben uns leider verborgen. Nach rund 2h und mit vielen neuen Fotos auf der Speicherkarte verließen wir den Park wieder und setzten unsere Fahrt in Richtung Crystal River fort – das nächste Zwischenziel bestand dabei im rund 150km entfernt liegenden Anna Maria Island.

Anna Maria Island soll laut den diversen Reiseführern ein Stück „vergessenes Amerika“ sein – eine paradiesische Insel, die vom Tourismus noch nicht völlig vereinnahmt wurde.  Vor Ort angekommen (ich erspare mir jetzt einfach mal meinen Unmut darüber zu verbreiten, dass der Verkehr erneut sehr zähflüssig war und ich unterwegs den Begriff „Staumerika“ ersann), bestätigte sich dieser Eindruck grundsätzlich. Die Häuschen sind im Schnitt etwas kleiner, die Grundstücke größer, die Geschäfte bodenständiger .. die Anzahl der Parkplätze mit öffentlichem Strandzugang ist aber – große Überraschung – nicht gerade berauschend. Dank guter Recherche vorab und etwas Glück konnten wir trotzdem recht schnell einen kostenlosen Stellplatz ergattern, und begaben uns sogleich zum Strand. Ein Schockmoment: 20°C, starker Wind, hohe Wellen .. trotz strahlend blauem Himmel begannen uns schon nach wenigen Minuten die Ohren zu schmerzen. Ansich im November sicherlich nichts völlig Unerwartetes, aber nach einer Woche perfektem T-Shirt bzw. Strandbekleidungswetter bei meist deutlich über 25°C, erfordert eine solche Begebenheit schon eine gewisse Umstellung. Ich vermag gar nicht daran zu denken, dass wir übermorgen in Pensacola Maximaltemperaturen von 11°C zu erwarten haben … und gemäß aktueller Wettervorhersage leider auch einen weiteren Regentag am Montag.

Wie dem auch sei … der Strand von Anna Maria Island war in jedem Fall trotz suboptimaler Bedingungen beeindruckend. Er war sehr breit, sehr weiß und die zu- und ablaufenden Wassermassen zeichneten ein sehr interessantes und szenisches Bild. Unter anderen Umständen bin ich mir sicher, dass man in Anna Maria Island sicher den ein oder anderen Tag entspannt verbringen kann .. ein Zentrum des interkulturellen Austauschs wie Miami Beach ist es natürlich trotzdem nicht 😉 Nach rund 1h am Strand statteten wir auf der Rückfahrt auch noch dem Hafen einen Besuch ab .. hier gibt es bereits um 14:00 Uhr Live Musik in mehreren Bars (sogar richtig gute), leider ist ansonsten nicht allzu viel los. Anschließend legten wir noch einen Zwischenstopp in einem Applebee’s ein, da das reichhaltige Hotel-Frühstück aufgebraucht war. Dieses Mittagessen blieb mir definitiv als eines der Besseren in Erinnerung: Schöne Innenausstattung, nette Bedienung, schneller Service .. leider war die Karte ziemlich chaotisch. Dafür haben wir nach einiger Konfusion eine schöne Menüoption für zwei gefunden (2 Salate plus 2 Hauptspeisen), wodurch wir inklusive endloser Cola bzw. Pepsi-Versorgung bei weniger als 24$ (plus Tip) landeten .. meiner Meinung nach für das Gebotene mehr als fair. Danach begann die relativ langweilige, rund 200km lange Etappe von Anna Maria Island nach Crystal River, die uns größtenteils auf mautpflichtigen Schnellstraßen durch die Metropolregion um Tampa führte. Da wir die Strecke bereits nach Sonnenuntergang absolvierten, gibt es hier leider wenig zu erzählen. In jedem Fall erreichten wir gegen 19:45 Uhr unsere preisgünstigste Unterkunft des gesamten Trips. Nur 35€ kostet das Doppelzimmer im Motel, welches wir deshalb auswählten, weil es in Sichtweite des Startpunkts unserer „Schnorchle mit den Manatees“-Tour liegt. Da die Tour bereits um 07:00 Uhr beginnt, fanden wir den Gedanken ganz nett, keine Anreisezeit mehr planen zu müssen. Das Zimmer und die gesamte Ausstattung liegen übrigens deutlich über dem, was man für den Preis zunächst erwarten würde. Einzig das romantische Rauschen der auf dem nahegelegenen Highway vorbeifahrenden Autos und LKWs sowie der enorm langsame Internetzugang sind zwei kleine Mankos 😉 Für eine Nacht aber sicherlich zu verschmerzen..

Ein weiterer (winziger) Nachteil dieser ländlichen Region ist die lokale Versorgung mit Supermärkten .. für den Einkauf unserer abendlichen Fruchtschale und diverser Frühstückszutaten mussten wir ganze 13km pro Strecke fahren – absolut betrachtet natürlich unproblematisch, aber relativ betrachtet sind wir von den letzten Tagen (hier mussten wir nie weiter als 2km fahren bzw. konnten meistens sogar laufen) halt doch etwas verwöhnt.

So schließe ich diesen Beitrag mit knurrendem Magen und großen Erwartungen für unsere Erlebnistour morgen. Nach selbiger steht übrigens die längste Fahretappe am Stück an: Von Crystal River aus geht es primär über Interstates in das rund 5h entfernt gelegene Pensacola am wesentlichen Ende des sog. Panhandle.

Florida Tag 7 – Die Glades, Naples, Sanibel Island

Der Start in den siebenten Tag unserer Florida-Erlebnistour fühlte sich ein bisschen wie das Erwachen eines Truckers an: Draußen war es noch dunkel, das dominierende Geräusch war jenes, dass in der Nähe vorbeirauschende Autos erzeugen (wenn man richtig müde ist, klingt das fast wie Meeresrauschen) und unser Fortbewegungsmittel parkte quasi keine 5m Luftlinie vom Bett. Bevor wir in Richtung Everglades aufbrachen, stoppten wir noch kurz im großzügigen Frühstücksraum gegenüber der Rezeption. Hier warteten neben Saft, verschiedenen Arten von Cornflakes und eigenartigen Brötchen-Immitaten auch eine Waffel- sowie Pancake-Maschine auf uns .. lecker!

Leider konnten wir das köstliche Mahl in bester, stilechter Atmosphäre (Trucker und so) nicht gebührend zelebrieren, da wir einen sportlichen Zeitplan bezüglich der in den Everglades geplanten Aktivitäten hatten. Pünktlich um 06:45 Uhr bogen wir also wieder auf den Highway ein und setzten bei kühlen 16°C Kurs in Richtung Westen. Unerwarteter Weise verliefen die ersten 30 Kilometer unserer Fahrt erschreckend langsam, da wir uns von Ampel zu Ampel quälten und so kostbare Minuten auf die von Google Maps bzw. unserem Navi prognostizierte Ankunftszeit verloren. Während der Verkehr allmählich weniger wurde, wurde auch die Landschaft weitläufiger. Riesige Tomaten-, Avocado-, Erdbeer,- und verschiedenste Palmenplantagen säumten den Weg über geschätzt mehr als 10 Kilometer. Zu unserer großen Freunde standen auch zwei kleine Kuhherden, inklusive Kälbchen, Spalier. Irgendwann bogen wir auf den Federal Highway 41, dem wir dann nur noch für rund 90 Kilometer in die Sumpfgebiete folgen mussten. Bei legalen 45, später 55 und abschließend sogar 60 Meilen pro Stunde kamen wir gut voran (man gewöhnt sich irgendwann an die Entschleunigung) und nach einiger Zeit begannen gehäuft auftretende „Airboat Tour“-Schilder unseren Weg zu säumen – anscheinend waren wir goldrichtig. So gelang es uns bei schönster Morgensonne um 08:45 Uhr unser Ziel zu erreichen: Den Startpunkt unserer „Mangrove Wilderness Tour“. Es handelt sich dabei um eine touristisch eher weniger bekannte Bootsfahrt, bei der es mit Flachkielern rund 2h in die Everglades, bis hinein in die Mangroven-Tunnel, geht. Da die Boote entsprechend klein sein müssen, haben jeweils nur sechs Personen Platz, wodurch eine gewisse Planungsunsicherheit besteht. Glücklicherweise reisen wir ja aber in der Nebensaison und sind nur zu zweit, so dass wir sofort zwei Plätze für die 09:00 Uhr Tour – wie erhofft – bekamen.

Die Tour selbst zählt wieder zu der Kategorie „Absolutes Highlight, das sich schwer in Worte verpacken lässt“. Grundsätzlich muss man das sich das Ganze so vorstellen: Man sitzt zusammen mit ein paar anderen Touristen in einem kleinen Boot, dass von einem 115 PS starken Außenborder angetrieben (das Wasser ist meist nur zwischen 10 und 100cm tief) und einem erfahrenen Guide gesteuert wird. Los geht es dabei von einem Fluss aus, der mit rund 20 Meilen pro Stunde fließt – es ist also von Anfang an spannend. Die ersten Minuten der Fahrt verlaufen noch eher unspektakulär – ein paar Pfosten die Untiefen angeben hier und da, ein paar Vögel, lauter kleinere Inseln und ein Captain, der ein paar Erklärungen gibt und nach und nach ein wenig beschleunigt. Richtig spannend wird es dann nach 30 Minuten, wenn der Steuermann das kleine Boot in einen Mangroven-Tunnel steuert, der nur wenig breiter als das Gefährt selbst und auch nicht allzu tief ist. Fortan müssen die Tourteilnehmer aufmerksam und beweglich sein, wenn sie nicht von Ästen, Farnen oder gar Spinnennetzen erwischt werden wollen. Der Skipper macht seinen Job dabei ganz hervorragend und kann das Boot bedarfsweise sehr genau auf der Stelle halten – wer das schon mal selbst versucht hat, wird sofort Respekt empfinden. Neben vielen Vögeln bekamen wir so neben vielen Vögeln auch vier Aligatoren und vor allem unzählige Spinnen zu sehen. Allein das Gefühl der Enge, der „Dunkelheit“, der Unberührtheit dieses halb grünen, halb braunen Tunnels ist äußerst beeindruckend. Ganz zu Beginn unserer Planung hatte ich ja mal die Idee mit einem Kajak auf eigene Faust oder von einem Scout begleitet in die Mangroven-Wälder zu paddeln .. das wäre vermutlich eine ziemliche Katastrophe geworden. So konnten wir die beeindruckende Natur der Glades ganz nah erleben, wurden dabei aber durch unseren freundlichen und sympathischen Captain auf ein sehr angenehmes Level „abgegrenzt“. Wie man hoffentlich merkt, kann ich die Tour nur uneingeschränkt empfehlen, wenngleich eine gewisse Planung hinsichtlich der begrenzten Kapazitäten sicherlich hilfreich ist. Kostenpunkt: Rund 40$ pro Person plus Trinkgeld bzw. Tip.

Nach der Tour wollten wir eigentlich auf zwei kurzen Trails durch die Everglades wandern. Da wir die Einstiegspunkte der Pfade spontan nicht auf der Karte entdecken konnten, steuerten wir einfach das nur 3km entfernt liegende Visistors Center an. Dort wurde schnell klar, dass uns ein kleiner Fauxpas passierte, denn die geplanten Trails lagen rund 100km in die Richtung, aus der wir kamen. Glücklicherweise konnte uns die freundliche Dame mehrere andere Pfade empfehlen, von dem uns dann auch einer zusagte (teilweise 8 Meilen unbefestigte Wege fahren klang dann doch nicht so nach einer idealen Strecke für unseren Mustang). So erreichten wir den Fakahatchee-Trail bereits wenige Minuten später und begaben uns auf die rund 1000m lange Strecke (einfacher Weg) über Holzstege in den Sumpf. Nun ja, wie soll ich sagen .. es war nicht die bisher imposanteste Erfahrung unseres Urlaubs. Vermutlich lag es an einer Kombination aus der ungünstigen Uhrzeit (mittags), den hohen Temperaturen (>31°C) und der hohen Luftfeuchtigkeit, dass wir außer ein paar Vögeln, vier Schildkröten und einem Alligator nicht allzu viele Tiere zu sehen bekamen. Außerdem setzten uns die Umweltbedingungen ausnahmsweise unerwartet stark zu, so dass es uns beiden nicht allzu toll ging.

So verließen wir die Glades ein wenig schneller als gedacht und erreichten gegen 13:00 Uhr die schöne Stadt Naples an der Westküste Floridas. Naples gilt wie Palm Beach als wohlhabende Gemeinde für die finanziell bessergestellte Gesellschaft und das merkt man schon, wenn man sich auf dem Highway auch nur nähert. Die Grünstreifen werden plötzlich gepflegter, die Vorgärten ordentlicher, die Autos hochwertiger. Je mehr man sich dann dem Stadtzentrum, Downtown, nähert, desto mehr intensiviert sich dieser Eindruck. Im Gegensatz zu Palm Beach wirkt Naples aber auf eine gewisse Weise wesentlich ursprünglicher, zugänglicher und realer. Die Häuser bzw. Anwesen sind zwar ebenfalls sehr üppig und besonders detailverliebt gestaltet, sie wirken aber landestypisch und vor allem bewohnt. Während in Palm Beach viele der Residenzen sehr stark abgeschottet sind und stilistisch offensichtlich massiv von anderen Epochen und Ländern inspiriert wurden, wirkt Naples wie ein Ort, in dem die Menschen tatsächlich auch ganzjährig leben und wohnen. Kurz gesagt: Palm Beach = Protz & Prunk, der (gefühlt) zum Großteil nur wenige Tage im Jahr bewohnt wird und teilweise wie ein Freizeitpark wirkt, Naples = Gediegene Atmosphäre mit Nutzwert. Die Aston Martins, Rolls Royce, Porsche und Jaguare gibt es natürlich hier wie dort, doch in Naples sind die subjektiv betrachtet etwas weniger. Dafür gibt es in der Westküsten-Stadt jede Menge Parkplätze für relativ geringe Gebühren (die meisten leider nur mit einer zeitlich befristeten Parkuhr) und sogar einige komplett kostenfreie Optionen (wie hatten das Glück eine solche, äußerst zentral gelegene, zu finden). Nachdem wir den Mustang also abgestellt hatten, begaben wir uns zuerst (wie kann es anders sein) an den Strand. Dieser ist sagen wir mal durchschnittlich: Nicht allzu breit, sauber, kurze Flachwasserzone, erschreckend kaltes Wasser (20,5°C sind doch nicht ganz so angenehm, wie die Fluten rund um die Keys). Dafür gibt es eine sehr schöne Pier, die man sogar – große Überraschung – gratis betreten darf. Andernorts werden für solche „Sehenswürdigkeiten“ schon mal 2-3$ pro Person verlangt. Nach dem Besuch am Strand begaben wir uns auf einen ausladenden Spaziergang durch die ersten zwei Straßen von der Seeseite aus gesehen und bewunderten die bereits oben beschriebenen Anwesen. Insgesamt ein toller Ort, der zwar etwas Avantgardistisches hat, dabei aber sehr zugänglich und sympatisch wirkt. Für einen Zwischenstopp kann ich auch Naples uneingeschränkt empfehlen .. für einen längeren Aufenthalt müsste man wohl schon etwas mehr auf die Suche nach interessanten Aktivitäten gehen.

Gegen 15:30 Uhr brachen wir in Richtung unseres letzten Tagesziels auf: Sanibel Island, eine Insel südlich von Fort Myers. Für die rund 60km wählten wir die malerische Route über Fort Myers Beach, welche uns größtenteils direkt am Wasser entlang führen sollte. Das tat sie auch und auch die gebotenen Panoramen waren wirklich toll, was leider nicht darüber hinwegtäuschen konnte, dass wir kurz vor der Rückkehr auf die Hauptstrecke rund 20 Minuten in einer schier endlosen Blechkolonne standen – Ursache nicht abschließend geklärt. Trotzdem überquerten wir gegen 16:30 Uhr für nur 6$ Maut die Brücke nach Sanibel Island, wo wir die letzten 10 Kilometer bis zu unserer Unterkunft zurücklegten. Rein preislich betrachtet war diese (also die Unterkunft) die zweit teuerste nach Key West und nach dem Motel letzte Nacht hatten wir große Erwartungen. Wenn eine Einleitung schon so beginnt, kann man sich den Rest meistens denken: Die Zimmer waren sehr stark abgewohnt, die im Internet zuvor bestaunten Fotos irgendwie nur begrenzt zutreffend und der Gesamteindruck löste zunächst keine Begeisterungsstürme aus. Zwar konnte Dani mit Hinweis auf die omnipräsenten Abwohnspuren ein Upgrade erreichen, doch gab es auch hier vorsichtig gesagt noch Luft nach oben. Da unsere Residenz aber sehr gut gelegen war (erste Reihe am Strand) und wir keine Lust auf kurzfristige Neuplanungen hatten, entschlossen wir uns zu bleiben.

Damit kommen wir nach den Everglades und Naples zum dritten Highlight dieses Tages unserer Florida-Reise: Dem unglaublich Muschel-intensiven Strand von Sanibel – keine 100m von unserem Bett entfernt. Im Ernst, wer mal Fotos von diesem Ort gesehen hat und auf den massiven Einsatz des Kopierstempels in Photoshop getippt hat (wie wir zum Beispiel) wird begeistert sein. Muschel reiht sich hier an Muschel, Art an Art .. die Häufung, Vielfalt und Sauberkeit der kalkhaltigen Meeresbewohner suchen wirklich ihres Gleichen. Auf jedem einzelnen Meter finden sich genügend interessante Exponate, um quasi dauerhaft in der Hocke zu bleiben und eine kniehohe Glasröhre für derartige Andenken könnte man vermutlich in weniger als 10 Minuten mit wirklich sehenswerten Fundstücken füllen. Wenn ich diese Zeilen nochmal lese, klingt das, was wir hier gesehen haben so trivial: Einfach unglaublich viele, saubere, unterschiedliche Muscheln auf ganz wenig Raum .. allerdings über viele hundert Meter / Kilometer .. muss man gesehen haben – offensichtlich trägt Sanibel seinen Titel als muschelreichster Ort der USA (strömungsbedingt) nicht zu Unrecht. Ein weiteres Highlight dieses tollen Städtchens ist der wirklich äußerst faszinierende Sonnenuntergang. Sicherlich haben die meisten schon mal die Sonne über dem spiegelglatten Horizont des Meeres untergehen sehen (das gibt es hier auch .. und es ist toll .. aber nicht einmalig), aber die Lichtspiele, die danach entstehen, sind absolut bemerkenswert. Noch 20 Minuten nach Untergang der Sonne brennt der Himmel in einer Mischung aus orange, blau und lila – unvergesslich.

Als letzte Station unseres ereignisreichen Tages möchte ich von unserem Besuch im hiesigen Supermarkt berichten. Da es bereits gestern 2x „Kauffutter“ gab und für morgen der gleiche Plan vorgesehen ist, hatten wir heute mal wieder Lust auf etwas „zu Hause“ Bereitetes. Ich gebe es zu: In meinem Fall ganz einfaches Schwarzbrot mit Tomaten. An dieser Stelle greife ich etwas vor und sage, dass ich für diese Mahlzeit in Deutschland etwa 2,60€ für das Brot, 1,30€ für Brunch und 1,50€ für die erforderlichen Tomaten kalkulieren würde. Hier auf Sanibel sieht die Realität eher so aus: 5,99$ für ein „Handwerkerbrot“ (alles andere sah völlig inkompatibel aus), 2,50$ für einen Aufstrich und rund 3$ für zwei riesige Tomaten. Ein paar Beilagen gewünscht? Eine kleine Obstschale für 6,50$ vielleicht .. oder für den großen Hunger eine mittlere Schale für 14,50$? Oder vielleicht eine Melone für 6$? Eventuell auch Schmelzkäse für 4$ (die günstigste Option, versteht sich .. und alle Angaben ohne Steuern) .. hier muss man auf nichts verzichten. Was ich damit sagen will: Ein typisches Essen auswärts (nehmen wir unser Essen bei Denny’s gestern: Ein Schoko-Milchshake, ein Banane-Erdbeer-Smoothie, zwei Pancakes mit Chocolate Chips und Peanut Butter Soße, sowie Hähnchenbrust mit Gemüse und Kartoffeln im Tiegel) ist finanziell nicht wirklich teurer (im konkreten Fall: 25$ inkl. Steuern und Trinkgeld). Ja, es gibt sicherlich preisattraktivere Orte als das Leben auf Sanibal Island.

So schließe ich den heutigen Bericht, während die hoteleigene Waschmaschine den ersten Gang Urlaubskleidung wieder aufbereitet. Der Waschraum ist eine Story für sich und erinnert an eine Filetier-Station beim Hochseeangeln .. später gibt es an dieser Stelle bestimmt auch mal Fotos davon 😉 Der morgige Tag steht ganz im Zeichen der Erkundung von Sanibel: Vom Muschelnsammeln, über einen Besuch der Marina, des Leuchtturms und des Wildlife Refugiums bis hin zum feierlichem Abendessen bei der „Island Cow“ (13.11.14 = 13.11.13 + 1 Jahr für die Neugierigen).

Florida Tag 6 – Die Keys

Der Übergang von Tag 5 auf Tag 6 gestaltete sich leider etwas holprig. Unglücklicherweise bestand die „Tür“ zwischen unserem Apartment und dem unserer Nachbarn nämlich nur aus einem dünnen, leidlich passgenauen Brett mit Farbe, welches die Geräusche des Nebenraums in etwa so gut abschirmte, wie ein Stoffvorhang. In direkter Konsequenz fühlten wir uns ein wenig an Jugendherbergszeiten bzw. Klassenfahrten erinnert, mit dem Unterschied, dass hier jede Nacht mit 170€ zu Buche schlägt. So musste Dani unseren Schlaf irgendwann spät in der Nacht durch ein energisches Klopfen an eben jene Tür, verbunden mit den Worten „Keep it down … PLEASE“ retten. Die Wirkung war zwar grandios, doch bereits wenige Stunden später begannen die überall in Key West frei rumlaufenden Hühner den neuen Tag einzuläuten.

Macht nichts, denn wir hatten sowieso vor am Sonnenaufgang zu partizipieren. Auf flinken Füßen begaben wir uns daher gegen 06:20 Uhr gemeinsam mit erstaunlich vielen anderen Touristen zu einem nahegelegenen Pier, von dem aus wir eine hervorragende Sicht auf den noch relativ dunklen Horizont erhaschen konnten. Unterwegs stellten wir überrascht fest, dass der „Southern Most Point“ bereits zu dieser Zeit recht stark belegt war .. bemerkenswert, wie früh das Interesse für diese Sehenswürdigkeit bzw. ein Foto mit ihr beginnt.

Einige Minuten später, gegen 06:40 Uhr, krabbelte die Sonne dann tatsächlich über den Horizont und erzeugte dabei ein faszinierendes Spektakel aus Farben, Wolkenspiel und Reflektionen im Wasser .. definitiv enorm sehenswert und bedingt durch die günstigeren Umweltbedingungen auch abermals begeisternder als der Sonnenuntergang wenige Stunden zuvor.  Wir schossen viele, sehr viele (zu viele) Fotos, während der Strand bereits eifrig geharkt wurde und mehrere Amerikaner um uns herum sich wiederholt versicherten, dass sie so einen Sonnenaufgang noch nie gesehen hatten. Gut, irgendwann war der Tagesbeginn genug zelebriert und so langsam meldeten sich unsere Mägen und berichteten, dass die Speisen des Hard Rock Cafes aufgebraucht waren. Auf dem Weg zurück ins Hotel statteten wir dem nun einsamen Aussichtspunkt in 90 Meilen Entfernung zu Kuba einen weiteren Besuch ab, bevor wir kurz die Kleidung wechselten und dann einen morgendlichen Spaziergang in Richtung Donut-Shop starteten. Bei diesem angekommen, stärkten wir uns bei einer sehr leckeren Kreation aus Schokolade und Teig, bevor wir erneut den Historic Harbor Walk absolvierten – am Morgen sieht der Hafen zwar nicht wesentlich anders, aber deutlich ruhiger aus.

Danach war es auch schon Zeit auszuchecken und so langsam den Rückweg in Richtung Norden anzutreten. Unterwegs stoppten wir noch am Higgs Beach, angeblich einem der schönsten Strände der Insel. Irgendwie konnten wir uns trotzdem nicht dafür begeistern ins Wasser zu springen – primär lag es wahrscheinlich daran, dass selbiges (warum auch immer) relativ aufgewühlt war und daher keine allzu schöne Sicht bot. Wir kletterten also zurück in den Mustang und setzten bei schönstem Wetter, heißer Sonne und seichtem Wind Kurs in Richtung Marathon. Aus dem Radio lief kubanische Musik, der Verkehr rollte, die Palmen am Wegesrand raschelten vernehmlich im Rhythmus des Windes .. ein schöner Moment.

Noch schöner wurde es, als wir kurz nach der Seven Mile Bridge, rund 10km vor Marathon rechts von der US1 abbogen und in den Bahia Honda State Park einfuhren. Hier wären regulär 9USD Eintritt fällig gewesen – diese wären es aber mehr als wert gewesen. Am 11.11.2014 mussten wir keine Gebühr entrichten, da – während in Deutschland wenig begeisternd der Karneval beginnt – in den Vereinigten Staaten der Veterans Day zu Ehren der Kriegshelden zelebriert wird. Wir entrichteten also eine kleine Spende und fanden uns Augenblicke später im Inneren des Parks wieder. Völlig begeistert folgten wir zunächst dem Bridge Trail, der der eigentliche Anlass unseres Parkbesuchs war: Dani wollte einfach nur die alte, bei einem Hurrikan stark beschädigte Eisenbahnbrücke aus den Zeiten von Henry Flagler von unten fotografieren. Diesem Ansinnen kamen wir natürlich nach, bevor wir endlich neugierig an den Strand gingen.

Der Bahia Honda State Park besteht nämlich zu 80% aus einer geschützten Unterwasserlandschaft und ist für seine hervorragenden Schnorchelreviere bekannt. Der Strand ist hier recht schmal, geht aber in eine relativ breite Flachwasserzone mit bester Sicht auf den Grund über. Mutig und ausgerüstet mit Neoprenschuhen, Schnorchel, Taucherbrille und GoPro enterten wir die Fluten. Nach einer kurzen Aklimatisierung (geschätzte Wassertemperatur ca. 24°C) begannen wir mit den ersten Schnorchelübungen. Diese verliefen größtenteils problemlos (bis auf ein paar Milliliter geschlucktes Meerwasser und ein paar im Schnorchel verfangene Haare für Dani) und waren recht vielversprechend. Eigentlich dachten wir die Gewässer am Park nur als einen ersten Test bzw. eine Vorbereitung für das geplante Schwimmen mit den Manatees nutzen zu können, doch nach einigen Minuten des Herumtreibens in der überraschend starken Strömung entdeckten wir einen Fisch nach dem anderen. Nach kurzer Zeit waren wir völlig begeistert: Es gab die unterschiedlichen Fischarten zu sehen (leider kann ich an dieser Stelle nicht mit Namen prahlen), Korallen und auch jede Menge Muscheln ließen sich geduldig und ausgedehnt beobachten. Wir waren mehr als positiv überrascht, wie nah am Strand und in welch geringer Wassertiefe eine derart große Artenvielfalt darauf wartete erkundet zu werden. Bedingt durch die gleißende Sonne und die wenigen Wolken ergab sich eine hervorragende Sicht auf die teilweise sehr neugierigen Meeresbewohner.

Beim zweiten Durchgang (wir ließen uns jeweils von der Strömung ca. 100m treiben, gingen dann in Ufernähe und schlenderten dort zurück an unseren Ausgangspunkt) gelang es Dani sogar einen Stachelrochen von ca. 50cm Durchmesser (nur „Hauptkörper“) zu erspähen, der neben uns recht langsam über den Boden schwamm – extrem beeindruckend! Das wir später auch eine Muscheln entdeckten, die Key West als Symbol gewählt hat, rundete unser Unterwassererlebnis zusätzlich positiv ab. Leider blieben zwei bzw. eigentlich drei negative Erkenntnisse: Zum einen wird das Wasser doch irgendwann recht frisch, was durch den doch relativ kühlen Wind nicht eben besser wird. Zum anderen mussten wir später leider feststellen, dass die GoPro 2 eine (bekannte) Schwäche beim standardmäßigen Schutzgehäuse hat, welche sich durch die gekrümmte Linse in recht unscharfen Unterwasseraufnahmen bemerkbar macht. Hilfreich wäre hier ein Gehäuse mit gerader Linse, wie es optional verfügbar ist .. oder eine GoPro 3 oder 4, die standardmäßig mit gerader Linse im Gehäuse ausgeliefert werden. Der letzte „Negativpunkt“ besteht in unserer eigenen Unachtsamkeit: Beim Schnorcheln (wir waren rund 3h so beschäftigt) ist eine Seite des Körpers gut gekühlt, während die andere der Sonne weitestgehend schutzlos ausgeliefert ist. Entsprechend deutlich heben sich bei Dani nun Hautpartien die unter ihrem Bikini lagen vom Rest der Haut ab 😉 Sieht lustig aus, scheint aber dem Vernehmen nach ein wenig unangenehm zu sein..

Als letztes Highlight des Tages statteten wir Robbie’s Marina auf Islamorada einen kurzen Besuch ab. Dieses kleine Fleckchen ist dafür bekannt, dass man an der Steganlage riesige Tarpune sehen und mittels enorm preisgünstiger Eimer mit kleinen Fischen (18$ pro Stück) auch von Hand füttern kann. Das sieht sehr spektakulär aus, da die Fische sehr gierig bzw. futterneidisch sind und mit teilweise über 1,5m Länge auch beeindruckende Dimensionen erreicht haben. Zwischendurch gelang es uns sogar einen Hai (jedenfalls behauptet Dani das es ein solcher wahr. Leider ist es schon zu spät, um dieses Thema jetzt noch in Gänze zu ergoogeln) zu erspähen .. ziemlich cool.

Der Rest unseres sechsten Tages ist schnell erzählt: Weiterfahrt nach Florida City / Homestead, wo ein wunderbares Motel an einer „kaum befahrenen“, vierspurigen Straße auf uns wartete. Auch unsere Versuche in einem Applebee’s bzw. Chili’s eine warme Mahlzeiten zu erhalten waren eher weniger erfolgreich, da wir (Veterans Day und so) mindestens 30 bzw. 45 Minuten hätten warten müssen. Der wenige Meter von unserer Unterkunft entfernt gelegene Denny’s hat uns letztendlich aber auch durch Abend gebracht, auch wenn das Serviceerlebnis hier nur bedingt optimal war.

So geht Tag 6 zu Ende .. wenn alles gut läuft, sollten wir morgen eine Bootstour durch die Everglades unternehmen, zwei Trails durch die Sümpfe besuchen, das Luxusstädtchen Naples erkunden und vielleicht sogar den Sonnenuntergang in Captiva Beach auf Sanibel Island bewundern dürfen. Es bleibt spannend 🙂